Donnerstag, 15.09.2011

Autor: Theresa Brehm

Gary Shteyngart mit „Super Sad True Love Story“ auf dem Berliner Literaturfestival

„I thought that Russia would become more and more like America, but now it seems that the USA become more and more Russia”, sagt Gary Shteyngart auf der Bühne der Berliner Festspiele. Dabei verzieht er seine Mundwinkel zu einem bübischen Grinsen und erfreut sich am breiten Gekicher der Besucher des 11. Berliner Literaturfestivals. Angesichts des wirtschaftlichen und politischen Wankens der Supermacht USA, wirken solche ironisch zugespitzten Vergleiche eben erleichternd.

„Experte für zerbröselnde Weltmächte“

Wie Shteyngart so da sitzt, in seinem Karohemd, die Füße in trendigen Stoffturnschuhen, hat er tatsächlich etwas jungenhaftes, trotz schütteren Haars und schwarzer Literatenbrille. Vor allem neben Sigrid Löffler, die die Lesung seines neuesten Buches „Super Sad True Love Story“ am siebten Abend des Literaturfestival moderiert und neben ihm wie eine gestrenge Mutter nach literarischen Kategorisierungen für sein Oeuvre sucht. Als „Experte für zerbröselnde Weltmächte“ und als „einen der witzigsten literarischen Autoren der Jetztzeit“ stellt sie ihn vor.

Amerika und Russland sind die literarischen Reibeflächen des Autors, der mit sieben Jahren als Kind russischer Eltern in die USA emigrierte. Die Zerrissenheit zwischen zwei Identitäten und Kulturen hat Shteyngart bereits in seinen letzten Büchern, „Handbuch für russische Debütanten“ und „Snack Daddys abenteuerliche Reise“ in irrwitzige Plots gepackt. Dabei nahm der Autor das individuelle Emigrantenschicksal satirisch unter die Lupe und zeichnete zugleich ein Gesellschaftsgemälde, aufgefangen im Bild von Russland als „Absurdistan“.

Social Media verrät den „Fickfaktor“

In „Super Sad True Love Story“ stellt er nun Amerikas Zukunft dar. Die literarische  Vision fällt mehr als düster aus. Die USA haben sich von Wirtschaftkraft und Werten verabschiedet, sind ökonomisch von China abhängig und ein totalitärer Staat mit einem irren Kriegsminister an der Spitze. Social Media ist zum Überwachungsinstrument geworden, ganz in der Art, wie es in der öffentlichen Debatte vom gläsernen Menschen derzeit prognostiziert wird: Alle persönlichen Daten von der „Bonität“ bis zum „Fickfaktor“ sind jederzeit öffentlich abrufbar.

„Super Sad True Love Story“ spielt damit auf den Film „Love Story“ an und verkehrt seine Botschaft ins Gegenteil. Die Hollywoodschnulze par excellence aus den 70er Jahren, prognostizierte noch die ideale Liebe durch Krankheit und über den Tod hinaus. In der Liebesgeschichte Shteyngarts zwischen den Protagonisten Lenny und Eunice geht es vor allem um Selbstoptimierung und den Wettbewerb der Körper.

Absurditätenanhäufung und Witzwut

„Writing this book lowered my fuckability very much“, offenbart Gary Shteyngart am Ende der Lesung. Es sind diese ironischen, lakonisch hingeworfenen Aussagen, die die Lesungen des Autors amüsant und kurzweilig machen. Mag manchem die Absurditätenanhäufung und die Witzwut in seinen Büchern zu viel des Guten sein, hat der Mann doch enormen Erfolg mit seinem sehr speziellen Stil. Das beweisen wieder einmal die zahlreich erschienenen jungen Besucher auf der Berliner Lesung. Bröselt derzeit auch die Wirtschaftsmacht USA, amerikanische Literatur wird nicht so schnell an Einfluss verlieren. Anders als in Shteyngarts Buch – dort lesen in  Amerika nur noch Freaks in New York und Seattle Bücher.

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Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story.
Rowohlt, Juli 2011
464 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro

Parody in New York. Der überkandidelte Mr. Shteyngart in seinem Element:

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Samstag, 03.09.2011

Autor: Andreas Schröter

Jonathan Evison: Alles über Lulu

Jonathan Evison: »Alles über Lulu«Am Anfang verlieben sich zwei Teenager, Lulu und Will, unsterblich ineinander. Dann fährt Lulu auf einen Cheerleader-Ausflug und will fortan nichts mehr von Will wissen. Soweit der Status quo ungefähr auf Seite 60 in Jonathan Evisons Roman „Alles über Lulu“. Die nächsten 300 Seiten vergehen damit, dass Will versucht, seine Jugendliebe zurückzuerobern. Erst ganz am Ende gibt es die Erklärung für Lulus seltsames Verhalten. Enttäuschenderweise ist es genau die Erklärung, die der Leser bereits die ganze Zeit geahnt hatte.

Trotz dieses etwas simplen und zähen Plots ist „Alles über Lulu“, das im amerikanischen Original bereits 2008 unter dem Titel „All about Lulu“ erschien und ein Riesenerfolg war, aber ein gelungener und unterhaltsamer Roman. Und das liegt vor allem an den charismatischen Figuren. Wir lernen den Bodybuilder Big Will mit dem weichen Herzen genauso kennen und lieben wie den sympathischen russischen Hotdog-Händler Eugene, die unterschiedlichen Zwillinge Ross und Doug, den deprimierten Philosophie-Dozenten Gerard und viele mehr.

„Alles über Lulu“ ist auch ein Buch über Optimismus und darüber, wie man nach Rückschlägen wieder aufsteht – und darüber, dass das Leben oft anders als erwartet oder geplant verläuft, dass man sich davon aber nicht zwangsläufig unterkriegen lassen muss. Wichtig scheint dem 1968 in Kalifornien geborenen Autor das in anderen Zusammenhängen vielleicht etwas angestaubt wirkende Motto „Ohne Fleiß kein Preis“ zu sein, da er es immer wieder zitiert. Trotz dieser möglicherweise typisch amerikanisch eingefäbten Sichtweise, die für deutsche Leser vielleicht etwa zu blauäugig positiv erscheinen mag, ist „Alles über Lulu“ ein lesenswertes Buch – zumal besagte Sicht der Dinge nicht in Dampfhammermanier, sondern eher dezent daherkommt.
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Jonathan Evison: Alles über Lulu.
Kiwi, August 2011.
384 Seiten, Hardcover, 19,99 Euro.

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Samstag, 03.09.2011

Autor: Andreas Schröter

Feridun Zaimoglu: Ruß

Feridun Zaimoglu: »Ruß«Feridun Zaimoglu (46) ist spätestens seit dem Film „Kanak Attack“, der auf eines seiner Bücher zurückgeht, der wohl bekannteste deutsche Autor mit türkischen Wurzeln. Sein neuestes Werk „Ruß“ jedoch kann nur wenig überzeugen.

Als der Mörder seiner Frau aus dem Gefängnis entlassen wird, sieht der Duisburger Kioskbuden-Besitzer Rentz die Möglichkeit der Rache. Er tut sich mit einigen zwielichtigen Gestalten zusammen, die ihm helfen wollen, den Mörder zu töten.

Das klingt nach Krimi – ist es aber nicht. „Ruß“ ist ein zu keiner Zeit glaubhaftes, an den Haaren herbeigezogenes Machwerk, dessen wesentlichstes Merkmal die Langeweile ist.

Und obwohl die Figuren durchaus außergewöhnliche Charaktereigenschaften haben – so isst Rentz nach und nach die Asche seiner getöteten Frau direkt aus der Urne –, bleiben sie seltsam blass und erwachen im Kopf des Lesers niemals zum Leben. Man versteht selten, warum gerade jemand irgendetwas tut oder lässt.

Der Verlag wirbt damit, „Ruß“ sei eine Ruhrpottgeschichte“. Genauso wie die Region befinde sich der Held im Umbruch. Das ist starker Tobak, denn nur weil in einem Buch eine Duisburger Trinkhalle vorkommt, ist es ja noch kein Ruhrgebietsbuch. Die Trinker, die sich allmorgendlich an besagtem Kiosk versammeln, reden nicht so wie Vertreter dieser Spezies es im Ruhrgebiet gemeinhin tun, sondern eher so, wie sich ein Autor, der bisher in Berlin, München und Kiel gelebt hat, das vielleicht vorstellen mag.

Natürlich hat Zaimoglu zur besseren Verkäuflichkeit auch eine kleine Liebesgeschichte in einen Nebenhandlungsstrang gepackt. Sie bleibt genauso verworren und schwer nachvollziehbar wie der Rest der Handlung. Dem Nonsens die Krone auf setzt der Autor aber mit dem Ende.

Doch nicht alle Leser dürften bis dahin durchhalten.
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Feridun Zaimoglu: Ruß.
Kiwi, August 2011.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

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Dienstag, 30.08.2011

Autor: Anja Rauch

Geisterritter!

Cornelia Funke hat wieder einen neuen Coup gelandet. Geisterritter heißt das neue Werk. Eigentlich ein Kinderbuch für 9 bis 12 Jährige. Eigentlich. Ich habe es kürzlich geschenkt bekommen und die 250 Seiten innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Wie man das ja eigentlich immer bei Funkes Büchern macht, denn von „Lesen“ kann da ja keine Rede mehr sein. Odile Endres, die bereits die Tintenherz-Trilogie hier besprochen hat, gibt mir da sicherlich Recht.

Wie immer bei Cornelia Funke, so steht auch beim Geisterritter das Thema Freundschaft im Vordergrund. Freundschaft, Liebe und Zusammenhalten bewahren Jon Whitcroft, den Helden dieser Erzählung, vor dem sicheren Tod. Er wird nämlich von einer Schar blutrünstiger Geister verfolgt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, sein Geschlecht ein für alle Mal auszurotten. Den Grund dafür und alles andere könnt Ihr aber gerne selber nachlesen.

Geisterritter ist eine weitere wunderbare Geschichte, welche auch uns, die das Alter 12 Jahre längst um ein mehrfaches passiert haben, an die wirklich wichtigen Dinge des Lebens erinnert.Der Erzählstil ist wieder einmal mitreißend und fesselnd, weshalb sich Geisterritter hervorragend als Lektüre vorm Zubettgehen nach anstrengenden Arbeitstagen eignet. Übrigens ist es auch für absolute Anti-Horror-Fans wie mich geeignet, Albträume sind also keine Gefahr, auch wenn manche Szenen etwas „spooky“ sind, so zwischen den alten Gemäuern des Jahrtausende alten englischen Salisbury…

Die Krönung des Leseerlebnisses bilden jedoch wahrscheinlich die wunderschönen Illustrationen des österreichischen Künstlers Friedrich Hechelmann. Es ist ein wahrer Genuß, während des Lesens innezuhalten und die Bilder auf einen wirken zu lassen. Natürlich muss man nach dem Fertiglesen des Buches diese alle mindestens noch einmal anschauen.

Glückwunsch also zu dieser Kombination! Ich freue mich auf weitere!

Die Details für Euren Buchhändler:

Geisterreiter
Cornelia Funke
ISBN 978-3791504797
Verlag Cecilie Dressler
Preis:  € 16,95 (die es wirklich mehr als wert sind!)

Gibt es das Buch auch in anderen Sprachen? Aber sicher.

Ein Weihnachtsgeschenk für meine schwedische Nichte habe ich somit nämlich – denn Geisterritter kommt im September auch im Schwedischen heraus. Hoffentlich auch mit allen Hechelmann-Illustrationen!

Dies ist übrigens auch eine Lese-Empfehlung für alle unter uns, die Schwedisch lernen und sich vielleicht an ein schwedisches Buch wagen wollen. Bestellen könnt Ihr es in dem Fall über Adlibris.com, dem größten skandinavischen Online-Buchhändler.

Im Englischen wird es ebenfalls verfügbar sein, auch wenn der Titel bei Amazon.co.uk (Knight and Boy) anders lautet als bei AdLibris.com (Ghost Knight) – aber vielleicht sind es auch verschiedene Titel?

 

 

 

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Dienstag, 23.08.2011

Autor: JosefBordat

Die Ethik des Lichts

Thomas Worm und Claudia Karstedt gelingt eine weitgehend einleuchtende Darstellung der Schattenseiten von Energiesparlampen

Die Licht-Metapher ist eine ganz starke. Licht ist Wärme, Licht ist Leben, Licht ist Erkenntnis. Auf die Sonne als natürliche Lichtquelle wird in vielen Kulturen und Religionen allegorisch Bezug genommen. Längst jedoch reichen deren Strahlen nicht mehr aus. Die 7/24-Gesellschaft, die niemals schläft, ist in weiten Teilen auf künstliches Licht angewiesen. Hier beginnt das Problem, mit dem sich das vorliegende Buch beschäftigt.

Es werde Licht! – Bloß: Wie?

In Lügendes Licht: Die dunklen Seiten der Energiesparlampe stellen die Autoren Thomas Worm und Claudia Karstedt die gute alte Glühbirne und die neue energieeffizientere Kompaktleuchtstofflampe gegeneinander und betrachten dabei die Vor- und Nachteile aus energetischer, aber auch aus ästhetischer, technologischer und medizinischer Sicht. Die Autoren kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Energiesparlampe eine weit schlechtere Umweltbilanz hat als vorgegeben und zudem Risiken und Schwächen im Gebrauch auftreten, die offenbar übersehen wurden, als die betreffende EU-Richtlinie gestaltet wurde, welche die Energiesparlampe in Europa zur Pflicht-Leuchte erhob.

Kalt und ungemütlich, verfälschend und ungesund

Denn deren Licht sei – im Gegensatz zur „warmen“ Glühlampe – „kalt“ und „ungemütlich“. Unser Temperaturempfinden reagiere entsprechend negativ auf die Lichtfarbe der Energiesparlampe und ließe uns deshalb mehr heizen (Wärmeersatz-Effekt). Auch das vermehrte Nutzen von Beleuchtungseinrichtungen, getragen vom guten Gewissen, das die Energiesparlampe vermittelt, wirkt sich ungünstig aus (Rückprall-Effekt). So verschlechtere sich paradoxerweise die Energiebilanz einer Gesellschaft.

Diese steht angesichts der Tatsache, dass die verpflichtende Nutzung sich mit einer allgemeinen Unkenntnis über das Objekt der Verpflichtung paart, vor vielen Fragen und muss nicht zuletzt beim Wohnkomfort, also: hinsichtlich ihrer Lebensqualität, Abstriche machen. Das „Sparlicht“ ist nämlich nicht nur „kalt“ und „ungemütlich“, sondern „lügt“ zudem, weil es Farben anders wiedergibt als das Tageslicht und daher „Lichtdesigner“ auf die Barrikaden gehen.

Nicht nur diese seltene Spezies, wir alle sind schließlich von den gesundheitlichen Effekten der Energiesparlampe betroffen. Das zum Einsatz kommende Quecksilber ist hochgiftig, der blaue Anteil im „Sparlicht“ stört den Biorhythmus. Weiterhin können Kopfschmerzen und Netzhautschäden auftreten. Sogar die Gefahr, an Krebs zu erkranken, soll sich durch die Energiesparlampe erhöhen. Oft steht ein Fragezeichen hinter den Thesen – sie sind umstritten. Die Autoren kritisieren vor allem, dass sie von offiziellen Stellen nicht gebührend ernst genommen wurden und werden.

Weitgehend einleuchtende Darstellung

Thomas Worm und Claudia Karstedt rechnen mit dem „unzulänglichen Imitat“ der Glühbirne ab. Die weitgehend einleuchtende Darstellung, die auch historische und prognostische Bemerkungen zu Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts enthält, missfällt allenfalls in ihrer an einigen Stellen arg polemischen Diktion. Doch auch, wenn man nicht alles in der angebotenen Schärfe nachvollziehen kann, was einem da vorgestellt und vorgerechnet wird und auch, wenn die Autoren ebenso idealisierend und spekulativ gegen die Energiesparlampe argumentieren wie sie dies zu tun (mit umgekehrten Vorzeichen) den Befürwortern des „Sparlichts“ vorwerfen, geben sie mit ihren Einwänden sehr zu denken. Es ist gut, dass mal jemand die Energiesparlampe und die mit ihr verbundenen Prämissen und Hoffnungen auf den Prüfstand stellt. Ein hilfreicher Anhang, viele vertiefende Anmerkungen und ein sorgfältig erstelltes Sachregister tragen dazu bei, dass diese Prüfung auch für Licht-Laien gut verständlich ist.

Bibliographische Daten:

Thomas Worm und Claudia Karstedt: Lügendes Licht: Die dunklen Seiten der Energiesparlampe
Stuttgart: Hirzel (2011)
256 Seiten, € 19,80
ISBN: 9783777621203

Josef Bordat

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Montag, 22.08.2011

Autor: Immo Sennewald

Vom Nutzen und der Qual, dem Theater des BB anzuhängen

Als Leseprobe aus dem dritten Teil meiner Romantrilogie – er hat den Titel "Raketenschirm" – hier eine kleine Zeitreise ins Jahr 1979, in eine seinerzeit für die Ausbildung der "Regieelite" der DDR bestimmte Institution, die sich bei näherem Hinsehen als stasiimprägniertes Kontrollinstrument für DDR-Theater darstellt. Gustav Horbel hat nach allerlei Turbulenzen das vierte Jahr seines Regiestudiums erreicht, fast alles über das Theater Bertolt Brechts gelernt, das Meiste mag er, z.B. den Satz "Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein". Seine Diplominszenierung steht an, nur ein einziges Theater will das Experiment mit einem Diplomanden wagen. Das Stück, das er inszenieren soll, hat den Titel "Söhne des Stahls", verfasst hat es der Nationalpreisträger Claus H. Grandel.

Er konnte die Geschichte hin und her wälzen so oft er wollte – Horbel bekam nicht den Kern zu fassen, aus dem heraus sich dramatische Widerborstigkeiten hätten entwickeln lassen. Die Dialoge der Figuren strotzten vor Nettigkeit oder Pathos, lauter harmlose Angestellte neckten sich gegenseitig oder gingen ernsthaft ihren sozialistischen Geschäften im Stahlwerk nach, als Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets die Langeweile schafft.

Der Konflikt war genaugenommen ein klassisches Dreieck: junge, hübsche Kranführerin wird vom Parteisekretär angebetet, der ist aber verheiratet mit einer so kreuzbraven wie eifersüchtigen Christel von der Post. Eines Tages taucht in der Poststelle ein Brief aus dem Westen an das Kranmädel auf, fällt der Rivalin in die Hände, wird dampfgestrahlt, offenbart ein Geheimnis: das Kranmädel ward einstens adoptiert, die natürlichen Eltern erkundigen sich nach dem seitherigen Ergehen, deuten die Möglichkeit einer Familienzusammenführung Richtung Ruhrgebiet an. Triumphierend hält die Postfrau ihrem Gatten den Schrieb vom Klassenfeind unter die Nase. Der ist natürlich pikiert, sorgt aber ebenso natürlich dafür, dass der Brief die Empfängerin erreicht.

Was aber tut die Bestarbeiterin am Hebezeug? Sie – obwohl der führenden Klasse zugehörig – schwankt! Aber nicht etwa aus politischen Gründen, sondern weil sie beleidigt ist. Der Galan mit Führungsrolle gesteht ihr nämlich neben seiner Liebe auch den Übergriff gegen’s Postgeheimnis; nicht seinetwegen, so die Rede, habe er sich stasiartig verhalten, sondern um die Hoffnungsträgerin am verhängnisvollen Schritt gen Westen zu hindern. Folgt die Gretchenfrage: Soll ich deinetwegen hierbleiben oder für die Planerfüllung im Stahlwerk?

Der Mann ist ein Held und wählt das Stahlwerk nebst Christel, woraufhin Gretchen nach einigem Hin und Her Richtung Duisburg entschwindet. Pause.

Danach wird’s auf nicht weniger erwartbare Weise dramatisch: die Westeltern sind reich, aber mit dem Gemüt einer emanzipierten Heldin der sozialistischen Arbeit inkompatibel. Sie versuchen andauernd, sie standesgemäß zu verheiraten. Das Ostkind büxt aus, trifft einen kernigen Stahlarbeiter, der nach ihrem Geschmack ist, lässt sich von ihm ein Westkind machen. Naja – der Titel ließ etwas Derartiges erwarten. Statt sich nun übers kommende Enkelchen zu freuen, machen die West-groß-eltern der armen Gretel das Leben sauer, weil der Schwiegersohn nicht standesgemäß ist. Die zischt daraufhin gemeinsam mit ihrem Stahlwerker ab Richtung Arbeiter-und-Bauern-Staat. Das sieht nach einem Happyend aus, wird es aber nicht, und genau dafür wurde das Stück 1969 von der Presse gelobt, verfilmt, der Autor bekam einen Nationalpreis, Gustav Horbel von einem Theater im Norden der DDR den Auftrag, es zum 30sten Jahrestag der Staatsgründung wiederzubeleben, obwohl sich die Familienzusammenführerei seit den Helsinki-Verträgen Mitte der 70er Jahre zu einem veritablen Ärgernis für den Staat von Erich & Erich ausgewachsen hatte. Die “Söhne des Stahls” sollten dennoch aufrütteln.

Der Autor nämlich, Claus H. Grandel, wusste den dramatischen Knoten zu schürzen: Die Westeltern setzen im letzten Akt mit Unterstützung einer ebenso bösartigen wie bestechlichen Figur, der Losbudenbesitzerin Edda, ein Gerücht in die heile Welt der Stahlkocher: der Parteiarbeiter, nicht der an der Walzstraße hat das Gretel geschwängert. Der Duisburger Kraftkerl fährt daraufhin in seinem mitgebrachten Manta den Rivalen zum Krüppel. Natürlich kommt alles heraus. Edda beichtet in einem Heulkrampf, der Klassenkämpfer, im Rollstuhl von seiner Christel zum Finale geschoben, nimmt ein gerüttelt Maß Schuld auf sich, der Stahlarbeiter, immer noch zweifelnd an der Liebe der Kindsmutter, verordnet ihr und sich drei Bewährungsjahre, in denen er bei der Nationalen Volksarmee dienen wird „Dat unsa Kind vor Omma, Oppa un Ihresjleischen sischa is!“. Vorhang.

Gustav fragte sich, ob von den Verantwortlichen ernsthaft jemand daran glaubte, irgendeine von Erich & Erich enttäuschte Krantante, Kellnerin oder Verfasserin unveröffentlichter Poesie zöge nach Ansicht einer Vorstellung von „Söhne des Stahls“ anno 1979 ihren Ausreiseantrag zurück. Falls das die Botschaft war, hätte sie schon zur Premiere niemand hören wollen – außer den von Berufs wegen ins Theater Abgeordneten. Tine hatte Recht: Es war Kitsch, es war vielleicht halbwegs erträglich gewesen, wenn man Schauspieler wie sie mit ihrer abgefeimten Naivität und Obentraut mit seinem bulligen Charme hatte. Gustav Horbel würde sie nicht haben. Er musste die Botschaft ändern, ohne die Figuren zu verraten. Das war unmöglich, also begann er, sich an einer akribischen Konzeption abzuarbeiten – vom Bühnenbild über die Dramaturgie bis zu den Vorgängen in jeder einzelnen Szene, Charakteranalysen bis in Nebenrollen hinein. Er wollte, ganz im Sinne des großen Bertolt Brecht, die Geschichte historisieren, verfremden, sie ins „seltsam ferne Jahr 1969“ versetzen und dadurch den Zuschauern das „Dazwischenkommen“ ermöglichen, das Mit- und selber Denken. Und das Denken gehörte ja nach Brecht zu den größten Vergnügungen der Menschheit. Darin folgte Gustav Horbel, der ehemalige Physiker und Regiestudent, gar zu gern BB, dem Lehrer seiner Regielehrer.

Im Herbst legte er dem zuständigen Dozenten das Ergebnis in einem dicken Aktenordner vor. Der nickte überraschenderweise, drückte Gustav das Paket nach drei Tagen wieder in die Hand und sprach: „Na, dann machen’se mal, Horbel. Bin gespannt, was dabei rauskommt.“

Technorati-Markierungen: 1979,Bühne,Bertolt Brecht,gustav horbel,immo sennewald,Leben,Literatur,Regie,Roman,Schauspiel,Theater,Welt | Kommentar schreiben »

Samstag, 20.08.2011

Autor: Andreas Schröter

Richard Powers: Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz

Ricard Powers: »Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz«Ein Foto des Kölner Fotografen August Sander aus dem Jahre 1914 war es, das den amerikanischen Autor Richard Powers („Der Klang der Zeit“, „Das Echo der Erinnerung“) 1985 zu seinem ersten großen Roman inspirierte: „Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz.“ Erst jetzt ist er auf Deutsch erschienen.

Powers, geboren 1957, nimmt das Foto, das drei junge Männer in Anzügen und mit Spazierstöcken auf einer matschigen Landstraße zeigt, zum Anlass für ein jahrhundertumspannendes Gesellschaftsportrait. Dabei arbeitet er mit unterschiedlichen Erzählsträngen, die teils in der Zeit um den Ersten Weltkrieg, teils in den 80er-Jahren, also in der Gegenwart der Roman-Entstehung, spielen. Erst gegen Ende des Buches stellt Powers Verbindungen zwischen den Strängen her: Die Protagonisten der Gegenwart sind zum Teil Nachfahren der drei Männer auf dem Foto.

Eine solche nicht-lineare Roman-Konstruktion macht es dem Leser nicht ganz einfach, und ein gewisses Maß an Konzentration ist erforderlich, um dem 460-Seiten Buch folgen zu können. Als Schmöker für den Strand ist dieser Roman sicher nicht geeignet. Auch neigt Richard Powers dazu, immer wieder langatmige philosophische Betrachtungen zum Beispiel über das Wesen der Fotografie einzustreuen.

Trotz dieser Kritikpunkte ist „Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz“, in dem auch der Autobauer Henry Ford eine wichtige Rolle spielt, weit davon entfernt, ein missratenes Werk zu sein. Die oft humorvollen – natürlich erfundenen – Geschichten der drei Männer auf dem Foto lesen sich durchaus unterhaltsam. Gleiches gilt für jene Textstellen, die sich mit Peter Mays, einem Redakteur bei einer Fachzeitschrift für Elektronik, drehen. Er ist besessen von einer rothaarigen Frau, die er nur einmal von weitem gesehen hat und beginnt gleichzeitig eine Liebschaft mit einer Kellnerin in einem Nobelrestaurant.

Fazit: „Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz“ ist ein Roman mit vielen gelungenen Sequenzen, wirkt in seiner Gesamtheit aber ein wenig überambitioniert und konstruiert.
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Richard Powers: Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz.
S. Fischer, August 2011.
462 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Montag, 15.08.2011

Autor: Immo Sennewald

Prügelnd und singend im Folterknast

“Konterrevolution” ist der Spitzname des Dichters bei seinen Zellengenossen, die Gefängniswärter heißen “Regierung Liu” oder “Regierung Tong”. Diese amtlich ermächtigten Sadisten mit ihren Elektroknüppeln lassen den wegen seiner Proteste gegen das Massaker auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” eingesperrten Liao Yiwu deutlich spüren, dass ihnen ein politischer Gefangener gerade so wenig bedeutet wie ein Krimineller, wenn sie ihre Lust an der Demütigung Gefangener ausleben. Tagelang werden die Hände von Inhaftierten auf den Rücken gebunden, so dass sie beim Essen und Stuhlgang auf andere angewiesen sind, zwei Zellengenossen werden aneinander gefesselt, gegenseitigem Hass und Drangsalen des Überlebens in einer Rotte von Todeskandidaten, Mördern, Dieben, Vergewaltigern ausgeliefert. Zwischen Körperdünsten, Exkrementen, Schmutz, Läusen wird jede Privatheit zerstört, eine Hierarchie der Verbrecher bildet sich und nimmt den Wärtern die Arbeit ab. Nur wenn die Prügel- und Foltergeräusche im staatlichen Vollzug allzu auffällig werden, greifen sie mit dem Elektroknüppel ein.

Es gibt eine “Speisekarte” der Folterpraxis von Häftlingen untereinander, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: “Bärentatzen-Tofu” und “beidseitig in Öl bräunen” etwa, also heftige und anhaltende Schläge mit der flachen Hand auf Brust und Rücken können tödlich sein; “Rachengeschnetzeltes, weich” bedeutet das Einschlagen des Kehlkopfs mit der Handkante. Liao Yiwu überlebt, weil er sich nach Kräften wehrt, prügelt, seinen Starrsinn mit wochenlangen Fesselungen büßt, er ist dem Selbstmord nah, aber er gewinnt auch den Respekt der anderen Strafgefangenen, und selbst in dieser Hölle gibt es Momente der Menschlichkeit, der Hilfsbereitschaft. Es gibt sogar eine eigene Art von Humor in Todesnähe, auf dem Höhepunkt inszenieren die Häftlinge eine Totenfeier für einen der Ihren als Staatsakt nach dem Vorbild der Bestattung von Mao Zedong.

Schlimmer noch als die Brutalitäten im Knast sind sadistische Schreibtischtäter. Der Politkommissar Huang brüstet sich im Vollgefühl seiner von Staat und Partei übertragenen Macht über einen Häftling in der Isolation: “Die ersten beiden Jahre bin ich noch zu ihm in seine Höhle hinabgestiegen, er war bockig und hat keinen Ton gesagt, aber als der dritte Frühling vor der Tür stand, ist er auf allen vieren herumgekrochen, hat Kotau gemacht und um Vergebung gefleht. Der Kerl war fünf Jahre und sieben Monate in diesem Loch, er war ein lebendiges Gespenst und auf beiden Augen blind. Am Ende ergriff er die Gelegenheit, klammerte sich durch das Gitter an meine Beine und hat nicht mehr losgelassen. Aus humanitären Gründen habe ich ihm dann erlaubt, von den Toten aufzuerstehen und in das Licht der Sonne zurückzukehren.”

Die Lust daran, den Stolz, die Selbständigkeit, die Fähigkeit zum Widerstand zu brechen geht mit der Macht in hierarchischen Systemen einher – wer sich davon überzeugen möchte, muss auch hierzulande nicht lange suchen. Aber es gehört leider zum perfekt funktionierenden Verdrängungsgeschehen des Einzelnen wie der Gesellschaft, Opfern gewaltsamer Übergriffe eine Mitschuld zuzurechnen. Deshalb war Liao Yiwu im wirtschaftlich hemmungslos wachsenden China sehr einsam. Und deshalb wird auch hierzulande die Rettung der deutschen Wirtschaftsinteressen für Politik, Medien und eine selbstgefällig über deutsche Probleme schwadronierende Tischgesellschaft im Chinarestaurant wichtiger sein, als was den Deutschen eigentlich jeden Tag in den Ohren klingen müsste: Die Würde des Menschen ist unteilbar. Demokratie wird hierzulande nicht dauern, wenn wir den Preis ignorieren, der anderenorts auf dieser Welt für unseren Wohlstand gezahlt wird.
Das Radiofeature über Liao Yiwu und sein Buch ist zum Hören und Download auf SWR 2 seit 16.12.2011 bereit.

Liao Yiwu “Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen” Übersetzt von Hans Peter Hoffmann, S.Fischer Verlag, Hardcover 580 Seiten, 24,95 €

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Sonntag, 14.08.2011

Autor: Andreas Schröter

Caryl Phillips: Jener Tag im Winter

Caryl Phillips: »Jener Tag im Winter«Nach der Lektüre von Caryl Phillips‘ „Jener Tag im Winter“ bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Das Hauptproblem dieses Buches: Es hat keinen Kern.

Der Roman des 1958 in der Karibik geborenen Engländers – und aktuellen Yale-Professors – zerfällt in zwei gleichberechtigt nebeneinanderstehende Themenkomplexe, die kaum Berührungspunkte haben: die Midlife-Crisis des Mittvierziges Keith und die Probleme seines Vaters Earl, als er Mitte des vorigen Jahrhunderts – als Schwarzer – aus der Karibik nach England kommt, um dort Geld zu verdienen. Auf diese zweite Thematik deutet zunächst nichts hin – auch der Klappentext nicht.

Keith, der seit drei Jahren von Frau und Sohn getrennt lebt, beendet die Affäre mit einer Arbeitskollegin. Die rächt sich, indem sie den gesamten E-Mail-Verkehr der beiden an alle Kollegen weiterleitet. Keith wird beurlaubt und hat plötzlich viel Zeit, einer polnischen Einwanderin nachzustellen. Weil sein pubertierender Sohn Schwierigkeiten macht, hat er auch immer wieder Kontakt zu seiner Frau. Bis hierher ist „Jener Tag im Winter“ psychologisch glaubwürdig und mitreißend geschrieben. Doch dann, nach etwa zwei Dritteln des gesamten Textes ändert das Buch plötzlich sein Thema. Vater Earl erzählt in einem zig-Seiten-langen Monolog von den Schwierigkeiten nach seiner Einwanderung in England. Das ist über eine so lange Strecke hinweg ermüdend, weil der Text den grammatisch oft falschen Unterklassen-Slang des Vaters nachzuarmen versucht. Man wartet als Leser vergeblich darauf, dass es endlich mit Keith‘ Frauen-Problemen weitergeht. Letztlich vergeblich.

Caryl Phillips zählt zu den wichtigsten britischen Schriftstellern seiner Generation und wurde mit dem Commonwealth-Writers Price ausgezeichnet. Einige seiner Werke sind auch ins Deutsche übersetzt worden. Fuß fassen konnte er hier bislang jedoch noch nicht.
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Caryl Phillips: Jener Tag im Winter.
DVA, Mai 2011.
362 Seiten, Hardcover, 21,99 Euro.

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Freitag, 12.08.2011

Autor: Anja Rauch

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Dieses Buch kostenlos bei Audible herunterladen.

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Ein langer Titel für ein äußerst kurzweiliges Buch. Auch im Schwedischen übrigens.

Autor Jonas Jonasson


Jonas Jonasson hat mit seinem Erstlingswerk eine der besten und unterhaltsamsten Erzählungen geschrieben, die mir bislang unter gekommen ist.

Der Hundertjährige erschien im September 2009 im Hardcover, die schwedischen Bestseller-Listen hat er jedoch erst seit dem Sommer 2010 als Taschenbuch erobert, wo er sich bis heute, ein Jahr später, hartnäckig hält.

Das passt irgendwie zu Hauptcharakter Allan Karlsson, dem Hunderjährigen, der sich vom Leben damals wie heute nicht unterkriegen lässt.

Viel zum Inhalt will ich eigentlich nicht erzählen, denn dann würde ich Euch den Lesespaß nehmen. Nur so viel.

An Allans 100sten Geburtstag, dem denkwürdigen Datum des 2. Mai 2005, ist eigentlich alles arrangiert. Große Feier im Altersheim, der Kommunalrat soll kommen, und sogar die sonst so strenge Pflegerin Alice scheint ein klein wenig milder gestimmt zu sein. Bloß Allan passt dies alles überhaupt nicht. Das Leben im Altersheim schon mal gar nicht. Und so beschließt er, sich einen Ausflug zu gönnen, ohne wirklich etwas mitzunehmen, und ohne zu wissen, wo er eigentlich hin soll, denn Verwandte hat er keine. Fluchtweg ist das Fenster, in Hausschlappen. Ein Weg durch die Tür wäre ja unter anderem wegen Schwester Alice nicht möglich… Die Busstation in Malmköping ist also der nächste Halt, und von da aus geht es in Richtung Strängnäs. Wer schon einmal in dieser Gegend war (westlich von Stockholm), der weiß, dass dort wirklich der Hund begraben ist. Eigentlich. In dieser Story zumindest bis Allan dort auftaucht, und alles Weitere in der Geschichte seinen Lauf nimmt.

Im Buch gibt es zwei Handlungsstränge, die anfangs dem Leser „entknotet“ werden. Eigentlich sind es drei, aber das lest Ihr dann ja selber. Ich nenne es „entknotet“, denn die ersten 20 -30 Seiten muss man sich ein bisschen konzentrieren, um die Zusammenhänge für den Ausgang der weiteren Geschichte zu erfassen. Danach aber will (und kann!) man das Buch einfach nicht mehr weglegen. Versprochen.

Ein Handlungsstrang des Buches ist die Lebensgeschichte von Allan, die er als junger Sprengmeister beginnt. Mit Dynamit und ähnlichem hat Allan also so seine Erfahrungen. Ganz unterschiedlicher Art, wie Ihr sehen werdet. Nur so viel – die Fertigkeit damit umgehen zu können, ist verantwortlich dafür, dass er seine (eigentlich ungewollte) Weltreise antritt. Seine Kenntnisse machen ihn unter anderem zum gefragten Mann bei den verschiedenen Machthabern dieser Zeit, was dazu führt, dass wir ganz nebenbei ein paar unglaubliche, neue Details über u. a. Truman, Churchill, Mao und sogar Kim Il Sung erfahren. Iranische Gefängnisse hatten übrigens auch vor rund 50 Jahren bereits die gleiche willkommen heißende Atmosphäre wie heute.

Die zweite Handlung spielt in der Gegenwart, und startet mit Allans Flucht aus dem Altersheim. Ein Alter wie er fährt natürlich nicht einfach nur mal eben die paar Kilometer nach Strängnäs und das wars. Zigaretten holen oder so. Nein. Sich potentiell wieder einfangen lassen von der Polizei? Schon mal gar nicht. Irgendwie in eine unglaublich komplizierte Verwicklung mit Kleinkriminellen zu geraten, bei der es um Drogen geht und sogar Mord? Schon eher.

Jonas Jonasson versteht es meisterlich, die Handlungsstränge des Buches zusammen zu führen, wobei das Tempo zum Schluss so atemberaubend wird, dass man sich wünscht, schneller lesen zu können.

Und am Ende des Buches wissen wir alle, dass das wahre Leben eigentlich erst beginnt, wenn man alt ist, am besten wird es nach dem 100. Geburtstag. Strengt Euch also an, dass Ihr auch so alt werdet!

Dieses Buch hat Jonassson übrigens seinem Großvater gewidmet, der ihn als Kind mit unglaublichen Geschichten begeistert hat. Wobei der kleine Jonas oft fragte „Ist das wirklich wahr?“ Und der Opa antwortete „Jemandem, der immer nur die Wahrheit sagt, ist es nicht wert zuzuhören.“ So steht es in der Widmung des Buches. Jonassons Erzählung entspricht perfekt diesem Scenario. Aber wie gesagt, lest es selbst.

Für mich war der Hundertjährige meine Sommerlektüre 2010. Es ist eines der Bücher, für die ich mir innig gewünscht habe, dass einer der deutschen Verlage die Rechte kauft, und es übersetzt wird, so dass auch meine deutschen Freunde und Familie dies lesen können. Und so ist es nun am 1. September endlich soweit! In knapp 3 Wochen wird es auf dem deutschen Markt erhältlich sein.

In Schweden ist man bereits einen Schritt weiter, denn der Hundertjährige wird sowohl Film als auch TV-Serie. Ich bin sehr gespannt, wie sie dies umsetzen werden, denn es ist eine echte Herausforderung, die vielen witzigen, kleinen Details der Geschichte so wiederzugeben.

Die deutsche Fassung des Buches von Wibke Kuhn, die übrigens auch Stieg Larssons Millenium Trilogie übersetzt hat, scheint jedenfalls sehr in Ordnung zu sein und diese kleinen, aber sprachlich äußerst wichtigen Dinge, sowie Jonassons Stil sehr gut zu erfassen.

Ich selber habe nur das schwedische Original gelesen, nicht die komplette deutsche Übersetzung, sondern nur eine Leseprobe. 

Klappe der deutschen Ausgabe

Erschienen ist der Hundertjährige im Random House’s brandneuen Ableger Carl’s Books, hier die Details:

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Jonas Jonasson
ISBN: 978-3-570-58501-6
Preis: € 14,99

Ein paar meiner Weihnachtsgeschenke sind jedenfalls gesichert, so viel weiß ich jetzt schon.

 

Falls jemand von Euch Interesse an schwedischen Informationen zum Hundertjährigen hat, hier ist der Link zu Piratförlaget AB .

 

***Dieses Buch kostenlos bei Audible herunterladen.

Dienstag, 02.08.2011

Autor: Immo Sennewald

Mit den Klassikern im Bett

Klatsch und Tratsch sind ein soziales Hintergrundgeräusch, dessen Einfluss gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Den Beweis liefern weniger die Auflagenstärken einschlägiger Periodika, als vielmehr wissenschaftliche Untersuchungen. Schon zu Zeiten Henry Fords wiesen sie z.B. nach, dass arbeitende Frauen sehr viel Zeit mit derlei Kommunikation vertun. Als Manager Maßnahmen trafen, Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz zu verhindern, ging die Produktivität in den Keller. Birgit Althans hat 2000 auf unterhaltsame Art untersucht wie “Der Klatsch, die Frauen und das Sprechen bei der Arbeit” zusammenhängen. Natürlich fing alles dort an, wo mit namensgebendem Geräusch Wäsche auf Wasser bzw. Steine traf und allerlei Flecken den sozialpolitischen Diskurs an der weiblichen Basis in Gang setzten. Für Freunde der Statistik böte sich an herauszufinden, wer an schmutziger Wäsche mehr verdient: “Gala”, “Bunte”, “Neue Revue” etc. (nach Verlagen aufgeschlüsselt, nach Gendergesichtspunkten …) oder die Waschmittelindustrie.

 

Wer Lust auf einen intelligenten, mit Witz, Ironie und gehörigem Rechercheeifer verfassten Überblick über allerlei Skandale und Skandälchen im Weimar der Goethezeit hat, dem sei empfohlen, Andrea Schütte-Bubenik auf ihre Reise dorthin zu folgen. Sie hat “Unerhörtes” aus Briefen und Tagebüchern von Zeitgenossinnen – weniger von Zeitgenossen – aufgelesen, sortiert in lauter kleine Theaterstückchen, lässt darinnen Schiller, Goethe, Herder, Wieland, adlige und bürgerliche Komparserie als Marionetten an ihren Erzählfäden tanzen. Vor jedem Dramolett werden die Puppen neu kostümiert, sie treten in wechselnden Kulissen auf und ab. So sehen wir sie, sich wechselseitig kommentierend, Allotria treiben, das kreiselt wie immer beim Klatsch ums “Wer mit Wem”, um ungebärdige Kinder, Eifersucht, Fauxpas, Un- und Glücksfälle des Alltags.

Die entscheidenden Beiträge liefern – wer sonst – die Frauen: Charlotte von Stein, Mutter und Tochter Schopenhauer, Bettina von Arnim, die Droste, Ottilie von Goethe, Sophie von La Roche, Karoline Herder – um nur wenige Namen zu nennen. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, hecheln durch, zerreißen sich die Mäuler, lassen keinen guten Faden an Rivalinnen: das ganze Klatschrepertoire wird beherrscht. Das Beste aber an Schütte-Bubeniks Bühne: Sie dreht auch die medizinischen bzw. homöopathischen und naturwissenschaftlichen Schauplätze zur Rampe, Kirchen und Luftschiffe tauchen auf, eher die kleine als die große Politik.

Das Buch habe ich nicht am Stück gelesen, sondern mit wiederkehrendem Vergnügen über fast zwei Jahre; Autorin und Verlag werden mir nachsehen, dass keine “zeitnahe” Rezension entstand, dafür aber eine ungeteilte Empfehlung.

Andrea Schütte-Bubenik “Eine unerhörte Reise in die Goethezeit: Handbuch für Kulturverdrossene” Verlag Königshausen und Neumann 2009, 244 Seiten, 19,80 €

Donnerstag, 28.07.2011

Autor: Andreas Schröter

Laurent Seksik: „Vorgefühl der nahen Nacht“

Laurent Seksik: »Vorgefühl der nahen Nacht«Der Roman „Vorgefühl der nahen Nacht“ des französischen Autors Laurent Seksik, geboren 1962, befasst sich mit den letzten Tagen Stefan Zweigs und seiner Frau Lotte 1941/42 im brasilianischen Exil. Bücher wie dieses, die vorgeben, in die Gedankenwelten real existierender Personen einzutauchen, sind natürlich immer leicht anmaßend. Denn wie will ein Autor von heute trotz noch so guter Recherche wissen, was Stefan Zweig damals wirklich gedacht hat?

Schiebt man diese Grundüberlegung aber etwas beiseite, bleibt ein informatives Büchlein über das Ende eines der erfolgreichsten Schriftstellers seiner Generation und eines der dunkelsten Kapitel der Literaturgeschichte: das Leben und Schreiben im Exil solcher geistigen Größen wie Thomas Mann, Bertolt Brecht Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger und vieler anderer, die damals vor den Nazis fliehen mussten.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass Seksik nicht in eine bloße Huldigung Stefan Zweigs verfällt, sondern auch dessen Egoismus durchscheinen lässt. Der führt immerhin dazu, dass Zweig nach dem Vorbild Heinrich von Kleists seine um 30 Jahre jüngere Ehefrau Lotte mit in den Tod reißt, die dem Schriftsteller bedingungslos verfallen ist. Schön kommt der Gegensatz von einer lebensbejahenden Welt in Brasilien und den schwarzen Gedanken Zweigs heraus, aus denen es schließlich kein Entrinnen mehr gibt. Auch der legendäre Karneval in Rio, den das Paar kurz vor dem Doppelselbstmord besucht, vermag den 60-Jährigen nicht aus seinen Depressionen zu reißen.

Man fragt sich nach der Lektüre, ob nicht auch ein Leben ohne Nazis und Krieg für Stefan Zweig unweigerlich zu diesem Ende geführt hätte. Denn so schlecht ging es ihm in Brasilien äußerlich gar nicht. Er hatte genug Geld, ein Haus, eine attraktive Ehefrau, die in liebte, Freunde, eine Haushälterin, einen Verleger und ein sonnenüberflutetes Gastland, dessen Bewohner ihn verehrten. Kein Grund eigentlich Selbstmord zu begehen, wenn da nicht noch weit tiefere seelische Störungen vorliegen, die einer fachkundigen ärztlichen Behandlung bedurft hätten. Mit den – zugegeben katastrophalen, aber letztlich für Zweig doch fernen – Zuständen in Europa lässt sich eine solche Handlungsweise kaum rechtfertigen.

„Vorgefühl der nahen Nacht“ lebt nicht von der Spannung – das Ende steht schließlich schon zu Beginn fest -, sondern von den interessanten Informationen, die der Leser über den letzten Lebensabschnitt Stefan Zweigs erhält. Somit rückt dieser Roman – und das unterstützt Seksik durch eine leicht unterkühlt-distanzierte Schreibe – fast in die Nähe eines Sachbuchs. Empfehlenswert für alle, die sich für das Thema Exilliteratur interessieren.
————————————
Laurent Seksik: Vorgefühl der nahen Nacht.
Blessing, Mai 2011.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,95 Euro.

Montag, 25.07.2011

Autor: Immo Sennewald

Streiten um die Zukunft: Mit Denkern

Es hat sie einmal gegeben: Fernsehsendungen, die nicht an der Tagesaktualität klebten, die nicht “auf der Aufmerksamkeitswelle surften”, sondern weit ausgreifend Inhalte unterschiedlichster Bereiche von Kunst und Wissenschaft für das Publikum aufbereiteten: zu Hauptsendezeiten.

Es hat einmal Sendungen gegeben, in denen nicht farblose Moderatoren und immer dieselben Talkshownasen wiederkäuten, was auf allen Kanälen zu hören ist. Es waren Sendungen, die vom Erfahrungshintergrund und der Persönlichkeit ihrer Autoren lebten. Sie argumentierten wirklich sachkundig, kontrovers zur Politik, zum Mainstream, sie hatten es nicht nötig ewiggleichen Sozialritualen, einer Dramaturgie konfrontativen Schubladendenkens zu folgen. Das ist lange her. Und es ist schön, dass der Wissenschaftsjournalist Wolfram Huncke mit einem Buch an Heinz Haber und Robert Jungk erinnert. Einige ihrer Streitgespräche über Zukunftsfragen aus den 80er Jahren hat er angeregt, mitgeschnitten, veröffentlicht. Sie werden dem Titel des Buches gerecht.

Haber, Physiker, Astronom, “Fernsehprofessor” der 60er Jahre (“Unser Blauer Planet”) und Jungk, Philosoph und Psychologe, Emigrant, Gründer des “Instituts für Zukunftsfragen” sind beide im Mai 1913 geboren, ganze vier Tage trennen sie – doch waren ihre Biographien höchst verschieden. Ebenso verschieden sind ihre wissenschaftlichen Standpunkte, aber bei aller Kontroverse verbindet sie eine tiefe Freundschaft, beginnend mit einer Begegnung 1949 in den USA, wo der eine als Astrophysiker, der andere als Journalist tätig ist. Haber hält Vorlesungen mit dem Titel “Unser Freund, das Atom”, daraus werden Bücher und eine Fernsehserie, Jungk beschäftigen die Menschen, die Atombomben oder –reaktoren bauen, frühzeitig warnt er vor Gefahren bei der Energieerzeugung, vor den politischen Risiken nuklearer Rüstung.

Die Gespräche zwischen beiden sind lesenswert, weil sie Konfliktkultur beweisen: Freunde streiten – sehr ernsthaft, sehr engagiert, mit großer Sachkenntnis. Aus diesen Gesprächen könnten alle lernen, die heute “gegen Kernenergie” mobilmachen ohne simpelstes physikalisches Grundwissen, dass nämlich Sonnenenergie Kernenergie ist, dass unter der dünnen Haut der Erdkruste gewaltige Nuklearkräfte unseren Planeten am Leben erhalten, dass Radioaktivität ein Grundbestandteil unserer Welt ist, und dass die Frage ihrer technischen Nutzung – wie bei jeder Technologie – eine Frage nach menschlicher Verantwortung, also nach Fehler- und Konfliktkultur ist.

Das Buch schreitet viele Technikfelder ab, nicht nur das der Energieerzeugung. Frisch und lesenswert wirkt es, weil eben viele Fragen bis heute offen sind, die Gedanken der beiden Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts immer noch zur Vertiefung anregen. Es gibt am Ende eine Passage zum Thema deutsche Fernsehanstalten, in der beide ausnahmsweise einmal einig sind – auch der Rezensent muss dem nichts hinzufügen:

Haber: “… heute ist ein verwalteter bürokratischer Apparat mit verhärteten Strukturen anzutreffen. Und: Den meisten fällt nichts Neues mehr ein.”

Jungk: “Nicht nur verhärtet, die Arbeit ist auch durch die Angst geprägt, etwas anderes zu machen als das, was vorgeschrieben ist. … Die Stelleninhaber werden wahnsinnig vorsichtig, die Kreativität erlischt schließlich.”

Haber: “ Mehr noch: Die persönliche Verantwortung verrottet, weil der einzelne nicht mehr zu seinen Entscheidungen und Handlungen zu stehen braucht. Das System trägt schließlich alles. die Mitarbeiter versuchen, im System nicht aufzufallen, und dann kann ihnen persönlich nichts passieren.”

Jungk: “Nur geht auf diese Weise das ganze System irgendwann vor die Hunde. …”

Und damit haben sie den Finger in die Wunde der organisierten Verantwortungslosigkeit gelegt. Solange ökonomische Abhängigkeiten Angestellte in Hierarchien erpressbar machen, so lange Strukturen auf ihre Austauschbarkeit zielen, so lange werden Rückversicherungsverhalten, Intransparenz,  mangelnde Konfliktkultur nicht nur Fernsehanstalten, sondern jedes Unternehmen scheitern lassen. Und genau darum sind Kernkraftwerke heute bedrohlich. Nuklearforschung und Nukleartechnik verlangen das Gegenteil von organisierter Verantwortungslosigkeit – das ist übrigens auch ziemlich genau das Gegenteil des “real existierenden Sozialismus“

Wolfram Huncke (Hrsg.)

Gestern ist heute – Heinz Haber und Robert Jungk im Disput um die Zukunft

Hirzel Stuttgart 2011, 120 Seiten, 19,90 €

Sonntag, 17.07.2011

Autor: JosefBordat

Erderwärmung

Der Sammelband „Global Warming“ von Philipp Wolf und Dietmar Herdt leistet die facettenreiche Analyse eines Phänomens

Dem Klimawandel – so man ihn nicht vollends leugnet – kann man sich auf unterschiedlichen Wegen nähern. Man kann nach dem Anteil des Menschen fragen (und dann nach dessen Verantwortung), man kann technische Lösungen diskutieren, den Blick auf alternative Formen der Energiegewinnung (oder gleich der ganzen „Wirtschaft“) lenken, politische Maßnahmen entwerfen oder sich der mit dem Schlagwort verbundenen Stereotype und Aporien widmen. Der Sammelband Global Warming, herausgegeben von Philipp Wolf und Dietmar Herdt, dokumentiert die Erträge des 5. Oswald-von Nell-Breuning-Symposiums in Rödermark. Er enthält Beiträge zu naturwissenschaftlich-technologischen Fragen des Klimawandels sowie den daraus erwachsenen ethischen, politischen und medialen Perspektiven. Zugleich hinterfragen einige Beiträge aber auch kritisch die Konzeptionierung des Klimawandels als „Megatrend“ und dessen soziale Implikationen, der „Konditionierung“ (Hans von Storch) und „Dramatisierung“ (Peter Weingart). Der Band ruft dabei zu gesundem Realismus auf, jenseits von Ignoranz und Hysterie. Weder sei es richtig, in Panik zu fallen und alles dem neuen Paradigma unterzuordnen, noch sei es gut, vor dem Klimawandel und seinen Folgen die Augen zu verschließen.

Bei den fünf naturwissenschaftlich-technischen Beiträge wird Wert auf Differenzierung gelegt. Volker Mosbrugger und Arne Micheels stellen zu Beginn die entscheidende Fragen nach dem Einfluss des Menschen auf das Klima. Zwar sei der Klimawandel teilweise einer natürlichen Dynamik geschuldet und die Veränderungsprozesse seien zudem von höchster Komplexität, so dass mit Modellrechnungen vorsichtig umzugehen sei, doch daran, dass unserer Verhalten einen Anteil an der Erderwärmung hat, sollte Mosbrugger/Micheels zufolge nicht gezweifelt werden. Auch nicht, dass der Klimawandel massive Probleme mit sich führt. Die Autoren benennen sie (Temperaturerhöhung, Umweltveränderung, Artensterben), und begründen Klimaschutzmaßnahmen auch aus volkswirtschaftlichen Gründen: der Preis, den wir für Vermeidung bzw. Anpassung an die neuen Gegebenheiten zahlen müssen, steigt von Jahr zu Jahr. Will man die hohen zukünftigen Kosten einsparen, muss man jetzt richtig investieren. Deutlich kritischer als Mosbrugger/Micheels äußert sich Hans von Stroch in seinem Beitrag, in dem er die These von anthropogenen Klimawandel auf den Prüfstand stellt. Er wirbt zwar nicht für eine Klimaskepsis, die dazu neigt, die Hände in den Schoß zu legen, doch lehnt er eine Sonderrolle des Klimas im politischen Diskurs ab. Allein durch ohnehin sinnvolle Modernisierung (etwa im Bauwesen) sei dem Problem hinreichend begegnet. In einer Studie über die chemische Industrie zeigt Jörg Rothermel anschließend, dass deren Rolle im Kontext des Klimaschutzes weit positiver ist als angenommen. Dem von Mosbrugger/Micheels angesprochenen Thema „Artensterben“ widmet sich Hubert Weiger. Besonders durch die Geschwindigkeit der Klimaänderung seien viele Arten in ihrem Bestand bedroht, vor allem auch in den Alpen. Klimaschutz sei daher unumgänglich, dürfe aber (finanziell) nicht zu Lasten des Naturschutzes gehen. Den ersten Teil beschließt Franz Alt mit einem Plädoyer für Solarenergie.

Im zweiten Teil gehen die ebenfalls fünf Aufsätze auf die praktischen, im Wesentlichen moralischen und politischen Fragen ein, die sich aus dem Befund des ersten Teils ergeben. Klimawandel wird hier zur Frage der „Gerechtigkeit“ (Lukas H. Meyer) bzw. der „Verantwortung“ (Josef Schuster). Während Meyer sich für ein System der distributiven Gerechtigkeit im Nord-Süd-Konflikt um Emissionsrechte ausspricht, plädiert Schuster – ausgehend von einem weiten Verantwortungsbegriff, der auch die nicht-humane Natur berücksichtigt – für eine „Tugend der Bescheidung“. Zu diesen eher abstrakten moraltheoretischen Näherungen stellt Felix Ekardt einen konkreten 10-Punkte-Plan für den Klimaschutz, der beim globalen Handel mit individuell verbindlichen Emissionsrechten ansetzt, dabei aber über ökonomisch-zweckrationale Nützlichkeitserwägungen hinausgeht und stattdessen vom Gedanken der „Freiheit“ getragen ist, die durch den Klimawandel bedroht werde. Zwei hochinteressante Analysen beschließen den Band: Peter Weingart betrachtet die öffentliche Rezeption wissenschaftlicher Ergebnisse nach deren medialer Verarbeitung. Er zeigt, dass es skeptische Forscher schwer haben, Gehör zu finden, da die Medien im Wesentlichen eine Art „Katastrophenkommunikation“ pflegen. Andererseits verweist er darauf, wie fatal stabilisierend sich Unglaubwürdigkeit durch Übertreibung auf das Problem selbst auswirkt, da die Handlungsbereitschaft sinkt, d. h. die Motivation, dem Problem durch schmerzliche Verhaltensänderung wirksam zu begegnen. Also: Je dramatischer die Folgen beschrieben werden, desto weniger werden sie ernst genommen, mit der Folge, dass sie am Ende tatsächlich so eintreffen. Harald Welzer führt uns die politischen und sozialen Dimensionen dieser Konsequenzen vor Augen: Migration und Revolution, Gewalt und Krieg. Angesichts der Breite der Problempalette mahnt er zu einer holistischen Lösung: Nur eine kulturelle Neubesinnung mit veränderten Verbrauchs- und Mobilitätskonzepten kann uns vor dem Schlimmsten bewahren.

Philipp Wolf und Dietmar Herdt von der Nell-Breuning-Schule Rödermark geben mit ihrem Sammelband Global Warming einen Überblick über unterschiedliche Facetten des Klimadiskurses, wie er in verschiedenen Disziplinen derzeit geführt wird. Interessante Ideen und eine weitgehend angenehme Diktion machen die Beiträge sowohl für den Diskursinsider als auch den interessierten Beobachter gut lesbar. Formal bewegt sich der Band jedoch nur knapp oberhalb des Minimums an Aufwand, also unterhalb dessen, was Fachpublikationen bieten sollten. So fehlen etwa die üblichen Indizes und übergreifende Verzeichnisse, die wissenschaftlichen Apparate – so sie überhaupt vorhanden sind – fallen durch erhebliche Uneinheitlichkeit negativ auf, und auch über die Autoren erfährt man recht wenig. Schade.

Bibliographische Daten:

Philipp Wolf / Dietmar Herdt (Hg.): Global Warming. Ethische und technologische Perspektiven des Klimawandels
Leipzig: Leipziger Universitätsverlag (2009)
156 Seiten, 24,00 Euro
ISBN-13: 978-3865834270

Josef Bordat

Mittwoch, 13.07.2011

Autor: JosefBordat

Alles Bio, oder was?

Ludger Honnefelder entwickelt eine philosophische Grundlegung des Lebens-, Natur- und Umweltschutzes

Die Bestimmung des Verhältnisses des Menschen zu seiner Natur und zu der Natur, die ihn umgibt, zählt zu den wesentlichen Orientierungsaufgaben, denen sich sowohl die Wissenschaft als auch das strukturierte Nachdenken widmen. Ob Fragen der Biotechnologie oder des Klimaschutzes, Themen der Umweltgesetzgebung oder alternativer Heilmethoden, immer wieder geht es einerseits um die menschliche Natur und andererseits um die Natur, die den Menschen umgibt, die er jedoch beide gleichermaßen gestaltet, so dass die Abgrenzung zur anthropogenen Kultur uneindeutig ist und mit wachsendem Fortschritt in Naturwissenschaft und Technik immer mehr verschwimmt. Der Philosoph und Theologe Ludger Honnefelder unternimmt vor diesem Hintergrund den Versuch, den Naturbegriff in seinen Ausprägungen zu erfassen. Er liefert damit wertvolle Einsichten zur Bestimmung dessen, worüber in den vielfältigen Diskursen – oft wie selbstverständlich – gesprochen wird und stellt die entscheidende Frage der normativen Bio- und Umweltethik: „Welche Natur sollen wir schützen?“

Honnefelder übernimmt dazu die Einteilung der Natur in „menschliche Natur“ und „natürliche Umwelt“. Damit unterstreicht er den Umstand, dass wir einerseits über die uns äußerliche Natur verfügen, dass wir andererseits selbst Teil dieser Natur sind und bleiben – allen Versuchen zum Trotz, uns ihrer Gegebenheit wissenschaftlich-technisch zu entziehen. Weil wir so eng mit der Natur verbunden sind, ist ihr Schutz eine der wichtigsten Aufgaben des Menschen. Doch was bedeutet das? Zunächst einmal eine Klärung des Begriffs, denn was man schützen will, muss man kennen. Honnefelder bemüht sich, in beiden Perspektiven die entscheidenden Aspekte herauszuarbeiten. Dazu gehören insbesondere die Trennung von Natur und Kultur sowie die damit nötige Einschätzung der Reichweite unterschiedlicher Strategien des Erkenntnisgewinns, also die epistemologische Diskussion natur- und kulturwissenschaftlicher Zugänge zum Mensch-Natur-Verhältnis.

Kann die Naturwissenschaft über die Natur alles aussagen, was auszusagen ist? Honnefelder meint: Nein. Nicht, wenn es um die Umwelt geht, etwa um das Thema Gentechnik, und erst recht nicht, wenn es um die natura humana geht, also um die anthropologische Selbstbestimmung des Menschen, um das Menschenbild, etwa beim Thema Hirnforschung. Denn immer zeigt sich, dass ethische Fragen entstehen, die in ihrem normativen Anspruch von der Naturwissenschaft nicht beantwortet werden können. Sollen wir unsere Nahrung gentechnisch verändern und damit die Erträge erhöhen, zugleich aber die Artenvielfalt gefährden? Sollen wir unser Gehirn leistungsoptimieren, auf die Gefahr hin, unser personales Ich zu verlieren, das sich u.U. gerade dadurch auszeichnet, bestimmte Dinge nicht zu erinnern? Antworten darauf brauchen neben dem Wissen um den Gegenstand „Natur“ eine philosophische und theologische Bewertung des Gegenstands „Mensch“. Honnefelder macht deutlich: Die Naturwissenschaft kann uns helfen festzustellen, was ist, sie kann uns aber nicht sagen, was sein soll. Oder anders: Sie kann unsere „erste Natur“ ergründen, nicht aber unsere „zweite“, die überlagert ist von „kulturellen Erfüllungsgestalten des Menschlichen“.

Im dritten Teil stellt Honnefelder auf der Grundlage der Erträge seiner weit ausgreifenden Begriffs- und Theorieanalyse vertiefende Fragen, vor allem zur Bioethik. Denn hier bündeln sich in den Fragen die Zuordnungs- und Abgrenzungsprobleme. Ist der Mensch noch Mensch nach Eingriffen in sein Bewusstseinsorgan (Stichwort: Hirnschrittmacher)? Sollen wir zugunsten der biologischen Gesundheit unserer ersten Natur die Personalität und Individualität unserer zweite Natur opfern (Stichwort: Klonen)? Sollen wir die natürlichen Ausleseprozesse kulturell überformen (Stichwort: Selektion nach PID)? Es zeigt sich, dass in der Bioethik „Bio“ auf „Ethik“ zurückwirkt, so dass die Antworten auf diese Fragen nicht nur deswegen elementare Bedeutung haben, weil sie das menschliche Leben direkt betreffen, sondern auch, weil sie Vorgaben dazu machen, welche Form von „Ethik“ wir in Zukunft haben werden. Honnefelder stellt die Schlüsselfrage: „Können die neuen Handlungsmöglichkeiten […] im Rahmen der Basisnormen der akzeptierten universalistischen Ethik und der mit ihren verbundenen Kriterien einer verantwortbaren Anwendung auf den Menschen zugeführt werden“, was zuerst und vor allem für den einzelnen Menschen wichtig ist, oder aber stellen die neuen Möglichkeiten in der Biomedizin „diese Basisnormen und damit das Projekt einer auf die wechselseitige Anerkennung autonomer Subjekte gegründeten Ethik selbst in Frage?“, was dann für die ganze Menschheit Bedeutung hat, denn damit steht nicht weniger als die Grundlage des guten Zusammenlebens zur Disposition.

Ludger Honnefelder stellt die richtigen Fragen und gibt sehr ausführlich kluge Antworten. Der Text ist keine leichte Kost, sondern in einer Diktion gehalten, wie sie ausgesprochenen Fachpublikationen eignet (den einzelnen Kapiteln liegen Tagungsbeiträge und frühere Aufsätze zugrunde). Dennoch lohnt es, sich durch den schwierigen Text zu hangeln, denn der Erkenntniszuwachs ist hoch. Der anlässlich des 75. Geburtstags Honnefelders herausgegebene Band ist ein Geschenk für alle.

Bibliographische Daten:

Ludger Honnefelder: Welche Natur sollen wir schützen?
Berlin: Berlin University Press (2011)
291 Seiten, 29,90 Euro
ISBN-13: 978-3862800056

Josef Bordat

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Dienstag, 05.07.2011

Autor: JosefBordat

Wir müssen was tun

James Garvey legt eine Einführung in die Ethik des Klimawandels vor, die nur teilweise überzeugt

Der Klimawandel verlangt von uns technologische und ökonomische Antworten, die in politischen Aushandlungsprozessen formuliert werden müssen. Das ist eine kollektive Anstrengung, die von Regierungen und internationalen Organisationen geleistet werden muss, wobei die Resultate letztlich von allen Menschen mitgetragen werden müssen. Daher verlangt der Klimawandel von uns, also von jedem einzelnen Menschen, unsere individuelle moralische Haltung zu Natur und Umwelt zu überprüfen und um die Dimension unserer Verantwortung (schließlich handelt es sich um einen anthropogenen Klimawandel) zu ergänzen.

Der Klimawandel impliziert damit einen Einstellungswandel. James Garvey, Philosoph am Royal Institute of Philosophy (London), spricht in diesem Kontext von „geistigem Klimawandel“ und davon, dass „uns die Erderwärmung zum Umdenken zwingt“. Dieses Umdenken ist jedoch bei Lichte betrachtet weniger ein Zwang (dann hätte Garvey das Buch, das hier besprochen wird, gar nicht zu schreiben brauchen), sondern vielmehr eine Wahl aus ethischen Gründen, die er in seinem Buch zusammenstellt, mit dem er „eine Einführung in die Ethik des Klimawandels bieten [will], in die Fragen also, wo in Zukunft moralische Anforderungen im Hinblick auf unseren sich verändernden Planeten liegen und wie diese Anforderungen in Handeln umzusetzen sind.“ Der moraltheoretische Anspruch und die normative Ausrichtung seiner Argumente kommt in der englischen Fassung noch deutlicher heraus (Originaltitel: The Ethics of Climate Change: Right and Wrong in a Warming World).

Zunächst spricht Garvey allgemein von den beiden Forschungsrichtungen, die für die Klima-Ethik relevant sind: Klimaforschung und Moralphilosophie. Jenes naturwissenschaftliche Gebiet ist im Gegensatz zu dieser geisteswissenschaftlichen Disziplin noch recht jung, doch bereits genauso umstritten. Die Szenarien zu Temperaturanstieg und deren regional differierende Folgen sind sehr unterschiedlich. Gute Kenntnisse verschiedener Klimamodelle sind unterdessen für den Einstellungswandel bedeutsam, schon deshalb, weil sie ausnahmslos dessen Notwendigkeit unterstreichen. Denn ein Befund ist übergreifend festzustellen: die entscheidende Rolle des Menschen. Und erst damit wird Klimawandel zu einem Gegenstand der Ethik. Für die ethischen Argumente liefern die Modelle damit eine sachbezogene Unterfütterung. Doch zudem ist es wichtig, sich in moraltheoretischen Begründungsmodellen auszukennen, um die nötigen normativen Schlüsse aus dem Befund zu ziehen. Garvey führt alsdann in einige moralphilosophische Denkfiguren ein, um daran anschließend auf den Schlüsselbegriff des Diskurses zu kommen: Verantwortung.

Das Konzept Verantwortung wird als das vorgestellt, das es im Rahmen des Klimawandelns ist: unverzichtbar, zugleich aber schwer umzusetzen. Das beginnt mit den konzeptionellen Unklarheiten („Der Begriff Verantwortung ist so etwas wie eine bunte Mischung und wir wenden ihn ganz verschieden an.“) und endet bei handlungstheoretischen Schwierigkeiten (Wer soll anfangen, Verantwortung zu übernehmen? Und warum? – Garvey erläutert die vertrackte Lage nicht ganz unpassend anhand des spieltheoretischen Gefangenendilemmas.). Dass aber gehandelt werden muss, dass „Nicht Handeln“ also keine ernsthafte Alternative darstellt, unterstreicht Garvey ebenso wie er dann die zu unternehmenden Schritte sehr praxisnah erläutert. Zum einen spricht er davon, was „ganze Personengruppen, nämlich Regierungen, Staaten oder große Körperschaften“ leisten müssen, zum anderen aber auch davon, was „im Hinblick auf den Einzelnen“ geboten ist. Dabei geht es ihm nicht nur um Nachhaltigkeit der Maßnahmen, sondern auch um deren Angemessenheit und Zumutbarkeit.

Damit aber wirklich was passiert, müssen „psychologische Hemmnisse“ beseitigt werden, die von der Leugnung des Phänomens („Ich glaube nicht an den Klimawandel.“) über persönliche Exkulpation („Das ist nicht mein Problem.“) bis hin zu autosuggestiven Beruhigungsformeln reicht („Wir machen bereits große Fortschritte in Bezug auf den Klimawandel.“). Wenn die eigene Verantwortung jedoch erst mal eingesehen wird, dann könne sowohl die deontologische Gesinnungs- bzw. Prinzipienethik Kants, die von der Maxime des Handelns ausgeht und ihre Verallgemeinerungsfähigkeit prüft, als auch der utilitaristische Konsequentialismus, der die Handlungsfolgen in den Blick nimmt, helfen, moralisches Verhalten zu motivieren.

Moraltheoretisch gibt es stringentere Einführungen als die von James Garvey vorgelegte, die oft oberflächlich ist und begrifflich sehr schwammig bleibt. Das spürbare Bemühen um Praxisbezug wiegt diesen Mangel nur bedingt auf. Formal gefällt die Struktur, die das Geschriebene gut nachvollziehbar macht, die lockere Diktion, die es auch dem Laien ermöglichen sollte, rasch in den Text hineinzukommen und das Sach- und Personenregister, das hilft, sich zu orientieren; ärgerlich hingegen, dass vereinzelt zitierte Literatur aus den Endnoten im Literaturverzeichnis nicht aufgefunden werden kann. Insgesamt ist wohl von einer durchwachsenen Einführung in die Ethik des Klimawandels zu sprechen, die aber durchaus das ein oder andere Ausrufezeichen setzt, gerade auch in der Diskussion des Übergangs von der Moral- zur Handlungstheorie.

James Garvey: Geistiger Klimawandel: Wie uns die Erderwärmung zum Umdenken zwingt
(aus dem Englischen übersetzt von Julia Meyer-Staufenbiel)
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010
176 Seiten, 24,90 Euro
978-3534235407

Josef Bordat

Mittwoch, 29.06.2011

Autor: Oliver Gassner

Das extra ‚Mehr‘ an Harry Potter

Also (bisher) keinen 8. Band aber eine Webseite zum selber weiterschreiben bzw. mitmachen – offenbar.
Aktuell kann man sich nur registrieren, daf ein Video von JKR ansehen und erfährt:

„Pottermore is a free website that builds an exciting online experience around the reading of the Harry Potter books.
Come back on 31st July to find out how you can get the chance to enter Pottermore early.“

Also gratis wird es sein und einen ‚aufregende Onlineerfahrung rund um das LESEN (nicht Glotzen 😉 ) von HP.

Hier das Video:

Wir blieben gespannt, was meint ihr?

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Second-Hand Grabbelkiste zugunsten des ligatur e.V. bei facebook.
Literaturwelt. Die Page. | Promote Your Page Too

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