Dienstag, 23.05.2006 | 17:09 Uhr

Autor: Christiane Geldmacher

Peter Handke und der Heine-Preis 2006

Peter Handke erhält den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, vorausgesetzt, >>>der Rat der Stadt Düsseldorf stimmt zu. Über die Vergabe des Preises an Handke gibt es sehr geteilte Meinungen, unter anderem wegen seiner Teilnahme an Slobodan Milosevics Begräbnis. Ein Jurymitglied will der Preisverleihung im Dezember schon mal fernbleiben.

In der Begründung der Jury hieß es: „Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentlichte Meinung und deren Rituale.” (via >>>derStandard.at)

Der Preis an Handke ist sehr umstritten wegen seiner Teilnahme an Slobodan Milosevics Begräbnis.

Nachtrag-Nachtrag: So langsam kommt die Diskussion in Fahrt, auch bei der >>>FAZ. Die Entscheidung, Peter Handke den Heine-Preis zuzuerkennen „ist unerhört“, so Hubert Spiegel, und Marcel Reich-Ranicki sagt: „Die Auszeichnung Peter Handkes mit dem Heine-Preis ist eine empörende Beleidigung und Verhöhnung des Dichters Heine.”

Trackback: http://blog.literaturwelt.de/archiv/peter-handke/trackback/

18 Kommentare

  1. Klau|s|ens Says:

    OH WAHRER HANDKE

    oh hast du dich
    verloren in dieser
    argen kalten welt zum
    schreiben auserkoren
    was so nicht mehr
    —————gefällt
    gehst du nun hoch
    die preise voller
    krieg nur lüstern
    hört‘ ich dich schon
    serbien brennt das
    herz ein schmerz
    erschaudernd diese
    deiner reden aber
    verschon doch bitte
    was mich———-hält
    die ganze weite welt

    +++++++++++++++++++++++

    sich wundernd:
    Klau|s|ens

  2. Regula Erni Says:

    Er scheint ein Ärgernis besonderer Art zu sein, dieser Peter Handke. Heute doppeln auch andere Zeitungen und Zeitschriften nach.
    Die Frage allerdings bleibt: kann man Handkes Werk allein aufgrund seiner ureigenen Meinung zum Balkan beurteilen?

  3. Christiane Geldmacher Says:

    Diese Frage darf man mir nicht stellen. Ich habe mich bei Handke immer gelangweilt. Er schreibt nicht schlecht, es gibt da nichts zu meckern, aber aus allem gähnt mich die Leere des dichterischen Ich an. „Empfindsamkeit“ kann Proust besser und Figuren kann er besser und Atmosphäre wird bei ihm zu Leben und Dialoge zu Leben und alles andere auch.
    LEST PROUST!

  4. cri Says:

    Diese Frage kann man natürlich stellen. Zuvor müsste man sich aber erst mal klar werden über Handkes „ureigene Meinung zum Balkan“. Wie ist denn die?
    Es wird ja nicht gegen die Langeweile gehetzt. Langweilig ist Jelinek auch.

  5. Christiane Geldmacher Says:

    Der Bürgermeister der Stadt Düsseldorf meint, die Kritiker an der Preisvergabe sollten erst Handke lesen, bevor sie sich weiter äußerten.

    Hier, was Handke selbst dazu sagt:
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB46CE7B1046740BD8FE28099542D7443~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  6. Die Passantin Says:

    Diese Autorin sieht es etwas gelassener …
    Löffler, du

  7. Die Passantin Says:

    6.1
    Da der Link „Löffler,du“ nicht funktioniert, hier noch mal fulltext: http://buch.germanblogs.de/archive/2006/05/29/nuht98gkzc0j.htm#fulltext

  8. Die Passantin Says:

    Und das Reich-Ranicki sich aufregt, ist ja auch klar, immerhin stand er mit auf der Liste und ist somit nur haarscharf vorbeigeschrammt …

  9. Christiane Geldmacher Says:

    Reich-Ranicki fand aber Handke auch schon immer langweilig …
    Übrigens sagt Handke auch wie der Bürgermeister, dass man bitte alle seine Bücher GENAU lesen soll.
    Das wünscht sich natürlich jeder Autor.
    *versteht das
    Aber war war mit dem Milosevic-Begräbnis?

  10. Die Passantin Says:

    Huihuihiu, das artet ja jetzt zu einem Skandälchen aus. Laut dpa will die Stiftung das Geld an Handke nicht auszahlen. Der Preis soll dieses Jahr gar nicht verliehen werden. Jeder weitere Vorschlag wäre nur zweite Wahl … (stimmt). Die Stifter wollen es stattdessen der Deutschen Künstlerhilfe zukommen lassen.
    Wenn zwei sich streiten …

    Re: Christiane Geldmacher
    Ich glaube, Handkes Teilnahme an der Beerdigungszeremonie war nur noch das I-Tüpfelchen des Eklats. Weitaus problematischer waren solche Äußerungen H. zum Balkankrieg wie „Die Nato hat kein Auschwitz verhindert, sondern eines geschaffen“.

  11. cri Says:

    Der Besuch bei Milosevic in Den Haag und die Rede bei dessen Begräbnis: das ist die Provokation. Deshalb liest man nun Handke mehr und genauer und beschäftigt sich anders mit Serbien im Balkankrieg. Außerdem kann man die Reaktionen der moralisierenden Feuilletonisten studieren.

  12. Christiane Geldmacher Says:

    Vielen Dank für eure weiterführenden Kommentare. Jedenfalls machts den Heine-Preis so RICHTIG bekannt, war also an sich keine schlechte Idee, den zu diesem seltsamen Zeitpunkt – Provokation Begräbnis – an Handke rauszugeben.

    Mir tuts allerdings SCHON AUCH leid um Heine, seines Zeichens Ironiker und Satiriker. Was da die große – nachvollziehbare – Parallele zwischen Handke und Heine sein soll, ist mir unklar. Ich finde die beiden so weit auseinander wie nur was.

  13. cri Says:

    Heine ist ja auch für seine Reiseberichte bekannt, insofern gäb es gerade mit Handkes Serbientexten schon eine Parallele.

  14. Christiane Geldmacher Says:

    stimmt.
    aber was heine über die insulaner auf norderney schreibt, ist LAUNIG und witzig und geistreich.

  15. Regula Erni Says:

    Nun ja, der Heine-Preis sei, so die Grüne Trempke, ein politischer und kein literarischer Preis. Vielleicht sollte man ihn Schröder….

  16. Die Passantin Says:

    Ja, wenn Politiker über Literatur reden … dann wird aus einem Literaturpreis schnell mal ein politischer … die Grüne Trempke …

  17. Heinrich Heine Says:

    Wenn ich nicht aus eigenrer Erfahrung wüsste, was wirklich im Kosovo passiert ist würde ich sagen „armes Schwein“, so muss ich sagen „verdammtes Arschloch“. Er darf in einer reihe genannt werden mit gleichgeschalteten Schriftstellern des 3. Reichs. Wiso wird diese Person eigentlich noch erwähnt? Ein mäßiger Literat mit einer äußerst beschissenen politischen Einstellung.

  18. Hilla Says:

    Das ist ja wohl eine völlig undifferenzierte, unqualifizierte, leicht faschistoide (oder stalinistische) und feige (weil anonyme) Meinungsäußerung.

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