Freitag, 06.06.2008 | 18:14 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Göran Sahlberg: Sieben wunderbare Jahre

Göran Sahlberg: »Sieben wunderbare Jahre«Ein seltsames Buch: Bis etwa zur Hälfte handelt es davon, dass ein sechsjähriger schwedischer Junge in den 50er-Jahren so werden will wie sein Vater. Der ist versponnener Prediger und religiöser Eiferer. Der namenlose Junge, der als Ich-Erzähler fungiert, schreibt zum Missfallen der Mutter Grabreden auf die Lebenden in seiner Umgebung. In der zweiten Buchhälfte begleitet der Junge eine Bekannte der Familie nach Schonen in Südschweden, wo sie hofft, die Bekanntschaft von Dag Hammarskjöld zu machen: Den gab’s wirklich. Er war von 1953 bis 61 UN-Generalsekretär und damals berühmtester Schwede. Die beiden Buchteile passen kaum zusammen, lassen sich nur als zwei eigenständige Episoden sehen, die kein geschlossenes Ganzes ergeben. Dann wäre „Sieben wunderbare Jahre“ aber kein Roman, sondern eine Art Geschichtensammlung.

Der 1954 geborene Autor Göran Sahlberg legt ein Debüt vor, das insgesamt etwas bieder daherkommt. Die Geschichtchen, die der Ich-Erzähler erlebt, wirken hausbacken. Ein Beispiel: Der Junge stiehlt am Vorabend seines Geburtstages ein Fahrrad aus dem Keller, das seine Eltern ihm am nächsten Tag schenken wollten. Fortan macht er sich große Vorwürfe und glaubt, wegen dieser Sünde nicht in den Himmel zu kommen. Sicher, das kann man witzig, rührend, süß oder menschelnd finden, aber auch – wie der Verfasser dieser Rezension – langweilig und etwas angestaubt. Ganz nach Geschmack.

Ein Grundproblem des 300-Seiten-Textes besteht zudem in der Erzählperpektive. Weil der Text durchgehend aus der naiven Sicht eines Kindes geschrieben ist, muss zwangsläufig der Text selbst etwas naiv daherkommen. Das wirkt auf die Dauer etwas störend, schließlich wollte man kein Kinderbuch lesen.

Fazit: Wer an Kindheitsgeschichtchen wie der oben genannten seine Freude hat, der wird sich über „Sieben wunderbare Jahre“ nicht ärgern. Wem das zu wenig ist, der sollte die Finger davon lassen.

Göran Sahlberg: Sieben wunderbare Jahre.
Blessing, April 2008.
302 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

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7 Kommentare

  1. bonaventura Says:

    Trägt das Buch denn auch im Original die Gattungsbezeichnung »Roman«? »Roman« bedeutet nämlich in Deutschland schon lange nicht mehr Roman, sondern eher sowas wie »Erzählendes Werk mit mehr als 150 Seiten«. Vgl. auch:

    http://bonaventura.musagetes.de/?p=523

  2. Andreas Schröter Says:

    Ob er im schwedischen Original ebenfalls als Roman bezeichnet wird, weiß ich nicht. Aber es stimmt schon, dass in Deutschland zu viele Bücher diese Etikettierung erhalten (vgl. meine Rezension zu „Der Wapshot-Skandal“ von John Cheever). Nun könnte man natürlich einwenden: Es ist völlig egal, ob es ein Roman ist oder nicht, Hauptsache, es ist gut. Aber das ist es eben dann auch in vielen Fällen nicht, weil es kein geschlossenes Ganzes ergibt.

  3. Michael Steudte Says:

    ich hab das buch gelesen und bin begeistert! (og:so begeistert dass du auf einen kaffeeverkäufer linken musstest? – gruss an molo 😉 )

  4. Bettina Koller Says:

    Ich glaub wir denken über Sahlbergs Erstling ähnlich, hab sogar einen Beweis: http://www.literaturkritik.tv

    Liebe Grüße aus Berlin 🙂

  5. Andreas Schröter Says:

    Hallo Frau Koller,

    vielen Dank für diese interessante Rückmeldung mit Verweis auf eine Buchkritik als kleines Filmchen. ich wusste wohl, dass es sowas jetzt (auch bei Amazon) gibt, hatte es aber noch nicht gesehen. Schön!

    Bei dem Buch von Göran Sahlberg habe ich einfach nicht verstanden, was die beiden Buchteile miteinander zu tun haben. Vielleicht erklärt mir das mal jemand – kann ja sein, dass ich einfach nur auf dem Schlauch stehe.

    Gruß

    Andreas Schröter

  6. Dominik Says:

    Hab das Buch gelesen und kann sagen das es sich lohnt. Es ist nicht langweilig, wie der Eindruck hier ein wenig vermittelt wird.

  7. Kaffee-Fritze Says:

    Nur wer das Buch selbst gelesen hat, weiß dass es sich wirklich lohnt. Ich kanns nur jedem empfehlen! VG

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