Freitag, 21.10.2005 | 23:55 Uhr

Autor: Oliver Gassner

ABC Advanced Book Catalog: Deutsche Konkurrenz für Google Print

Carsten Schreiber ist ‚Product Manager‘ bei ABC Advanced Book Catalog. Und das wiederum ist nicht wirklich die Antwort auf Google Print, einem Dienst, der es ermöglicht, in gedruckten Büchern via Internet zu suchen, sondern eigentlich sowohl dessen Vorläufer als auch auf verschiedenem Gebiet dessen Optimierung, denn der ABCatalog und seine „Innensuche“ ist bereits seit fünf Jahren am Start und auf deutsches Recht zugeschnitten.

Um mir zu erzählen, was diesen Katalog von „Google Print“ unterscheidet und warum im breiten Publikum bisher niemand etwas davon mitbekommen hat, hat mich Carsten Schreiber im Zuge unsere ‚Blogging 4 Catering‘ zum Frühstück ins Bistro auf Ebene 4.1 eingeladen.

Ich meine mich im Nachhinein zu erinnern, dass ich den Stand mal bei einer Messe gesehen habe und… zu meiner Schande die Idee damals 1999, 2001 oder so doof fand. Heute ist das anders. Bei der Messe war man seitdem und man lockte nicht die Presse sondern ganz gezielt die Fach- und Sachbuchbverleger an den Messestand. Und nur mit denen wollte man die Sache besprechen. Eins zu eins. Deshalb: Keine Presse. Bis Donnerstag 16 Uhr, als man beschloss, dass man im Gegegnzug zum „Google Print“-Start nun auch die Vorteile der eigenen Lösung darstellen will.

Im Gegensatz zum Programm „Google Print“ digitalisiert man nicht den ganzen Inhalt sondern nur Vorwort, Klappentext, Titelseite und Register von Sach- und Fachbüchern. Warum nur die? Das kommt noch.

In Köpenick sitzt das sechsköpfgige Team von ‚midvox‘, der eigentlichen Firma, die das Produkt erstellt und das, ergänzt durch etwa 30 Scanning-Mitarbeiter bisher 70.000 Titel erfasst hat – Google Print macht aus der Zahl der erfassten Titel, wie bereits hier im Blog erwähnt, ein Geheimnis.
Der Rest der insgesamt rund 50 Köpfe zählenden Mannschaft sitzt über den ganzen Globus verstreut, wo man kostengünstig das Korrigieren und Einpflegen der Daten besorgt.

Was den ABC von Google Print untescheidet ist schnell übersehen:

* Man konzentriert sich auf den Sach- und Fachbuchmarkt, bei dem Inhaltsworte aus den genannten Buchteilen auch echte Rückschlüsse auf den Inhalt des Buches ermöglichen.

* Man scannt absichtlich nur diese relevanten Sektionen des Buches, weil man so eben auch sinnvollere und treffendere Suchergebnisse zurückliefern kann. „Komplettes Scannen ist unnötig. Wir liefern die relevanteren Inhalte“, versichert Roman Jacobi.

* Man vermeidet damit (nehmen wir mal das Vorwort aus) jeglichen Konflikt mit dem deutschen Urheberrecht – während Google ja offenbar davon ausgeht, dass überall eine Art Copyright (bei uns eher entsprechend dem Verwertungsrecht) nach US-Vorbild gilt.

Roman Jacobi von midvox versichert: Wenn ein Autor sich keinen Verkaufsvorteil seines Buches davon verspricht, dass es im ABCatalog dargestellt ist, dann werden die beanstandeten Texte aus dem Verzeichnis genommen. Punkt. Das ist mehr als Google Print verspricht, das dem Autor ja empfiehlt, sich mit seinem Verleger auseinanderzusetzen (very funny) und sich ansonsten fein raus hält.

Und wo kann man den Katalog nun einmal einsehen? Midvox selbst bietet die Katalogrecherche nicht an, sondern lizensiert die Kataloginhalte für Buchhändler oder Online-Buchläden wie http://deutschesfachbuch.de.

Die Shops bezahlen entweder pro eingesehenes Buch 4-6 Cent oder sie bezahlen, wenn der Käufer das im Katalog angesehene Buch tatsächlich in den Warenkorb legt, 2,9% des Warenwerts an midvox.
Mittelfristig soll es auch noch ein Modell geben, bei dem jeweils automatisch nach dem für den Abnehmer günstigsten dieser beiden genannten Tarife abgerechnet wird.

Nicht nur auf Fairness, auch auf Ästhetik legt man bei midvox Wert. Man benutzt nicht die üblichen Cover-GIFs, die allenthalben in den Online-Shops zu sehen sind, sondern fotografiert jedes Buch schräg vor einem weißen Hintergrund – so entsteht ein fast haptischer Eindruck von dem, was man da bestellen soll oder will.

Für Verleger ist die Dienstleistung vollkommen kostenlos – sie müssen lediglich ein Exemplar eines Buches zur Verfügung stellen und etwas mehr als zwei Wochen Geduld haben. (Bei Google war von vier Wochen die Rede.)

Lediglich für Belletristik ist das Midvox-System (noch) nicht geeignet – und das ist auch gar nicht sein Zielmarkt. Inzwischen ist man auf den russischen Sach- und Fachbuchmarkt expandiert. Und ich rate mal, dass man dort nicht aufhören wird.

Zusammenfassend:

Der ABCatalog scheint mir genau die Art Suche-im-Buch-Lösung zu sein, die dem deutschen Urheberrecht und der zentralen Rolle, die Autoren darin spielen, Rechnung trägt und dabei keine spiegelfechterischen Kopierschutzlösungen braucht – auf die „Google Print“ setzt und von denen man eh nicht weiß, wie gut sie greifen, wenn die Hacker mal ernsthaft nachdenken.

Ein Schluss-Wort zum Bistro auf 4.1.: Gut, die Preise sind so wie auf der Messe, aber dafür kriegt man als Frühstück beispielsweise ein halbwegs akzeptables Croissant mit Honig, Marmelade und eiskalter Butter (sie ist zwar etwas zuuuu hart aber dafür sicher auch frisch, was mir rehct wichtig ist nach manchen Erlebnissen des letzten Jahres). Der Kaffee ist OK und das Tiramisu (in der Form eines normalen Kuchenstücks, naaaa jA) mit 4 Euro zwar nicht gerade ein Schnäppchen aber geschmacklich, optisch und in der Konsistenz und Frische einwandfrei – was deutlich mehr ist, als man von anderen Essensangeboten auf der Messe sagen kann.

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