Montag, 05.02.2018

Autor: oliverg

Eckart von Hirschhausen: Arzt-deutsch Deutsch-Arzt (Video-Review)


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Freitag, 02.02.2018

Autor: Immo Sennewald

Nietzsche und die Folgen

Meine liebsten Bücher waren allzeit diejenigen, die Lust und Neugier auf mehr Lektüre anfachten: Dieses gehört ab jetzt dazu, ich habe es begierig gelesen und wurde bestens unterhalten.

Andreas Urs Sommer ist ausgewiesener Nietzsche-Fachmann, seine Kenntnis der Werke und der Biographie ist umfassend, und er beweist mit seinem Buch, dass Nietzsches Idee von der “fröhlichen Wissenschaft” sich in zeitgemäße Literatur umsetzen lässt, er tut das sprachlich elegant, fern aller ideologischen Blähungen und akademischen Flohknackerei. Sowohl der erste Teil, der sich mit Nietzsches Werken und den biographischen Umständen ihres Entstehens befasst, als auch der zweite, in dem er die Wirkungsgeschichte bis heute anhand prägnanter Beispiele erzählt, sprengt von den Texten in 130 Jahren angelagerte politische Krusten und Verfälschungen ab: Die Tiefe und Vielseitigkeit Nietzsches, die Risse und Konflikte in seinem Leben werden anschaulich, auch etliche Anlässe zu späteren Missverständnissen.

Mir gefiel besonders, wie Sommer Eigenarten der Originaltexte herausarbeitet, wie dadurch etwa Nietzsches Suche nach einem eigenen Verständnis von Wissenschaft und Kunst für den Leser einsichtig wird. Dabei ist keine Spur von “Heldenverehrung” oder, wichtiger noch, keine Spur jener von Medien penetrant geübten, billigen Häme beim Attackieren vermeintlicher Denkmäler im Spiel. So wurde mein Vergnügen bei der Lektüre etwa von “Menschliches – Allzumenschliches” neu geweckt, meine Distanz zum “Zarathustra” mir selbst erklärlich, mein Interesse an “mehr Nietzsche” insgesamt bestärkt.

Weil Nietzsche immer wieder Perspektiven und Stil wechselte, entzieht er sich freilich „einfachen“ Deutungen, und weil andererseits fast jeder aus seinen Texten nur lesen kann, was ihm eigene Wahrnehmung und mehr oder weniger bewusste Impulsverstärker zu erkennen geben, treibt Nietzsche wie kaum ein anderer Philososoph eine konflikthafte Rezeptionsgeschichte hervor. Es macht Andreas Urs Sommer sichtlich Spaß, deren zahllose Kapriolen und Katastrophen zu verfolgen, sich Verklärer und Verteufler vorzuknöpfen, dabei verfolgt er zugleich die stimulierende, „katalytische“ Wirkung der Werke für Philosophie, Kunst und Literatur bis in unsere Zeit.

Die Fälschungen und Klitterungen der Nietzsche-Schwester Elisabeth, die den Kult um den schnauzbärtigen Philosophen begründete, sind zwar längst offenbart, gleichwohl nutzt auch manch heutige Zitatenschleuder unbeirrt die dort entstandenen Zerrbilder und Klischees. Nietzsche selbst verabscheute deutschen „Bierernst“, Moralinsäure und Nationalismus; es ist eine bittere Ironie, dass ausgerechnet er, der ins Äußerste gesteigerte Individualität vorlebte, von kollektivistischen Schreihälsen wie Mussolini und Hitler in Dienst genommen wurde. Insofern bereiten Sommers Analysen  kommunistischer und nationalsozialistischer Versuche, den Philosophen für die je eigene Propaganda zu instrumentalisieren besondere Genugtuung: Sie konnten ihn als Ideengeber sowenig zerstören wie seine geschworenen Feinde.

Schön kurzweilig lesen sich Geschichten über allerlei Parodistisches und Satirisches zum Thema, ebenso das „Was wäre wenn…“ eine der illustren Frauen (Lou von Salomé, Frau von Bachofen, Cosima von Bülow) sich den eher unattraktiven Mann erwählt hätte. Und das ist nur eine aus einem Schwarm von Fragen des Autors am Ende des Buches. Auf die letzte, in einer Nachbemerkung: „Falls sich Nietzsche doch lohnt, für wen und warum?“ versuche ich eine Antwort: Nicht für Leute, die ihn als zitierfähige Autorität im Kampf um moralische Deutungshoheit benutzen wollen. Politbürokraten und ihre mediale Gefolgschaft, Heilsverkünder und die Kollektive von Hanni und Nanni, Krethi und Plethi, Hinz und Kunz in der Maskerade von Bessermenschen werden ihre liebe Not haben, Nietzsches Werke noch einmal in politische Stempelkästen zu quetschen. Dazu sind sie einfach zu explosiv.

Andreas Urs Sommer “Nietzsche und die Folgen”, J.B. Metzler Verlag Stuttgart 2017, 208 Seiten, 16,95 €

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Donnerstag, 01.02.2018

Autor: Andreas Schröter

Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?

Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?«Ein schöner Abenteuer-Unterhaltungsroman ist dem 1966 geborenen Potsdamer Autor Torsten Seifert mit „Wer ist B. Traven?“ gelungen. Darin schickt er seinen Helden Leon in der Nachkriegszeit auf die Suche nach dem legendären Autor mit dem Pseudonym B. Traven. Den gab‘s wirklich, und um seine wahre Identität ranken sich noch immer Rätsel – auch wenn die Literaturwissenschaft heute zumindest annimmt, dass es sich um einen Deutschen namens Otto Feige gehandelt hat.

Von Traven stammen immerhin so berühmte Romane wie „Der Schatz der Sierra Madre“, der später von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Der Film hat mehrere Oskars eingeheimst. Und genau bei den Dreharbeiten zu diesem Film beginnt Leon seine Recherche. Er spielt Schach mit Humphrey Bogart, trifft Lauren Bacall und John Huston und verliebt sich in die schöne und geheimnisvolle Maria, die ihrerseits ein Interesse an der wahren Identität B. Traven zu haben scheint.

Leon fliegt zurück nach Los Angeles und wieder nach Mexiko, wo er auf allerlei zwielichtige Gestalten trifft und sogar verprügelt wird. Zum Showdown kommt es in einer Höhle, aus der es kein Entkommen mehr zu geben scheint.

Ein Schatzsucher-Roman also, der davon lebt, dass man wissen will, ob es Leon gelingt, das Geheimnis zu lüften.

Interessant an diesem Roman ist auch seine Entstehungsgeschichte. Das Manuskript dazu hat 2017 den Blogbusterpreis der Literaturblogger gewonnen. Der Gewinner bekommt einen Agenturvertrag mit einer Literaturagentur und eine Veröffentlichung in einem richtigen Verlag. Zu den Literaturbloggern gehören ausgewählte Blogs, die sich mit anspruchsvoller Gegenwartsliteratur beschäftigen, eine hohe Reichweite haben und bei Verlagen, Medien und der Online-Gemeinschaft einen guten Ruf genießen. Partner ist unter anderem die Frankfurter Buchmesse.

Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?.
Tropen, Oktober 2017.
269 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Freitag, 26.01.2018

Autor: Andreas Schröter

Volker Heise: Außer Kontrolle

Volker Heise: Außer Kontrolle«Volker Heises Roman „Außer Kontrolle“ ist womöglich nicht spektakulär genug, dass man sich noch in ein paar Jahren an ihn erinnern wird. Aber gute Unterhaltung bietet diese Mischung aus Drama und Thriller mit stetig steigender Eskalationskurve allemal.

Jan möchte seiner Angebeteten in einem Luxusrestaurant einen Heiratsantrag machen. Doch die Sache geht schief – und zwar so dermaßen, wie man es sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen könnte. Schuld sind ein Restaurantchef vor dem finanziellen Ruin, der keine Kreditkarten akzeptiert, ein übereifriger, aber nicht allzu heller Polizist und Jan, der mit allem schlicht überfordert ist.

Autor Volker Heise ist Fernseh-Regisseur, Dramaturg und Produzent – und das merkt man seinem ersten Roman an. Er ließe sich problemlos verfilmen und gäbe eine gelungene Samstagabend-Unterhaltung ab.

Der Reiz dieses Romans liegt in den Perspektivwechseln: Der Leser taucht abwechselnd in die Köpfe von Liebhaber Jan mit seinen kitschigen Verlobungsringen in der Tasche, von seiner schönen Angebeteten Nadine, die überhaupt noch nicht weiß, ob sie überhaupt etwas mit Jan anfangen oder nicht vielleicht doch lieber zu ihrem Freund Tim auf dem Land zurückkehren soll – oder in die Köpfe von Restaurantchef Plewka, dem sein Laden gerade um die Ohren fliegt, und Polizeichef Kostic, der gerade ein Schäferstündchen mit der Gattin eines Kollegen erlebt – und zwar just in dem Moment, als besagter Kollegen sein Leben aushaucht.

Volker Heise umschließt seinen Text an Anfang und Ende – und gelegentlich auch zwischendurch – mit einer Art Meta-Ebene, indem er das Geschehen von ganz oben aus einem Ballon betrachtet, der über allem schwebt. Am Ende versammeln sich die Toten, die diese Eskalation an Gewalt und falschen Entscheidungen gefordert hat, in diesem Luftschiff. Wie gesagt: Gute Unterhaltung, aber auch nicht mehr.
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Volker Heise: Außer Kontrolle.
Rowohlt, November 2017.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Samstag, 20.01.2018

Autor: oliverg

#Literaturwelt: Richard David Precht: Warum gibt es alles und nicht nichts? Philosophie f. Kinder (Ein Ausflug in die Philosophie, Video Review)

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Sonntag, 07.01.2018

Autor: Andreas Schröter

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir«Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer nennt sein Buch über das Ende einer Ehe und die Zeit danach „Roman“ – doch das ist es nur zu einem ganz kleinen Teil. Größtenteils ist es eine Art Materialsammlung aus wissenschaftlichen Büchern und Untersuchungen, Zeitschriften-Artikeln, eigenen Überlegungen und allem, was der Autor zu dem Thema „Scheidung“ zusammentragen konnte. Eine gute Recherche-Leistung, sicher, aber eben kein Roman.

Der Leser erfährt viel über Statistiken und über die Wirkungsweise unterschiedlicher Pillen, über Parship und Depressionen – also all das, was man in einem Sachbuch zum Thema erwarten würde.

Aber alles, was einen Roman ausmachen würde – eine Art Handlung oder auch das tiefere Eindringen in die Köpfe der handelnden Figuren – bleibt an der Oberfläche. Immer wenn man glaubt, jetzt könnte es spannend werden, versickert das Ganze im Nichts.

Dem Ich-Erzähler kommt nach langjähriger Ehe die Frau abhanden, und er durchlebt die Hölle auf Erden. Erst ganz am Ende des Buches geht es für ihn wieder bergauf. Für alle Leser, die in einer ähnlichen Situation stecken, mag dieses Buch eine leidlich gute Hilfe sein – alle, die einfach nur eine gute Geschichte lesen wollen, werden enttäuscht sein.

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir.
Knaus Verlag, Oktober 2017.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Samstag, 30.12.2017

Autor: Andreas Schröter

Irene Dische: Schwarz und Weiß

Irene Dische: Schwarz und Weiß«„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.

Der Leser begleitet das gemischtrassige Paar Lili und Duke durch ihr Leben in New York von den 70er-Jahren bis zum Ende der 90er. Duke ist schwarz, stammt aus einfachsten Verhältnissen, avanciert aber auch dank der stetigen Hilfe seiner Frau, die aus einer Familie von Intellektuellen kommt, zu einem großen Weinkenner. Und auch für die weiße Lili geht es bergauf. Sie wird ein gefragtes Model. Zunächst scheint es für die beiden, die sich ständig ihrer Liebe versichern, stetig bergauf zu gehen. Doch dann tauchen erste Risse auf: Ihr kostspieliges Leben verschlingt Unsummen an Geld, und in Lilis Charakter zeigen sich weniger sympathische Eigenschaften.

„Schwarz und Weiß“ ist vieles zugleich: eine Liebesgeschichte über zwei Menschen, die nicht nur wegen ihrer Hautfarbe grundverschieden sind – und genauso ein Roman über das Leben der Reichen in New York. Er zeigt, wie sehr das Geld im Mittelpunkt ihres Denkens steht und wie wichtig es ist, sich mit mehr Prunk zu umgeben als der Freundes- und Kollegenkreis.

„Schwarz und Weiß“ ist aber auch ein Roman über die unterschiedlichen Lebensweisen von sozial hoch und tief stehenden Schichten, wobei einmal mehr die tiefe Spaltung in den USA klar wird, die nicht zuletzt in der Wahl Trumps einerseits und dem Hass gegen ihn andererseits deutlich wurde. Lesenswert!
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Irene Dische: Schwarz und Weiß.
Hoffmann und Campe, Oktober 2017.
496 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

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Sonntag, 24.12.2017

Autor: Andreas Schröter

Matthew Weiner: Alles über Heather

Matthew Weiner: Alles über Heather«„Alles über Heather“ von Matthew Weiner ist ein dünnes Romänchen, das man an einem Nachmittag durchlesen kann. In seiner stilistisch hervorragend geschriebenen Geschichte beschränkt sich der Autor auf die allernötigsten Informationen, und dennoch (oder gerade deswegen?) gelingt es ihm, ein Werk vorzulegen, das eine große Intensität entfaltet.

Es geht um die unterschiedlichen Lebensweisen einer sozial hochstehenden Familie mit viel Geld und einem Mann aus schwierigsten sozialen Verhältnissen.

Zum Eklat kommt es, als Letzterer – Bobby – ein Auge auf die Tochter – die titelgebende Heather – geworfen hat. Das ruft Heathers Eltern auf den Plan, die ihrerseits Eheprobleme haben.
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Matthew Weiner: Alles über Heather.
Rowohlt, November 2017.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

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Samstag, 23.12.2017

Autor: oliverg

Patricia Thielemann „Spirit Yoga – Aufrecht, stark und klar im Leben“


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Dienstag, 19.12.2017

Autor: Andreas Schröter

Ned Beauman: Glow

Ned Beauman: Glow«Ned Beaumans Roman „Glow“, der jetzt als Taschenbuch im Hoffmann & Campe-Ableger Tempo erschienen ist, beginnt vielversprechend. Ein junger Londoner namens Raf mit Schlafstörungen verliebt sich auf einer illegalen Party in einem Waschsalon Hals über Kopf in eine atemberaubend schöne Frau. Man erwartet einen coolen Roman aus der englischen Jugendszene mit viel Drive, Gefühl und London-Flair – und wird bitter enttäuscht.

Es geht nach diesem ersten guten Kapitel weiter mit seitenlangen Beschreibungen von Wirkstoffen in irgendwelchen Drogen, deren Namen man noch nie gehört hat. Das liest sich genauso spannend wie ein Chemiebuch. Einer neuartigen Droge namens „Glow“ scheint dabei eine besondere Bedeutung zu haben. Hinzu kommt ein kruder und äußerst verzwickter Handlungsstrang über eine Firma, die vor illegalen Machenschaften inklusive Entführungen und Misshandlungen nicht zurückschreckt. Auch der Ferne Osten in Gestalt des Staates Burma kommt vor.

Wie die Droge Glow, besagte Firma, Burma, die neuerdings vermehrt auftauchenden Füchse, Raf und die schöne Frau zusammenhängen, erschließt sich kaum – zumal der Autor immer neue Handlungsfäden und Figuren einführt, deren Namen und Funktionen sich auf Dauer kein Mensch merken kann. Man ist versucht, dieses Buch weit vor dem Ende zur Seite zu legen.

Hauptproblem dürfte wohl seine durchgängige Seelenlosigkeit sein. Die Figuren wirken schablonenhaft, ihr Innenleben erschließt sich dem Leser nicht. Wenn sie Sex miteinander haben, kommt die Erotik nicht an, wenn jemand gefoltert wird, ist dies so knapp und dürftig beschrieben, dass sich kaum Mitleid oder Betroffenheit einstellen können.

Der Autor wollte vermutlich einen extrem coolen und modernen Roman schreiben. Dabei ist jedoch zu viel an wichtigen Zutaten auf der Strecke geblieben.
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Ned Beauman: Glow.
Tempo, September 2017.
400 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

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Montag, 11.12.2017

Autor: Andreas Schröter

Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers

Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers«Sten Nadolny (75) ist 1983 mit „Die Entdeckung der Langsamkeit“ berühmt geworden. In seinem neuen Roman geht es zauberhaft zu. Zauberer Pahroc hat im Alter von über 100 Jahren das Bedürfnis, seiner Enkelin Mathilda Briefe zu schreiben, die sie in ferner Zukunft – wenn sie volljährig ist – lesen soll. Darin beschreibt der hochbetagte Senior sein Leben und erklärt ihr die wichtigsten Zauberkünste. Dieses Zaubern ist hier durchaus wörtlich gemeint und bezieht sich nicht auf irgendwelche Zirkustricks. Pahroc kann fliegen, durch Wände gehen, Geld in unbegrenzter Menge herstellen und vieles mehr. Das verleiht dem Buch einen angenehm surrealen, manchmal märchenhaften Glanz mit Ironie und leisem Humor.

Dennoch ist „Das Glück des Zauberers“ kein verkappter „Harry Potter“. Im Mittelpunkt stehen die deutschen Geschehnisse im 20. Jahrhundert von der Zwischenkriegszeit in den 20ern, über Nazizeit und Krieg in den 30er- und 40er-Jahren bis bin zu den Studentenunruhen und der Gegenwart mit Flüchtlingen und Terror.

Nadolny kommentiert das alles und legt dabei eine sehr humanistische, menschenfreundliche Sichtweise an den Tag. Das liest sich sympathisch und wirkt gelegentlich sogar ein bisschen weise. Allerdings hat der Text stellenweise auch einen etwas altväterlich und belehrend wirkenden Beigeschmack. Man glaubt zu spüren, dass hier ein Autor am Werk ist, der selbst nicht mehr ganz jugendlich ist.

Eine solche Mischung – Gesellschaftskritik und Philosophie kombiniert mit Fantasy-Elementen – ist selten und schon deshalb zu loben.

Ganz am Ende erlaubt sich der Autor noch eine kleine, witzige Pointe: Im Jahre 2030 fliehen die Europäer nach Damaskus. Man darf wohl skeptisch sein, ob das eintrifft.
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Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers.
Piper, September 2017.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Sonntag, 10.12.2017

Autor: Andreas Schröter

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt«Dem Erwachsenwerden widmet Lindsey Lee Johnson ihren Debütroman „Der gefährlichste Ort der Welt“. Mit diesem Ort ist eine Mittelschule in einem kleinen Städtchen in der Nähe von San Francisco gemeint. Und gefährlich ist es dort, weil sich die Jugendlichen benehmen wie kleine Monster und keine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig zu mobben. Wer da ein Außenseiter ist wie Tristan und zudem noch den Fehler begeht, seiner unerreichbar Angebeteten einen innigen Liebesbrief zu schreiben, der macht sich noch angreifbarer, als er ohnehin schon ist, und hat somit verdammt schlechte Karten.

Auch sollte man die Wohnung seiner Eltern während deren Abwesenheit nicht für eine wilde Party zur Verfügung stellen.

Lindsey Lee Johnsons Roman ist keineswegs eine Teenie-Komödie à la „Fuck ju Goethe“, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den typischen Problemen Heranwachsender. Und nicht alle der beteiligten Figuren kommen heil aus dieser Zeit heraus. Ein gutes Buch!
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Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt.
dtv, Oktober 2017.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 21,00 Euro.

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Sonntag, 03.12.2017

Autor: Immo Sennewald

“Es geht seinen Gang” – ein Buch der Deutschen

Der meisterhafte Roman von Erich Loest hat mich – noch aus dem Abstand von 40 Jahren – aufgewühlt. Wie in einem Druckkessel verdichtet er Lebensverhältnisse Mitte der 70er Jahre in Leipzig zu beklemmenden Bildern und Szenenfolgen. Sein Ich-Erzähler Wolfgang Wülff, eher ein Anti-Held, ist Ingenieur in einem “Volkseigenen Betrieb” (VEB) mit den zu jener Zeit überall in der DDR-Mangelwirtschaft üblichen Problemen. Er ist fast genau mein Jahrgang, 1949 geboren, verheiratet, lebt mit Frau und vierjährigem Töchterchen in einem Plattenbau im Leipziger “Oktoberviertel”. Zur Einheitswohnung haben sie den Einheitstrabbi, und dieses Leben ist ziemlich genau, was mir seinerzeit als Alptraum erschien. Nicht dass es mir an Respekt vor den “Werktätigen” gemangelt hätte: Allein die Aussicht, mich als funktionierendes, gar parteitreues Rädchen ins Gestell zu fügen, passte weder zu meinem Wissensdurst und Freiheitsdrang noch zu meiner Lebensgier. Zu meinen Freunden und Bekannten gehörten freilich Ingenieure wie dieser Wolfgang: Hilfsbereite, humorvolle, familienorientierte Männer. Impulse jugendlichen Aufbegehrens hatten sich oft – wie bei Wülff – nach Konflikten mit der Staatsgewalt zu hartnäckigen Traumata verknotet, aber ich bin den “gelernten DDR-Bürgern” niemals so nahe gekommen wie Erich Loest, wenn er Wülff erzählen lässt. Kein Wunder, dass das Buch trotz Behinderungen durch die Zensur im Osten ein Renner war.

Wülffs allzu normales Leben erscheint darin wie mit dem Retro-Virus der Verweigerung infiziert: Der 26jährige möchte gern in Ruhe gelassen werden, nicht aufsteigen in der sozialistischen Wirtschaftshierarchie, nicht zu den “Bestimmern” gehören. Er kümmert sich lieber um sein Töchterchen, seine Mutter, die kriselnde Ehe von Freunden. Seine geliebte Frau Jutta legt diesen Mangel an Ehrgeiz als Trägheit aus, und als er wegen Beleidigung eines Kaders vor Gericht landet, bestraft wird, weil er dessen sadistische Erziehungsversuche in einer Schwimmhalle “faschistisch” nennt, ist es um die Ehe geschehen.

Wie Loest Wülffs inneren Aufruhr in Sprache verwandelt, ihn allein in der Einsamkeit an einem Mecklenburger See, beim Hören einer Sinfonie Bruckners im Gewandhaus auf seiner Seelenwanderung begleitet, das holt dieses “Rädchen” im sozialistischen Getriebe endgültig aus der Anonymität. Am Ende verliebt er sich – in eine Alleinerziehende. Das ist kein Happyend, aber einer jener Hoffnungsfunken des Jahres 1977, die das Ende der DDR vorwegnahmen. Der Staat wurde seinen Bürgern längst nicht mehr gerecht, Rudolf Bahro hatte es im selben Jahr gnadenlos analysiert, die DDR war schon fast bankrott. Mir bleibt nur zu wünschen, Erich Loests Mühen um die deutsche Einheit würde auch künftighin dadurch belohnt, dass viele diesen Roman lesen. Die ihn gelesen haben, werden kaum zulassen, dass es in Deutschland noch einmal seinen – sozialistischen – Gang geht.

Erich Loest
Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene
Roman, Mitteldeutscher Verlag, 294 S., geb.
ISBN 978-3-86152-021-4

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Donnerstag, 23.11.2017

Autor: Andreas Schröter

Fritz Schaap: Hotel Istanbul

Fritz Schaap: Hotel Istanbul«Mit dem Nahen Osten befasst sich die Geschichten-Sammlung „Hotel Istanbul“ des Journalisten Fritz Schaap. Und diesen journalistischen Ansatz spürt man. Die Storys, die von Drogenhändlern in Damaskus, Kriegstouristen an der türkischen Grenze zu Syrien oder Rekrutierungsschulen für die Kämpfer des Islamischen Staates handeln, sind gut recherchierte Reiseberichte – mit einigen (wenigen) fiktiven Elementen.

Schaap, geboren 1981 und tätig unter anderem für Spiegel, Zeit und SZ-Magazin, informiert sich bei einem schwulen Palästinenser über dessen massive Schwierigkeiten in einem homophoben Land und spricht mit Menschenhändlern im Sinai, wobei er sich selbst in Gefahr begibt. Und in „Die heiligen Trinker von Gaza“ trifft er Menschen, die sich über das strikte Alkoholverbot der Muslime hinwegsetzen.

Das alles ist hochinteressant und bietet tiefe Einblicke in einen Teil der Welt, den man ansonsten vor allem aus den Nachrichten kennt und der spätestens seit dem IS-Terror dort wieder stärker ins Blickfeld des Westens gerückt ist.

Wer Schaaps Storys, die zum Teil wie Berichte direkt aus der Hölle wirken, gelesen hat, wird jeden Flüchtling verstehen, der von dort kommt und in einem ruhigeren, humaneren Teil der Welt seine Zukunft sucht.

Fritz Schaap: Hotel Istanbul.
Knaus, Oktober 2017.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

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Dienstag, 21.11.2017

Autor: Andreas Schröter

John Burnside: Ashland & Vine

John Burnside: Ashland & Vine«Der 1955 geborene schottische Autor John Burnside ist ein Vielschreiber. Nach „Wie alle anderen“ aus dem vorigen Jahr ist nun schon sein nächstes Werk erschienen: „Ashland & Vine“. Darin trifft die junge Kate die viel ältere Jean, die der Jüngeren nach und nach ihre Lebensgeschichte erzählt. Die ist geprägt durch den frühen Tod des Vaters, eines Gegners der Rassentrennung, der quasi auf offener Straße ermordet worden ist. Eine dramatische, unerfüllte homosexuelle Liebe kommt genauso vor wie die Beziehung Jeans zu ihrer Nichte, die in den Terrorismus abgetaucht ist.

Aber auch das Leben der jüngeren Kate ist Thema. Sie ist alkoholabhängig und lebt in einer schwierigen Partnerschaft mit einem egozentrischen Filmemacher.

„Ashland & Vine“ ist ein gefühlvoller Roman, der tief in die Psyche seiner Figuren eintaucht. Empfehlenswert.
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John Burnside: Ashland & Vine.
Knaus Verlag, September 2017.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

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Samstag, 18.11.2017

Autor: Andreas Schröter

Michael Cunningham: Ein wilder Schwan

Michael Cunningham: Ein wilder Schwan«Ein ungewöhnliches und höchst amüsantes Märchenbuch legt der amerikanische Pulitzerpreis-Träger Michael Cunningham vor. In „Ein wilder Schwan“ erfahren wir endlich mehr aus dem Vorleben der bösen Hexe aus Hänsel und Gretel und lernen das Rumpelstilzchen besser kennen (und verstehen).

Und dass Könige und Königinnen es nicht immer leicht haben, war ja eh klar. Auch dass ein Biest für so manche Schöne weitaus attraktiver ist als ein Nullachtfuffzehn-Waschlappen aus dem Dorf, haben wir immer geahnt. Fragen wie diese werden gestellt: Ist es moralisch eigentlich verwerflich, einen blinden Prinzen glauben zu machen, Rapunzel trage noch immer ihr langes Haar, indem sie ihn Abend für Abend ihren abgeschnittenen Zopf liebkosen lässt?

Michael Cunnighams mit vielen Zeichnungen ansprechend verziertes 160-Seiten-Büchlein kann man an einem Nachmittag lesen und wird dabei garantiert ein paar sehr vergnügliche Stunden verbringen. Übrigens: Auch eine wichtige Warnung enthält dieses Büchlein: Wenn Ihnen eine Affenpfote geschenkt wird, die Ihnen drei Wünsche erfüllt, dann sollten Sie verdammt vorsichtig damit umgehen.
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Michael Cunningham: Ein wilder Schwan
Luchterhand, November 2017
160 Seiten, gebundene Ausgabe, 19 Euro

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Mittwoch, 15.11.2017

Autor: Immo Sennewald

„Wir sind Gedächtnis“ – und Konflikt

Wollte ich alle Informationen aufzählen, die mir bemerkenswert erschienen beim Lesen dieses Buches – womit sollte ich beginnen? Und wieviel wird meine Erinnerung bewahren können von der Fülle angebotenen Materials aus der Hirnforschung, aus der Theorie des Lernens, der Psychologie und last but not least Verbindungen zur Literatur, Kunst, Musik? Es wird jedenfalls – und der Experte Martin Korte erklärt auch, wieso – ein Bruchteil dessen sein, was ein Experte zu verdauen in der Lage wäre. Immerhin habe ich Fachleuten das Vergnügen voraus, viel mehr Neues und Unbekanntes zu erfahren, oder Bekanntes in überraschenden Zusammenhängen zu entdecken.  Mit etwas Kreativität sollte es möglich sein, vielen am Thema Interessierten die Lektüre von “Wir sind Gedächtnis” nahezubringen.

Kortes Reise durch den „Kosmos im Kopf“ beginnt beim „autobiographischen“ Gedächtnis, und wie in den folgenden Kapiteln erstaunen sogleich die Leistungen unseres Gehirns, verblüfft aber auch, wie wenig von seinen Prozessen uns bewusst wird. Stillstand kennt es nicht, darin gleicht es dem Universum und dem Mikrokosmos der Elementarteilchen. Astronomische Zahlen beschreiben die Dimensionalität der Vernetzung, der Signalwege, der chemischen und energetischen Abläufe. In Raum und Zeit konfiguriert sich das Gedächtnis fortwährend neu – der größte Teil dieses Eigenlebens bleibt uns verborgen. Immerhin hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten viel Neues über Strukturen und Funktionen herausgefunden. Korte erläutert das anhand zahlreicher Abbildungen, er kommt auf den Erkenntnisfortschritt seit der Antike und dem Hl. Augustinus zurück, benennt wichtige Stationen bis in die Gegenwart und Beiträge bedeutender Forscher. Seine Fähigkeit, souverän das große Forschungsfeld zu überblicken, verbindet sich mit Freude am Erzählen. Wenn er etwa über neue Erkenntnisse zur Rolle des Schlafs beim Lernen spricht, ist die Begeisterung des Lernforschers zu spüren. Zitate aus der Fachliteratur sind ebenso wie solche von Ovid über Shakespeare bis zu Nietzsche, Freud, Marcel Proust und Homer Simpson als „Gedankenflüge“ passend zum Titelbild typographisch eingebunden: So macht Lesen Spaß.

Das Kapitel über die „Auslagerung“ individuellen Wissens in die weltumspannenden digitalen Netzwerke weckte meine Aufmerksamkeit. Korte referiert das Für und Wider, die Grenzen und Defizite des „Multitaskings“, die Vorteile des „Learning bei doing“. Er stellt die Bedeutsamkeit kultureller Kontexte gegenüber schierem Vermitteln von Fakten heraus und befürchtet, dass Internetgewohnheiten das Denken selbst verändern. Dazu führt er „eine nicht zu vernachlässigende Deprivation unseres Stirnlappens“ an, „der eben vor allem damit beschäftigt ist, die Gefühle, Einstellungen und Empfindungen unserer Mitmenschen im sozialen Kontext zu erahnen…“. Leider beleuchtet er die Bedeutung der nonverbalen Signale – der Mienen, Gesten, Laute – für die Kommunikation nur allzu kurz, obwohl er ihnen 70 bis 80% des Geschehens zuordnet. Sie bilden sich schon im Mutterleib, werden zwar abhängig von der Lernumgebung nach der Geburt individualtypisch ausgeprägt, bleiben aber lebenslang tief im Unbewussten des Gedächtnisses verankert. Sie sind menschenallgemein, wenn auch kulturell überformt. Fast jeder versteht sie – unabhängig von der Sprache – richtig: Wer kein Deutsch kann, wird kaum freundlich auf ein aggressives „Du Depp!“ reagieren. Er würde sich aber kaum beleidigt fühlen, wenn ich ihm mit von Herzen kommender Bewunderung und einem Lächeln sagte: „Du bist ein Depp ohnegleichen!“. 

In Grenzen sind – etwa bei Schauspielern – solche emotionalen Signale trainierbar,  sie formen gleichwohl zwar stabile, vor allem aber kaum zu beeinflussende Persönlichkeitsmuster. Und sie können enorme gruppendynamische Kraft entfalten – im Jubel der Stadien, in Rührung und Gelächter des Theaterpublikums, im Johlen des Mobs, im Kriegsgeschrei. Die vielbegackerten Echokammern und Filterblasen des World Wide Web erscheinen als Surrogat solcher Interaktionen und aller möglichen sozialen Rituale und Rollen. Aber auch in virtuellen Beziehungen zwischen Menschen steuern Emotionen und Impulse tief im Gedächtnis das Verhalten. Korte streift den Zusammenhang noch einmal im Kapitel über das Vergessen, wenn er auf „Narben der Erinnerung“ – meist in der Kindheit erlittenener Verletzungen – zu sprechen kommt, und im vorletzten Kapitel die Zerstörung des „kollektiven Gedächtnisses“ durch Kriege und totalitäre Systeme anspricht, aber er lässt Fragen nach Wut, Hass, Ekel, Aggressivität, Machtgier, Habsucht, Rachedurst… außen vor – auch die nach Liebe, Altruismus, Empathie – und beschränkt sich alles in allem auf kognitive Aspekte. Ein umfänglicher Abschnitt über die Alzheimer-Krankheit und das Schlusskapitel mit Tipps, wie einer sein Gedächtnis fit hält, ließen mich an jene konfliktscheue Wissenschaft denken, die von wohlmeinenden Medien gern „eingekauft“ und als „trinkbare Information“ (die Formulierung stammt von einem ehemaligen Fernsehdirektor) dem vermeintlich minder verständigen Publikum verabreicht wird.

Wen schließlich meint das „Wir“ im Titel? Alle Menschen? Eine wohlversorgte, aufgeschlossene Leserschaft? Letztere wünsche ich dem Buch, falls sie weitergehende Fragen stellt, ist das ganz im Sinne des sympathischen Autors und seiner Lernforschung. Die von ihm kurz angedeutete Idee, man könne Vorurteile – also womöglich Feindbilder – aus dem Gedächtnis mittels Workshops ausräumen, erscheint mir gleichwohl so lächerlich wie gespenstisch. Kürzlich schlugen – so war in Medien zu lesen und zu hören – Bonner Wissenschaftler vor, das Hormon Oxytocin gegen Fremdenfeindlichkeit zu verabreichen. Solange derart mechanistisch mit dem – auch für das Lernen – unvermeidlichen Konfliktgeschehen der realen Welt kalkuliert wird, bleibt das kollektive Gedächtnis der Menschheit – also unseres – bedroht.

Martin Korte “Wir sind Gedächtnis”, DVA Sachbuch 2017, 384 Seiten, 20 €

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