Donnerstag, 27.10.2005 | 07:03 Uhr

Autor: Christiane Geldmacher

Virginia Woolf: Ein eigenes Zimmer

Das ist einer der besten Essays, der je über das Schreiben verfasst worden ist. Virginia Woolf findet darin zur gleichen Leichtigkeit wie in ihrem Roman Mrs. Dalloway. Die Kernthese des Essays lautet, dass keine Frau schreiben kann, die nicht ein eigenes Zimmer und Ruhe vor Familie und Freunden hat. Und sie meint damit fundierte Ruhe. Also, traut euch, schafft euch Freiräume – und das gilt für Frauen und Männer. Ich kannte den sehr zart gewebten und intelligenten Essay (ca. 80 Seiten) bisher nur in einer DDR-Ausgabe; gestern habe ich ihn in einer Buchhandlung für 5 Euro in einer Fischer-Ausgabe gesehen. Bei Amazon finde ich (außer Wolf-Rasenmähern) nur eine kostpieligere Ausgabe, allerdings mit einem weiteren Essay, Drei Guineen.

Ein eigenes Zimmer

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16 Kommentare

  1. Markus Kolbeck Says:

    “A room of one’s own” wird als Orighinaltitel angegeben, unter dem der Essay 1978 zuerst erschien und bei Fischer auch bis 1994. Die Neuausgabe von 2001 heißt dann nur noch “Ein eigenes Zimmer”. Booklooker hat Ausgaben ab 2 Euro; man muß also nicht unbedingt so tief in die Tasche greifen. Reclam Leipzig hatte schon 1989 eine komplette Ausgabe von “Ein eigenes Zimmer. Drei Guineen. Essays”.

  2. Christiane Geldmacher Says:

    Hallo Markus – das ist genau die Ausgabe, die ich habe: Reclam Leipzig. Dieses Fischer-Taschenbuch ist sehr hübsch aufgemacht – in blau. Hätte ich 5 Euro dabeigehabt, ich hätte es zum Verschenken mitgenommen. Aber ich hatte schon vorher im Antiquariat einen Krimi von Friedrich Ani für 2 Euro gekauft – und da war meine Hosentasche, in der sich immer das Wechselgeld befindet, leer.

  3. Regula Erni Says:

    Dieses Buch müsste eigentlich auf Pflichtlektüre sein. Es ist unheimlich lange her, dass ich es gelesen habe – und ich hänge daran, obwohl die Übersetzung so gut nun auch nicht war

  4. Christiane Geldmacher Says:

    Ja – aber man trifft kaum einen Mann, der es gelesen hätte. Dabei finden auch Autoren darin Argumentationshilfen, um ihre Schreib-Wochenend-Datscha mit Zähnen und Klauen gegen soziale Begehren aus ihrem Umfeld zu verteidigen.

  5. Oliver Says:

    Also mein Lieblingsessay von Woolf ist ja ‘Mr. Bennet (sp?) und Mrs. Brown’. (Und das Lieblingszitat: ‘My name is Brown. Catch me if you can.’) Aber ich muss zugeben, dass ich ‘A Romm of one’s own’ noch nicht gelesen habe.

    Essay erwähnt hier: http://www.americanstudies.wayne.edu/xchanges/1.2/wild.html

  6. andreaffm Says:

    Der Essay ist absolute Pflichtlektüre, für mich besonders der Abschnitt über “Relevanz”. Der relativiert einiges, was auch gerade in letzter Zeit wieder als Forderung an Schriftsteller durch Feuilletons geistert. Frau Woolf gibt einem da eine ziemlich wirksame Keule an die Hand.

    (Ein ehemaliger Anglistikprof von mir hat das gelesen, und er ist männlich. Er hat das sogar übersetzt. Und die abgebildete Ausgabe hab ich als Hardcover aus dem Ramsch gezogen – Büchermarkt, Kleinmarkthalle – manchmal hat man halt doch Glück.)

  7. albertsen Says:

    Hm, bei Amazon gibt es auch noch eine relativ günstige Taschenbuchausgabe und eine noch günstigere Originalausgabe.

  8. molosovsky (Alexander Müller) Says:

    Woolf beeindruckt. Sowohl mit den Essays als auch ihren Romanen. Wem »Ulysses« zu dick und esoterisch ist, greife besser zu »Mrs Dalloway«. Halt stop: als jemand der den Joyce-Ziegel 2 x deutsch und 2 x englisch gelesen hat und das elegenate Dalloway-Bändchen 1 x genoß, kann ich gleich sagen: vergeßt »Ulysses« und wenn schon frühen Bewußtseinsstrom, dann Woolf.

    Neidisch aber sehr froh bin ich um die eText-Lage der englischsprachigen Welt. So bietet eine Australische Uni die meisten Texte von Woolf für umme an.

  9. Christiane Geldmacher Says:

    Manche Bücher von ihr finde ich banal und kann ich nicht lesen. Aber Mrs. Dalloway ist sehr elegant – ihr Meisterwerk. Wenn man dann jedoch Joyce dazu nimmt und die Länge von Ulysses in Betracht zieht – der unterhaltsam, aber nicht elegant ist – sollte man Proust nicht unerwähnt lassen, der auf der einer LÄNGE von über 3000 Seiten in “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” auch die ELEGANZ gebracht hat.
    *fehlt noch jemand in der Reihe der Bewusstseinsströme?

  10. Oliver Gassner Says:

    @molo:
    Sorry, aber Ulysses ist etwa um den Faktor 200x mehr als “Stream Of Cosciousness” (und das ist wiederum 100% Woolfs, pardon, Masche). Das ist wie Pinter und Goethe vergleichen. (ohoh 😉 ) Aber wieso sag ich dir das?

    & alles was in D halbwegs relevant ist und gemeinfrei (OK, und 20 Jahre älte als woolf etc.) gibt es auch bei GUTENBERG-DE (nicht .de). Ich nehms mal in die Linkliste 😉

  11. molosovsky (Alexander Müller) Says:

    Sag mal Christiane, ließt Du Proust (wie z.B. ich) ab und zu mal als Abschalt- und Einschlaflektüre, oder kannst Du da (literarisch) richtig mitfibbern. Ich bin bei ca. Seite 400 von 3000 und finde Proust zwar elegant, aber auch unendlich fad. Wobei ich ›fad‹ hier nicht nur wertend meine. Das ist so Largo-Prosa, oder sehr breit angelegtes Adagio. Ohne gegen Proust und seine VerehrerInnen motzen zu wollen, muß ich zugeben, daß ich zu denen gehöre, die ihn für überschätzt halten.

  12. Christiane Geldmacher Says:

    Ich halte Proust für maßlos unterschätzt. Die meisten machen sich nicht klar, was der Bursche mit seiner “Suche nach der verlorenen Zeit” gestemmt hat. Wenn er noch leben würde, würde ich nach Paris wallfahrten – gewebloggt (sieht das Wort elend aus!) hätte er wahrscheinlich nicht.

  13. Christiane Geldmacher Says:

    Ich hätte allerdings auch “gebloggt” schreiben können.
    *rauft sich die Haare

  14. Oliver Gassner Says:

    Proust war Hypertextautor. Man merkt’s den Büchern nur nicht mehr soooo an. der hat z.B. seine (?)Haushäterin Textschnipsel in Mansuskripte “einnähen” lassen, so dass man sie ausfalten – sozusagen sie ‘durchsurfen’ konnte.

  15. andreaffm Says:

    ach immer diese rasende fortschrittlichkeit. verfahren, versuchsaufbaue. tschuldigung, aber ich bin da (als leser, nicht als literaturwissenschaftler) irgendwo kurz hinter austen hängengeblieben. das ist ja alles gut und wichtig, aber wenn ich was über psychologie wissen will, les ich auch nicht freud. was interessiert mich der dernier cri von anno tobak?

    woolf kann man lesen, immer noch. nicht, weil sie irgendwelche textverfahren auf die spitze getrieben hat und weltmeisterin im streaming of consciousness ist, sondern schlicht, weil da immer noch etwas ist, was berührt, was interessiert, was mit dem leben zu tun hat. (interessiert literaturwissenschaftler nicht sonderlich, ich weiß.)

  16. Oliver Gassner Says:

    Also selbst berühmere Literaturwissenschfatler halten z.B. ‘Finnegan’s Wake’ nicht für ‘lesbar’. Das nicht heißt, dass man nicht seinen Spaß damit haben kann. Faust II war ja auch nie für die Bühne gedacht.

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