Sonntag, 16.03.2008 | 15:15 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Alison Bechdel: Fun Home

Alison Bechdel: »Fun Home«„Eine Familie von Gezeichneten“ lautet der Untertitel in Alison Bechdels „Fun Home“. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Das Buch, das im amerikanischen Original 2006 zu einem Überaschungserfolg wurde, ist ein Comic. Darin beschreibt die 47-jährige Autorin autobiographisch, aber nicht linear die Beziehung zu ihrem zumindest latent homosexellen Vater sowie ihr eigenes Coming Out als Lesbe. Ein literarisches Comic also – sicherlich ein Subgenre mit Seltenheitswert.

„Fun Home“ ist dabei schwarzhumorig die Abkürzung von „Funeral Home“, denn die Familie Bechdel betreibt nebenher ein Beerdigungsinstitut – ansonsten sind Vater und Mutter Englischlehrer. Vater Bruce ist überaus belesen und dazu ein geschickter und eifriger Handwerker und Wohnungs-Verschönerer. Tochter Alison entdeckt jedoch nach und nach den dunklen Schatten im Leben ihres Vaters. Seine Ehe und sein Dasein als Familienvater sind nur die eine Seite der Medaille: Er hatte immer wieder außereheliche Beziehungen zu Männern. Einmal kostet ihn eine solche zu einem Schüler fast den Job. Im Alter von nur 44 Jahren wird er von einem LKW überfahren und stirbt. Es kann nie mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob es ein Unfall oder Selbstmord war.

Alison spürt eigene homosexuelle Neigungen und fühlt sich fortan dem Vater noch näher. Kurz vor seinem Tod sucht sie das Gespräch mit ihm, doch es kommt zu kaum mehr als Andeutungen.

Es ist vor allem die besondere (Comic-)Form, die „Fun Home“ zu einem interessanten Leseerlebnis macht. Muss man sich als ansonsten Nur-Text-Leser anfangs umstellen, macht diese Art des Bild-Text-Zusammenspiels später richtig Spaß, und man ist traurig, dass das Vergnügen nach nur 240 Seiten schon vorbei ist. Bestünde „Fun Home“ aus reinem Text, hätte es sicherlich nicht diesen Erfolg gehabt. Die Geschichte an sich ist zwar durchaus interessant und emontional packend, aber nicht überragend. Die Comic-Form gibt ihr den letzten Pfiff – das gilt vor allem für das letzte Drittel, in dem Text und Bilder auf den ersten Blick manchmal nicht zueinander zu passen scheinen. Auf den zweiten Blick tun sie es dann umso mehr. Empfehlenswert!

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Alison Bechdel: Fun Home.
Kiepenheuer & Witsch, Januar 2008.
240 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

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Ein Kommentar

  1. thomas Says:

    hallo andreas,
    schön, dass ausser mir noch jemand in der bloglandschaft dieses tolle buch empfiehlt!

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