Freitag, 30.03.2007 | 11:50 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Tahar Ben Jelloun: Die Früchte der Wut

Tahar Ben Jelloun: »Die Früchte der Wut«Tahar Ben Jelloun (geboren 1944) ist der wichtigste Autor des Maghreb (Tunesien, Marokko, Algerien). Gleich mehrere seiner Werke beschäftigen sich mit der Migranten-Problematik – mit dem Leben nordafrikanischer Einwanderer in Frankreich. So auch das nur 119 Seiten schmale Bändchen „Die Früchte der Wut“, das erst jetzt, obgleich im französischen Original bereits Mitte der 90er Jahre als „Les Raisins de la galere“ veröffentlicht, auf Deutsch erschienen ist.

Hauptfigur ist die Ich-Erzählerin Nadia, die sich politisch gegen die Ungleich-Behandlung ihrer algerischen Landsleute in Frankreich zu wehren versucht. Dabei stößt sie nicht nur auf Seiten der Franzosen auf Widerstände, sondern auch und vor allem in den eigenen Reihen. Mangelnde Bildung, wachsender Islamismus, Gleichgültigkeit und die Unterdrückung der Frauen sind die Dinge, die ihr zu schaffen machen.

Viele Einwanderer aus dem Maghreb leben in Frankreich in den sogenannten Banlieues, den Randbereichen rund um die großen Städte – in Sozialwohnungen in Plattenbauweise. Kriminalität, Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit sind die Themen, die dort das Leben der Menschen beherrschen. Seit den gewalttätigen Unruhen in Frankreich im Oktober und November 2005 ist diese Thematik stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit als zuvor. Das und sicher auch der Umstand, dass der Text einigermaßen kurz ist, hat viele Lehrer bewogen, „Les Raisins de la galere“ in Französisch-Leistungskursen der gymnasialen Oberstufe zu besprechen.

Nicht immer zur Freude der Schüler. Das Buch liefert zwar viele interessante Informationen, liest sich aber gelegentlich spröde wie ein Sachbuch. Die Figuren erwachen nicht zum Leben, weil Jelloun weitgehend auf das szenische Schreiben verzichtet. Er erzählt zu viel und zeigt zu wenig. Auf diese Weise erreicht er zwar den Verstand seiner Leser, nicht aber das Herz.

Fazit: kein Buch, das man lesen muss – außer, man hat zufällig gerade Französisch-Leistungskurs.

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Tahar Ben Jelloun: Die Früchte der Wut.
Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin, Februar 2007.
119 Seiten, Taschenbuch.

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3 Kommentare

  1. Marietheres Says:

    Ich bin nicht der Meinung, dass man das Buch nur lesen sollte, wenn man es muss. Auch wenn ich selber Französisch LK habe, so bin ich der Meinung, dass es ein sehr interessantes Buch ist, das einem einen einmaligen Einblick in diese Kultur gibt! Nachdem ich mir einige Rezensionen über die verschiedenen Bücher von Tahar Ben Jelloun durchgelesen habe, bin ich umso mehr begeistert von seinen Werken! Zwar ist „Les raisins de la galère“ zum Teil sehr unübersichtlich aufgebaut, dennoch ist es auf jedenfall empfehlenswert!

  2. Willey Says:

    Also ich habe Französisch-GK – wir lesen das Buch auch, morgen schreiben wir eine Klausur darüber. Ich finde das Buch sehr interessant und kann außerdem meinem Vorredner nur zustimmen! Schade ist nur, dass auch dieses Buch keine echte Lösung zu zeigen scheint, wie solche Probleme ernsthaft gelöst werden könnten!

  3. Karl Otter Says:

    Also, ich stimme dem Ursprungsartikel zu. Habe Französisch LK und das Buch hängt mir zum Halse raus, vor allem weil nichts neues geschildert wird. Es ist einfach viel zu lang, sodass die einzelnen Schicksale des Buches an Bedeutung verlieren.

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