Freitag, 13.10.2006 | 15:39 Uhr

Autor: Oliver Gassner

Ein offener Brief an die IGdA von Anant Kumar

– Am 07. Oktober wurde dem Kasseler Autor indischer Herkunft Anant Kumar im Kloster Volkenroda die Jahresauszeichnung verliehen.
– Am 10. Oktober reichte A.K. dem Verband (www.igda.net) sein Austrittsgesuch ein.
– Laudatio: Prof. Dr. Horst Dinter (Vorstand)

Liebe Mitglieder des Autorenverbandes IGdA e.V.,
Sehr geehrte Damen und Herren,

dankend für die Auszeichnung sehe ich meine bevorstehenden Aufgaben im Geschichtenschreiben.

Dass ein oder anderer Einheimische (oder/und Fremde) mir das mal übel nimmt, sollte weiterhin nicht ausschlaggebend sein.

Das Spiel mit der deutschen Sprache und die Stoffe meiner west-östlichen Welt mögen die Leidenschaft des Erfindens und des Beobachtens wiederholt entfachen.

Dankend nochmals für Ihre Anerkennung. Aus dem Verband möchte ich jedoch austreten, weil ich an dem darauffolgenden Tag, am 08. Oktober, die hitzigen, amüsanten Gesprächen der älteren Mitglieder die Hauptbotschaft entnehmen konnte, etwa: „>>Rudolf-Descher-Feder 2006< < wurde Anant Kumar verliehen, weil er Inder ist. Dazu trug sein >>Exot-Bonus< < bei.“ (1) Ich wehre mich vehement gegen derartige Äußerungen bzw. Ansichten in einem (kleinen und großen) Autoren- bzw. Literaturverband. Bitte haben Sie für meine Entscheidung Verständnis. Ich bedanke mich herzlich für die mehrmaligen Abdrücke meiner Texte in der Verbandszeitschrift >>IGdA-aktuell<<, und ich wünsche dem Verband rege kritisch-konstruktive Arbeitsjahre, die zum kulturellen Leben der Bundesrepublik schöpferisch beitragen mögen. Die Jahresauszeichnung 2006 nahm ich dankend der folgenden Laudatio von Herrn Prof. Dr. Horst Dinter (Vorstand) entgegen: „Viel wichtiger ist es, einen Stilwandel aufzuzeigen, der sich mit der Auszeichnung des Herrn Anant Kumar anbahnt: diesmal wird ein Autor ausgezeichnet, der nicht im Dienste der IGdA sozusagen, ,ergraut’ ist, jemand mit einem ansehnlichen ,Lebenswerk’, was man darunter verstehen mag, sondern jemand, dem die Descherfeder Ermunterung für noch viele Jahre erfolgreichen Schaffens sein kann, als ,Föderpreis’ sozusagen. Herrn Kumars, Verdienste’ um die IGdA sind nicht auffällig. Zudem ist er auch nicht lange Mitglied bei uns, aber er soll sich ja auch nicht in erster Linie um unseren bescheidenen Verein, sondern um die deutschsprachige Literatur verdient machen. Und da wird es bei Herrn Kumar und seinen Arbeiten jedenfalls – bemerkenswert. Es lohnt nicht, diese Arbeiten stilkritisch durchzusehen. Wenn man seinen Stil mit einem Merkwort kennzeichnen wollte, so könnte ich dafür höchstens ,unverbindlich’ vorschlagen, nicht festgelegt. Und das ist für die Naivität bei der Bearbeitung seiner Inhalte wichtig. Naivität? Den Beiklang ,einfältig’ hat das Wort erst seit dem 18. Jahrhundert. Bis dahin bedeutet der Begriff, der sich vom (lat.) nativus =, ,von Geburt her’ ableitet, natürlich/ursprünglich/ungezwungen/ungekünstelt und ist z.B. von Fr. Schiller als Gegensatz zu sentimentalisch = bewusst/reflektierend eingesetzt worden. Nun, ein solcher Gegensatz soll für Anant Kumars Arbeiten nicht konstruiert werden, ich streiche nur das Auffällige heraus.“ Mit besten Grüßen Anant Kumar www.anant-kumar.de.vu

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2 Kommentare

  1. Jutta Miller-Waldner Says:

    Zu diesen Vorwürfen siehe http://igda.ig.ohost.de/?p=1432.

    Jutta Miller-Waldner
    1. Vorsitzende der IGdA

  2. Oliver Gassner Says:

    Mit Genehmigung von Jutta:

    Zu den Vorwürfen von Anant Kumar am 13. Oktober 2006

    Anant Kumar hat vier Tage nach der feierlichen Überreichung der Rudolf-Descher-Feder, die jährlich einem Mitglied der Interessengemeinschaft deutschprachiger Autoren e. V. für sein Schaffen verliehen wird, in einem Mail seinen Austritt aus dem Verein erklärt. Am 13. Oktober 2006 hat er das Mail als Offenen Brief auf http://blog.literaturwelt.de/archiv/ein-offener-brief-an-die-igda-von-anant-kumar/ veröffentlicht.

    In meinem Antwortschreiben bat ich ihn, seine Vorwürfe zu konkretisieren oder den Eintrag löschen zu lassen, da er unseren Verband pauschal diffamiert. Dies tat er nicht, sondern er weitete den Zeitraum, in dem die beanstandeten Worte gefallen sein sollen, von einer Stunde auf vierundzwanzig Stunden, also der ganzen Dauer seines Aufenthalts anlässlich der Preisverleihung, aus. Außerdem teilte er mit, dass er den offenen Brief dem P.E.N. geschickt habe und dass er inzwischen auch in Druckform erschienen sei.

    Wir sind deshalb gezwungen, öffentlich zu seinen Vorwürfen Stellung zu nehmen.

    Die Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e. V. ist überparteiisch, neutral und konfessionsungebunden. Sie hält sich an das Antidiskriminierungsgesetz. Kein Mitglied wird auf Grund von Nationalität, Geschlecht oder Alter ausgegrenzt oder bevorzugt. Anant Kumar wurde u. a. die Descher-Feder verliehen, weil ihn auszeichnet, dass er Bücher ohne Druckkostenzuschuss veröffentlicht und mehrere Literaturpreise sowie ein Aufenthaltsstipendium beim Inselschreiber Sylt 2003 gewonnen und Lesereisen durch Kanada und die USA auf Einladung vom Goethe-Institut und dortigen Universitäten unternommen hat.

    Es kommt immer wieder vor, auch bei Literaturwettbewerben, der Vergabe von Stipendien usw., dass jemand mit einer Preisverleihung nicht einverstanden ist. Für Worte wie „Exot-Bonus“ müssen wir uns aber entschuldigen, und wir distanzieren uns ausdrücklich davon.

    Wenn die Worte, die er uns vorwirft, schon vor der Verleihung der Rudolf-Descher-Feder gefallen sein sollten, wundert uns, dass er nicht das Gespräch mit dem Vorstand der IGdA suchte, um die Angelegenheit zu klären.

    Wir fordern Anant Kumar auf, in Zukunft derartige Diffamierungen unseres Vereins zu unterlassen.

    Jutta Miller-Waldner
    1. Vorsitzende der IGdA

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