Freitag, 22.09.2006 | 10:46 Uhr

Autor: molosovsky

Molosovskys Buchmessen-Debut

{EDIT: 08. Okt. ’06: Korrektur}
Peinlich aber wahr: ich weiß gar nicht mehr genau, in welchem Jahr ich zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse war. Da ich 16 oder 17 war, muß meine Buchmesse-›Initiation‹ so 1988/1989 gewesen sein. Auch bei mir (wie bei Oliver) war’s eine Busgemeinschaftsfahrt (organisiert von der Buchhandlung Gerd Stiebert in Ingolstadt, DEM netten Buchladen in der Stadt, bei dem ich damals so tolle Sachen wie die Milo Manara-Comics mit Guiseppe Bergmann entdeckt habe), die in aller Herrgottsfrüh an einem Samstag ‘gen Frankfurt rollte. Für die Busfahrt hatte ich natürlich einen Walkman dabei; mit Musik von Michael Nyman und Johannes Brahms auf meiner Mix-Cassette (DAS weiß ich komischerweise noch).

Damals durchwahnte ich grad meine heftigste H. P. Lovecraft-Phase, gab also exemplarisch den düsteren Verachter des Gemensches und der Moderne (so wie ich zweiteres damals verstand). Entsprechend zombihaft bleich war mein Taint (Kellerzimmer, Nachteule) und asysmmetrisch meine Frisur (zerrissenes Subjekt-Empfinden). Passte aber stilecht zu meinem Zwicker, dem albernen Garrack-Imitat-Gothmantel und meinen Spitzen Halbschuhen (man denke an die Leningrad Cowboys).

Was ist mir von der Messe noch erinnerlich? Hmmm, grübel.

Also: An einem Comicstand (ich glaub, von Edition Moderne und Co) war ich grad der einziger Stöberer, als der von mir arg bewunderte Schweizer Künstler H. R. Giger die Standleute fragte, ob sie noch diese und jene alte Nummer vom »Strapazin« auftreiben könnten. Ich traute mich nicht, Herrn Giger anzusprechen, denn ich hatte Angst, daß er sich als komischer Okkult-Onkel entpuppt. Außerdem nerv ich Prominente ungern mit den ewig gleichen Sprüchlein (»Sie sind großartig. Ich bin ein Fan. Blablabla.«)

Nicht zu knapp trieb ich mich am Stand meines damaligen Leib- und Magenverlages Haffmans herum und lernte (nach bereits hin- und her gegangener Briefkorrespondenz über Tusche, Feder und die Welt) die großartige Illustratorin Tatjana Hauptmann kennen. Zusammen verdrückten wir auf dem Messehof eine der furchtbaren Messewürstchen. Damals wollte ich noch unbedingt klassischer Illustrator werden und hatte Frau Hauptmann um Rat gebeten, wie man das denn anstellt. Bis auf vier Semester auf einer eher nicht so angesehenen Wiener Kunstschule ist aber nix geworden aus diesem Jugendtraum. Wie auch immer: beim Haffmans-Stand hab ich frisch infizierter Arno Schmidt-Jung-Fan begeistert in den ausgestellten Buchobjekten geblättert und davon geträumt, mir die (für meinen Budgetrahmen) teuren Briefbände leisten zu können.

In den Gefilden mit den Poster- und Kalenderständen konnte ich Dank eines netten Messerabattes einen wunderschönen Kunstdruck von Francois Schuiten (aus der Comic-Welt der »Geheimnisvollen Städte«) ergattern. Dieses Bild hing jahrelang in meinen wechselnden Jungspundzimmern meiner Wiener Zeit (ging aber auch kaporres bei einem meiner vielen Umzüge).

Hier das Motiv, weil’s so schön zur chaotischen Bücherturm- und Wogenwelt der Buchmesse passt.

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