Freitag, 21.10.2005 | 14:01 Uhr

Autor: Oliver Gassner

Bilder von gestern und Texte von heute: Schwartzkopff Buchwerke Hamburg-Berlin

Die erste ‚Blogging 4 Catering‘-Mittagsverabredung stand an und eingeladen hatte mich Anja Wehnekamp, Presseverantwortliche bei Schwartzkopff Buchwerke Hamburg-Berlin.

22 Titel hat der kleine aber feine Verlag bis zu diesem Herbst im Programm; erstmals angetreten ist man letztes Jahr bei der Buchmesse.

small talk im holozänDas Überraschendste zuerst: Peter Schwartzkopff hat die ’ndl‘ gekauft; die ehemalige renommierte DDR-Literatur-Zeitschrift war in den 90ern von Aufbau weitergeführt worden, der, weil die Abozahlen stetig sanken, das Projekt 2004 für einen symbolischen Euro an die Buchwerke verkaufte. Dort machte man das Jahr 2004 mit noch sechs Ausgaben voll und stellte auf ein subskribierbares Jahrbuchformat um.
Die Jahresbände – mit Lyrik, (abgeschlossener) Prosa, Interviews (die dort sehr schön ‚Gespräche‘ heißen) und poetischen Positionspapieren und Essays – bieten eine Mischung aus sehr namhaften und auch frischen Stimmen der neuen deutschen Literatur. Und natürlich kommen auch Autorinnen und Autoren aus den Schwartzkopff-Buchwerken zu Wort; aber eben nicht nur.
Flankiert wird das Projekt von einem Literatursalon am Kollwitzplatz in Berlin, der die Jahrbuchbeiträge aufnimmt.

UnterwegsEbenfalls aktuelle deutsche Literatur stellt man in einer Foto-Text Anthologie namens ‚Unterwegs‘ vor. Ungewöhnlich dabei: Die Fotos der für viele Verlage als Portraitistin aktiven Fotografin Susanne Schleyer bildeten die Vorlage der eigens für den Band geschriebenen Texte.

Und aus dem Bild insgesamt stammt der ganze Verlag: Der Gründer ist Filmproduzent und das erste Projekt des Verlages war eine auf fünf Bände angelegte Fotogeschichte Deutschlands von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart. Drei Bände sind bereits erschienen und aktuell noch im voluminösen und gewichtigen Paket für nur 89 Euro zu bekommen. Bei Schwartzkopf macht man durchweg sehr attraktive Preise.

Im Kaiserreich; Die ruhelose Republik; Gleichgeschaltet, 3 Bde.Die bisher in schwarz-weiß gehaltene Fotobuchreihe ist absichtlich spärlich kommentiert und schöpft nicht nur aus Archivquellen sondern auch aus vielen Privaten Fotoalben. So kann sie Fotos zeigen, die wir noch nie gesehen haben und die sich noch nicht abgenutzt haben. Da ist auch mal Verwackeltes und Unscharfes dabei, das die Authentizität genauso betont wie die zeitgenössischen Quellen. Das Käfer-Foto wird begleitet durch einen Hitler-Redeauschnitt über den Volkswagen. eine Kombination die als Text- und Bild-Quellensammlung an jede Schule gehört, finde ich. Und in möglichst viele Haushalte: Im Kaiserreich; Die ruhelose Republik; Gleichgeschaltet, 3 Bde.

Don't come knockingZum Film kehrt man auch bei einer Fotobandproduktion dieses Herbstes zurück: Ein Bildband dokumentiert Wim Wenders‘ aktuellen Film „Don’t come knocking“.

2 Pac Amaru HectorNatürlich bieten die Buchwerke auch Einzeltitlel, wie den Rock’n’Roll Roman „TraumHaft“ von Matthias Penzel oder den Politroman „2Pac Amaru Hector“ von Enno Stahl. Polit-Sachbücher und literarische Wiederentdeckungen aus dem frühen 20. Jahrhundert. (Hallo Anja: Die Stakkato-Fundstücke-Seite liefert nen Fehler, das ist im CMS was kaputt!)

Übrigens: Das self-service „Schweizer Restaurant“ (oder so ähnlich) in der Nähe der Halle 4 hat uns beherbergt. Die lauwarm-labberige Lasagne wäre ein legitimer Grund für einen italienischen Luftangriff auf das Messegelände. Vom Preis (10,50 €), für den Wegelagerei eine zu euphemistische Metapher wäre, reden wir mal *gar* nicht. Meine Gastgeberin fand allerdings den recht inhaltsreich wirkenden Gulascheintopf lecker.

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5 Kommentare

  1. Carsten Schreiber Says:

    Hallo Herr Gassner,

    ich lese hier schon über das Blogging „4 Catering’“ Mittagessen – aber wo sind denn die News über unser Kater-Frühstück?

    Alles Gute

    Carsten Schreiber/Midvox

  2. Oliver Gassner Says:

    Hallo herr Schreiber, das MIttagessen war das von gestern.

    Ich sitze grade wieder nach längerer Zugfahrt am heimischen Schreibtisch und da unten liegt ein fiebriges Kind, das ein paar Kapitel ‚Löwe gut, alles gut‘ und Kuscheleinheiten brauchte. Ich hoffe ich krieg das morgen vor dem Frühstück gebacken. Nach dem Frühstück hab ich nen Termin vor Ort. Notfalls morgern abend. (Allernotfalls.)

  3. Oliver Gassner Says:

    So, erledigt 😉
    & Ich hoffe Sie sind nicht wieder in die Hände der … gefallen 😉

  4. Carsten Schreiber Says:

    Hallo Herr Gassner,

    wenn Sie auf den abendlichen Wodka-Konsum in 50g-Gläsern mit unseren russischen Geschäftspartnern aus der Buchbranche anspielen: „Nein, diesmal nicht.“ – Gestern Abend hat sich mein Chef allein für diese harte Aufgabe geopfert.

    Carsten Schreiber, Midvox

  5. Oliver Gassner Says:

    Ihr Chef ist (m)ein Held 😉

    Ich kenn jemand, der möchte demnächst mit Koreanern verhandeln. Das soll ähnlich… hart sein.

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