Dienstag, 04.11.2008 | 22:08 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Niccolò Ammaniti: Wie es Gott gefällt

Niccolo Ammaniti: »Wie es Gott gefällt«Was für ein intensives Buch! Mit „Wie es Gott gefällt“ legt der Italiener Niccolò Ammaniti einen Roman vor, der an einigen Stellen so spannend ist, dass das Umblättern Schweißausbrüche verursacht.

Wir tauchen tief ein in die italienische Unterschicht. Dort, wo Geldknappheit, Alkoholprobleme und Gewalt regieren, leben Rino und sein 13-jähriger Sohn Cristiano. Sie haben ihre mit leeren Bierdosen vermüllte Wohnung mit einer Hakenkreuzfahne dekoriert und spielen gerne mit einem geladenen Revolver. Nur wenn der Sozialarbeiter alle zwei Wochen vorbeischaut, reißen sie sich zusammen und stellen das Monopoly-Spiel auf den Tisch, um eine heile Welt vorzugaukeln. Denn wovor beide am meisten Angst haben, ist getrennt zu werden. Auch ihren Freunden geht’s kaum besser. Quatro Formaggi denkt nach einem Unfall etwas langsam, und der versoffene Danilo träumt seit dem Tod seiner kleinen Tochter nur noch davon, einen Banktresor zu knacken. Das labile Gleichgewicht im Leben dieser vier Hauptfiguren gerät in einer einzigen sturmgepeitschten Unglücks-Nacht vollends aus den Fugen …

Dem 42-jährigen Niccolò Ammaniti, der einer der erfolgreichsten Autoren Italiens ist, gelingt in diesem Roman gleich mehreres: ein Buch, das besonders in seinem Mittelteil so nervenzerfetzend wie ein Thriller ist, eine hervorragende, weil glaubhafte Milieustudie der Unterschicht nicht nur in Italien und das Kunststück, den Leser um Wohl und Wehe von Figuren mitzittern zu lassen, die doch eigentlich so wenig zur Identifikation taugen. Und auch einige ins Groteske gehende Handlungs-Umschwünge nimmt man als humorvolle Einlagen gerne mit.

Das Ganze erreicht Ammaniti mit einem schnörkellosen, unprätenziösen Schreibstil, der nicht die Sprache, sondern das Geschehen in den Vordergrund stellt. Trotz seiner knapp 500 Seiten kommt in diesem Buch an keiner Stelle Langeweile auf. Für die Originalausgabe „Come Dio comanda“ hat Ammaniti 2007 den italienischen Literaturpreis „Premio Strega“ erhalten. Sicher eine der interessantesten Neuerscheinungen des Jahres.

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Niccolò Ammaniti: Wie es Gott gefällt.
S. Fischer-Verlag, September 2008.
496 Seiten, Hardcover, 21,90 Euro.

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Ein Kommentar

  1. Bücher kaufen Says:

    Komisches Krasses Buch, aber ich konnte es nicht aus der Hand legen. Die Figuren sind eigentlich alle unsympathisch, unter anderem Rino, ein Neonazi. Der ist gleichzeitig alleinerziehender Vater und will mit seinen Kumpels einen Bankautomaten ausrauben.Trotzdem schafft es der Autor Niccolo Ammaniti, dass man mit diesen harten Typen mitfühlt, es gibt auch einige sehr lustige Momente, bevor es dann im Lauf einer Nacht zu dramatischen Entwicklungen kommt (und die Spannung noch einmal extrem steigt)…ungewöhnliches, tolles Buch.

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