Freitag, 16.03.2007 | 10:26 Uhr

Autor: Christiane Geldmacher

Nachlese Leonce-und-Lena-Preis in Darmstadt

Was der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt für die Prosa ist, ist der Leonce-und- Lena-Preis in Darmstadt für die Lyrik. Am vergangenen Wochenende fand das Wettlesen wieder statt; der Leonce-und-Lena-Preis 2007 ging an Christian Schloyer aus Nürnberg, die beiden Förderpreise an Andrea Heuser aus München sowie Nora Bossong aus Berlin. Porträts aller LyrikerInnen und Textproben finden sich >>>hier.

Namhafte Lyrikkritiker bildeten am ersten Abend eine Diskussionsrunde (Michael Braun, Meike Feßmann, Ina Hartwig, Cornelia Jentzsch, Richard Kämmerlings und Burkhard Müller; Hauke Hückstädt moderierte). In einzelne Stimmen hineingehört:

Die junge Lyrik sei frisch, aber konservativ; das Naturgedicht weiter präsent (wenn auch die Natur oft über die Medien wie Fernsehen oder Internet vermittelt sei); es gäbe wieder einen Trend zum langen Gedicht; zur Aufarbeitung von Mythen; politische Gedichte eher selten. Alle waren sich einig darüber, 1) dass es ungefähr ein Dutzend guter Gedichte im Jahr gibt und dass es 2) der Lyrik in Deutschland so gut geht wie nie zuvor. Beleg dafür: die hohe Anzahl an Wettbewerben, Ausschreibungen, Anthologien, Lesungen, Poetry Slams, Zeitschriften, Internetforen und Verlage – jeder könne sich irgendwo einbringen.

Mehr zum Wettbewerb und seinen Autoren im Beitrag >>>von Peter Kapp im Poetenladen (vertreten auf der Leipziger Buchmesse vom 22.-25. März, Stand C211, Halle 5) sowie aus der Sicht eines Autors von >>>Crauss.

Der Leonce-und-Lena-Preis wird alle zwei Jahre verliehen: Schon für 2009 vormerken!

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7 Kommentare

  1. dirk.schroeder Says:

    „Alle waren sich einig darüber, 1) dass es ungefähr ein Dutzend guter Gedichte im Jahr gibt…“? Cool.

    Woher wissen sie’s nur? Durch Lesen ist das, bei so vielen Möglichkeiten, sich einzubringen, jedenfalls nicht zu schaffen.

  2. Christiane Geldmacher Says:

    ich fand die zahl aber realistisch. es treffen einen doch nur ein paar autoren im jahr wie ein blitz. gut so.

  3. dirk.schroeder Says:

    Wie ein Blitz trifft einen nichts alle Tage. Ist das das Kriterium, kann wohl mehr nicht sein und die Aussage ist als Tautologie wahr genug. Dauergeblitze wär‘ lästig. Doch als fairer Qualitätsmaßstab taugt das kaum, reicht nicht hin, die Rede vom so wenigen Guten zu legitimieren. (Sowieso – es müssen ja deutlich mehr als zwölf Preise im Jahr verliehen werden.)

  4. Christiane Geldmacher Says:

    bei mir hats letztes jahr drei mal geblitzt – thomas bernhard, ingeborg bachmann (malina), jorge semprun.

    das ist ein guter schnitt für mich.

  5. Nati Says:

    Ich finde das meiste was zur Zeit vor allem in Deutschland an zeitgenössischer Lyrik und vor allem an junger Lyrik gehipt, protegiert, preisgekrönt und so weiter wird unverständlich, überflüssig oder tötlich langweilig bis tot. Da findet sich vielleicht ab und an ein für Linguisten-Spezialisten zwar möglicherweise interessant kodierter Wort- und Syntax zusammen mit einer zwar beachtlichen Wissenansammlung an Fremdwörtern, die aber seltsam emotionslos und unkünstlerisch ist und sowieso nur einem fachlich ausgerichteten Elite-Publikum an Literaten verständlich. Aber es ist Grunde doch zu unpersönlich, unbeweglich, farblos. Da surrt und schwebt nichts. Sollte Lyrik denn nicht wortgewordene Musik sein? Aber das was man trifft steht und steht und kommt nicht vom Boden los oder von der Stelle. Klebt oder kriecht bestenfalls mechanisch und künstlich angetrieben über den Boden. Auf der anderen Seite findet man dann auch zu Hauf eine verzweifelte lyrische Prosa, die dann zwar klarer ist, aber doch nur verkürzte Prosa. Da ist nichts mehr kunstvoll phantastisch oder farbig-ätherisch (Rilke, Hölderlin, Else-Lasker, Sappho) oder rührend menschlich (wie bei Ulla Hahn, Hilde Domin, Ernst Jandl) oder irgendwie verzaubert, als ob keiner von ihnen jemals Ingeborg Bachmann gelesen oder gar gespührt hätte. Diese lorbeerumkränzten Dichter (ich will hier keine Namen nennen) treten bei ihrem Auftritt zu allem Überfluß dann auch nicht besser auf als sie zuvor dichteten: sie lesen maschinell, tonlos, emotionslos, unberührt. Ich frage mich wirklich warum und ob das wirklich die Kinder von Rilke & Co sein sollen?
    Germanisten, Feuilletonisten und Besserwisser werden zwar gewissermaßen in ihrer Eitelkeit befriedigt, aber wer sonst? Da gehen doch sogar die Kitschverse, die man so von Amateuren und unglücklich verliebten Hausmüttern findet mehr an Herz und Nieren!

  6. Christiane Geldmacher Says:

    mit solchen pauschalurteilen kann ich ü-ber-haupt nichts anfangen. besonders, wenn ältere semester den jüngeren vorhalten, sie hätten nichts auf der pfanne. das hat, insbesondere, wenn da offensichtlich selbst gedichtet wird, nur etwas von genau jener eitelkeit und besserwisserei, die Sie hier in großem bogen dem ganzen literaturbetrieb unterstellen.

    der poetenladen hat sehr viel zeitgenössicher lyriker versammelt, bekannt und unbekannt. vielleicht schauen Sie sich dort einmal in aller ruhe um. es gibt dort außergewöhnliche lyrik, aber sicherlich keine kitschverse.

    http://www.poetenladen.de/poeten.html

  7. nati Says:

    genau elemente dieses ladens hätte ich beinahe zitiert, um mein (vor-) urteile zu belegen. ich habe mich dort auch mehr als ausgiebig und hand-aufs-herz wirklich in aller ruhe umgeschaut.
    ich wollte auch ganz bewußt ein ungerecht-pauschales urteil abgeben, um nicht selber in öder fachsimpelei zu versinken. ich finde auch nicht, junge poeten hätten nichts auf der pfanne. sie studieren, germanisieren, wissen ne menge worte und wörter. aber es ist halt meist doch seltsam seelenlos. eben mehr grips und theater als herz. ich möchte auch noch mal unterstreichen, daß meine kritik nur die lyrik betrifft. das mit dem kitsch war auch anders gemeint (siehe oben!).
    übrigens bin ich nicht genügend frustriert, um nicht trotzdem über jeden tip dankbar zu sein. kürzlich empfahl man mir nora juga. hab gleich was von ihr bestellt und bin schon ganz gespannt!
    wie gesagt, fast alles, was nach ulla hahn kam, frustrierte mich (außer einigen gedichten von silke scheuermann, jan wagner, björn kuligk und ron winkler), und beinahe hätte ich in meiner obigen pauschalliste vergessen den genialen paul celan zu erwähnen!

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