Freitag, 06.10.2006 | 12:49 Uhr

Autor: Momo Evers

Junge Autoren: Jung und individuell

Wer am Donnerstag von 15:15 bis 16:15 im Börsenblatt-Café bei der Diskussion “Junge Autoren unter 18: Hoffnungsvolle Debütanten oder alles nur ein Vermarktungstrick?” zu Gast war, lernte Johanna Driest (laut Heyne Deutschlands jüngste Autorin) und Jenny-Mai Nuyen (Fantasy-Autorin bei cbj, geboren 1988) kennen – und er lernte auch, dass man „junge Autoren“ ebenso wenig in einen Topf werfen kann wie „blonde Frauen“ oder „BWL-Professoren“. Johanna Driest (Inhalt des Links ohne Worte) schreibt bei Heyne „Bücher, die das empfinden, was ich fühle“. Sie ist nicht nur jung, sie wirkt auch so – und ohne einen Pressesprecher an ihrer Seite etwas verloren, wenn sie sagt, sie hoffe, dass das mit der jüngsten Autorin auch wirklich vom Verlag recherchiert sei, wisse es aber nicht; wenn sie erklärt, warum sie auf dem Cover jedes ihrer Bücher prangt („Ich hab mir Mona immer wie mich selbst vorgestellt, und die Frau, die da auf dem Cover war, die war zwar ganz hübsch, aber das passte nicht so“) oder erklärt „dass die Leute so begeistert von meinen Büchern sind, erstaunt mich selbst. Das empfinde ich als Kompliment, aber wenn es Fakt ist, ist es Fakt. Es gibt bestimmt 70-jährige, die schreiben tausendmal besser als ich, und vielleicht auch jüngere Autoren, aber …“ oder dem Publikum erklärt, was ein Lektor macht (zum Beispiel den Stil des Buches angleichen, was bei ihr aber schwierig war, da ihre Bücher ja in der Sprache der Jugendlichen geschrieben sind). Manchmal redet sie sich um Kopf und Kragen, und dann lacht sie und gibt das Mikrofon weiter.
Zum Beispiel an ihre Kollegin Jenny-Mai Nuyen, die zweifelsohne gleichfalls jung ist, in ihrer ruhigen, besonnenen Art aber älter und reifer – vor allem aber vorbereiteter und sich ihrer Situation bewusster – wirkt. Als junger Autor habe man vielleicht ein paar Vorteile, sagt sie, vor allem aber habe man auch mit einer Menge von Vorurteilen zu kämpfen. Schön wäre es, so Nuyen, wenn die Leute, die sie kritisieren würden, weil sie jung sei, zunächst ihre Bücher lesen würden. Dann könnten sie sie gern kritisieren, weil ihnen diese nicht gefielen. Aber allein ihres Alters wegen in die „kann nichts-ist nur jung und deshalb gut vermarktbar“-Schiene gesteckt zu werden, belaste sie.

Engerer Kontakt zur Zielgruppe

Dass cbj, der junge Jugendbuchverlag von Random House, an Nuyens Text geglaubt hat, macht Pressesprecherin Dr. Renate Grubert deutlich, die die Werbemaßnahmen des Verlages zu Nijura. Das Erbe der Elfenkrone zeigt. Selbstverständlich habe man auch das Alter der Autorin in die Werbung einfließen lassen, vor allem aber habe man auf das Buch gesetzt – und auf eine langfristige Zusammenarbeit. Erfreulich findet Grubert, dass der Verlag öfter Anfragen bekäme, ob Jenny bereit sei, Schreibworkshops für jüngere zu geben, die das Schreiben würden erlernen wollen. Die Berührungsschwelle sänke hier mit dem Alter der Autorin, und das empfinde sie in diesem Kontext als positiv. Auch vor Erscheinen des Titels habe man bereits auf engen Kontakt mit der Zielgruppe gesetzt, so etwa im Rahmen einer Home-Story in der BRAVO. Hier habe man gerade nach Menschen gesucht, die etwas besonderes erreicht hätten, und da passte Jennys Debut perfekt ins Bild.
Ob Jenny-Mai Schreibworkshops geben würde, erfahren wir nicht, aber Johanna fände das „schön, weil ich ja produktive Atmosphäre so mag“.
Während Johanne Driest in den Ferien schreibt, nutzt Jenny-Mai Nuyen die Sonntage. Beide machen weiter, schreiben bereits an ihren jeweiligen Fortsetzungen.

Junge Autoren ein Glücksspiel

Pressesprecherin Grubert gibt zu bedenken, dass das Aufstellen eines neuen Autors immer mit viel Arbeit und Risiko für den Verlag verbunden sei, ganz gleich ob der Autor nun alt oder jung sei. cbj hat Nuyens Titel zum Werbeschwerpunkt gemacht und steht hinter dieser Entscheidung aus Qualitätsgründen, wie Grubert betont. Ralf Schweikart, Journalist, ehemaliger Rowohlt-Lektor, Bulletin-Redakteur und Mitdiskutant auf dem Podium, findet ein treffendes Schlusswort zum Thema. Auf junge Autoren zu setzen, sei für Verlage ein Glücksspiel. „Wenn es ein gutes Buch ist, spielt das Alter am Ende keine Rolle mehr“. Und damit hat er zweifelsohne Recht.

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