Sonntag, 31.05.2009 | 12:29 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Hannah Tinti: Die linke Hand

Hannah Tinti: »Die linke Hand«In ihrem Abenteuerroman „Die linke Hand“ fährt die US-amerikanische Autorin Hannah Tinti einiges auf: Grabschänder, die eine höchst lebendige Leiche ausbuddeln, einen Zwerg, der sich auf dem Dach eines Hauses versteckt, oder einen tumben, aber gutmütigen Riesen, der als Auftrageskiller arbeitet. Das Personal könnte aus den Romanen Charles Dickens‘ oder Robert Louis Stevensons entlehnt sein. Und doch fehlt diesem Buch etwas: eine Seele, ein Herz – etwas, das die Figuren zum Leben erweckt. Der Text wirkt ein wenig so, als habe die Autorin einige gut eingeführte Zutaten aus dem Schauer- und Abenteuerroman des 19. Jahrhunderts zusammengerührt, dabei aber vergessen, ein in sich geschlossenes Ganzes zu erschaffen. Wie ein Puzzle, bei dem man nach dem Zusammensetzen immer noch die Schnittstellen zwischen den einzelnen Teilen sieht.

Im Neuengland des 19.Jahrhunderts lebt der Junge Ren, dem von klein auf die linke Hand fehlt, in einem Waisenhaus. Ein Fremder erscheint und behauptet, der Onkel des Jungen zu sein. Er nimmt ihn mit, scheint aber nur darauf aus zu sein, auf seinen Betrüger- und Diebestouren den Mitleidsfaktor der Menschen auszuschöpfen, der durch Rens Behinderung ausglöst wird. Die beiden treffen auf einige skurrile Zeitgenossen, müssen eine Reihe von Abenteuern bestehen und kommen schließlich auch Rens Vergangenheit und dem Grund für den Verlust seiner Hand immer näher.

Von den Figuren gewinnt nur Ren so etwas wie Profil, alle bleiben seltsam blass und klischeehaft – man nimmt als Leser weder an ihrem Schicksal noch an dem gesamten beliebig wirkenden Handlungsablauf gesteigerten Anteil, beobachtet alles von weit entfernt – wie durch Plexiglas.

Insgesamt sollte dieser Roman aber dennoch gut genug sein, um Freunden des Genres – nennen wir es mal schauriger Abenteuerroman vor historischem Hintergrund – eine leidlich interessante Unterhaltung zu verschaffen. Wer jedoch auch bei Spannungsromanen etwas mehr Tiefgang und lebendigere Figuren verlangt, dürfte enttäuscht sein.

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Hannah Tinti: Die linke Hand.
Luchterhand, März 2009.
367 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

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