Dienstag, 09.02.2010 | 12:03 Uhr

Autor: Immo Sennewald

Erleuchtungen über den Hecht

Hechte von Andreas Hartl fotografiert

Einer PRESSEMITTEILUNG des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin mit dem zugehörigen Foto von Andreas Hartl entnommen:

„In der Berufswelt gibt es viele Strategien, um zum Ziel zu gelangen. Während sich die einen durch Beständigkeit behaupten, trumpfen andere mit ihrem Charisma auf. Bis jetzt ist weitgehend ungeklärt, ob auch bei niederen Wirbeltieren, wie Fischen, unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb einer Art vergleichbare Folgen für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg haben. Forscher am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nun herausgefunden, dass der Raubfisch Hecht in der Lage ist, bei mangelndem Nahrungsangebot alte Gewohnheiten aufzugeben. Ein Team von Freilandfischökologen beobachtete drei unterschiedliche Verhaltenstypen innerhalb einer Hechtpopulation in einem Brandenburger See. Sowohl „faules“ Verhalten als auch eine „draufgängerische“ Lebensweise führten zu ähnlichem Körperwachstum der einzelnen Individuen. Veränderliche Lebensweisen sind ein Schlüsselprinzip, mit dem Fische auf steigende innerartliche Konkurrenz reagieren und so ihr Überleben sichern. … “
Darauf habe ich mir erlaubt zu antworten:
„Vielen Dank für Ihre unterhaltsame Mitteilung. Erlauben Sie mir die Vermutung, dass den jeweiligen Umgebungen angepasste „Temperamente“ schlicht überlebensnotwendig und insofern bei praktisch allen Lebewesen zu finden sind. Sie sollten nur mal sehen, wie aus einer eben noch lethargisch wirkenden Schildkröte beim Sex ein echter Draufgänger wird! Noch schlimmer sind Schleimpilze (Eumycetozoa, auch Myxomyceta genannt), die sich nach monatelangem Individualismus innerhalb weniger Stunden zu selbstlosen Kollektivbestandteilen wandeln.
Selbst ich werde manchmal zum rasenden Berserker, obwohl mich meine Umgebung gemeinhin (seit fast 60 Jahren!) eher als konflikt- und lärmscheuen Friedfisch wahrnimmt.
Mich freut, dass nun auch der Hecht als das erkannt wird, für was ihn viele schon lange gehalten haben: als toller, weil anpassungsfähiger Hecht.
Er braucht nichtmal einen Karpfenteich, um groß in Form zu kommen. Das ist wirklich ein Grund zur Freude.“

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