Mittwoch, 09.11.2005 | 21:52 Uhr

Autor: Oliver Gassner

Florian Cramer: Spiele gegen den Strich spielen: Codework

Florian Cramer

* Es wude mt Computerspielen, Spammailboxen und Desktops gespielt.
* So, wie die urspüngliche Programmierung das nicht vorsah.
* Das Spiel macht die Formalismen des System sichtbar (wie ist das Computerspiel gebaut).
* Computerinterface ist nicht mehr ‘glatt’.
* ‘Spam ist Textperformance’ und hat eine eigene Ästhetik. Funktioniert via BOT-Nets ähnlich wie Viren. Und wird gleichzeitig zum Material für Kunst.
* “Zu welchem Anteil ist der Text Automatenprodukt zu welchem von Menschen gemacht? Oder simulieren Menschen nur computergenerierten Text?”
* Wie kann man Codework als (literarische) Kunstwerke verstehen? Ist das elektronischer Dadaismus oder elektronische konkrete Poesie?
* vgl. Tzaras Anleitung, wie man ein dadaistisches Gedicht macht (Algoritmus) als vergleichbar zum Sprachchaos des SPAM.
* Quellcode & Output sind charakteristisch für jede Computerkunst
* Begrenzter Quellcode und unbegenzter Output.

Gomringer: kein fehler im system^

Der Fehler ist scheinbar: denn das ‘f’ wandert konsequent und systematisch nach rechts. Der Text ist selbstreferentiell.

Der Quelltext ist geordnet, der Output chaotisch.

Bei einigen Jodi-Arbeiten liegt die Ästhetik im Quelltext: Der html-Quellcode enthält die ‘sichtbaren’ Bilder.

Gegenmodell zur konventionellen interaktiven Kunst: Man wird zu Konspirator und Mitautor von Kunst.

Code des Computerspiels Quake wird als Kommentar zum Jugoslawienkrieg verändert. (2001(?))

Der Computercode wird zum ästhetischen Material und ist nicht nur Mittel.

-> Begriff: ‘codeworks

cf. 7-11 Mailingliste.

Typisch: Impulse für experimentelle Literatur gehen von bildender Kunst (also z.B. JODi.org) aus.

* Alan Sondheim: “viral sonnet”. Computerabsturz als Metapher der Netzkunst.

Mainsteam der digitalen Kunst versucht die Störung zu eliminieren, die Netzkunst integriert sie als ästhetisches Material.

Parodie der Formalismen.

Morgen weinen die Maschinen
+ ein Manifest: Das gegenteil von virtueller Realität soll hergestellt werden.

Schaffung einer Kunstsprache: arch.e.typal
Code und Output fallen zusammen; ausnutzung von Schreibweisen für Suchmaschinen, Padodie von IRC-Loginmeldungen, Netz-Slang. (Mary Ann Breeze = mez)

Nicht: Abschaffung des Künstlers durch die Maschine (wie bei früheren Computerkunstästhetiken) sondern Subjektivisierung der Maschinensprache.

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6 Kommentare

  1. Beat Suter Says:

    nicht schlecht dieses live-blogging, oliver!

    zwei kritische anmerkungen hätte ich: bei den gezeigten videos von jodi: wo ist da codeworks? in den ersten beiden videos wurden einfach gezielt mods eingesetzt, die einen ganz bestimmte aspekte in einem spiel verändern lassen: durch türen und wände gehen, figuren verändern, kamera an und durch die objekte führen. da hat jodi nicht am code gearbeitet!

    noch simpler die dekonstruktion der mac-oberflächen mittels repetitiv ausgeführter gewöhnlicher funktionen des systems.

    dann zu florian cramers codeworks präsentation: lyrik von alan sondheim oder mez, das ist doch klassische literatur! auch die methodik äusserst klassisch. statische gedichte, die sich gut eignen, um in einem buch abgedruckt zu werden. das material der lyrik ist sprache, spielt doch keine grosse rolle, ob nun auch sprachmeterial des computers mit einbezogen wird.

  2. Oliver Gassner Says:

    Also ich verstehe es so, dass ein Cheat im Code eingreift.

    Auch Die skripte oder makros, die die desktops modifizieren sind so ne Art sekundärer Code. Oder?

    Der ‘codeartige’ literarische Text ‘assimliliert’ sozusagen das ‘codeartige’. Und ist eben insofern Code, wobei da die Codearbeiten von Jodi (Doom und ‘zer(r)schossene’ ASCII-Grafik) eher passen.

  3. Florian Cramer Says:

    Ich stimme Beat zu, dass jodis gestrige Performance nur peripher mit Codeworks zu tun hatte, sondern – analog zur Entwicklung von jodis Kunst in den letzten Jahren – Software und das Spiel mit ihr zum Gegenstand hat. Dass dies mit simplen Mitteln und wie ein Kinderspiel gemacht wird, ist ja die Pointe – die gestern abend darin kulminierte, dass Dirk Paesman seinen Laptop zum Abschluss als Trommel benutzte.

    Ich halte Deinen Begriff von “klassischer, statischer Literatur” für wenig hilfreich. Das Versprechen von Dynamik, “Interaktivität” etc. von Computerliteratur und -kunst ist doch eine Schimäre, weil allen Interaktionen und Animationen im Computer immer ein statischer, linearer Quellcode zugrundeliegt, und sich die Interaktion in banalen behavioristischen Reiz-Reaktionskoppelungen erschöpfen.

  4. Beat Suter Says:

    ich möchte anfügen, dass ich Jodi äusserst wichtig finde. die präsentierten neuen arbeiten unterscheiden sich aber stark von den früheren. Es ist ein spielerischer umgang mit interface-elementen und kein codeworks mehr. das hat mich einfach überrascht.

    das etikett “klassische literatur” ist wohl tatsächlich nicht sehr hilfreich. was ich damit meine – dies vom standpunkt eines literatur- oder kunstvermittlers aus – ist, dass viele leute einen solchen text einfach als kryptisch wahrnehmen und nicht näheren zugang finden können. die dynamischen prozesse, die zum schliesslich dokumentierten werk führen, nehmen sie nicht wahr. und ich bin mir nicht sicher, ob wir das insiderwissen einfach voraussetzen dürfen, dass zur dekodierung eines solchen werks notwendig ist.

  5. Silvia Says:

    ist der blog noch aktiv?

  6. oliverg Says:

    das blog ist noch aktiv, ja 😉

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