Montag, 12.03.2007 | 18:38 Uhr

Autor: Regula Erni

Die ungelesenen Geschichten

Auch das gehört hierher: Bücher, die gekauft werden um ungelesen im Regal zu landen und zu zeigen, wie brillant und belesen die Regalbesitzer sind…
Exakt darum geht es in diesem Artikel und um Bücher, die zwar gekauft, aber nicht zu Ende gelesen werden. Wenn von „Ulysses“ die Rede ist oder von „Krieg und Frieden“ oder gar die „Satanischen Verse“ im Mittelpunkt stehen, sagen die meisten, sie besässen das Buch zwar, hätten es aber nur zu lesen angefangen. 4000 Briten wurden nach für den „Teletext Reading Report“ befragt – das Resultat ist schon fast erschütternd: rund die Hälfte der Briten kauft Bücher – ausschließlich zu Dekorationszwecken…

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6 Kommentare

  1. bonaventura Says:

    Wen soll das Ergebnis »fast erschüttern«? Wen interessiert das überhaupt? Seien wir doch froh über die Bildungsprotzer, sie finanzieren uns unsere Bücher!

  2. molosovsky (Alexander Müller) Says:

    Ich glaub, mir sind Komplett-Sammler unheimlicher; Leute, die z.B. ALLE Bände einer Reihe haben müssen, egal welchen Dreck sie sich damit z.T. anschaffen.

    Zudem denke ich, daß dieses ›mal zuhause ins Regal stellen‹ von Büchern auch damit zu tun hat, dass man manchesmale bestimmte Titel eben genauer in Augenschein nehmen möchte. Und wann kommt man schon dazu, sich all diese ›da will ich mal aufführlicher reinschaun‹-Bücher, die sich im Lauf der Zeit anhäufen können, vorzunehmen? — Selber könnt ich glaub ich locker mal ein, zwei Jahre gar nichts neues kaufen, und nur von meinen entsprechenden Beständen zehren.

    (Grad heute wurde ich von jemanden angestubst wegen Ayn Rand, und ich hab hier »Atlas Shrugged« rumstehen, Lesemerker so auf ca. Seite 40 von über 1000! Hab ich die Rand, weil ich damit protzen will? Sicher nicht. Schätze ich das Buch? Nope. Aber es ist ein berüchtigtes Buch, und das reicht mir in diesem Falle zum ›im Regal stehen haben‹. Ich gebe zu, ich hab das Teil für 50 Cent ausm Ramsch. Viel mehr hätte ich nicht dafür ausgeben wollen 🙂 )

  3. JustBooks.de Blog Says:

    Ungelesene Bücher…

    Ich gebe es zu: Auch in meinem Regal gibt es Bücher, die ich angefangen habe zu lesen, aber nicht bis zum Ende durchgehalten habe… obwohl manchmal (wie bei Svevos Ein Mann wird älter) habe ich doch tapfer bis zur letzten…

  4. dirk.schroeder Says:

    Wieso nennt der Artikel das Weglegen eines Buches, z.B. Margaret Thatchers Erinnerung oder Coelhos Kitschroman ein „ungenügendes Leseverhalten“? Kann man die Liste der meistzugeklappten Titel nicht als Aussage über diese Bücher und ihre Rolle am Markt nehmen? Gerade das, was der Text bejammert, dass manches Buch bloß dekoratives Prestigeobjekt sei, fordert er selbst ein, in dem er dieser Ware eine Art Autorität der Gebrauchspflicht andichtet. Das ist selbst für hartgesottene Buchfetischisten ein klebriger Gedankengang.

    [Wann ist das Web 2.0 so weit, dass man Services, die viele mal anschauen (’nen Account anlegen), dann aber doch nicht nutzen, als Opfer ungenügenden Klickverhaltens sieht?]

    Der andere, dass „Klassikern der Literaturgeschichte“ gegenüber eine Lesepflicht herrsche, Bildung darin bestünde, genau diese „anerkannten“ gelesen zu haben, ist zwar nicht annähernd so bescheuert, aber doch auch eine arge Zumutung.

    [Ist, wer nichts bei eBay versteigert, kein echter Internetuser, klickt nur dilettantisch rum?]

    Nb. welches sind denn die am seltensten zuende gehörten (und doch verkauften) Platten, zuende gesehen Filme, gespielten Spiele, betrachten Bilder usw.?

    Soll die Kirche des Buches froh sein, dass mehr verkauft als gelesen wird. Wäre es umgekehrt, fiele die Klage weit schwerer aus, s. Musikindustrie.

    Die Bücher sehen ja im Regal nicht nur schön aus, sie wirken da auch. Wie viele Leute haben schon bewundernd geraunt, wir seien ja so intelligent, so gebildet, weil wir so viele Bücher in der Wohnung haben. Wer sich gern mit Trotteln umgibt, kommt da voll auf seine Kosten (mit 2001-Paketen, Restposten, Antiquariat… zum günstigen Preis. Bis auf die Folgekosten: http://fulgura.de/extern/md/tco.html ).

    Ich habe kürzlich Ulrike Draesners Roman Lichtpause auf Seite 79 zugeklappt („Diese der Zeugung nacherzeugte Bauchhöhlenleere war jedoch eine baldige Auffüllung wert.“) Von Houellebecq hab ich nichts beendet, nichts. Und beim Wilhelm Meister war ich, als Personen in einen Raum traten, die schon drin waren, nahe dran.

  5. Jochen Heller Says:

    Mich erschüttert das auch nicht so sonderlich. Allerdings auch, weil ich ein Pragmatiker bin, zum Einen. Und weil ich das nachvollziehen kann, zum Anderen.

    Ich mein‘, es ist doch gut, dass Bücher überhaupt gekauft werden. Und wenn sie immer noch als gutes Dekor ausfallen, bitte. Hauptsache, sie werden gekauft. So können sie wenigstens weiter verlegt werden. Denn wenn ein bestimmter Prozentsatz sie wegen des Inhalts und ein anderer bestimmter Prozentsatz wegen des Titels, des Autors oder des Umschlages kauft, es findet zumindest seinen Absatz.

    Und, ja, es gibt einige Bücher in meinen Regalen, die warten noch darauf, von mir gelesen zu werden. Und andere habe ich noch nicht beendet. Dabei ist es nicht einmal so, dass ich sie schlecht finde. Ulysses habe ich mir als langfristiges Leseprojekt vorgenommen. Immer mal so 100 bis 300 Seiten. Zuletzt steckte ich in dem Kapitel, dass in mittelhochdeutsch(?) beginnt und dann immer verständlicher wird. Da habe ich irgendwann aufgegeben und werde das Kapitel dann irgendwann nochmal von vorne anfangen.

    Malcolm Lowrys „Unter dem Vulkan“ fand ich großartig. Trotzdem legte ich es schließlich, etwa hundert Seiten vor Schluss, beiseite. Konnte es nicht einmal erklären. Oder vielmehr, ich wollte dann doch etwas anderes lesen.

    „Krieg und Frieden“ fand ich auch sehr gut geschrieben. Aber die philosophischen Exkurse begannen mich zu langweilen. Also hab ich es weggelegt, nach irgendeiner Freimaurer-Initiation. Tolstoi war ein großartiger Kriegsberichterstatter. Das fand ich fantastisch. Trotzdem habe ich keinen Bedarf mehr an Tolstoi, für’s Erste.

    Kafka: Der Prozess. Nichts an dem Buch empfand ich als störend. Aber auch da, irgendwann war für mich erstmal die Luft raus. Ich werde es schon noch mal zuende lesen. Aber im Moment besteht da kein Leidensdruck.

    Also, ich finde es normal, dass man Bücher hat, die man weglegt, bevor sie ausgelesen sind. Auch, ohne sie schlecht zu finden. Und wie gesagt, ein hübsches Regal, zur Dekoration, zum Beeindrucken, wozu auch immer: Solange Bücher gekauft werden, find‘ ich’s in Ordnung.

  6. molosovsky (Alexander Müller) Says:

    Es gibt wirklich, außerordentlich viele nützliche Weisen, Bücher praktisch und sinnfällig zu verwenden, lesen soll nur eine davon sein (und nicht mal die verbreiteste, hach), aber wie hieß er, na, der Kerl, der diesen Kurzessay geschrieben hat, was man mit Büchern machen kann, die man nicht des Lesens wegen hat.
    Wackelnder Bettrahmen? Klemm ein Buch rein.
    Jemanden was vor machen, was für einer man ist? Dafür lohnt es sich, gleich mehrere Persona-Pakete (bibliothekische Verkleidungen) mit Büchern auf Lager zu haben. Kommen die einen, dann rein mit dem Bildungshuberzeug, kommen die anderen, dann raus damit, und rein mi den Wirtschaftsfachbüchern in die Regale usw.
    Schließlich, wenn die Zeiten vor die Hunde gehen, kann man mit Büchern immer nach was werfen! Nach Ratten zum Beispiel.

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