Samstag, 30.06.2007 | 00:24 Uhr

Autor: Andreas Schneider

Die italienische Art: Der Literaturwettbewerb Castello di Duino

Im Gegensatz zum vorab genannten Bachmann-Preis (der ja so nicht mehr heißen darf), steckt der italienische, eigentlich internationale, Wettbewerb Castello di Duino noch in den Kinderschuhen mit seiner vierten Ausgabe. Sowieso läßt er sich nicht vergleichen, weil kein Lese-, also marginaler Selbstdarstellungswettbewerb wie in Klagenfurt (oft mit hohem Unterhaltungswert, aber auch manchem Beigeschmack). Eingereicht werden können bisher unveröffentlichte Gedichte von Autorinnen und Autoren unter dreißig. Bis zum 08.01.2008. „Geht sich schon aus“, würde der Österreicher sagen. Die Werke werden „anonym“ an die Jury überreicht, um eine objektive Beurteilung zu ermöglichen. Das widerspricht zwar meiner Ansicht, dass Literatur und Lyrik als Gesamtkunstwerk, als Symbiose zwischen Autor und Werk betrachten werden sollte, ist aber meine ganz persönliche Ansicht und nicht maßgeblich für die internationale Jury des Wettbewerbs, der ich ein gutes Leseauge wünsche bei der Auswahl der Gedichte. Sprachen: Muttersprache, Englisch und Italienisch.

Anfügen möchte ich noch zwei Links: Der eine führt direkt zum Castello di Duino, der andere zu Rainer Maria Rilke, um einen geschichtlichen Gedichtebogen zu spannen und mit einem Zitat abzuschließen, das irgendwie… passt:

„Ich gehöre zu den Menschen, den altmodischen, die den Brief noch für ein Mittel des Umgangs halten, der schönsten und ergiebigsten eines.“

Tags: , , , , ,

Trackback: http://blog.literaturwelt.de/archiv/die-italienische-art-der-literaturwettbewerb-castello-di-duino/trackback/

3 Kommentare

  1. Akatsuki Says:

    Zitat: „Das widerspricht zwar meiner Ansicht, dass Literatur und Lyrik als Gesamtkunstwerk, als Symbiose zwischen Autor und Werk betrachten werden sollte…“

    Die kreative Phase (das Schreiben) kann nichts anderes sein als eine Vereinigung von Autor und Werk, die auditive Phase (das Lesen) wir aber ausschließlich durch das Werk definiert. (Zwar kann man jetzt sinnieren, wie viel vom Autor im Werk steckt, aber das wäre eine sehr idealistische Diskussion.)

    Das Prozedere anonym ablaufen zu lassen, finde ich absolut gerechtfertigt. Man stelle sich mal vor, wenn nicht.

  2. nermiye stella obuz Says:

    Verückt – ja das bin ich

    Eines tages fragte ein Mann mich,
    ob ich mal geliebt habe.
    Ich nickte und dann sagte ich;
    Warum bin ich hier gelandet,
    ins geschlossene.
    Weil ich sehr viel geliebt habe und sie alle verloren habe in meinen Leben,
    Deswegen habe ich eine besondere Zwangsjacke mit kleinen Blüten drauf.
    Ohne was zu sagen ging er,
    Er ging wie die anderen weil er nichts verstand.

    Pause

    Vier Wände,
    Vier Schicksäle,
    Vier Leben,

    Ich werde traurig,
    meine Haare sind verfilzt,
    meine Augen gucken in die leere,
    mein Körper gibt mir Kommando,
    denn ich bin VERÜCKT, VERÜCKT, VERÜCKT.
    Wieder schlucke ich Vitamine,
    damit ich wenigstens in ruhe einschlafe kann,
    ruhig wie ein Engel.

    Pause

    Ich hatte auch Träume,
    träume die nicht in Erfüllung gingen.
    Leider meine Träume konnte ich nicht verwirklichen.
    Es ging nicht mehr, denn ich war schwach für diese Welt.

    Pause

    Meine erste Liebe mit ihm wollte ich Heiraten,
    eine Familie gründen Kinder gebären,
    eine Zukunft mit ihm,
    glücklich werden mit ihm.

    Pause

    SCHICKSAL-1.
    Ich holte die Zeitung las gerne Horoskope,
    aber nein heute sah ich ein Bild.
    Von meiner grossen Liebe.
    Ein Unfall 4 Tote keine namen,
    las diesen Text.
    Meine Liebe war auch dabei,
    einfach weg vom Leben.

    SCHICKSAL-2.
    Mein Kind starb,
    Kindesstod.

    SCHICKSAL-3.
    Meine ganze Familie
    1/2

    Verstösst diese Story gegen unsere Nutzungsbedingungen? Bitte melden.

    Thema:
    Kommentar: Der Autor freut sich über deinen Kommentar.
    umgekommen in Terrorland.

    SCHICKSAL-4.
    Alle Menschen die ich sehr geliebt habe sind gestorben.
    Aber die lebenden haben mich VERÜCKT gemacht.
    Sie kleideten mich mit einer geblümten Zwangsjacke,
    sperrten mich in einem einzelzimmer ohne licht,
    dann bekam ich einen neuen namen.
    VERÜCKT.

    VERÜCKT.
    Ja,das bin ich.
    Ich bin Verückt geworden weil ich geliebt habe.
    Die lebenden haben mich nicht verstanden

  3. Bella Says:

    Huhu
    Stella,
    mein Stern =)
    Ein schöner, doch trauriger Text.
    Ich vermisse dich

bLogin
Second-Hand Grabbelkiste zugunsten des ligatur e.V. bei facebook.
Literaturwelt. Die Page. | Promote Your Page Too

Mit flattr kann man Bloggern mit einem Klick Geld zukommen lassen. Infos

Kostenlos aktuelle Artikel per E-Mail:

Tagcloud
Empfehlungen
Willkommen im Literaturwelt-Blog, dem Blog rund um Literatur - Live von der Buchmesse in Frankfurt und auch den Rest des Jahres.
Mehr Informationen zum Blog findest Du hier.
Artikelempfehlungen
Letzte Kommentare
Kategorien
Links / Blog'n'Roll (Zufallsausw.)


Statistik

literaturwelt.de & carpe.com | über blog.literaturwelt | Autoren | Archiv | Impressum | RSS | Werbung