Montag, 05.03.2012 | 23:12 Uhr

Autor: Andreas Schröter

David Monteagudo: Ende

David Monteagudo: »Ende«In Spanien zum Bestseller wurde 2009 ein Debütroman, der jetzt endlich auch auf Deutsch vorliegt: „Ende“ von David Monteagudo.

Der 1962 geborene Autor, der vor seinem Dasein als Schriftsteller lange in einer Papierfabrik gearbeitet hat, schickt neun Mittvierziger auf ein Wiedersehenswochenende in eine abgelegene Hütte in den Bergen. 25 Jahre waren sie in einer Jugendclique vereint. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass diese neun Menschen sich heute nicht mehr nur freundschaftlich zugetan sind. Mühsam zugeschüttete Konflikte brechen auf, jeder versucht, von sich sich selbst ein besseres Bild zu vermitteln als es der Wahrheit entspricht. Einer der Ausflügler engagiert sogar ein Prostituierte, die er als seine Freundin ausgibt, nur um zu vertuschen, dass er homosexuell ist.

Dann fällt mitten in der Nacht der Strom aus, kein Handy funktioniert, kein Auto springt an. Als auch noch einer der Freunde spurlos verschwindet, beschließt die Gruppe, sich zu Fuß auf den Weg in Richtung Zivilisation zu machen. Doch wie bei den „zehn kleinen Negerlein“ verschwinden im Laufe des Romans immer mehr Freunde und nirgends findet sich eine Spur menschlichen Lebens. Streunende Hunde und noch größere Tiere, die aus einem Zirkus ausgebrochen sind, bedrohen die Gruppe. Die Zurückgebliebenen verfallen immer mehr in Panik, die gesamte Situation wird immer unwirklicher.

„Ende“ ist ein apokalyptischer Roman, der in seiner beängstigenden Grundthematik an Cormack McCarthys „Die Straße“ (2007) erinnert. Das Buch lebt von der Spannung. Protagonisten wie Leser haben keine Ahnung, warum die Menschen so plötzlich verschwunden sind, beziehungsweise im Fall der Gruppe nach und nach verschwinden. Ist es das Ende der Welt oder nur eine lokal begrenzte Anormalität? Etwas nervig dagegen wirken auf Dauer die permanenten Auseinandersetzungen untereinander. „Habt Ihr in dieser Situation nichts Besseres zu tun, als Euch über Belanglosigkeiten zu streiten?“, möchte man ihnen zurufen. Insgesamt dennoch ein interessantes, ungewöhnliches und empfehlenswertes Buch.
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David Monteagudo: Ende.
Rowohlt, Januar 2012.
353 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

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Ein Kommentar

  1. Karl Says:

    Text manchmal etwas holprig, aber sehr spannend, gerade durch die Unerklärlichkeiten im Geschehen.

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