Sonntag, 16.01.2011 | 22:02 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Adam Thirlwell: Flüchtig

Adam Thirlwell: »Flüchtig«Ein alternder Playboy weilt in einem Kurhotel in den Alpen, weil er dort eine Erbschafts-Angelegenheit zu klären hat. Er hat Affären mit zwei Frauen, die 30 beziehungsweise 50 Jahre jünger sind als er. Immer wieder erinnert er sich an frühere Begebenheiten aus seinem Leben. Kriegserlebnisse kommen vor, das Leben an der Seite seiner Frau und seine Rolle als britischer Jude.

Das wirkt zwar bereits in dieser Aufzählung leicht überladen, könnte aber dennoch interessant sein, wenn Autor Adam Thirlwell (32) das Ganze nicht in einer dünkelhaften, pseudo-intellektuellen Sprache präsentieren würde, die stellenweise wie gewollt, aber nicht gekonnt wirkt und gelegentlich sogar in schlichtes Geschwafel abfällt. Sinn des geschraubten Stils mit viel indirekter Rede ist wohl, dem Roman die erhabene Patina eines in den Jahre gekommenen Luxushotels zu geben. Aber was zu Anfang noch verzaubern mag, nervt mit zunehmender Seitenzahl nur noch. Gleiches gilt für die ständigen Rückblenden, die hier geradezu inflationär oft eingesetzt werden, den Plot im Hotel nur noch zu einer unwichtigen Rahmenhandlung degradieren und den Leser quasi auf jeder Seite aus dem Lesefluss reißen.

Man gewinnt den Eindruck, dass hier ein übermäßig egozentrischer Autor keine Geschichte erzählen, sondern ausschließlich damit prahlen wollte, wie gewählt er sich ausdrücken und welche großen Themen des 20. Jahrhunderts er so gekonnt miteinander vermischen kann. Das Ergebnis ist ein total verquastes Buch. Und damit sich das Ganze auch gut verkauft, hat er eben eine gehörige Prise Sex auf die ganze Sauce gestreut. So einfach ist es dann aber eben doch nicht immer.
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Adam Thirlwell: Flüchtig.
S. Fischer-Verlag, September 2010.
383 Seiten, Hardcover

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