Mittwoch, 03.04.2019

Autor: Andreas Schröter

Joey Goebel: Irgendwann wird es gut

Joey Goebel: Irgendwann wird es gut«„Irgendwann wird es gut“ heißt die neue, sehr lesenswerte Geschichten-Sammlung des 1980 geborenen US-amerikanischen Autors Joey Goebel. Doch viele Figuren in diesem Buch, die alle in der fiktiven Kleinstadt Moberby leben, sind weit davon entfernt, ein Happy End zu erleben – wie Anthony in der allerersten Geschichte. Er ist verliebt in die Nachrichtensprecherin Olivia und hat jeden Abend Punkt 18 Uhr ein Rendezvous mit ihr, das er zelebriert: wenn sie auf der Mattscheibe erscheint und er auf dem heimischen Sofa sitzt.

Oder Paul, dessen Mutter derart dominant und besitzergreifend ist, dass sie dem Sohn das einzige Date mit einer Frau versaut, das er seit vielen Jahren hat.

Joey Goebel widmet sich in diesen Geschichten den Losern, den Underdogs der Gesellschaft: neben den hoffnungslos Verliebten und Muttersöhnen unter anderem einem zwölfjährigen Mädchen, das unter Gleichgesinnten keinen Anschluss findet, oder einem Messie, der seit Jahren seine Wohnung nicht verlassen hat.

Immer sind diese Geschichten intensiv, stilistisch hervorragend geschrieben und psychologisch glaubhaft. Und manchmal werden sie sogar doch noch dem Titel gerecht.
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Joey Goebel: Irgendwann wird es gut.
Diogenes, Februar 2019.
320 Seiten, gebundene Ausgabe, 22 Euro.

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Samstag, 30.03.2019

Autor: Andreas Schröter

Anita Shreve: Wenn die Nacht in Flammen steht

Anita Shreve: Wenn die Nacht in Flammen steht«Den vielleicht etwas kitschigen Titel „Wenn die Nacht in Flammen steht“ trägt ein Buch aus Amerika, das gar nicht kitschig ist, sondern spannend und einfühlsam. Autorin Anita Shreve (1946 – 2018) schreibt über die junge Frau Grace, die 1947 in Hunts Beach/Maine mit Ehemann Gene und zwei kleinen Kindern in einem Häuschen am Meer lebt.

Gene ist zwar nicht besonders liebevoll, aber die kleine Familie kommt insgesamt über die Runden. Das ändert sich, als fast das gesamte Städtchen von einem gewaltigen Feuer zerstört wird. Grace und die beiden Kinder überleben nur knapp, Gene bleibt vermisst.

Grace braucht lange, um sich eine Art neuen Alltag im Haus ihrer zuvor gestorbenen Schwiegermutter aufzubauen. Sie lernt den feinfühligen Pianisten Aidan kennen, der sich ebenfalls in das Haus geflüchtet hat, und verliebt sich in ihn. Doch ist der vermisste Gene wirklich tot?

Anita Shreve gelingt es in ihrem letzten Roman hervorragend, den Leser für die junge Grace einzunehmen. Zeitweise ist das Buch so packend, dass man sich kaum traut weiterzublättern. Das gilt nicht nur für die Passagen, in denen die kleine Familie dem Feuer zu entkommen versucht, sondern besonders für den zweiten Teil, in dem sich für Grace eine dramatische Situation ergibt.

Ganz nebenbei lernt man, wie es um die Rolle der Frau in einer Zeit bestellt war, die noch gar nicht lange zurückliegt. Sie hatte für ihren Mann zu sorgen und sich im Großen und Ganzen seinen Wünschen unterzuordnen – auch dann, wenn sie mental viel stärker war als er. Ein Auto fahren zu können, geschweige denn eines zu besitzen und einem Job nachzugehen, waren die großen Ausnahmen. So gesehen ist dieser Text auch ein guter zeitgeschichtlicher Roman, in dem sich die starke Heldin am Ende gegen die Konventionen stemmt, wozu in ihrer Zeit viel Mut nötig war.

Das große Feuer in Hunts Beach hat es 1947 übrigens wirklich gegeben.
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Anita Shreve: Wenn die Nacht in Flammen steht.
Pendo, Januar 2019.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Freitag, 29.03.2019

Autor: Andreas Schröter

Kent Haruf: Abendrot

Kent Haruf: Abendrot«Im Schweizer Diogenes-Verlag ist dankenswerterweise ein Buch erschienen, das im amerikanischen Original „Eventide“ bereits seit 2004 existiert: „Abendrot“ von Kent Haruf.

Wir reisen in den fiktiven Ort Holt, Colorado, einem Kaff in den Great Plains, und lernen die Menschen kennen, die dort leben: den unglaublich gütigen, großmütigen und sanften Rancher Raymond, der einen schweren Schicksalsschlag verkraften muss und dann doch wieder Freude am Leben empfindet, einen elfjährigen Jungen, der sich rührend um seinen alten Großvater kümmert, oder Betty und Luther, zwei Menschen am Existenzminimum, die nicht in der Lage sind, ihre beiden Kinder vor dem Schläger Hoyt, ihrem Onkel, zu schützen.

Es ist ein bisschen so, wie es in einem Zitat von Bernhard Schlink auf der Buchrückseite heißt: „Kent Haruf nimmt uns mit, wohin wir nie wollten, und bald wollen wir von dort nicht mehr weg.“

Tatsächlich gelingt es Kent Haruf (1943-2014), seine Figuren sehr plastisch werden zu lassen und sie auf diese Weise seinen Lesern sehr nahe zu bringen.

Bis auf wenige Ausnahmen passieren auf den über 400 Seiten in diesem Roman gar nicht die ganz großen Katastrophen. Zumeist ist es einfach das ganz normale Leben, das uns bei diesem Text in seinen Bann schlägt.

Haruf erreicht all das mit einem lakonischen, fast ein wenig unterkühlt wirkenden, zurückgenommenen Schreibstil. Die Gefühle, die seine Figuren durchleben, scheinen eher zwischen den Zeilen durch – das dafür aber umso heller.

Wichtiges Thema in diesem Roman ist die Einsamkeit. Viele Figuren sind zumindest zeitweise allein, und sie sind unsicher im Umgang mit anderen Menschen, wenn sie denn doch mal Kontakt zu ihnen haben.

Ein großer, manchmal auch ein bisschen trauriger Roman, bei dem sich durchaus eine gewisse Enttäuschung einstellt, wenn man die letzte Seite zu Ende gelesen hat.
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Kent Haruf: Abendrot.
Diogenes, Januar 2019.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

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Montag, 18.02.2019

Autor: Christiane Geldmacher

Thomas Bernhard: Hab & Gut

12. Februar 2019. Der Todestag von Thomas Bernhard ist schon dreißig Jahre her und man weiß es noch wie heute. Man empfand es damals als einen in der Literatur nicht wieder gut zu machenden Verlust.
Thomas Bernhard als literarische Stimme war nie zu ersetzen. Er ist der beste Beweis dafür, dass starke Autorenstimmen einzigartig sind.

„Hab&Gut“ ist ein Bildband, den der Wiener Brandstätter Verlag herausgebracht hat, um diesen Todestag zu würdigen. Es gibt einige Texte und viele Fotos. Thomas Bernhard besaß drei Häuser in Österreich. Ihn, den großen Städtehasser – der Hass war authentisch, auch wenn er ihn übertrieb – zog es hinaus aufs Land. Seine Häuser befanden sich in Obernathal (das ist der berühmte Vierkanthof), in Krucka und in Ottnang. Eins individueller als das andere, alle die Einsamkeit suchend. Wenn er in einem Haus zu sehr belagert wurde, floh er ins nächste und oft ganz in den Wald.

In seinen Häusern, die er alle perfekt herrichtete, ging er entspannt und selbstvergessen seiner Lieblingsbeschäftigung nach – Altes instandhalten und modernisieren, ohne es zu zerstören.

Die Fotografien von Hertha Hurnau zeigen einen Autor, der zu leben versteht. Er hat viel Platz, viel Grund, viele Zimmer, viele Ausblicke, viele Rückzugsorte. Alle Zimmer in allen Häusern sind eingerichtet, haben Betten, Sessel, Küchen, Bäder. Alle Schränke, alle Kommoden sind voll. Überall stehen Fernseher, Radios und Stereoanlagen. Thomas Bernhard hätte zu jeder Zeit in seinen Häusern 50 Leute beherbergen können.
Wenn er das gewollt hätte.

Die Öffentlichkeit war ihm jedoch zumeist eine Qual. Und das sagte er nicht einfach nur so dahin; er war einer jener Autoren, der wirklich nachweislich vor ihr die Flucht ergriff.

Der Herausgeber des Buches ist André Heller; es gibt Essays von Ronald Pohl, Christian Schachinger und Dietmar Steiner. Die Fotografien sind von Hertha Hurnau.

Thomas Bernhard, Hab&Gut, Herausgeber André Heller, 176 Seiten, 80 Abbildungen, Brandstätter Verlag, Wien 2019

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Freitag, 08.02.2019

Autor: Andreas Schröter

T. C. Boyle: Das Licht

T. C. Boyle: Das Licht«Für sein neuestes Werk „Das Licht“ bedient sich der US-amerikanische Kultautor T.C. Boyle einer Methode, die er bereits bei früheren Büchern angewandt hat: Er schreibt einen Roman rund um Geschehnisse, die sich wirklich ereignet haben.

In diesem Fall geht es um die Hippie-Kommune um Professor Timothy Leary, der zu Beginn der 60er-Jahre mit der bewusstseinserweiternden Droge LSD experimentiert hat. Die beiden fiktiven Figuren Fitz und seine Frau Joanie, aus deren Sicht der Roman geschrieben ist, geraten in den Inneren Zirkel rund um Leary. Sie nehmen die Droge, haben gute und schlechte Trips – teils mit rauschhaftem Sex und Kaskaden von bunten Farben, teils mit schlimmen Angstzuständen und Albträumen – und werden immer mehr zum Teil der Gruppe. Sie ziehen mit ihr nach Mexiko und schließlich nach Millbrook im US-Bundesstaat New York. Dort bekommen sie unter anderem Besuch von den legendären Merry Pranksters in ihrem bunten Schulbus „Further“ des Autors Ken Kesey („Einer flog übers Kuckucksnest“) – ein Besuch, den es ebenfalls tatsächlich gegeben hat.

Man könnte Boyles‘ Methode als „New Journalism“ bezeichnen, einer Reportageform, die ebenfalls in den 60er-Jahren entstand und für die Tom Wolfe und Hunter S. Thompson herausragende Vertreter waren. Das Hinzufügen von fiktiven Elementen macht das Nacherzählen von realen Geschehnissen spannender, griffiger und nachvollziehbarer. Mit bewussten Fälschungen, wie sie der Spiegel-Reporter Claas Relotius fabriziert hat, hat das nichts zu tun – zumal Boyle sein Werk klar als „Roman“ ausweist.

Der 1948 geborene Autor macht keinesfalls den Fehler, diese Hippie- und Drogenzeit im Nachhinein zu verherrlichen. In seinem Buch wird auch klar, in welcher fast sektenähnlichen Abhängigkeit sich die Mitglieder zum charismatischen Leary befanden und welche seelischen und zwischenmenschlichen Zerwürfnissen Umgangsformen wie die „Freie Liebe“ nach sich ziehen konnten.

Ein (weiterer) gelungener Boyle-Roman.

T. C. Boyle: Das Licht.
Hanser, Januar 2019.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Montag, 31.12.2018

Autor: Andreas Schröter

Andrew Michael Hurley: Teufels Tag

Andrew Michael Hurley: Teufels Tag«Atmosphärisch äußerst dicht präsentiert sich der Roman „Teufels Tag“ des britischen Autors Andrew Michael Hurley. Der Engländer entführt uns in die fast schon archaisch anmutende Welt einer Handvoll Bauern-Familien, die irgendwo in einer gottverlassenen Gegend am Rande einer Moorlandschaft ihr karges Dasein fristen.

Weil sein Großvater gestorben ist, besucht der Lehrer John zur Beerdigung mit seiner Frau Kat diese Gegend, in der nach wie vor der Rest der Familie lebt. Immer mehr reift in ihm der Wunsch heran, sein künftiges Leben dort zu verbringen, um die Traditionen seiner Ahnen fortzuführen.

Die Bewohner in den „Endlands“ – so heißt die Gegend passenderweise im Buch – können kaum lesen oder schreiben, sie leben in baufälligen Häusern und müssen tagein-tagaus schwere körperliche Arbeit verrichten, um sich so gerade eben über Wasser zu halten.

Und sie haben ihre Bräuche, die sie über Jahrhunderte hinweg an die nächste Generation weitergeben. Einer von ihnen ist der „Teufels Tag“ im Herbst, der zum Ziel hat, den Teufel, der in dieser Gegend haust, für ein weiteres Jahr einzuschläfern. Natürlich würde man all das als Humbug abtun, wenn es nicht gewisse Vorfälle gäbe, die die ganze Sache in einem anderen Licht erscheinen lassen …

Positiv an diesem Buch ist, dass das Böse – besagter „Teufel“ – immer im Hintergrund bleibt und man als Leser nicht weiß, ob die Dorfbewohner ihn sich nur einbilden, oder ob er wirklich existiert. Das schafft eine viel höhere Eindringlichkeit und Düsternis, als würde er offen auftreten.

Negativ ist, dass der Roman lange auf der Stelle tritt, was für eine gewisse Zähigkeit sorgt. Auch sind die handelnden Figuren nicht wirklich sympathisch. Man kann sich als Leser nicht mit ihnen identifizieren. Ich-Erzähler John zum Beispiel fragt seine Frau gar nicht erst, ob sie denn auch in den Endlands leben möchte.
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Andrew Michael Hurley: Teufels Tag.
Ullstein, Oktober 2018.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Samstag, 22.12.2018

Autor: Andreas Schröter

Hervé Le Tellier: All die glücklichen Familien

Hervé Le Tellier: All die glücklichen Familien«Der 1957 geborene französische Autor Hervé Le Tellier widmet sich in seinem neuen Buch „All die glücklichen Familien“ seiner Verwandtschaft. Auf dem Cover steht zwar „Roman“, aber eigentlich handelt es sich um eine Autobiographie, die sich kritisch vor allem mit seiner Mutter Marceline, seinem Stiefvater Guy und seinem leiblichen Vater Serge auseinandersetzt. Schon ein Buchzitat auf der Rückseite des Covers weist auf diese Stoßrichtung hin: „Mir war schon immer klar, dass meine Mutter verrückt ist.“

Besagte Mutter wird dabei als durchgeknallt, bösartig und lieblos beschrieben, der Stiefvater als geizig und blass, der Vater als Fremdgeher. Viele andere Figuren wie eine Halbschwester, die Großeltern, Onkel und Tanten kommen vor (und kriegen ebenfalls ihr Fett weg), so dass man als Leser ein wenig aufpassen muss, um den Überblick zu behalten. Ein Stammbaum am Anfang erweist sich als hilfreich.

Die hohe Kunst des Autors liegt darin, den Text trotz des schweren Themas locker, leicht, voller Gefühl und Humor zu halten. Er gleitet niemals in Hass- oder Wuttiraden ab – etwas, das bei dem Thema wohl naheliegend gewesen wäre. Emotional besonders berührend ist ein Kapitel, in dem es um den Selbstmord einer Geliebten geht. Lesenswert!
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Hervé Le Tellier: All die glücklichen Familien.
dtv, Oktober 2018.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Mittwoch, 19.12.2018

Autor: Andreas Schröter

Elizabeth Strout: Alles ist möglich

Elizabeth Strout: Alles ist möglich«Die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle bildet die amerikanische Autorin Elizabeth Strout in ihrem neuesten Werk „Alles ist möglich“ ab: Hass, Liebe, Neid, Wut, Einsamkeit, Verbitterung und vieles mehr. Dabei ist der Text weniger ein Roman als vielmehr eine Geschichten-Sammlung, wobei die Menschen, die in den jeweiligen Abschnitten im Mittelpunkt stehen, sich mehr oder weniger kennen oder miteinander verwandt sind. Sie alle leben in oder um die (fiktive) amerikanische Kleinstadt Amgash in Illinois (USA), „einem Kaff zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern“, wie es im Klappentext heißt.

Wir lernen zum Beispiel Dottie kennen, die allein eine Frühstückspension betreibt und an den Türen ihrer Gäste lauscht. Einmal hört sie dabei Dinge über sich selbst, die wenig schmeichelhaft sind – oder Patty, die wegen ihrer Leibesfülle in ihrem Umfeld nur „Fatty Patty“ genannt wird. Eine ihrer Schülerinen beleidigt sie aufs Übelste und bezichtigt sie der Frigidität – und trifft damit in gewisser Weise ins Schwarze.

Eifrige Strout-Leser treffen sogar eine Figur wieder, die bereits in einem früheren Roman der 1956 gebornen Autorin vorkommt: die Schriftstellerin Lucy Barton. Als Kind extrem arm und in der Schule schwer gehänselt, ist sie später die Einzige, die sich aus dem Kleinstadtmilieu befreien kann. In „Die Unvollkommenheit der Liebe“ erhält sie erstmals nach Jahren Besuch von ihrer Mutter, nun macht sie sich selbst auf den Weg in den Ort ihrer Kindheit – mit bescheidenem Erfolg.

Vielleicht ist es überinterpretiert, aber vielleicht auch nicht, wenn man dieses Buch als eine Art Erklärungsversuch für die Erfolge Donalds Trumps gerade in den ländlichen Gebieten der USA deutet – wo Menschen leben, die sich abgehängt fühlen und wenig mit den Vertretern gebildeterer Schichten anfangen können, wie man sie eher in den Großstädten trifft. Empfehlenswert!
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Elizabeth Strout: Alles ist möglich.
Luchterhand Literaturverlag, November 2018.
256 Seiten, gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Samstag, 08.12.2018

Autor: Andreas Schröter

Dave Eggers: Der Mönch von Mokka

Dave Eggers: Der Mönch von Mokka«Dave Eggers‘ neuestes Buch ist kein Roman. Es ist vielmehr die äußerst spannende (bisherige) Lebensgeschichte von Mokhtar Alkhanshali. Der heute 30-jährige Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln hat sich im Jahre 2013 in den Kopf gesetzt, Kaffee aus dem Jemen in die USA zu importieren.

Das war damals (und ist es heute wohl immer noch) ein fast unmögliches Unterfangen. Alkanshali hatte kein Geld, der Jemen galt wegen des Krieges und der instabilen politischen Verhältnisse als extrem gefährlich, und die Kaffeefarmen dort liegen erstens abgelegen und waren zweitens teilweise auf einem niedrigen Standard – verglichen zum Beispiel mit denen in Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres.

Im Grunde ist die Geschichte in diesem Buch die typische amerikanischer Erfolgsgeschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Wir begleiten Mokhtar Alkhanshali von seinem Dasein als Junge im Armenviertel von San Francisco, Tenderloin, über einen Aufenthalt bei der Familie in Sanaa, wo sein Großvater ihn für weniger wert als einen Esel hält, bis zu einen Job als Portier in einem Hochhauskomplex, dem Infinity. Mokhtar probiert sich in anderen Jobs, scheitert, und schläft auf dem Fußboden in der Wohnung seiner Eltern.

Richtig spannend wird diese Biografie, als Mokhtar – noch als recht unbedarfter junger Mann – erste Erkundungen auf den Kaffeefarmen im Jemen einzieht und schließlich versucht, unter dem Beschuss von saudi-arabischen Bomben Proben des jemenitischen Kaffees in die USA zu bringen.

Man lernt in diesem Buch nicht nur einiges über Kaffee, sondern ganz nebenbei auch über die Verhältnisse im Jemen – mit Huthi-Rebellen, regierungstreuen Truppen und Militär-Ceckpoints, an denen man aus nichtigen und oft nicht nachvollziehbaren Gründen auf offener Straße verhaftet werden kann. Ein tolles Buch!
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Dave Eggers: Der Mönch von Mokka.
Kiepenheuer & Witsch, Oktober 2018.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Donnerstag, 06.12.2018

Autor: Andreas Schröter

Sarah Perry: Nach mir die Flut

Sarah Perry: Nach mir die Flut«Ein Mann namens John muss an seinem Auto Kühlwasser nachfüllen und schellt mit der Bitte um Hilfe an einem einsamen Haus. Dort wird er freudig begrüßt. Die Bewohner kennen nicht nur seinen Namen, sondern scheinen ihn erwartet zu haben.

Klingt nach einem schon fast klassischen Anfang für einen Horrorroman, ist aber etwas anderes: ein durchgehend düsterer, vielleicht ein wenig an Kafka erinnernder Roman um ein Haus und seine seltsamen Bewohner.

John gelingt es seltsamerweise nicht, einfach nur Wasser zu holen und dann wieder zu verschwinden – stattdessen bleibt er und wird nach und nach Teil dieser Lebensgemeinschaft.

Wenn man es positiv ausdrücken will: Der 1979 geborenen britischen Autorin Sarah Perry gelingt es in ihrem Debütroman hervorragend, eine leicht transzendente, schwer fassbare Atmosphäre durchzuhalten, die den Leser in einem eigenartigen Schwebezustand zwischen Realität und Unwirklichem hält.

Die Kehrseite: Das Fehlen jeglicher Leichtigkeit und jeglichen Humors macht die Lektüre etwas zäh. Auch bleiben nicht nur John, sondern auch die Leser lange im Unklaren, was es mit dieser Hausgemeinschaft überhaupt auf sich hat und warum sich alle komisch benehmen.

Geheimnisse – und nicht alle werden am Ende aufgelöst – und Ungesagtes wabern von vorne bis hinten durch den Roman.
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Sarah Perry: Nach mir die Flut.
Eichborn, September 2018.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

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Dienstag, 04.12.2018

Autor: Andreas Schröter

David Sedaris: Calypso

David Sedaris: Calypso«Der 1956 geborene US-amerikanische Schriftsteller David Sedaris ist in Deutschland mit Werken wie „Nackt“ (1999) oder „Ich ein Tag sprechen hübsch“ (2001) bekannt geworden. Sein Markenzeichen sind heitere und amüsante autobiografische Texte. Er schreibt über seine große Familie mit sechs Geschwistern, das Leben als Homosexueller mit seinem Freund Hugh oder seine Erlebnisse als Autor – beispielsweise auf Lesungen. Auch sein neuestes Buch, „Calypso“, mit vielen kleineren Erzählungen bildet da keine Ausnahme. Das alles liest sich leicht und locker, ohne dass allerdings so etwas wie Spannung aufkommen würde.

Die stärksten Stellen hat das Buch, wenn es etwa um den Selbstmord von Sedaris‘ Schwester Tiffany geht und wie die Familie damit umgeht oder auch um die Kommentare des Autors zur Trump-Wahl.

Anderes ist zumindest skurril – zum Beispiel, wenn Sedaris einen gutartigen Tumor, der ihm entfernt worden ist, an eine Schildkröte verfüttert oder wenn er seine Kleidungs-Vorlieben beschreibt. Auf wieder anderes hätte man getrost verzichten können – wie Sedaris‘ Darmprobleme auf einer Lesereise.

Zuletzt bleibt die Frage, warum eigentlich so viele Autoren damit Erfolg haben, bloß ihr ganz normales Leben zu beschreiben – der Norweger Karl Ove Knausgård ist bekanntlich der König in dieser Disziplin – und was das eigentlich über uns Leser aussagt.
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David Sedaris: Calypso.
Karl Blessing Verlag, August 2018.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Mittwoch, 28.11.2018

Autor: Andreas Schröter

Jennifer Kitses: Ein Tag, eine Nacht

Jennifer Kitses: Ein Tag, eine Nacht«Tom ist ein Mann, der einen guten Job in einer Nachrichtenagentur hat und seine Frau Helen und seine beiden dreijährigen Zwillingstöchter über alles liebt. Doch er hat ein gut gehütetes Geheimnis: Mit seiner ehemaligen Chefin Donna hat er eine weitere Tochter, an der er ebenfalls sehr hängt. Nun droht Donna, von der amerikanischen Ostküste nach London zu ziehen, was für Tom die Beziehung zu seinem unehelichen Kind beenden würde. Schwierige Entscheidungen stehen an.

Die US-amerikanischen Autorin Jennifer Kitses zieht in ihrem ersten Roman die Schlinge um ihre beiden Hauptpersonen Tom und Helen immer enger, was beim Leser eine atemlose Spannung fast wie in einem Thriller erzeugt.

Wegen der psychischen Anspannung macht Tom immer mehr Fehler in seinem Job und droht ihn sogar zu verlieren. Er trinkt zu viel und verbringt schließlich den Abend mit einer dritten Frau: Vanessa …

Helen arbeitet als freie Mitarbeiterin in einer Werbeagentur, und auch ihr wachsen die immer kurzfristigeren Abgabefristen für ihre Aufträge über den Kopf, sodass sie kaum noch in der Lage ist, Beruf und Töchter unter einen Hut zu bringen. Die finanziellen Nöte der Familie kommen hinzu. Als sie sich schließlich auf einem Spielplatz mit zwei halbstarken Teenager-Mädchen aus dem Asozialen-Milieu anlegt, eskaliert auch für sie die Situation vollends.

Wie es der Titel des Romans andeutet, geschieht die gesamte Handlung in nur einem Tag und einer Nacht. In diesen 24 Stunden ballt sich für Tom und Helen all das zusammen, womit wohl viele Menschen in ihren mittleren Jahren nicht nur in Amerika zu kämpfen haben: Druck im Job und in der Partnerschaft, Geldsorgen, Belastung durch kleine Kinder – ein Leben „auf Kante“ also, das schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Zwar mag das Ende dieses Romans etwas unbefriedigend sein, die Lektüre sei hiermit aber dennoch empfohlen.
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Jennifer Kitses: Ein Tag, eine Nacht.
dtv, Oktober 2018.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Dienstag, 27.11.2018

Autor: Andreas Schröter

Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman

Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman«Der 1970 geborene deutsche Autor Andreas Merkel wagt in seinem neuen Roman „Mein Leben als Tennisroman“ ein literarisches Experiment. Er verquickt zwei Erzählebenen miteinander. Vordergründig geht es um den Ich-Erzähler Arthur Wilkow, der mit seiner Idee hadert, einen Roman über Tennis zu schreiben. Er kommt nicht voran, hat Schreiblockaden, Auseinandersetzungen mit seiner Lektorin und ist meist im Unreinen mit seinem Vorhaben. Weil es bei diesem schreibenden Wilkow einige Parallelen zu Andreas Merkel gibt, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich um eine Art Alter Ego handelt.

In dem Roman im Roman ist ein Jugendlicher namens Lenz die Hauptfigur. Er freundet sich mit einem älteren Mann an, der ebenfalls Arthur Wilkow heißt. Im weiteren Verlauf vermischen sich die beiden Ebenen immer mehr miteinander. Eine Dame, die im Roman nur E. heißt und Wilkows Partnerin ist, wirft ihm einmal vor, mit einer Romanfigur zu reden, die es nicht gibt.

Was sich hier möglicherweise wie eine lustige Idee anhört, wird über die 360 Seiten, die der Roman dick ist, irgendwann ermüdend und auch verwirrend. Man weiß nicht immer, auf welcher Ebene man sich gerade befindet. Problematisch ist zudem, dass im Grunde wenig passiert – und das, obwohl Wilkow durch mehrere Länder reist. Aber überall ist es mehr oder weniger dasselbe: Wikow grübelt über seinen Roman und fantasiert sich in seine Gedankenwelten um besagten Lenz hinein.

Letztlich ist „Mein Leben als Tennisroman“ weniger ein Roman über eine bestimmte Sportart, als vielmehr ein etwas verschwurbeltes Kreisen um das eigene Ich – mit Ausflügen zum norwegischen Schriftsteller Knausgard und anderem Abseitigen.

Merkel verwendet sehr viele Anglizismen oder auch ganze englischsprachige Sequenzen. Das macht das Lesen anstrengend und gelegentlich etwas holprig.
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Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman.
Blumenbar, September 2018.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Montag, 26.11.2018

Autor: Andreas Schröter

Richard Flanagan: Der Erzähler

Richard Flanagan: Der Erzähler«Mit seinem neuen Roman „Der Erzähler“ reicht der australische Autor Richard Flanagan nicht an die Qualität der beiden guten Vorgänger „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ (2015) und „Die unbekannte Terroristin“ (2017) heran.

Zum Inhalt: Der erfolglose Schriftsteller Kif muss aus purer finanzieller Not einen heiklen Auftrag annehmen. Er soll die Biographie des australischen Wirtschafts-Kriminellen Nummer eins, Siegfried Heidl, schreiben. Der hat die Banken um 700 Millionen Dollar erleichtert, indem er sie erfolgreich um Kredite für ein Projekt gebeten hat, das es gar nicht gibt.

Für Kif entpuppt sich die Aufgabe als überaus schwierig, weil Heidl nicht gewillt ist, Details aus seinem Leben preiszugeben. Aber ohne Details keine Biographie und ohne Biographie kein Geld. Seine Hoffnung, irgendwann ein fertiges Buch in Händen zu halten, schwindet mehr und mehr.

„Der Erzähler“ hat gleich mehrere Probleme. Erstens tritt der Text über hunderte von Seiten auf der Stelle, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Kif versucht in einem tristen Verlagsbüro vergeblich, etwas aus dem Gangster herauszubekommen. Für den Leser ist das wechselweise nervtötend bis langweilig.

Zweitens sind beide Hauptfiguren unsympathisch. Der Gangster Heidl sowieso – aber auch Biograph Kif wird als aggressiv gegenüber seiner Frau Suzy, andererseits als seltsam unterwürfig gegenüber dem Gangster dargestellt. Man fragt sich als Leser unweigerlich irgendwann, warum man eigentlich seine Lesezeit mit diesen Typen verbringen soll.

Drittens bleiben die Hauptfiguren trotz der Dicke des Romans eigenartig nebulös. Vollkommen unverständlich ist, wieso Kif gegen Ende hin sogar eine Art Bewunderung für den Verbrecher empfindet.

Offen bleibt zuletzt die Antwort auf die Frage, was genau Richard Flanagan mit diesem Roman eigentlich aussagen wollte.
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Richard Flanagan: Der Erzähler.
Piper, Oktober 2018.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

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Mittwoch, 21.11.2018

Autor: Immo Sennewald

Rezensent sein? – Lieber was empfehlen!

Ja, ich bin voreingenommen, denn ich kenne und schätze Gebhard Borck seit Jahren, wir haben uns über seine Ideen lebhaft ausgetauscht. Ich bin also kein „neutraler“ Kritiker, das Erscheinen dieses Buches hat mich sehr gefreut, ich wünsche ihm viele, viele Leser. Dem Vorhaben von Stefan Heiler, sich mit seinem Unternehmen im Wettbewerb am Markt ganz ohne “Führungskräfte” zu behaupten, dabei unkonventionell mit einem „Katalysator“ namens Borck vorzugehen, gehört meine ganze Sympathie. Es ist ein mutiger Schritt, er hat sich gelohnt, und die ihn wagten, waren so oft am Rande des Scheiterns, dass einen auf über 300 Seiten niemals die Fragen loslassen “Schaffen sie ’s? Und wenn ja – wie?”.

Das liegt auch an der Erzählform. Die Sprache bleibt locker und gut verständlich, selbst wenn durchaus Fachwissen vermittelt wird – etwa an einen Nicht-Betriebswirt wie mich. Graphiken veranschaulichen gedankliche Abläufe und Prozesse im Unternehmen. Einen chronologischen Ablauf in einer Geschichte von Helden, die “per aspera ad astra” dem Sieg entgegen streben, gibt es nicht, stattdessen einen skizzenhaften Aufriss von Begebenheiten, vor allem Konfliktlagen. Sie erscheinen mal anekdotisch, mal als Dialog oder Gesprächsprotokoll, manchmal als lapidarer Bericht. Manche zeitliche Zuordnung mag sich der Leser selbst erschließen, er muss es nicht, um das Wesentliche am Geschehen zu begreifen: Wie bei der Alois Heiler GmbH in Waghäusel eine ganz neue Unternehmensform gelebt – bisweilen erlitten – wurde. Dabei haben alle Beteiligten, nicht nur die Autoren, „Denkwerkzeuge“ entwickelt und erprobt, sie haben eine „Firmen-DNA“ modelliert, von der andere vergleichbare Vorhaben einiges lernen können.

Zwischen dem Unternehmer Stephan Heiler und seinem Berater Gebhard Borck wuchs während dieses Prozesses eine schöpferische Freundschaft, wie sie sich einer wünscht: Beim Lesen wird deutlich, wie stark das Vertrauen in die Kompetenz und Verlässlichkeit des anderen ist. So etwas steckt durchaus an. Zugleich legten beide größten Wert auf die Transparenz aller Entscheidungen der jeweils Verantwortlichen – und das waren eben keine Chefs, Abteilungs-, Gruppen- oder sonstigen Leiter, sondern immer öfter die Mitarbeiter selbst, Männer und Frauen, die sich in neuen Rollen beweisen mussten – und durften. Keineswegs alle waren mit einer “Sinnkopplung” dauerhaft an derart eigenverantwortliches Handeln in vernetzten, nicht hierarchischen Teams zu binden. Viele verließen Heiler, darunter sehr kompetente. “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier”, heißt es nicht von Ungefähr; lieb gewordene Muster und Rituale locken mit einem Gefühl von Sicherheit bei weniger Energieaufwand, womöglich besserer Bezahlung: Angepasst an den Mainstream lebt sich’s für viele komfortabler.

Das Buch ist eine durchaus vergnügliche Lektion übers Fragen, über Reibungen, Missverständnisse und Turbulenzen. Dass Klatsch und Tratsch auch bei diesem Beispiel von “New Work” unausrottbar bleiben, überrascht nicht, aber es macht Spaß, den Autoren bei diesem wie anderen „Fällen“ aus ihrem Alltag über die Schulter zu schauen. Wer das – über das Buch hinaus – tun möchte: Weblogs sowohl des Unternehmens Heiler als auch von Gebhard Borck bieten reichlich Informationen. Patentrezepte werden sich dort kaum finden lassen, dafür eine ermutigende Menge von Erfahrungen im Umgang mit Konflikten auf dem Weg in alternative Arbeitswelten.

Gebhard Borck, Stephan Heiler „Chef sein? Lieber was bewegen! – Warum wir keine Führungskräfte mehr brauchen“, 304 Seiten, Heiler&Borck 2018

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Donnerstag, 15.11.2018

Autor: Andreas Schröter

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten«Allan Karlsson ist wieder da – der Hundertjährige, der 2012 aus dem Fenster stieg und verschwand – und dessen schwedischer Autor Jonas Jonasson damit einen literarischen Welterfolg landete.

Während der sympathisch-lebensbejahende und freundliche Senior im früheren Buch Abenteuer quasi im gesamten 20. Jahrhundert erlebte, konzentriert sich der Folgeband – „Der Hundertjährige, der zurückkam und die Welt rettete“ heißt er – ganz auf die Gegenwart.

Allan, dem sein Dauerurlaub mit Kumpel Julius auf Bali zu langweilig geworden ist, stürzt mit einem Heißluftballon im Meer ab, wird von einem nordkoreanischen Schiff aufgegriffen und direkt zu Kim Jong-un weitergeleitet. Ein paar Seiten später macht er Bekanntschaft mit der schwedischen Außenministerin, um dann gemeinsam mit ihr bei Donald Trump vorbeizuschauen. So weit, so turbulent. Und das alles nur, weil das nordkoreanische Boot angereichertes Uran für den Diktator an Bord hat.

Und turbulent geht‘s weiter. Allan und seine Freunde landen in Kenia, und der mittlerweile 101-Jährige telefoniert mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Manchmal nähert sich dieser Folgeroman arg nah der Grenze zum Klamauk. Insgesamt jedoch gelingt es dem Autor recht gut, die – zum Teil durchaus düstere – Weltpolitik der Gegenwart mit guter Unterhaltung zu vermischen und sie dabei auch noch zu kommentieren. Lesenswert!
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Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten.
C. Bertelsmann Verlag, September 2018.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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Mittwoch, 14.11.2018

Autor: Andreas Schröter

Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen

Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen«Selten passt ein Buchtitel so gut wie diesmal: In Joshua Ferris‘ herrlicher Geschichten-Sammlung „Männer, die sich schlecht benehmen“ geht es – genau – um Männer, die allerlei dummes Zeug machen. Nicht so dumm allerdings, dass man als (männlicher) Leser nicht gelegentlich auch ein gewisses Verständnis für ihre Schrulligkeiten hätte.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Dinnerparty“, nervt ein Mann seine Frau mit allerlei Prophezeiungen, wie schrecklich das bevorstehende Abendessen mit einem befreundeten Paar doch mit Sicherheit werden würde. Natürlich kommt alles ganz anderes: Die Gäste ziehen es vor, erst gar nicht zu kommen und unser Held macht sich auf die Suche nach ihnen.

Wir treffen Männer, die von dem Wahn befallen sind, ihre Frau habe sie verlassen, auf welche, die irgendwelchen unerreichbaren Traumfrauen hinterherhecheln, und auf solche, die auf einer privaten Stadtführung durch Prag ihre ganze Oberflächlichkeit und Arroganz heraushängen lassen.

Besonders gelungen ist eine Geschichte – „Die Brise“ heißt sie – über ein junges Paar, das am ersten Frühlingsabend des Jahres in großen Stress gerät, weil es den schönen Abend möglichst optimal nutzen möchte. Natürlich gehen alle Unternehmungen – egal ob Picknick im Freien oder essen gehen in einem Restaurant mit Traumaussicht – schief und sie stellen fest, dass es vermutlich besser gewesen wäre, den Abend einfach zu Hause auf ihrem Balkon zu verbringen.

Das alles ist knackig, manchmal rotzfrech, lebensnah und humorvoll geschrieben, und man folgt als Leser einfach gerne den Männern – und manchmal sind es auch Frauen – auf ihren Irrungen und Wirrungen.

​Die Geschichten des 1974 geborenen US-amerikanischen Autors sind zutiefst menschlich und zeigen die milden Abgründe im Seelenleben, mit denen sich vermutlich die allermeisten von uns zumindest zeitweise herumschlagen müssen.
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Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen.
Luchterhand Literaturverlag, Oktober 2018.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

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