Freitag, 23.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios«Ocean Vuong, ein 1988 geborener amerikanischer Autor mit vietnamesischen Wurzeln, legt in seinem ersten Roman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ einen enorm intensiven und emotionalen Roman vor.

Darin beschreibt er sein Leben in ärmlichen Verhältnissen – mit rabiater Großmutter und schizophrener Mutter, die weder Englisch noch lesen und schreiben kann. Der Ich-Erzähler ist nicht nur wegen seiner Herkunft ein Außenseiter – er ist es auch, weil er schmächtig, klein und homosexuell ist. Seine Liebe zu dem derben Trevor bildet den zweiten Teil dieses Romans.

Der Text weist enorm starke Stellen auf – zum Beispiel wenn Mutter Rose im Nagelstudio einen Fuß massiert, den es gar nicht mehr gibt, weil er längst amputiert worden ist, oder wenn sie im Supermarkt schauspielerisch darzustellen versucht, dass sie einen Ochsenschwanz kaufen möchte, oder wenn sich Trevor und der Ich-Erzähler im Heu bei der Tabak-Ernte langsam näher kommen. Subthema ist immer auch der Vietnamkrieg.

Allerdings gibt‘s andererseits einigen Leerlauf, und es könnte Leser geben, denen die überbordende Emotionalität in diesem Buch etwas zu viel wird und sie sie – besonders zum Ende hin – als überladen empfinden.

Anfangs muss man sich etwas hineinfinden in dieses ungewöhnliche Buch. Das liegt auch an der Art des Autors, seine Geschichte in kurzen Passagen zu erzählen, die besonders zu Beginn nicht immer in direktem Zusammenhang zueinander stehen. Das erfordert ein konzentriertes und langsames Lesen. Man kann dieses Buch keinesfalls am Strand oder irgendwo quasi nebenher konsumieren.

Man merkt in vielen Passagen, dass Ocean Vuong ursprünglich Lyriker ist. Für seine Gedichte wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017).
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Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios.
Hanser Verlag, Juli 2019.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Mittwoch, 21.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour«Katja Oskamp gehört zu den vielen Autorinnen, die vom Schreiben allein nicht leben können. Also muss sie zusätzlich einem (anderen) Job nachgehen. Die 49-jährige Berlinerin hat sich für die Fußpflege im Berliner Problemstadtteil Marzahn entschieden – und aus ihren Erlebnissen dabei ein wunderschönes Buch gemacht.

Es strahlt von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Herzenswärme und Liebe zu den Menschen aus, die sie besuchen. Da gibt‘s zum Beispiel jene Seniorinnen, die sich trotz körperlicher Gebrechen die gute Laune nicht verderben lassen, oder den etwas griesgrämigen ehemaligen DDR-Funktionär, der die Ich-Erzählerin rundheraus zum gemeinsamen Sex einlädt, oder Männer, die von der Ehefrau zwangsverpflichtet werden, zur Fußpflege zu gehen.

Auch auf ihre Kolleginnen und einen gemeinsamen Ausflug in ein Wellnessbad geht Katja Oskamp ein.

Ein sympathisches Buch, weil es das Positive in einem Stadtteil sieht, in dem bestimmt nicht alles rosarot ist.
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Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin.
Hanser Verlag, Juli 2019.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

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Dienstag, 20.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Ian McEwan: Maschinen wie ich«Eine Dystopie schafft der britische Top-Autor Ian McEwan in seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“. Er tut so, als seien die ersten künstlichen Menschen bereits in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erfunden und zum Verkauf angeboten worden.

Charlie, der sich gerade in seine Nachbarin Miranda verliebt hat, kauft sich ein solches Exemplar – Adam heißt es passenderweise – und integriert es in seinen Haushalt. Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in irgendwelchen Online-Datenbanken verfügbar ist. Von einem echten Menschen ist er bald nicht mehr zu unterscheiden. Schon bald hat er seinen Besitzer intellektuell und kräftemäßig überflügelt. Zu Problemen kommt es, als sich Adam ebenfalls in Miranda verliebt.

Ian McEwan, der 1948 geboren worden ist, packt sehr viel hinein in diesen Roman. Der Falkland-Krieg kommt genauso vor wie Margaret Thatcher, der Brexit sowie allerlei philosophische und literarische Anspielungen.

Die Kernfrage jedoch bleibt immer, ob ein Zusammenleben zwischen oft unlogisch handelnden Menschen und einer rein logisch denkenden Maschine überhaupt möglich ist. Ganz am Ende diskutieren einer der Schöpfer Adams und Charlie darüber, ob man einer solchen Maschine beibringen kann, in bestimmten Situationen zu lügen – wie es Menschen in aller Regel gleich mehrmals am Tag tun. Themen wie Moral, Schuld und Rache spielen eine große Rolle.

Bei aller stilistischen Brillanz, die auch dieser McEwan-Roman wieder verströmt, ist er womöglich doch gelegentlich etwas schwergängiger als frühere Werke. Ihm fehlt es an Leichtigkeit und Humor. Auch wirkt er mitunter überladen.

Es erschließt sich nicht immer, was genau McEwan mit seinen verschiedenen Ansätzen und Themen, die in seiner Dystopie vorkommen, überhaupt zum Ausdruck bringen will.

Ian McEwan: Maschinen wie ich.
Diogenes, Mai 2019.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Montag, 19.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Chip Cheek: Tage in Cape May

Chip Cheek: Tage in Cape May«In Chip Cheeks Roman „Tage in Cape May“ verbringt ein etwas biederes Paar im Jahre 1957 seine Flitterwochen an der amerikanischen Ostküste. Es ist Spätsommer, viele Läden und Restaurants haben bereits geschlossen, und Effie und Henry langweilen sich. Als sie schon überlegen, die Reise vorzeitig abzubrechen, treffen sie auf das lebenslustige Paar Max und Clara sowie Max‘ Halbschwester Alma – und alles verändert sich: Die fünf neuen Freunde gehen gemeinsam segeln, sie feiern, spielen, betrinken sich und steigen zum Spaß in unbewohnte Nachbarhäuser ein. Doch dann beginnt Henry eine leidenschaftliche Affäre mit Alma, für die er sich jede Nacht aus dem Ehebett schleicht …

Chip Cheek, einem 1976 geborenen amerikanischen Schriftsteller, gelingt es seinem Debütroman, die unterschiedlichen Charaktere seiner fünf Hauptfiguren psychologisch glaubhaft einzufangen. Durch den gesamten Roman zieht sich eine erotische Atmosphäre, und auch die vielen Sexszenen gleiten keinesfalls ins Peinliche oder Platte ab.

Natürlich spielen im Subtext auch immer Fragen um Schuld und Moral eine Rolle – nach dem Motto: Wie kann man nur in den Flitterwochen seine frisch Angetraute nach Strich und Faden betrügen. Doch dem Autor gelingt das Kunststück, Henry nicht nur und ausschließlich als amoralischen Mann darzustellen, sondern sein Handeln für den Leser sogar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar zu machen – auch deshalb vielleicht, weil Ehefrau Effie mit täglichem Beten und ihrem Bestehen auf den sonntäglichen Kirchgang als etwas bigott dargestellt wird – Alma dagegen eher als Femme fatale, in die man(n) sich einfach verlieben muss.
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Chip Cheek: Tage in Cape May.
Blessing Verlag, Mai 2019.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Sonntag, 18.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Jörg Fauser: Rohstoff

Jörg Fauser: Rohstoff«Jörg Fauser war eine Art Bürgerschreck und Kultautor der 80er-Jahre. Er sah sich selbst in der Tradition bekannter amerikanischer Beatnik-Autoren wie Jack Kerouac und William S. Burroughs, die auf bürgerliche Konventionen pfiffen und ihr Leben lieber den Drogen, dem Alkohol und der Liebe widmeten. Nun hat der Schweizer Diogenes-Verlag dankenswerterweise drei Bücher mit Werken Fausers wiederaufgelegt, eines Autors, der nur 43-jährig im Jahre 1987 beim Versuch starb, eine Autobahn im Vollrausch zu überqueren.

In „Rohstoff“, erstmals erschienen 1984, wendet er sich der Zeit um 1968 zu, die zumindest in den Großstädten durch die Studentenrevolte, die Kommune I, besetzte Häuser und das Aufkommen der RAF geprägt war. Fausers Protagonist Harry Geld, ein Alter Ego des Autors, bewegt sich stets am Rande dieser Szene, ohne selbst je im Mittelpunkt zu stehen. Dabei ist die Selbstironie ein gut funktionierendes Stilmittel, dessen sich der Autor durchgängig bedient. So lässt sich „Rohstoff“ auch als ein Bildungsroman des Scheiterns lesen – dem Scheitern beim Versuch ein anerkannter Schriftsteller zu werden, der mit dem Schreiben seine Brötchen verdient, dem Versuch, dauerhafte Beziehungen zu Frauen aufzubauen oder wenigstens einen adäquaten Job zu finden, solange das mit dem Schreiben verdiente Geld noch nicht reicht.

Und so erleben wir Fauser im Delirium, im Umgang mit Frauen, auf verquasten Lesungen, beim Versuch zu schreiben und auf schiefgehenden Gesprächen mit Verlegern, Arbeitgebern oder Fernsehleuten.

Das alles liest sich enorm kurzweilig und ist zugleich ein gutes Zeitdokument für die Zeit um 1968. Es zeigt die Handelnden aus großer Nähe.

Neben „Rohstoff“ sind zeitgleich Fausers Detektivkrimi „Das Schlangenmaul“ und „Rohstoff Elements“, eine Sammlung aus kürzeren Fauser-Texten und Gedichten, im Diogenes-Verlag erschienen.
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Jörg Fauser: Rohstoff (1984).
Diogenes, Mai 2019.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Freitag, 16.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Raymond Queneau: Zazie in der Metro

Raymond Queneau: Zazie in der Metro«„Zazie in der Métro“ ist ein französischer Kultroman aus dem Jahre 1959. Autor Raymond Queneau arbeitet darin mit allerlei Wortschöpfungen, Wortspielen, Gossensprache, fehlerhafter Grammatik und Orthografie. Bereits das allererste Wort macht deutlich, wie es in diesem Roman zugeht: „Waschtinkndiso“ steht hier für „Was stinkt denn die so?“ Ein solches Werk in eine andere Sprache zu übertragen, dürfte für einen Übersetzer die Höchstschwierigkeitsstufe sein. Frank Heibert, der unter anderem auch die Werke von Richard Ford oder Don DeLillo ins Deutsche übertragen hat, hat sich an eine Neuübersetzung gewagt. Das Ergebnis wirkt frisch, zeitgemäß und ungeheuer witzig.

Die Handlung ist fast nebensächlich, weil die Sprache in diesem Roman das Wichtigste ist – passenderweise wiederholt Papagei Laverdu als Running Gag immerzu einen Satz, den er gelernt hat: „Du quatscht und quatscht, sonst hast du nichts zu bieten“.

Zazie, ein halbwüchsiges Früchtchen aus der Provinz, wird übers Wochenende bei ihrem Onkel Gabriel in Paris geparkt, damit die Mama sich in Ruhe mit ihrem Lover vergnügen kann. Problem: Zazie ist alles andere als ein ruhiges und vernünftiges Kind. Sie ist vielmehr eine Art französische Pippi Langstrumpf, die sehr zur Freude der Leser dieses Romans die Welt der Erwachsenen aufmischt.

So nutzt Zazie die erstbeste Gelegenheit, sich aus der Obhut ihres Onkels, der sein Geld als Transvestit in einem Varieté verdient, zu befreien. Was folgt, ist ein wilder, teils abstruser Ritt durch Paris, in der ein falscher Polizist, „Bludschins“, eine verliebte Witwe, eine Reisegruppe und jede Menge Alkohol eine Rolle spielen. Das Ganze ist – wie gesagt – nicht unbedingt logisch, aber enorm spaßig.

Und in dieser Fassung des Romans erreicht Zazie auch tatsächlich erstmals auf Deutsch ihr Ziel: einmal mit der Métro fahren. Das war ihr in der Übersetzung aus dem Jahre 1960 von Eugen Helmlé noch nicht vergönnt gewesen.
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Raymond Queneau: Zazie in der Metro (1959).
Suhrkamp, Mai 2019.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Donnerstag, 15.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Joyce Carol Oates: Sieben Reisen in den Abgrund

Joyce Carol Oates: Sieben Reisen in den Abgrund«Die 1938 geborene amerikanische Autorin Joyce Carol Oates ist nicht nur eine Vielschreiberin, sondern auch in vielen unterschiedlichen Genres unterwegs. Eines davon ist Horror – so wie in ihrer jetzt endlich auch auf Deutsch erschienenen Geschichten-Sammlung „Sieben Reisen in den Abgrund“.

Darin kommen zwar keine übersinnlichen Mächte vor, aber die Autorin führt uns in derart alptraumhafte Situationen, dass man sich mitunter kaum traut weiterzublättern, oder nur dann, wenn rings um den Lesesessel alles hell erleuchtet ist.

In der ersten Geschichte, „Die Maisjungfer“, die auch titelgebend für die bereits 2011 erschienene amerikanische Originalausgabe war („The Corn Maiden“), entführt eine irre Jugendliche ein jüngeres Mädchen. Sie will es in Anlehnung an ein alles Ritual opfern. Schnell wird ein Lehrer verdächtigt, dafür verantwortlich zu sein.

Als Leser ist man nicht nur im Kopf der wahnsinnigen Täterin, sondern erlebt auch hautnah und über viele Seiten die Qualen der Mutter und des zu Unrecht verdächtigten Lehrers. Durch die totale Nähe zum Geschehen wird das zu einem äußerst intensiven Leseerlebnis.

In den sechs anderen Geschichten ist das kaum anders. Wir erleben die brutale Rache einer jungen Frau an ihrem Stiefvater, ein Zwillingsbruderpaar, bei dem der Stärkere den Schwächeren bereits im Mutterleib unterdrückt, Mordfantasien, grausame Operationen, die schiefgehen, und noch einiges mehr, das sich getrost ans düsterste Ende des menschlichen Zusammenlebens einordnen lässt.

Wer auf „Gothic Horror“ à la Poe steht und entsprechend hartgesotten ist, der wird an diesem Buch seine helle Freude haben. Es könnte andererseits aber auch Leser geben, die die letzte Seite als höchst willkommenes Licht am Ende eines extrem dunklen Tunnels sehen.
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Joyce Carol Oates: Sieben Reisen in den Abgrund.
Droemer, Mai 2019.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Mittwoch, 14.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Susanne Hasenstab: Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus

Susanne Hasenstab: Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus«Der 1984 geborenen deutschen Autorin Susanne Hasenstab ist mit „Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus“ ein höchst unterhaltsamer Roman gelungen. Er nimmt sowohl die abstrusen Befindlichkeiten einer lokalen Möchtegern-Literatenszene aufs Korn als auch diejenigen, die mit Häuslekauf und Familienplanung allzu vorhersehbar durchs Leben schreiten.

Katja, die als Redaktionsassistentin bei einer Gratis-Zeitung arbeitet, wird von ihrem Freund Jonas von einer Hausbesichtigung zur nächsten geschleift. Sie folgt ihm nur widerwillig, schließlich weiß sie gar nicht, ob sie ihr Leben schon so früh festzurren will. Doch auch bei einer literarischen „Soiree“ ergeht es ihr nicht besser. Dort plustern sich allerlei Nichtskönner in ihrer ganzen gockelhaften Eitelkeit auf. Doch dann taucht der Krimi-Autor Robert auf …

Mit viel Situationskomik lässt Susanne Hasenstab ihre sympathische Heldin durch die diversen Begebenheiten schlittern. So entpuppt sich das „Tal der glücklichen Familie“ mit seinem zum Verkauf stehenden Haus bei genauerem Hinsehen eher als Horrorfilm-Kulisse. Empfehlenswert!
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Susanne Hasenstab: Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus.
Limes, März 2019.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Dienstag, 13.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Joe Mungo Reed: Wir wollen nach oben

Joe Mungo Reed: Wir wollen nach oben«Allen, die Radrennen mögen, sei dieses Buch bedingt empfohlen, allen anderen nicht.

Solomon, der Ich-Erzähler, ist Radrenn-Profi. In seinem Team hat er jedoch nicht die Aufgabe zu gewinnen, er ist – wie viele andere auch – dazu da, seinem Kapitän Fabrice während der Tour de France zu helfen. Er muss für ihn Wasser holen und ihm Windschatten geben.

Aber weil die Leistungen der gesamten Mannschaft nicht stimmen, verfällt Teamchef Rafael auf die Idee, es mit Doping zu versuchen.

Obwohl dieser Roman nicht unbedingt dick ist, tritt er doch lange auf der Stelle – oder in die Pedale, um beim Thema zu bleiben. Die Radrennfahrer fahren ihre Tour, was gelegentlich stupide ist, und haben abseits davon ebenfalls ein eher langweiliges Leben in verschiedenen Hotels. Diese Langeweile überträgt sich zum Teil auf die Lektüre selbst. Es geht kaum voran in diesem Buch, und es fehlt lange an Spannung.

Die Charaktere, zu denen auch Solomons Ehefrau Liz gehört, bleiben allesamt etwas blass, oberflächlich und konturlos. Man vermisst ein stärkeres Auflehnen gegen Rafaels Doping-Pläne oder allgemein eine stärkere Auseinandersetzung damit. So etwas wie Dramatik kommt erst spät auf. Zu spät.
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Joe Mungo Reed: Wir wollen nach oben.
dtv, März 2019.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22.00 Euro.

Montag, 12.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success

Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success«Gary Shteyngart, ein russisch-stämmiger Jude, der in den USA lebt, legt mit „Willkommen in Lake Success“ einen großen amerikanischen Gesellschaftsroman vor. Darin seziert er das amerikanische Befinden im Jahre 2016 – einer Zeit, in der ein gewisser Donald Trump sich anschickt, der nächste US-Präsident zu werden.

Die Welt des schwerreichen New Yorker Hedgefonds-Managers Barry bricht auseinander. Sein Fonds basiert auf Lügen und die Kapitalgeber ziehen ihr Geld zurück. Außerdem liebt ihn seine Frau Seema nicht mehr. Dass das Paar einen autistischen Sohn hat, der kein Wort spricht und jede Berührung ablehnt, macht die Lage nicht besser.

Barry zieht die Reißleine, wirft Kreditkarten und Handy weg und setzt sich in den nächsten Greyhound-Bus, um seine Jugendliebe Layla in El Paso zu treffen.

Obwohl es recht viele Figuren sind, die diesen (dicken) Roman bevölkern, gelingt es dem 1972 Autor sehr gut, sie alle mit Leben zu füllen und zu unverwechselbaren Individuen zu machen. Man sitzt als Leser gerne mit Barry im Bus und lernt den einäugigen Mexikaner kennen, der an Barrys Schulter schläft oder die hinreißend schöne Brooklyn, die es zu einem One-Night-Stand mit unserem Protagonisten kommen lässt – um nur einige wenige zu nennen.

„Willkommen in Lake Success“ macht vor allem wegen seiner Vielseitigkeit Spaß. Wir bewegen uns genauso in Appartements, die mehrere Millionen Dollar teuer sind, wie in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez, in der der Drogenhandel blüht und die als eine der gefährlichsten Orte weltweit gilt.

Natürlich ist dieser Roman Gesellschaftskritik par excellence. Er kritisiert die Welt der Reichen, deren Reichtum nicht selten auf illegalen Machenschaften basiert, wie die Welt der Hinterwäldler, die aus purer Unkenntnis in Leuten wie Trump ihren Heilsbringer sehen. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch.
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Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success.
Penguin Verlag, April 2019.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Sonntag, 04.08.2019

Autor: Andreas Schröter

Johanna Adorján: Männer: Einige von vielen

Geir Gulliksen: Geschichten einer Ehe«Die Journalistin und Schriftstellerin Johanna Adorján hatte bis Ende 2018 eine wöchentliche Kolumne mit dem schlichten Titel „Männer“ in der Süddeutschen Zeitung. Darin porträtierte sie alle möglichen Vertreter des männlichen Geschlechts: Prominente, ehemalige Liebhaber, Laute, Leise, Dumme, Witzige, Sympathische und sehr Unsympathische. Nun ist das Ganze als Buch erschienen.

Lothar Matthäus kommt zum Beispiel vor – als „absurdester Mann“, der der Autorin und einer Freundin einfiel – mit seiner, so die Autorin“ kaum zu übertreffenden „Kritik des Konjunktivs“: „Wäre, wäre Fahrradkette.“

Oder der Regisseur Volker Schöndorff. Der habe mal eine Veranstaltung mit einer Autorin über ihr neues Buch moderiert, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt zu haben, um was es darin überhaupt ging.

Natürlich gibt‘s die unvermeidlichen Dauertelefonierer im Zug oder die nervigen Besserwisser, die einem bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit die Welt erklären müssen – aber auch Männer wie der Physiotherapeut Harald, dem es gelinge, dass man sich nach einer Sitzung mit ihm auf jeden Fall besser fühle als zuvor.

Das alles ist nicht nur witzig, sondern dazu oft auch noch gesellschaftskritisch und geistreich. Bei vielen Beobachtungen möchte man der Autorin aus eigener Erfahrung beipflichten. Zum Beispiel, wenn es um Jürgen geht, der wichtigtuerisch von „Flieger“ statt von „Flugzeug“, von „Office“ statt von „Büro“ und von „Meeting“ statt von „Treffen“ spricht.

Der Schauspieler Matthias Brandt hat recht, wenn er sagt: „Dass man über etwas so Uninteressantes wie Männer so unterhaltsam und klug und mit genau der richtigen Dosis Bösartigkeit schreiben kann, das bewundere ich wirklich sehr. Und dann ist es auch noch saulustig.“

Die letzte Kolumne – in der Süddeutschen wie im Buch – handelt von der Autorin selbst. Sie fragt sich: „Wie wäre ich geworden, wenn ich ein Mann wäre?“ Empfehlenswert!
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Johanna Adorján: Männer: Einige von vielen.
dtv, März 2019.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Dienstag, 09.07.2019

Autor: oliverg

Unpacking: Sufi Comics (Video dt/engl.)

 

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Montag, 08.07.2019

Autor: oliverg

Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke Bd 3 (1921-1924)

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Montag, 17.06.2019

Autor: Immo Sennewald

Wolfgang Sofsky: Macht und Stellvertretung

Wolfgang Sofsky hat 2019 einen Essay veröffentlicht. “Macht und Stellvertretung” ist – wie Elias Canettis “Masse und Macht” – eine Phänomenologie politischer Verhaltensweisen und Organisationsformen, obendrein ein wahres Pandämonium sozialer Rollen und zugehöriger Interaktionen. Canettis wie Sofskys Texte vereinen Tiefe, Klarheit und sprachliche Originalität.

Nicht von ungefähr wählt Sofsky in einigen Passagen das Theater als Vergleich: Dort wurden von Anbeginn Fragen der Macht und der Moral öffentlich verhandelt. Fast alle Charaktermasken – der Tribun, der Demagoge, der Statthalter, der Tyrann, der Anhänger, der Parteisoldat, der Schildknappe und viele andere – begegnen uns seit der Antike. Unveränderte Mythen und Handlungsmuster machen die Dramen von Aischylos über Shakespeare, Molière, Tschechow… bis in die Gegenwart aktuell. Zugleich ist Theater – wie alle Medien – Instrument informeller Macht: Das Geschehen hinter der Bühne bleibt fürs Publikum im Dunkeln. „Vertretungsmacht ist nicht zuletzt Theatrokratie“ schreibt Sofsky im Kapitel „Publikum“. Alle seine Gedanken – etwa zu Organisationsformen der Hierarchie oder zur Partizipation – führen immer auf beobachtbare, ganz gegenwärtige und konkrete Erscheinungen und Personen, ich bin ihnen mit größtem Vergnügen gefolgt.

Unvermeidlich geriet ich an eine schwer fassbare, notwendige Qualität informeller Macht, eine notwendige Voraussetzung für Stellvertretung (egal ob durch Delegierte, Anwälte, Vorstände): Das Vertrauen. Es gründet nur zum Teil auf sachlichen Erwägungen. Intuition und Antizipation bestimmen die Entscheidung des Einzelnen, wem er es schenken, wem verweigern will. Dabei ist er sehr stark von „Herdenimpulsen„, von seiner Gruppenzugehörigkeit und  Stellung beeinflusst.

Wenn Stellvertretung hinfällig wird, weil sie an Konflikten der Realität scheitert, und das Vertrauen der Vertretenen verliert, kommt die Zeit der Revolutionen, der Ablösung einer Elite von der informellen Macht. Das Spiel beginnt von Neuem. „Das Drehbuch der Oligarchie und politischen Entfremdung beginnt keineswegs erst, nachdem Ruhe eingekehrt ist. Es war niemals aufgehoben, auch nicht während des Sturzes des alten Regimes. Und es bleibt solange in Kraft, wie die letzte Revolution noch aussteht, die Aufhebung jeder Stellvertretung.“

Wolfgang Sofskys Schlußsatz im Essay lässt keine Zweifel: Der Autor macht sich nicht zum Stellvertreter seines Lesers, sondern verweist ihn auf sich selbst zurück. Das hat mir besonders gefallen. Auch „Der menschliche Kosmos“ gründet auf diesem Verständnis von Freiheit.

Wolfgang Sofsky: Macht und Stellvertretung, Taschenbuch 132 Seiten, Verlag: Independently published 2019, ISBN-10: 1093388749 ISBN-13: 978-1093388749, 9,80 €

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Mittwoch, 24.04.2019

Autor: Immo Sennewald

Ian Kershaw: Achterbahn

Dieses Buch ist ein Solitär in der Vermittlung jüngerer europäischer Geschichte. Am Ehesten würde man ihm gerecht, wenn man es zum Ausgangspunkt möglichst vieler Debatten zwischen Generationen, Nationalitäten, politischen Einstellungen machte – eine Hoffnung, die in scharfem Kontrast zum herrschenden Geist in der Politik, in den Medien und leider auch zur mangelnden Sorgfalt in der Gestaltung von Schulbüchern und Lehrplänen steht.

Den Titel hat Ian Kershaw trefflich gewählt. Sowohl was das schwindelerregende Auf und Ab, das Tempo und die Rasanz anlangt, mit der seit 1950 Geschichte „erfahren“ wird, als auch die rasch wechselnden Perspektiven und atemberaubenden Momente nahe am Absturz: Der Zeitgenosse bestätigt ihm, dass er ihn zu einer großartigen Reise einlud. Sie führte durch erschreckende und bezaubernde Landschaften, lenkte den Blick auf unbekannte Details, schärfte das Gefühl für abrupte Wendungen. Sie ist noch nicht zu Ende.

Die Bibliographie belegt ein veritables Gebirge an Informationen, das Ian Kershaw durchforscht hat, er hat dort hinein klug die Trasse seiner Achterbahn konstruiert, er baut Ausblicke auf Krisen und Umbrüche, Personen und Parteien, Ökonomie, Politik und Kultur, auf Nationen, Europa und die Welt ein und setzt sie zueinander in Beziehung. So wird etwa das Panorama des Kalten Krieges zugleich breit und tiefenscharf. Beim Betrachten desselben ebenso wie beim Passieren von Abgründen möglicher nuklearer Konflikte oder des hochbrandenden Jubels nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs erlebte ich meine eigene Vergangenheit als sehr präsent – wie viel Glück ich hatte, dem DDR-Sozialismus zu entkommen! – und doch sehr, sehr fern. Das liegt wohl an der klaren, unverschnörkelten Sprache des Erzählers, sie ist frei von Effekten, aber keineswegs ermüdend. Dafür ist gewiss auch dem Übersetzer Klaus-Dieter Schmidt zu danken.

Freilich: Wer Höhen und Tiefen der Historie selbst “durchwandert” hat, schaut mit anderen Augen auf die Bilder dieser Berg- und Talfahrt als Jüngere. Ihnen mögen sie wie Kulissen erscheinen, die sich mit anderen Geschichtsbildern vergleichen lassen. Ian Kershaw verhehlt nicht, dass er seine Route durchs zurückliegende Jahrzehnt an offiziösen Sichtachsen ausrichtet. So erscheinen etwa Klimawandel und Energiepolitik in allzu bekanntem Ausschnitt. Der Sachverstand von Naturwissenschaftlern und Technikern (nicht einmal der des IPCC) blendet die Chancen der Nukleartechnik für eine gewünschte Begrenzung des Kohlendioxyds in der Atmosphäre längst nicht mehr aus. Kershaw verweilt dagegen beim populistischen Ruf nach “Atomausstieg” – wegen der in Tschernobyl und Fukushima offenbarten Gefahren dieser Technik. Aber wenn dieser Ruf auch ein langes Echo hat: Der vermeintliche Echofelsen ist aus Medienmaché.

Ian Kershaw ist klug genug, kritische Fragen an die Zukunft seiner britischen Heimat und der EU zu stellen, er ermahnt dringlich zu Reformen. Was er sich dabei vom Walten der Bundeskanzlerin Merkel und des Präsidenten Macron verspricht, blieb mir rätselhaft. Bisweilen verengt er die Perspektive, etwa wenn er zunehmenden Islamistischen Terror auf Kolonialismus und fraglos verderbliche Interventionen des Westens im Nahen Osten bzw. in Afrika sowie Benachteiligungen von Moslems in Europa zurückführt. Innersystemische Impulse religiös grundierten Machtwillens kommen kaum ins Blickfeld.

Zeit, einen Blick auf eine zweite Metapher des Autors zu werfen, den “Schraubstock”. Er verwendet sie für die totalitären Regimes des Ostblocks, sie ist einprägsam aber etwas simpel. Es drehten ja nicht nur ein Stalin, Breshnew, Honecker und ihre Gefolgschaft an der Schraube gesellschaftlicher Kontrolle. Da sind Hunderttausende von Rädchen und Hebeln im Gestell des Staates und der Medien, “An-Gestellte”, und was sie treibt, ist nicht nur Einkommen, sondern auch informelle Teilhabe an der Macht. Sie gehören dazu, und Konformität ist der Eintrittspreis.

Solche Organisationen, gern auch als Bürokratie bezeichnet, waren in der Geschichte erstaunlich resilient gegenüber Machtwechseln: Deutsche Beamte blieben nach Hitlers Ermächtigung ebenso in Lohn und Brot wie nach dessen Untergang. Jüngstes Beispiel sind fast problemlos vom IS übernommene Behörden in Teilen des Irak; Houellebecqs Roman “Soumission” (“Die Unterwerfung”) beschreibt den Übergang zur Herrschaft des Islam in Frankreich aus der Sicht eines Hochschul-Angestellten. Ian Kershaw beweist auf der Fahrt mit der Achterbahn auch seine Sachkenntnis in Kunst, Literatur, Musik. Erstaunlicherweise deutet er nur an, welche Fragen sich insbesondere für die Kultur stellen, wenn in der EU, aber auch den UN und zahllosen immer mächtigeren NGO eine supranationale Bürokratie heranwächst, deren Anspruch auf Konformität schon sichtbar, deren Kompetenz zur Lösung der entscheidenden Konflikte in der Welt aber genau deshalb durchaus zweifelhaft ist.

Am Anfang ihrer Amtszeit verkündete Angela Merkel, sie wolle der Bürokratie Schranken setzen. Inzwischen treffen planwirtschaftliche Ausflüge der Bundeskanzlerin – etwa in der Klima-, Energie- und Migrationspolitik – auf ein erstaunliches Einvernehmen bei fast allen Parteien. Auch die Medien gehen gern konform. Widerspruch gegen die uneinlösbaren Wechsel auf europäische, gar globale Lösungen wird gern mit politischem Extremismus in Verbindung gebracht: “Rechts” und “populistisch” sei das. Auch Kershaw zeigt mit dem Finger in diese Richtung. Dass aber in Polen, Ungarn, Österreich konservative Regierungen großen Rückhalt finden, eben weil Frau Merkel und die EU-Bürokratie versagen, klärt er gar nicht als systemischen Mangel auf. Kurz und Orban haben nicht seine Sympathien – anders als der “grüne” Österreichische Präsident Van der Bellen. Das ist schön subjektiv, schmälert nicht das Vergnügen und ist mir viel lieber als vorgebliche „Objektivität“.

Am Schluss der “Achterbahnfahrt” spricht Kershaw vor allem von der Unsicherheit, Unvorhersagbarkeit und Unwägbarkeit aktueller Entwicklungen. Nein, eine EUdSSR wird es nicht geben, schon gar kein neues Nazireich. Aber bewegen wir uns nicht derzeit auf den Gleitkissen politischer Korruption weiter Richtung Konformismus? Viktor Frankl hat ihn als ebenso gefährlich für die Demokratie bezeichnet, wie den Totalitarismus, und mit dem Blick auf China, wo der Staat mit totaler Überwachung Konsens und Konformität der Meinungen durchsetzt, ist das beklemmend aktuell.

Unvermeidlich sind und bleiben Konflikte mit solchen Staaten, wenn individuelle Freiheit und Menschenrechte verteidigt werden sollen. Werden die westlichen Demokratien standhalten oder sich – wie auch immer ideologisch fundierten – kollektivistischen Diktaten unterwerfen? Sie haben – z.B. in den KSZE-Verhandlungen – Stärke bewiesen, als sie Menschen- und Bürgerrechte gegen den totalitären Konsens von der Überlegenheit sozialistischer Gesellschaften vertraglich durchsetzten. Vielen Europäern brachte das die Freiheit. Dass ein solcher Prozess in globalen Konflikten möglich wird, ist nicht mehr als eine Hoffnung. Sie zerbräche, wenn in den europäischen Staaten selbst Überwachung und Kontrolle durch bürokratische Apparate – seien es Behörden oder “outgesourcte” Zensur-, Spitzel- und Denunziations-Kollektive – die Freiheit der Bürger auf konforme Schienen zwänge.

Ian Kershaw Achterbahn

Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt

Originaltitel: Roller-Coaster. Europe 1950-2017

Originalverlag: Allen Lane

Hardcover mit Schutzumschlag, 832 Seiten, 15,0 x 22,7 cm

mit Abbildungen

ISBN: 978-3-421-04734-2

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Sonntag, 14.04.2019

Autor: Andreas Schröter

Geir Gulliksen: Geschichten einer Ehe

Geir Gulliksen: Geschichten einer Ehe«Der norwegische Autor Geir Gulliksen erzählt in seinem Roman „Geschichten einer Ehe“ vom langsamen Ende einer Beziehung. Jon und Timmy, die zwei gemeinsame Söhne haben, wollen eine moderne Ehe führen, die anders ist als andere. Sie soll frei von Eifersucht sein, jeder soll sich frei entfalten können. Dazu gehören auch Abenteuer mit anderen Geschlechtspartnern und der gegenseitige Austausch darüber.

Und tatsächlich lernt Timmy beim Joggen einen anderen Mann kennen. Aus Zuneigung wird Liebe, und die Treffen der beiden werden immer häufiger und ausgedehnter. Es kommt, wie es kommen muss: Jon kommt damit immer schlechter zurecht, und schließlich erfolgt die Trennung.

Dass das am Ende passiert, ist bereits am Anfang des Romans klar, sodass hier nichts vorweggenommen wird. Der ganze Text ist eine Art Rückblick und der Versuch zu verstehen, warum diese Ehe in die Brüche gegangen ist.

Problem ist, dass keine der beiden Hauptfiguren wirklich sympathisch ist. Die seltsam haltlose Timmy tut nichts, um ihre Ehe zu retten, sie lässt sich allzu bereitwillig auf den neuen Mann ein, und Jon wirkt insgesamt eher schwach. Man kann sich kaum vorstellen, dass er für eine Frau interessant sein könnte. Die zumindest anfängliche große Liebe des Ehepaars spürt man als Leser nicht. Jons ewiges Beharren darauf – dieser Aspekt wird tatsächlich mehrfach im Buch wiederholt –, dass Timmy tun und lassen dürfe, was sie will, wirkt auf Dauer etwas nervig und redundant. Man möchte diesen Mann schütteln ob seiner skurrilen, pseudo-modernen Ansichten. Fast kann man Timmy so gesehen verstehen, dass sie das Weite sucht.

Allzu lange Beschreibungen von Nebensächlichkeiten – zum Beispiel was Timmy anzieht – stören den Lesefluss etwas. Die oft sehr detaillierte Darstellung von Sex wirkt keinesfalls erotisch, sondern eher, als handele sich um eine Gebrauchsanweisung.
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Geir Gulliksen: Geschichten einer Ehe.
Luchterhand Literaturverlag, März 2019.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

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Montag, 08.04.2019

Autor: rwmoos

Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche.

Schwarze Wut und Braune Scheiße

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

Mitmenschen können so nervend sein. Hier in Deutschland genau wie anderswo. Allein die Diskussion um das Wort „Neger“! Eigentlich ganz einfach: Wenn sich Menschen, die damit beschrieben werden, von dem Wort herabgewürdigt sehen, verzichte ich doch schon aus Gründen der Höflichkeit darauf. Es sei denn, ich beabsichtige diese Herabwürdigung.
Statt dessen: Das ewig gleiche Gejammer, man würde dem Sprecher seine Sprache verbieten. Verboten wird gar nix. Nur darauf hingewiesen, dass dem Wort eine pejorative Bedeutung eignet.

Oder die immer wieder gleichen Diskussionen um jenes Gebäck. Keine Ahnung, wieso man es „Negerkuss“ genannt hat. „Schokokuss“ ist auch nicht gerade eine Beschreibung. Dann eher schon „Superdickmann“. Denn es macht ja wirklich super dick, Mann!
Wenn einem Kindeswohl am Herzen liegt, sollte man es, statt es zu essen, lieber wegwerfen. Genau das geschieht in unserer Wohlstandsgesellschaft zur Belustigung der Kinder bei den Schulfeiern. Der Vorgang heißt dort „Negerkussweitwurf“. Oder, noch drastischer: „Mohrenkopfweitwurf“. Warum das sein muss? Nun, hier bei uns sage man das eben so. Und da ich nicht per Inzucht in dieser Kleinstadt gezeugt wurde, habe ich, als ein erst seit 15 Jahren Ansässiger, offenbar schlichtweg kein Stimmrecht.
Nun hat die Schule einen neuen Direktor, dem der Blödsinn offenbar auch aufgefallen ist. Endlich.
Wie führt nun die alte Lehrkraft den Wettbewerb ein? „Nachher findet ein Schokokussweitwurf statt.“ Um nach einer kleinen verschämten Pause, in der das Unwohlsein über die offenbar aufoktroyierte Sprache in ihr wühlt, mit einnehmender Geste in ebenso einnehmender Halbmundart fortzufahren: „Frieher hammar halt Negerkuss gesoacht“. Der Satz soll wie eine Befreiung wirken und tatsächlich erntet sie das beabsichtigte Underdog-Gelächter des weißen Prekariats.
Nein. Da verstehe ich Frau Eddo-Lodge: Irgendwann verliert man die Lust auf die ewig gleichen Diskussionen mit der intellektuellen Bestandslage. Und irgendwann ist auch das letzte meiner Kinder aus der Gegend weggezogen, um in urbaner Umgebung weniger Dauerverletzungen ausgesetzt zu sein.

Oder: Warum müssen wohlmeinende Frauen die elementarsten Persönlichkeits- und Abstandsregeln verletzen und wildfremden Kindern wie Erwachsenen „einfach mal über diese schwarzen Haare streicheln“? Eine archaische Form des Be-Greifens? Ich streichel doch auch nicht mit der Begründung über ihre Brust, dass ich nur so die ganze Schönheit wohlmeinend begreifen könne? Feminismus wird langsam kapiert. Rassismus noch lange nicht. Auch in diesem Punkt gehe ich mit Frau Eddo-Lodge d‘accord.

Ihr Buch weist eine ganze Reihe weiterer Qualitäten auf:
– Streiflichtartig hat sie eine Geschichte der schwarzen Briten angerissen, und damit den Betreffenden ermöglicht, ihr Selbstwertgefühl nicht nur über die Geschichte amerikanischer Bürgerrechtsbewegung zu definieren. So etwas fehlt hier in Old Germany. Natürlich auch, weil schwarze Immigration hier bedeutend geringer ausfiel.
– Eines ihrer Hauptanliegen ist die Darstellung strukturellen Rassismus: In der englischen Gesellschaft haben Weiße schon deshalb einen statistisch quantifizierbaren Vorteil, weil sie Weiße sind. Das belegt sie sehr gut. Sie fordert nun von den Weißen, sich bei allen diesbezüglichen Diskussionen und Entscheidungen dieses Privilegs zumindest bewusst zu werden und es perspektivisch abzuschaffen.
– In eigener Sache thematisiert sie die Problematik gemischtrassischer Kinder zwischen den Welten ihrer schwarzen und weißen Familienhälfte. Und die Thematik schwarzer adoptierter Kinder in rein weißer Umgebung. Meines Erachtens kommt dieser wichtige Punkt sehr kurz geschnitten rüber. Es wäre ein durchaus lohnenswerter Ansatz, diese Fragen breiter anzugehen, denn hier wird das private politisch und das politische privat.
– Neben den Kategorien „Schwarz“ und „Frau“, spricht sie auch die Kategorie „Klasse“ an. Für das Zusammenspiel der verschiedenen Kategorien findet sie in Aufnahme eines Bildes von Angela Davis im Muster von künstlich angelegten Städten mit ihren parallel angelegten Straßen und deren Kreuzungen eine gelungene Parabel.
Wobei sie aber auch mit der BBC übereinstimmt, dass statt der traditionellen Dreiteilung (Ober-, Mittel-, Unterschicht) heute lediglich eine Fünfteilung sinnvoller sei. Andererseits entwertet sie diese Kategorien gleich wieder, indem sie entgegen den von ihr selbst vorgebrachten Zahlen, suggeriert, dass Schwarze vor allem die Unterklasse prägen würden. Tatsächlich gilt das wohl eher für die zweitunterste Klasse: Schlimmer geht immer.

Hier wäre auch der erste Punkt, bei dem ich ihr vehement widersprechen würde: Die aktuellen Verteilungskämpfe der gesellschaftlichen Ressourcen sind nur scheinbar zwischen Frau und Mann, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arbeiter, Unternehmer und Beamten.
Statt auf eine wirkliche Umverteilung von Oben nach Unten zu drängen, zerfleischen wir uns wegen der Brotkrumen. Der fleißige Handwerker, die überforderte allein erziehende Verkäuferin, der eher gemächliche Berufshartzer und der aus seinem Leben geschleuderte Flüchtling gönnen einander die Brotkrumen nicht, die von den wirklich Reichen übrig gelassen werden.
Ein weiterer Blick über den Tellerrand britischer (respektive europäischer) Verhältnisse sollte Eddo-Lodge ebenfalls zur Erkenntnis reichen: Die Diskrepanz zwischen den Untersten und den Obersten ist in einigen afrikanischen Staaten so viel gewaltiger als hierzulande. Und dort sind die Herrscher keine alten weißen Männer sondern alte schwarze Männer. Und oft genug agieren dahinter ihre alten oder jungen schwarzen Frauen.

Größere Ungerechtigkeiten in der Chancenverteilung und in der Verteilung des Reichtums und der Macht sind schlimm, weil sie den Charakter des Menschen korrumpieren. Nicht nur den des Betroffenen, sondern auch den des scheinbaren Siegers beim Verteilungskampf: Er bekommt ein falsches Bild von sich. Er meint, sein Erfolg sei allein sein eigener Verdienst und sieht auf die weniger Erfolgreichen herab. Damit verletzt er nicht nur andere, sondern verliert an eigener menschlicher Qualität. Vor Jahrzehnten haben das mal ein paar so genannte Befreiungstheologen thematisiert. Hat aber auch nichts genützt: Entweder sind sie getötet worden, oder sie wurden ausgeknockt. Oder sie haben sich ins System etabliert und waren dann ganz schnell selbst korrumpiert – wie Jean Bertrand Aristide. Die Chance, das zu verstehen, vertut Reni Eddo-Lodge ohne Grund und kommt so ganz nebenher zu einem sehr fragwürdigen Verständnis von Yin und Yang (S. 125)

Frau Eddo-Lodge fordert immer wieder von Weißen, sich ihrer einfach schon durch Hautfarbe festgesetzten Privilegien bewusst zu werden, und von Schwarzen, diese zu erobern. Das hat Herr Aristide z.B. ja damals durchaus getan. Der Erfolg: Es ging fortan anderen gut und anderen schlecht. Und sowohl auf der Gewinner- als auch auf der Verliererseite standen in Haiti vorher und nachher wenig Weiße und viele Schwarze. Noch weniger lassen sich System und Forderung der Autorin auf die Verhältnisse z.B. in Mosambik anwenden.

Sie ist demzufolge da am Besten, wo durch ihre Texte wenigstens hindurchschimmert, dass die Verhältnisse als solche anfragbar seien. Schade, dass sie da nicht tiefer bohrt.

Der Feminismus hat dazu geführt, das Frauen Staatsoberhäupter, Konzernchefs und vielleicht auch irgendwann Papst sein können. Hat das irgendetwas an der Struktur geändert? Ist die Welt dadurch humaner, friedlicher oder auch nur kinderfreundlicher geworden?
Der letzte deutsche Kanzler, unter dem keine deutschen Soldaten in Kriege verwickelt waren, war ein Mann: Helmut Kohl. Als sein Nachfolger, Gerhard Schröder im Irak nicht mit Krieg spielen wollte, setzte sich dessen spätere Nachfolgerin, Angela Merkel, sehr für eine Teilnahme ein. Die letzten beiden großen Kriegseinsätze der Briten teilen sich Margret Thatcher mit dem Falklandkrieg und Tony Blair mit dem Irakkrieg schwesterlich.
Die Vertreibung der Rohingya geschah unter der Ägide der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.
Teilhabe an den Privilegien durch Frauen hat die Welt nicht wirklich besser gemacht. Genau so wenig wird sie besser durch die Teilhabe von Schwarzen.
Wenn man also gegen strukturellen Rassismus vorgeht, ist das richtig und gut. Das durchaus lohnenswerte Ziel ist Chancengleichheit, die sich auch statistisch darstellen lässt. Eine bessere Welt aber wird dadurch nicht entstehen. Die Macht wird nur durch andere, nicht durch Bessere, ausgeübt werden.

Sprache ist nicht nur zur Verständigung wichtig. Sie wirkt auch als Schwert: Wir können mit ihr andere verletzen und töten. Sie ist aber auch ein Schild – und zwar im doppelten Sinne: Wir können uns hinter ihr verstecken und gleichzeitig mit ihr Botschaften transportieren.

Wie nennt man Nicht-Weiße, wenn man sie nicht indirekt definieren möchte? Ich habe mich hier und anderswo für „Schwarze“ entschieden, weil das am ehesten dem entspricht, wie sich meine diesbezüglichen Verwandten und Bekannten bezeichnen, auch wenn ihre Haut hell scheint und die Haare auch Jung-Siegfried eignen könnten.
„Farbige“ wird nicht von allen als angenehme Bezeichnung empfunden. „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist umständlich und gestelzt und trifft auch auf die Kowalskis und Schimanskis zu, ja auch auf gewisse Österreicher, die wir eingedeutscht haben. Und die waren und sind meistens alle ziemlich weiß.
Die deutsche Übersetzung von Frau Eddo-Lodges Buch schwankt da gewaltig, wobei noch ein paar englische Spezialausdrücke wie „BME“ und das unsägliche „People of Colour“ hinzukommen.
Vielleicht verstecke ich ja auch die Schwierigkeit von Bezeichnung und Zuordnung hinter dem einfachen „Schwarz“. Wenn jemand ein besseres Angebot hat – nur zu!

Ähnliches gilt für den Begriff des Rassismus überhaupt. Ich mag ihn nicht, weil er die Begrifflichkeit des wissenschaftlichen Irrtums aufgreift, dass es bei den Menschen verschiedene Rassen gäbe. Es ist die Wortwahl der alten Spalter, die die Menschen in Rassen einteilten, um einen Teil davon unterdrücken zu können. Auch hier ist eigentlich ein neuer Begriff gefragt, der nicht die Terminologie dieses Irrtums zementiert.

Viele andere Kommentatoren finden das Buch von Frau Eddo-Lodge gelungen und preisen es in hohen und höchsten Tönen. Dem kann ich mich nicht anschließen. Es ist formal ziemlich zusammengestoppelt. Eine klare Begrifflichkeit zieht sich – wenigstens in der deutschen Ausgabe – ebensowenig durch wie eine nachvollziehbare Struktur. Daran mag die Herkunft eine gewisse Mitschuld tragen: Wenn man den Diskurs in den jeweiligen Blogs, Chats, Talkshows, Twitter- und Facebookbeiträgen als geisteswissenschaftliche Arbeit versteht, ist man von einem Geschwurbel nicht mehr allzufern, dass, je nach Gesprächspartner, Positionen verwischt und Missverständnisse zu Themen uminterpretiert.
Trotzdem hat dieses Buch in Großbritannien innerhalb gewisser Zirkel eine wichtige Debatte entfacht und wird deshalb auch nicht zu Unrecht gerühmt. Es war einfach der richtige Input zum richtigen Zeitpunkt und da darf auch mal auf den Luxus stringenter Gedankenführung verzichtet werden.

Schaut man mal in die andere Filterblase hinüber, so wird dem Buch „umgekehrter Rassismus“ (was immer das nun wieder sein mag – gemeint ist wohl eine beabsichtigte Benachteiligung von Weißen) vorgeworfen. Um diesen Vorwürfen im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, versucht sich Frau Eddo-Lodge in dem, was sie von den Weißen verlangt: Dem Bewusstmachen der eigenen Privilegien. Dabei vergisst sie in ihrer eurozentrischen Sicht vielleicht ein paar der Wichtigsten: Sie ist nämlich in erster Linie genau das: Europäerin. Sie lebt in Frieden. Sie hat ausreichend Nahrung, Kleidung und Energie. Und damit ist sie gegenüber einem Großteil der Weltbevölkerung – genau wie ich – dermaßen privilegiert, dass wir unser Glück kaum fassen dürften. Natürlich können wir einerseits nach mehr Teilhabe an den Ressourcen derer streben, denen es wesentlich besser geht. Das wäre in jeder Hinsicht in Ordnung.
Wir könnten aber auch anders herangehen und überlegen, wie wir Ressourcen an die abtreten, denen es wesentlich schlechter geht.

Eines noch: Ob man das Buch mag oder nicht – es enthält auf jeden Fall eine Perle:
Das ist das Interview mit Nick Griffin von der British National Party.
Eddo-Lodge bezeichnet das Interview als surreal. Dem möchte ich widersprechen.
Es ist, im Gegenteil, sowas von real!

Gar nicht mal unintelligent nimmt Herr Griffin dort den Standpunkt der bedrohten Minderheit ein. Als seien seine weißen Briten ein seltene Art, die vom Aussterben bedroht ist und geschützt gehört. Der Witz: Hat man sich auf den Begriff und Standpunkt des Rassismus eingelassen – und das tut ja Frau Eddo-Lodge auch – so hat Herr Griffin nicht einmal Unrecht. Jeder Bergsalamander wird geschützt, warum nicht auch die selten werdende weiße „Rasse“ des Homo sapiens britannicae? Natürlich ist das kein origineller Standpunkt, man hört ihn ja in Europa allerorten. Aber ein Gespräch zwischen zwei Protagonisten verschiedener Lager findet so selten statt – da mag man beide wegen ihrer Bereitschaft gar nicht genug loben.
Und dann, nachdem über ein paar Seiten Argumente ausgetauscht wurden, die sich an den Regeln logischer Gesprächsführung orientierten, schwappt plötzlich auf die sehr offene Frage Eddo-Lodges, wo sie sich denn als Schwarze rein britischer Identität seiner Meinung nach verorten sollte, die fast lehrbuchhafte Antwort des alten weißen Mannes daher:
Das junge schwarze Ding möge sich doch ein Land suchen, das irgendetwas mit ihrem Erbe zu tun habe (das britische Erbe wird ihr damit abgesprochen) und dort Kinder werfen (offenbar statt sich am intellektuellen Diskurs zu beteiligen). Originell lediglich die Begründung:
„Denn Großbritannien steckt, um es unhöflich zu sagen, tief in der Scheiße.“

Da benennt die Ursache ihre Folgen mit Recht.

Tüchersfeld, den 07.04.2019
Reinhard W. Moosdorf

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