Montag, 23.10.2017

Autor: oliverg

David M R Covey: Trap Tales (Video review, deutsch)

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Sonntag, 22.10.2017

Autor: Immo Sennewald

Studieren hinter Mauern

Der studierwilligen Jugend sei dieses Buch ans Herz gelegt – und allen die hierzulande Hochschulpolitik machen. Rainer Jork und Günter Knoblauch haben einen enormen Schatz an Erfahrung von Zeitzeugen aus dem Alltag der sozialistischen Diktatur zusammengetragen, der zweierlei offenlegt: Neugier und Freude an selbständiger Arbeit sind mit bevormundenden und doktrinären Bildungssystemen kaum vereinbar – und andererseits lassen sich solche Systeme nur mit lebensfeindlichen, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst erstickenden Maßnahmen aufrechterhalten, daran scheitern sie schließlich.

Um das zu zeigen, bedarf es keiner Polemik. Die Selbstauskünfte von Forschern, Ingenieuren, Lehrern, Künstlern aus vier Jahrzehnten des “Arbeiter- und Bauern-Staates“ beweisen es; sie lesen sich obendrein spannender als jeder Krimi. Fast alle Erzähler wehrten sich einfallsreich – mit Intelligenz, Improvisation, Hilfsbereitschaft, mit bisweilen an den “braven Soldaten Schwejk” erinnerndem Witz – dagegen, sich von der SED, ihrer Stasi und ihren “Massenorganisationen” vereinnahmen zu lassen, immer von Exmatrikulation, gar Haft bedroht. Andere lernten nur, unauffällig durchzurutschen: Das Bild der Verhaltensmuster enthält zahllose Schattierungen von Grau – und einige Glanzlichter.

Vor allem die Älteren mit Studienbeginn in den 50er und 60er Jahren an der Dresdner TH/TU blicken auf Biographien zurück, die kurz angerissen, doch eindrucksvoll sind. Nach politischer Verfolgung verließen manche die DDR, einige erduldeten zuvor Stasi-Knast, alle haben den Wert von Meinungsfreiheit, freier Lehre, Forschung und Kunst durch spätere berufliche Leistungen bestätigt. Wer blieb, lebte mit Konflikten, wurde benachteiligt, tat sein Bestes in Familie und Beruf, engagierte sich in der Zeit des Umbruchs und der deutschen Vereinigung. Die Rückschau ist ohne Wehleidigkeit und Zorn. Ich habe das mit Respekt gelesen, erinnerte mich vergnügt meines eigenen Physikstudiums, der (gern geschwänzten) Vorlesungen und Seminare in „Gesellschaftswissenschaften“, kurz „GeWi“, also marxistisch-leninistischer Selbstbeweihräucherung. Sich zur Wehr zu setzen war abenteuerlich, voller tragischer und komischer Wendungen – so entstand mein Roman „Babels Berg“. „Zwischen Humor und Repression“ taugte als Stoffsammlung für etliche weitere.

Künstlerische, pädagogische Fächer und andere Hochschulorte (Leipzig, Weimar, Halle, Erfurt, Berlin, Karl-Marx-Stadt) kommen mit den Matrikeln der 70er und 80er Jahre zusätzlich in den Blick, nach den Einschnitten des Mauerbaus und des niedergeschlagenen Prager Frühlings verschärfte sich die wirtschaftliche Lage der DDR, die Stasi dehnte Überwachung und Repression aus. Das Studentenleben erzeugte trotzdem widerständige Unterströmungen. Es entstanden “Soziotope des Ungehorsams”. Die Ausweisung Wolf Biermanns 1976 polarisierte zusätzlich, der Staat reagierte paranoid mit noch mehr ideologischem Druck, noch mehr Verpflichtungen auf Wehrdienst und möglichst 100% Zustimmung bei Wahlen; die Stasi setzte noch mehr „Inoffizielle Mitarbeiter“ (IM), subtilere Methoden bei Verhören und zersetzende Maßnahmen gegen „feindlich-negative Subjekte“ ein, infiltrierte das Leben bis in letzte, private Winkel. Wer „Leitungsfunktionen“ hatte, konnte nur mit persönlichem Risiko manchen Schüler oder Studenten vor Relegation bewahren. Dass es Lehrer und Vorgesetzte gab, die es wagten, gehört zu den positiven Erinnerungen damaliger Studenten ebenso, wie deren fachliche Qualifikation. Die Berichte sind akribisch mit Anmerkungen, Kommentaren zur Zeitgeschichte, Originaldokumenten, didaktischen Hinweisen und Angaben zur Entstehungsgeschichte ergänzt: Der Anhang bietet noch einmal interessanten, bis in die Aktualität führenden Lesestoff.

Keine Demokratie ist gegen totalitäre Strebungen immun – das liegt in ihrem Wesen. Zum Kern gehören Meinungs- und Informationsfreiheit. Die Herausgeber ermutigen zu fragen: Dürfen Schüler und Studenten sich kritisch äußern, ohne mit Gruppendruck, moralischer Erpressung, Verleumdung und Denunziation rechnen zu müssen? Werden konflikthaltige Fragen übergangen, gar erstickt? Konfliktkultur ist, darüber belehrt der Blick in die klassischen wie die “sozialen” Medien täglich, hierzulande weithin terra incognita. Noch jede Partei, Regierung,  Korporation ist in Versuchung, ihr genehme Ansichten mit allem verfügbaren Druck in der Gesellschaft zu verbreiten – sei es fürsorglich bis zur Bevormundung der Wähler oder womöglich unter Bruch des Grundgesetzes gegen oppositionell Eingestellte. Wissenschaft, Kunst, Forschung und Lehre sind dem Grundgesetz desto enger verpflichtet: Es schützt die Rechte des Einzelnen, nicht die von Körperschaften und Ideologien. Menschen mit letzten Wahrheiten zu indoktrinieren – gleich ob Religion oder sonstige Heilslehre – widerspricht diesem Auftrag. Umso erfreulicher und wichtiger ist das Erscheinen dieses Buches.

„Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“, 548 Seiten, Mitteldeutscher Verlag Halle 2017, 19,95 €

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Montag, 16.10.2017

Autor: Andreas Schröter

Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge

Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge«Ein spannender Abenteuerroman vor historisch ernstem Hintergrund ist Peter Keglevic unter dem Titel „Ich war Hitlers Trauzeuge“ gelungen. Harry Freudenthal, ein junger Jude aus Berchtesgaden hat 1945 nur eine Chance, dem nationalsozialistischen Rassenwahn zu entgehen: Er muss an der Veranstaltung „Laufen für den Führer“ teilnehmen, bei der die Teilnehmer in mehreren Etappen 1000 Kilometer von Berchtesgaden nach Berlin laufen: Der Sieger darf dem Führer am 20. April persönlich zum Geburtstag gratulieren. Freudenthal, der sich zu Tarnzwecken Paul Renner nennt, trifft auf gleich mehrere Persönlichkeiten, die damals eine Rolle spielten – zum Beispiel die bekannte Filmregisseurin Leni Riefenstahl, Winifred Wagner in Bayreuth, Eva Braun und natürlich ganz am Ende – Adolf Hitler selbst.

Als Leser begleitet man diesen Läufer atemlos durch ein langsam untergehendes, teilweise bereits von den Alliierten besetztes Deutsches Reich. Renner muss sich nicht nur den Hardlinern in den Reihen der anderen Läufer erwehren, sondern auch übereifrigen Hitlerjungen, die ihn an den nächsten Baum hängen wollen, oder der Deutschen Wehrmacht, die wenig Sinn für eine solche Veranstaltung in schweren Zeiten hat und sich die Teilnehmer am liebsten sofort einverleiben will.

Immer wieder streut Keglevic Rückblenden ein, die zeigen, unter welch absurden Verfolgungen sein Held bereits in den Vorjahren zu leiden hatte.

Obwohl die Figur des Paul Renner und auch die gesamte Laufveranstaltung fiktiv sind, hat Peter Keglevic, der 1950 geboren wurde, 20 Jahre lang für diesen 570-Seiten-Wälzer recherchiert, damit die Szenerie, durch die sich seine Hauptfigur bewegt, stimmig ist. Sehr empfehlenswert!
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Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge.
Knaus, September 2017.
576 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Freitag, 13.10.2017

Autor: Andreas Schröter

Sven Regener: Wiener Straße

Sven Regener: Wiener Straße«Sven Regener ist ein künstlerisches Multitalent. Er ist bekanntlich nicht nur Sänger und Gitarrist der Band „Element of Crime“, sondern hat mit „Herr Lehmann“ im Jahre 2001 auch einen der wichtigsten Kultromane dieser Zeit verfasst.

Nun legt er mit „Wiener Straße“ erneut einen Roman vor, in dem Frank Lehmann und neben ihm auch andere Figuren aus Regeners Büchern vorkommen, aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Leider jedoch fällt „Wiener Straße“ gegenüber dem sympathischen „Herr Lehmann“ und auch gegenüber Regener-Werken wie „Neue Vahr Süd“ (2004) deutlich ab. Die Gag-Dichte ist so hoch, dass das Ganze mitunter in Klamauk abdriftet. Während in „Herr Lehmann“ die Figuren zwar skurril, aber immer noch glaubhaft waren, sind sie es nun nicht mehr.

Der Roman spielt Anfang der 80er-Jahre in Berlin und handelt von einer Kneipe und von einer Künstler- und Hausbesetzer-Gruppe, die schließlich eine Ausstellung organisiert, sowie von all den ungewöhnlichen Typen, die diese Szenerie bevölkern.
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Sven Regener: Wiener Straße.
Galiani-Berlin, September 2017.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Donnerstag, 12.10.2017

Autor: Immo Sennewald

Quellen der Kriege

Am meisten verblüfft hat mich an diesem Buch seine Aktualität. Sie entspringt nicht einer Absicht des Autors, historisches mit gegenwärtigem Geschehen zu vergleichen, sondern seiner Fähigkeit, in der gewaltigen Menge überlieferten Materials die Handlungsmuster der Beteiligten – also der damals Mächtigen und ihrer Gefolgschaft – zu erkennen und herauszuarbeiten. Peter H. Wilson behält dabei das gesamte europäische Panorama im Blick, führt konfessionelle Konflikte mit als das, was sie sind: Nicht Ursachen, sondern ideologische Stimuli und Rechtfertigungen, wenn Herrscher oder auch nur militärische und zivile Profiteure um die Macht kämpfen – zu Lande und zur See.

Seine Sachkenntnis ist umfassend. Ökonomische, politische, militärtechnische, strategische und geografische Gegebenheiten und Verläufe stellt Wilson plastisch und mit bisweilen erstaunlichen Zahlen dar. Er illustriert mit Hilfe zeitgenössischer Malerei, Grafik und Karten; zu handelnden Personen skizziert er Biographien, sie werden in ihren familiären, konfessionellen und individuellen Koordinaten für den Leser anschaulich. Protagonisten wie Wallenstein und der Schwedenkönig Gustav Adolf sind kontrastreich gezeichnet – viele andere schildert der Autor so pointiert, dass sie als starke Figuren im Gedächtnis bleiben. Mich fesselte die Dynamik der „europäischen Tragödie“ zwischen diplomatischen Bemühungen um den Frieden und immer wieder mit wachsender Grausamkeit ausgetragenen Schlachten, bisweilen mochte ich an der „Torheit der Regierenden“ verzweifeln (wie beim Lesen des gleichnamigen Buches von Barbara Tuchman), fühlte mich an gegenwärtige Konfliktverläufe und die damit einhergehende Ohnmacht erinnert.

Insbesondere das Geschehen nach dem Tod des Schwedenkönigs Gustav Adolf in der Schlacht von Lützen ähnelt heutigen Leiden ganzer Völker in Afrika, im Nahen und Fernen Osten: Der Krieg ist in zahllose Parteien und Schauplätze fragmentiert, Bündnisse wechseln ständig, Flucht und Vertreibung werden alltäglich. Für eine wachsende Zahl junger Männer und für den Tross tauglicher Frauen und Kinder wird Krieg zur Lebensform, es sind genug Waffen da, immer neue Heere unterschiedlicher Größe werden – meist auf Pump – in Dienst gestellt. Sie plündern Landwirtschaft und Handwerk doppelt aus: Anführer holen sich von ihnen das Geld für den Schuldendienst, marodierende Soldaten versorgen sich auf ihren Zügen quer durchs Land. Ihrer Existenz beraubte Bauern werden zu Gesetzlosen, die ihrerseits Söldner überfallen.

Die Serien der Feldzüge und Schlachten ermüdeten mich –  es fiel bisweilen schwer, den Überblick über Personal, Herrschaftswechsel, Finanztransaktionen zu behalten, aber ich habe bei der Lektüre viel über die Verfasstheit des Deutschen Kaiserreiches und seiner Nachbarn erfahren, über dynastische Beziehungen, auch über kulturgeschichtliche Leistungen jener Zeit, etwa die von Hugo Grotius für ein späteres Völkerrecht. Waffensysteme, militärische Ordnung, juristische Reformversuche wurden mir ebenso verständlich wie die konfessionellen Friktionen innerhalb der Reihen vermeintlich unversöhnlicher Katholiken, Lutheraner und Calvinisten. Koalitionen wechselten, häufig liefen Offiziere und Söldner über, einfach um zu überleben. Die  politischen Ziele einzelner Protagonisten in Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Polen, Dänemark, Schweden wirkten auf die der Reichsfürsten, der Reichs- und Hansestädte ein. Wir sehen gekrönte Häupter, Karrieristen, ideologische Einpeitscher die Zukunft ganzer Regionen einem kurzfristigen Gewinn opfern – bisweilen nur, weil sie sich für die Kriegsführung bis zum Bankrott verschuldet haben. Die Habsburger Rudolf II., Ferdinand II. und sein Sohn Ferdinand III. trugen die Krone, lavierten indessen öfter getrieben als entschlossen zwischen dynastischen, konfessionellen und Reichsinteressen.

Wilson folgt auch den Informationskanälen jeder Zeit: den Gerüchten, Botschaften und Briefen. Falschnachricht und Greuelpropaganda sind politische Mittel. Seine kluge Dramaturgie hält  den Wechsel zwischen Detailschärfe und Gesamtschau über lange Strecken durch. Er kommentiert andere Sichtweisen aus der älteren und neueren Geschichtsschreibung – und es wird besonders interessant, wenn der Krieg am Verschleiß seiner eigenen Ressourcen dahinsiecht, wenn Gemetzel, Hunger und Seuchen die Bevölkerung dezimiert haben, die Energie der Militärs aufgebraucht ist. Selbst dann, schreibt er “richtete Krieg Chaos und Verwüstung an, aber er blieb zugleich streng kontrolliert und zielgerichtet. Militärische Operationen waren weiterhin darauf ausgerichtet, politische Ziele zu unterstützen, da die Herrscher ihre Verhandlungs-positionen zu verbessern suchten. Womöglich wurde die Wechselbeziehung zwischen Kriegführung und Diplomatie sogar enger, da offensichtlich wurde, dass niemand seine Ziele ausschließlich mit militärischen Mitteln erreichen konnte.”

Der sterbende Krieg schleppte sich halbwegs geordnet in den Westfälischen Frieden. Wie Wilson ihn im Dritten Teil des Buches analysiert, gehört zu dessen Stärken. „Die Bedeutung des Westfälischen Friedens liegt nicht in der Anzahl der Konflikte, die er zu lösen beabsichtigte, sondern in den Methoden und Idealen, die er dabei anwendete.“ schreibt er. So schuf der Vertrag von Münster und Osnabrück auch Anfangs- und Randbedingungen für die nächsten Kriege – und beeinflusste viele Friedensschlüsse kommender Jahrhunderte.

In den beiden Schlusskapiteln blickt Wilson auf die Entwicklung von Wirtschaft, Politik, Demographie, Kultur während und nach dem Krieg zurück, beleuchtet zugleich bisherige Darstellungen. Sein Wissen ist enzyklopädisch, die Zahlen und Daten sind eindrucksvoll – das belegen auch die ausführlichen Anmerkungen. Mir gefiel indessen besonders, wie er mit seinen Quellen, wie er mit dem Begriff der Erfahrung umgeht. „Der Krieg als Medienereignis“ kam damals in die Welt. Der Zeitungsmarkt boomte. Heute wie damals verkaufen sich Nachrichten über Blutbäder und das Scheitern der Politiker am besten, und das heutige Publikum sieht gebannt und ohnmächtig zu, wie Menschen zu Schlächtern werden, verblendet von Feindbildern, Habgier und Herrschsucht: Gewalt – Macht – Lust.

Wilson hat das Geschehen in seiner Komplexität erfasst, in einer sachlichen, Vorurteile, vorschnelle Verallgemeinerungen und jedes Moralisieren vermeidenden Sprache. Sein historisches Panorama ist ein großes Werk. Es veranschaulicht anthropologische Konstanten: Der Mensch ist hin- und hergeworfen zwischen individueller Freiheit und Verantwortung und den Zwängen sozialer Bindung, die in der Subalternität bis zur Selbstzerstörung verstärkt werden. Ich wünschte dem Buch weiteste Verbreitung über das wissenschaftliche Interesse hinaus – vor allem unter Regierenden. Und ohne mir ein fachliches Urteil anmaßen zu wollen: Tomas Bertram, Tobias Gabel und Michael Haupt haben es vortrefflich aus dem Englischen übersetzt.

Geben wir dem Autor das letzte Wort: „Obwohl sie mittlerweile verstummt sind, sprechen die Stimmen aus dem 17. Jahrhundert immer noch zu uns aus unzähligen Texten und Bildern, die wir glücklicherweise besitzen. Sie warnen uns auch weiterhin vor der Gefahr, jenen Macht zu verleihen, die sich durch Gott zum Krieg berufen fühlen oder glauben, dass ihre Vorstellungen von Recht und Ordnung die einzig gültigen sind.“

„Der Dreißigjährige Krieg – eine europäische Tragödie“ Theiss Verlag, 1160 Seiten, 49,90 €

Mittwoch, 11.10.2017

Autor: Andreas Schröter

Oskar Roehler: Selbstverfickung

Oskar Roehler: Selbstverfickung«Oskar Roehler gehört zu den renommiertesten deutschen Filmregisseuren („Agnes und seine Brüder“, „Elementarteilchen“, „Jud Süß – Film ohne Gewissen“). Dass er auch schreiben kann, beweist er jetzt erneut in seinem dritten Buch „Selbstverfickung“. Darin beschreibt er das Leben Gregor Samsas, eines Filmregisseurs, der viel mit dem Autor gemeinsam hat. Es dürfte somit nicht allzu weit hergeholt sein, diese Romanfigur als Alter Ego Roehlers zu betrachten.

Samsa hat eine extrem negative, menschenscheue, oft hasserfüllte und depressive Sicht auf Umwelt und Mitmenschen. Er hat permanent mit allerlei Phobien sowie Schlaflosigkeit zu kämpfen. Beides bekämpft er mit Tabletten und Alkohol. Halt geben ihm lediglich seine Tochter und die häufigen Besuche im Bordell.

Wer Roehlers Buch liest, darf nicht zart besaitet sein. Es geht derbe zur Sache – besonders in den Szenen, in denen er detailliert Samsas Bordellbesuche schreibt. Das Ausmaß an negativem Gedankengut, das hier über dem Leser ausgekippt wird, kann gelegentlich zu viel werden. Aber dann gibt es auch die richtig starken Momente, in denen Roehler sich über die Medien- und Kunstszene verbreitet – mit ihren Filmproduzenten, die keinerlei Ahnung von der Materie haben, sondern nur darauf achten, wieviel Geld ein Film abwirft.

Der Autor geißelt die gnadenlose Selbstbezogenheit und die aufgeblasenen Typen dieser Branche, die mit allerlei englisch-sprachigen Mode-Schöpfungen um sich werfen. Das alles hat enormes Unterhaltungspotenzial.

Doch wer eine schöne Geschichte mit Einleitung, Hauptteil, Schluss und Happy End sucht, sollte die Finger von dem Buch lassen. Allen anderen sei es hiermit wärmstens empfohlen.
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Oskar Roehler: Selbstverfickung.
Ullstein, September 2017.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Donnerstag, 05.10.2017

Autor: Andreas Schröter

Isabella Straub: Wer hier schlief

Isabella Straub: Wer hier schlief«Was mit einem Mann passieren kann, der komplett den Boden unter den Füßen verliert – dieser Frage geht die österreichische Autorin Isabella Straub in ihrem Roman „Wer hier schlief“ nach.

Philipp Kuhn verlässt seine Frau, die zugleich seine Chefin in einer Firma für Sicherheitstüren ist (welche Symbolik!), um künftig mit seiner Geliebten Myriam zusammenzuleben. Problem: Als Philipp nach der Trennung besagte Myriam treffen will, ist sie plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Sämtliche Versuche, mit ihr Kontakt aufzunehmen, scheitern. Folglich ist Philipp von jetzt auf gleich nicht nur arbeits-, sondern auch obdachlos. Er schlägt sich so durch – übernachtet mal hier und mal dort, bis er schließlich auf eine Organisation trifft, die Wohnungen renoviert und als Gegenleistung während dieser Zeit dort übernachten darf. Auch ein Senior mit viel Lebensweisheit spielt eine Rolle.

„Wer hier schlief“ ist zwar stilistisch und in Sachen Tiefgründigkeit nicht die ganz große literarische Offenbarung, aber der Text liest sich locker und flüssig weg und ist somit ein guter Unterhaltungsroman. Er befasst sich mit Themen wie: Was kann man gewinnen, wenn man alles verliert? Aber auch: Sind diejenigen, die sich für die alternativen Weltverbesserer halten, nicht vielleicht in Wirklichkeit nur schnöde Egoisten und Schmarotzer? Und sind die wahren Helden des Alltags vielleicht eher die, die auf den ersten Blick gar nicht so scheinen?

Der Roman wurde vom Deutschen Literaturfonds gefördert. Isabella Straub hat Germanistik und Philosophie studiert und war Werbetexterin. Ihr Roman „Südbalkon“ (2013) stand auf der Shortlist des Bremer Literaturförderpreises, des Franz-Tumler-Preises und gewann den Debütpreis der Erfurter Herbstlese. Zuletzt erschien von ihr Roman „Das Fest des Windrads“ (2015).
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Isabella Straub: Wer hier schlief.
Blumenbar, September 2017.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Dienstag, 03.10.2017

Autor: Andreas Schröter

Sebastian Faulks: Der große Wahn

Sebastian Faulks: Der große Wahn«Der englische Autor Sebastian Faulks bezieht den Titel seines Romans „Der große Wahn“, dessen Handlung weitgehend im Jahr 1980 spielt, gleich auf dreierlei: den Wahn der beiden Weltkriege, den Wahn im Sinne psychischer Krankheiten und den Wahn der Liebe. Und es bedarf schon eines gewissen Spagats, das alles unter einen Hut zu bekommen: Der Ich-Erzähler, ein Psychiater, sehnt sich zeitlebens nach seiner großen Liebe Luisa zurück, die er 1944 im Krieg kennengelernt – und wieder verloren hat. Auch hat er Fragen zu seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Durch die Verbindung zu einem Kriegsveteranen scheinen Antworten plötzlich möglich.

„Der große Wahn“ ist ein weitschweifiger Roman mit vielen philosophischen Gedanken und einer langen Rückblende. Kürzungen an der einen oder anderen Stelle hätten dem Text sicherlich gutgetan.

Auch bleibt der Ich-Erzähler während des gesamten Romans seltsam spröde. Er wirkt etwas gefühlskalt, was ihn etwas unsympathisch erscheinen lässt. Seine Handlungsweisen sind nicht immer nachvollziehbar.

Dennoch ist „Der große Wahn“ kein schlechtes Buch. Vor allem die lange Rückblende mit Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg liest sich spannend und informativ. Vielleicht hat der Autor am Ende etwas zu viel Stoff in ein einziges Buch packen wollen. Weniger wäre hier möglicherweise mehr gewesen.
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Sebastian Faulks: Der große Wahn.
Mare Verlag, August 2017.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Sonntag, 24.09.2017

Autor: Immo Sennewald

REVOLUTION NOIR – Eine literarische Anthologie

revolution_noir“Revolution Noir” ist der Titel einer Anthologie mit Texten von 16 russischen Autorinnen und Autoren, darunter Julia Kissina, die das Buch beim Suhrkamp-Verlag herausgegeben hat. Sie hat jeden Beitragenden – außer sich selbst – mit einer skurrilen Zeichnung porträtiert, im Anhang finden sich Kurzbiographien. Alle Porträtierten erscheinen als weltläufige, mit Preisen und internationaler Beachtung ausgezeichnete Schriftsteller, einige mit Doppelbegabung als Maler wie Kissina, als Filmemacher oder Musiker.

Alexander Pjatigorski (1929 – 2009) Philosoph, Orientalist, emigrierte 1974 nach London, im selben Jahr wie Juri Mamlejew, (1931 – 2015), der in die USA ging, an der Cornell-Univerität unterrichtete, in den 90er Jahren nach Russland zurückkehrte, dort die literarische Bewegung des metaphysischen Realismus begründete. „Sprung in den Sarg“ heißt seine groteske Parabel auf die Rituale der Stalinistischen Schauprozesse. Sie zeigt, wie sich eine so unheilbar wie unspezifisch kranke Tante dem (Familien-)Kollektiv eines russischen Dorfes bis zur Selbstaufgabe unterwirft. Die Angehörigen wollen sie nicht mehr durchfüttern, also wird sie zu einem inszenierten Tod gedrängt. Figuren und absurde Dialoge erinnerten mich sogleich an Bulgakow, aber solche Assoziationen nehmen dieser wie  anderen Geschichten nichts von ihrer Originalität.

Pjatigorskis Spiel mit der unzuverlässigen Wahrnehmung und der noch unzuverlässigeren Erinnerung an einen Mord dagegen findet im globalen Dorf statt; die Kindheit der Handelnden in sowjetischen Zeiten wird austauschbar. Bei den Jüngeren Autoren ist das noch  deutlicher: Die meisten, in den 60er Jahren geboren, wuchsen heran, als der Stalin-Terror vorbei war, die Politbürokratie Breshnews ins Koma fiel und die Perestroika die Verhältnisse aufwirbelte. Allein diese Biographien lassen erwarten, dass ihr Blick auf Geschichte und Realität des eigenen Landes wie auf die Welt ein  besonderer ist.

Julia Kissina erläutert selbst in dem kurzen Essay „Abschied von Dostojewski“, was die „Russische Neue Welle“ oder „Dritte Avantgarde“ ausmacht. Sie entstand zu Beginn der achtziger Jahre, vom „Samisdat“ beflügelt, eine ihrer Hauptrichtungen nannte sich „Noir“. Natürlich fiel mir die zur selben Zeit florierende „Bohème des Ostens“ am Prenzlauer Berg ein. Literarische Unterströmungen finden sich überall in Diktaturen, längst formen sie eine eigene Tradition jenseits der offiziellen Kultur, und in diesem Jenseits finden sich länderübergreifend kollektive Geisteshaltungen der Subversion. Die von Kissina ausgewählten Texte offenbaren eine Fülle an einschlägigen Begabungen, einige gefielen mir besonders:

Polina Barskowa nähert sich in „Laubriss“ wunderbar poetisch Jewgeni Schwarz und Witali Bianki an, indem sie ihnen im apokalyptischen Leningrader Blockadegeschehen fiktiv begegnet. Mich hat gefesselt, wie sie sich dabei Literatur und Geschichte einverleibt. Andrej Monastyrski entführt als Ich-Erzähler, als “Der atheistische Spion” den Leser in einen von religiösen Wahnvorstellungen getränkten Alltag, auf eine philosophisch-literarische Gespensterbahn mit witzigen blasphemischen Wendungen. Waleri Nugatow zeigt Franz Kafka beim Abstieg ins literarische Establishment von Prag 1938. Der Außenseiter als Bestsellerautor und Familienvater – die schräge Idee leuchtet zumindest insofern ein, als jede Gesellschaft von ihren Außenseitern lebt – sie verdaut sie nur auf unterschiedliche Art.  Alexej Parschtschikow überrascht mit Beobachtungen eines Studenten der Veterinärmedizin, die ebenso scharf wie humorvoll und poetisch sind, und Pavel Pepperstein fliegt mit seinem „Menschenfresser-Flugzeug“ quer durchs Genre moderner Schauergeschichten. Die spröden Liebesgeschichten von Julia Belomlinskaja führten mich wieder zurück in die 80er Jahre und mein eigenes Erleben: Wer damals wirklich befreit schreiben wollte, durfte nach einer Öffentlichkeit nicht fragen, er oder sie tauchte bestenfalls in eines der jenseitigen Kollektive ein, wo man meist befristet liebte und überlebte. Der von mir hochgeschätzte Vladimir Sorokin schließlich ist mit einem wunderbar durchgeknallten, rabenschwarzen Capriccio zum Thema Globalisierung vertreten.

Natürlich gefällt so etwas – wie das ganze Buch – Leuten mit einem Nagel im Kopf, die schreiben um zu überleben. Gleichwohl wird seine Qualität auch diejenigen überzeugen, die noch nicht ganz vom wohlgefälligen Geräusch der Quotenmaschinen betäubt sind. Das ist nicht zuletzt den Übersetzern zu danken. Ohne mir ein fachlich begründetes Urteil anzumaßen: Olga Kouvchinnikova, Ingolf Hoppmann, Annelore Nitschke und Olga Radetzkaja finden einen jeweils besonderen Ton für ihre Autoren. Derlei läse ich gern öfter, auch wenn sich mir nicht alle Texte erschließen wollten. Die Übersetzer sollen gelobt sein, vor allem die mit engen Kontakten ins Jenseits.

„Revolution Noir – Autoren der russischen Neuen Welle“ von Julia Kissina, 299 Seiten, Suhrkamp 2017, 24 €

 

Samstag, 23.09.2017

Autor: oliverg

#literaturwelt Ralf Jandl: „Es reicht. Eine Streitschrift zum kollektiven Unbehagen in Deutschland“ (Video-Review)

Variante II:
Hoffentlich mit mehr Ton:

Variante I (mit Tonaussetzern)

Samstag, 23.09.2017

Autor: Andreas Schröter

Ulrich Woelk: Nacht ohne Engel

Ulrich Woelk: Nacht ohne Engel«In „Nacht ohne Engel“ von Ulrich Woelk trifft der Berliner Taxifahrer Vincent nach 25 Jahren seine Jugendliebe Jule wieder. Sie sitzt plötzlich in seinem Taxi. Doch die beiden ehemals linken Demonstranten haben sich auseinanderentwickelt. Sie ist eine erfolgreiche Wirtschafts-Fachfrau geworden, während er zumindest beruflich auf der Strecke geblieben ist.

Und so sind in diesem kurzen Roman, der mit vielen Rückblenden arbeitet, auch die unterschiedlichen Lebensentwürfe Thema: einerseits angepasst und wirtschaftlich erfolgreich, andererseits der ewige Taxifahrer mit Hang zum Schreiben.

Interessant ist die Nebenfigur Roger, die sich vom linken Chefideologen zu einem Mann entwickelt, der nur noch den kommerziellen Erfolg seines Unternehmens im Kopf hat.

„Nacht ohne Engel“, das in Titel, Siegessäulenmotiv und Anspielung im Text auf den Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“ verweist, ist ein Roman, der sich locker weglesen lässt, der aber andererseits – unter anderem wegen eines leichten Hangs zu Klischees – wohl nicht länger in Erinnerung bleiben wird.

Ulrich Woelk: Nacht ohne Engel.
dtv, September 2017.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Freitag, 22.09.2017

Autor: oliverg

B. Traven „Das Totenschiff“ (Video-Rezension) 

Mittwoch, 20.09.2017

Autor: Andreas Schröter

George Watsky: Wie man es vermasselt

George Watsky: Wie man es vermasselt«Der 1986 geborene amerikanische Rap-Musiker George Watsy kann auch richtig gut schreiben, wie er mit seiner ersten Buchveröffentlichung „Wie man es vermasselt“ beweist. Auf enorm witzige und unterhaltsame Weise erzählt er darin in mehreren kürzeren Erzählungen aus seinem Leben. Es geht um Watskys Erfahrungen beim Baseball, mit den Frauen, als WG-Mitbewohner, beim Schmuggeln eines Narwal-Stoßzahns von Kanada in die USA oder auch um eine Band-Tour mit einem klapprigen Bus durch die Staaten.

Was dieses Buch so unglaublich sympathisch macht, ist die schonungslose Selbstironie, Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Watsky zu Werke geht. So schreckt er auch nicht vor allerlei Peinlichkeiten zurück, die ihn keineswegs in einem guten Licht dastehen lassen.

Dabei ist dieses Buch weit davon entfernt, ein Loser-Roman zu sein. Im Gegenteil: Man könnte ihn auch so lesen, dass sich hier jemand trotz vieler Rückschläge einfach nicht unterkriegen lässt und weiterhin das macht, was ihm Spaß macht – Rap-Musik machen –, selbst dann, wenn ihn einmal auf einem Konzert nur drei gelangweilte Zuschauer anglotzen. Ein positives, Mut machendes Buch.
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George Watsky: Wie man es vermasselt.
Diogenes, August 2017.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Freitag, 08.09.2017

Autor: Andreas Schröter

Thomas Lehr: Schlafende Sonne

Thomas Lehr: Schlafende Sonne«Ich lege ein Buch nur sehr selten vor dem Ende aus der Hand – besonders natürlich, wenn ich es für diese Buchseite lese, um anschließend eine Besprechung darüber zu schreiben. Im Fall von Thomas Lehrs „Schlafende Sonne“ ist mir das Weiterlesen jedoch schlicht nicht möglich. Der Roman fängt so an: „Dein Stern, Jonas, nähert sich als fahles Licht, das in die Straßen fällt wie Staub aus einer anderen Welt. Dort liegt es nun mit sich verstärkendem Glanz. Bald wird etwas sichtbar werden, in der Mitte der Stadt. Das Ereignis (aber auch deine kleinen Schweinereien!). Die von obskuren Handzetteln versprochene Offenbarung. Ankündigung der Göttin der Kernfusion, die es mit atomaren Lichtblitzen an den Tag bringt.“

Davon verstehe ich – einfach ausgedrückt – nichts. In dem Stil geht es dann die nächsten 638 Seiten weiter, wie einzelne Stichproben ergeben. Laut Ankündigung bei Amazon handelt der Roman von dem Dokumentarfilmer Rudolf, der die Ausstellung seiner ehemaligen Studentin Milena besucht. Von dieser Handlung ist auf den Seiten, die ich gelesen habe (also etwa bis Seite 35), nichts auch nur zu erahnen. Zumindest für mich.

Thomas Lehr ist ein Autor, der die Form über den Inhalt stellt. Ich einem anderen Roman – „September. Fata Morgana“ – hat er offenbar mal sämtlich Satzzeichen weggelassen. Letztlich nichts für mich.
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Thomas Lehr: Schlafende Sonne.
Hanser, August 2017.
640 Seiten, Gebundene Ausgabe, 28,00 Euro.

Mittwoch, 06.09.2017

Autor: Andreas Schröter

Grégoire Hervier: Vintage

Grégoire Hervier: Vintage«Rock- und Bluesfans sei hiermit ein Roman des französischen Autors Gégoire Hervier ans Herz gelegt: „Vintage“ heißt er. Darin erhält ein junger Musiker und Journalist den Auftrag, Beweise für die Existenz einer E-Gitarre zu finden, die ihn Kennerkreisen Kult- und Legendenstatus genießt: die Gibson Moderne von 1957. Es ist nicht sicher – sowohl in diesem Roman, als auch in der Wirklichkeit –, ob diese Gitarre wirklich existiert oder zumindest existiert hat oder ob die Gitarrenbaufirma Gibson damals lediglich Pläne davon angefertigt hat, das gute Stück aber nicht gebaut hat. Der Heilige Gral der E-Gitarren sozusagen und heute von unschätzbarem Wert, sollte wirklich ein Exemplar davon auftauchen.

Unser Held reist quer durch die Staaten, trifft einen aggressiven Elvis-Imitator, der möglicherweise eine solche Gitarre besitzt, einen japanischen Sammler, der Gleiches von sich behauptet, oder eine kenntnisreiche Musikwissenschaftlerin an der Universität von Mississippi, um nur einige zu nennen. Ganz nebenbei erfährt der Leser jede Mange Wissenswertes aus der Rock- und Bluesgeschichte. Zum Beispiel, dass Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page viele Jahre am Loch Ness ein Haus besessen hat, das einst dem legendären Hexenmeister Aleister Crowley gehört hat – das Boleskine House, wo der Roman ganz im Stile eines Grusel-Schockers beginnt. Vielen Rockmusikern wird schließlich eine Nähe zum Okkulten nachgesagt – zum Beispiel den Heavy-Metal-Bands Iron Maiden oder Black Sabath.

„Vintage“ ist dabei immer eine gelungene Mischung aus real existierenden Bands und Orten und Fiktion. Aber selbst Leser ohne Faible für Rock und Blues sollten Gefallen an diesem Buch finden. Es ist ganz einfach ein enorm spannender Schatzsucher-Krimi.
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Grégoire Hervier: Vintage.
Diogenes, August 2017.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Freitag, 01.09.2017

Autor: oliverg

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