Donnerstag, 28.04.2016

Autor: rwmoos

Ingo Schulze: Neue Leben. Hörbuch

Verzettelt.

Der Audio-Verlag hat mit Unterstützung von Radio Bremen Ingo Schulzes: „Neue Leben“, gelesen vom Autor, als Hörbuch veröffentlicht.

Das hätte er nicht tun müssen.

Auf einer langen Autofahrt durch Ostdeutschland habe ich mir alle sechs CDs angehört. Das habe ich durchgehalten, weil ich mir dabei vorgestellt habe, durch eine derart unendlich unattraktive Landschaft zu fahren, dass mir selbst diese Lesung zur willkommenen Abwechslung gereiche. Doch das war selbst in Nordsachsens Braunkohlerevieren schwierig.

Wie andere Rezensenten darauf kommen, dies Werk zur Gänze zu loben, ihm gar als endlich geschriebenen Wende-Roman zu huldigen, ist mir unerklärlich. Den Schrott einer unausgegorenen Persönlichkeit, die der Autor selbstverliebt als faustischen Charakter mit prophetischem Überblick – der Name des Protagonisten lautet Heinrich Türmer! – in Form eines Brief-Romans inszeniert, zu lesen, wäre schon hart. Dem monotonen Singsang der Vorleser-Stimme stundenlang zugehört zu haben, aber zeichnet mich endgültig als Ironman unter den Hörbuch-Konsumenten aus.

Vielleicht soll diese Art des Nicht-Vortrags an Robert Gernhardt gemahnen. Doch wo dort die monotone Nüchternheit der Stimme als Double-Bind zum humoristischen Inhalt fungierte, bleibt hier nur das nackte Grausen.

Der Autor versteckt sich als Herausgeber von Zufalls-Fund-Briefen, die – welche Überraschung – eigentlich nur seine Autobiografie als Zeitungsfritze in der Nachwende-Zeit spiegeln. Als Alter Ego mit mephistophelischem Charakter wird ein Baron Barrista eingeführt, der als Unternehmensberater all die Eigenschaften in sich vereint, die der Wende-Ossi mit Ambitionen gern an sich gehabt hätte, sich aber nie laut zu wünschen traute.

Gedanken und Handlungen sind so gut wie nie zu Ende geführt. Das soll man wohl als Stilmittel verstehen. Seltsam, dass ein Großteil des literarischen Etablissements wirklich darauf herein fällt. Eigentlich sollte man dem Autor dazu gratulieren, wie man einem genialen Fälscher zu einem gelungenen Coup gratuliert. Doch sei mir dies erlassen.

Nun ist der „Roman“ ja als Sammlung von Briefen des Heinrich Türmer an drei verschiedene Partner aufgebaut: Seiner Schwester Vera, die beizeiten in den Westen ausgereist war, seinem Jugendfreund Johannes, einem Jung-Theologen, und einer von ihm hochverehrten Freundin. Diese Form wird gern als Wiederaufleben der Brief-Romane des 18. Jahrhunderts wahr genommen. Das ist doppelter Unsinn.
Alle drei Partner scheinen nie geantwortet zu haben. Somit ist das Opus eher ein Monolog an drei fiktive Gestalten, als ein Briefroman. Ich habe Briefromane durchaus mit Gewinn gelesen und – vorausgesetzt man versteht sie aus ihrer Zeit heraus – schillern sie oft in allen Lebensfarben. Man kennt zumindest Goethes „Werther“ und schätzt ihn vielleicht. Hölderlins „Hyperion“ erschien mir noch ungleich facettenreicher. Hier bei Ingo Schulze aber verdreckt das Hirn des Lesers respektive Hörers an den Auswürfen der rundum egozentrischen Persönlichkeit des verhinderten Briefschreibers, der jedweden Gegenübers völlig entbehren kann.
Ein wenig nimmt der Autor diese Seltsamkeit im Vorwort selbst auf die Schippe, als ihm als „Herausgeber“ die Merkwürdigkeit auffällt, dass die eigenen Briefe des fiktiven Schreiber als Durchschlag von diesem gesammelt worden waren.

In einem anderen Punkt möchte ich den Autor sogar verteidigen: Zumindest in der Vorwendezeit gab es die Kultur des Schreibens langer Briefe in der subversiven Szene des Ostens tatsächlich. Ich lese solch ellenlangen Werke von Freunden hin und wieder noch heute gern. Man näherte sich einander in Dialogen, die die Zerrissenheit der damaligen Zeit durchaus widerspiegelten. Allerdings wurden solche Briefe nicht an einem Abend geschrieben, sondern spiegelten manchmal die Entwicklung von Wochen. Und sie waren eben als tatsächliche Dialoge konzipiert, auch wenn das Sich-Öffnen durchaus auf Selbstreflexion beruhte und entsprechende Passagen in Anspruch nahm. Typisch, dass geborene Wessis solche Formen bestenfalls als Rückgriff auf vergangene Jahrhunderte rezipieren können.

So, nach diesem Verriss wird es Zeit, sich den einigen wenigen Perlen zuzuwenden, die in dem ganzen Mist aufschimmern. Zumindest eine davon sei erwähnt, nämlich die Geschichte kurz vor Schluss, als sich der Briefe-Schreiber mit der alten Kinderfrau zusammensetzt und sich mit dieser in eine Fress-Orgie an Schwarzwälder Kirschtorte, versetzt mit dem einen oder anderen Likörchen, hinein steigert … da endlich begegnet man wirklicher Literatur! Dass das Ganze als Aufstand gegen die bestimmenden Mächte der Zeit inszeniert wird, hier kleinkarikierend vertreten durch die eigentlich ganz nette Frau des überbordenden Egos, macht es nicht schlechter, sondern sogar besser.

Diese Passage als Kurzgeschichte und ich wäre des Lobes voll.

Reinhard W. Moosdorf
Tüchersfeld, im April 2016

Donnerstag, 28.04.2016

Autor: rwmoos

Michael Koryta: Die mir den Tod wünschen

Leben oder Überleben

Wer einen Thriller lesen möchte, ist bei Michael Korytas „Die mir den Tod wünschen“ goldrichtig. Der Aufbau, die Spannungsbögen, die Charaktere – allesamt recht gut ausgearbeitet. Die eine Schwester passt als solche nicht ganz zum Plot, aber das sei geschenkt.

Kurzum, es ist einer dieser amerikanischen Romane, die man einfach so wegliest. Zur Not innerhalb einer einzigen Nacht. Und wenn jemand wie Stephen King das Werk lobt, wer wäre ich, daran herumzumäkeln?

Meine Frage nach einem Buch aber lautet auch: Was bleibt von dem Gelesenen?

Hat es mir als Unterhaltung Zeit verkürzen helfen, die sonst in Langeweile umzuschlagen drohte oder mich erfolgreich von sonst zu erledigender Arbeit abgehalten? Dann bekommt es die Entertainment-Eins.
Hat es bei mir etwas ausgelöst, eine Denkkaskade, eine Idee oder auch nur ein Verstehen? Dann schneidet es in dieser Rubrik gut ab.
Und dann gibt es noch eine dritte Klasse von Büchern, die sind so schlecht, dass sie mir Anregungen liefern, wie man es nicht machen sollte. Die bekommen dann gute Noten in der Klasse „Schlechtes Beispiel“.
„Die mir den Tod wünschen“ gehört eindeutig zu den Klassenbesten in der ersten Sparte. Eine Entertainment-ZweiPlus.

Großartige Natur umgibt einen kleinen Suvival-Trainer, dessen Lebensphilosophie ungefähr so komplex aufgebaut ist, wie man es von einem ehemaligen Soldaten erwartet. Auch die Überlebenstechniken, die im Buch durchschimmern, würden sofort zusammenbrechen, wenn man die Adepten ihrer Spielzeuge wie schwedischen Feuerstahls und Chlor-Tabletten beraubte. Wer sich an Rüdiger Nehberg schulte, mag angesichts des dort Beschriebenen zu Recht lächeln. Doch geht es den im Buch vorgestellten Programmen lediglich darum, auffällig gewordene Jugendliche auf grundlegendere Formen des Seins zurückzuführen und da ist ein Boot-Camp im American Style wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht.

Unter den Jungs ist einer, der als wichtiger Zeuge in einem Schutzprogramm untertaucht und in dieser Konstellation bewegt sich dann auch der Thriller: Wer schützt den Jungen, wer gefährdet ihn. Wen gefährdet der Junge und so weiter.
Die Bösewichte sind wieder mal philosophierende Psychopathen wie man sie seit der Biblizisten-Wende in der amerikanischen Krimi-Szene gern verwendet. Hintergrund ist natürlich die Absicht, die Gefahren eines atheistischen Denkansatzes aufzuzeigen: Kaltblütiges Morden ohne staatlichen Auftrag würde ohne Gottesgedanken zum Standard. Da sei die Army vor!
Man kennt solche Gestalten spätestens seit Frank Millers „Sin City“. In Lasse Spang Olsens Film „The Good Cop“ tauchen sie auf und erst kürzlich begegneten sie mir wieder in Neil Gaimans „Niemalsland“. Selten sind es Amerikaner, aber bei Korytas ausnahmsweise auch keine Deutschen oder Dänen.

Wenn dann eine der Heldinnen des Buchs angesichts eines Waldbrandes endlich aufrechten Sitzens zu sterben versteht, ist am Ende alles gut.

Reinhard W. Moosdorf
Tüchersfeld, April 2016

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Montag, 25.04.2016

Autor: Andreas Schröter

Robert Kisch: Glück

Robert Kisch: Glück«„Robert Kisch“ ist das Pseudonym für einen ehemals renommierten Journalisten, der seinen Job verlor und fortan als Verkäufer in einem Möbelhaus arbeitete. Dass dieser Mann sich so nennt wie der wohl berühmteste Vertreter des Journalismus, Egon Erwin Kisch, der Anfang des 20. Jahrhunderts für Furore sorgte, lässt zumindest aufhorchen. Haben wir es hier mit einem sehr ausgeprägten Selbstbewusstsein zu tun, oder ist das (sympathische) Selbstironie?

Kisch hat über seine Arbeit im Möbelhaus einen gleichnamigen Roman geschrieben, der 2015 erschienen ist, und daraufhin die Kündigung erhalten. Mit dieser Kündigungsszene startet sein zweiter Roman „Glück“, den der Autor – wie schon im Falle „Möbelhaus“ – als „Tatsachenroman“ bezeichnet. Und diese Eingangsszene ist zugleich das Stärkste an diesem Roman.

Es geht weiter mit der Angst des Ich-Erzählers vor der Sozialhilfe und der mitunter verzweifelten Suche nach Glück. Er fährt dabei eine Doppelstrategie: Zum einen „pilgert“ er – so nennt er es – durch Köln, um Beobachtungen zu machen, für die man im Arbeitsleben keine Zeit hat, zum anderen sucht er Menschen auf, von denen er glaubt, dass sie über den Dingen stehen, wie berühmte Naturwissenschaftler, Philosophen, eine Mitarbeiterin im Hospiz, einen ehrenamtlichen Helfer oder eine Meisterin des Zen-Buddhismus.

Diese Passagen geraten Kisch eher wie ein Sachbuch aus der Lebenshilfe-Ecke: „Sorge dich nicht – lebe!“ „Lebe im Jetzt!“ Das nervt auf Dauer, zumal es alles andere als originell ist.

Die spießige Provinz (auch nicht neu) und eine verunglückte Liebesaffäre, die jeder Verlags-Lektor als unverzichtbaren Bestandteil eines Romans fordert, sind Nebenhandlungsstränge.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Mannes, der trotz aller Bemühungen keinen neuen Lebenssinn für sich finden kann. So gelesen ein Roman des Scheiterns, der keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.
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Robert Kisch: Glück.
Droemer, April 2016.
320 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Mittwoch, 20.04.2016

Autor: oliverg

#literaturwelt : Steinbauer: Das Unbehagen der Elsa Brandt (Start bei Minute 3)

Freitag, 15.04.2016

Autor: rwmoos

Gideon Böss: Deutschland, deine Götter

Er- oder Beleuchtet?

In Rempesgrün, einen kleinen Ortsteil von Auerbach im Vogtland mit geschätzten hundertfünfzig Einwohnern, der nicht einmal mehr über ein grünes Ortsteil-Schild heraus zu filtern ist, gibt es eine kleine religiöse Gemeinschaft: Die Rempesgrüner. Offizieller Name: Christliche Versammlung Rempesgrün.
Die gibt es nur hier, und wer in Rempesgrün geboren ist und sich religiös betätigen möchte, ist dort mit Sicherheit gut aufgehoben. Alle anderen sollten sich etwas Anderes suchen.

Und schon steht man vor der Frage: Welche Religion passt eigentlich zu einem?

Die zugrunde liegende Idee klingt gut: Warum sollte man die Religionen nicht ähnlich bewerten wie die Parteien! Dort werden im Internet schon lange Wahl-O-Meter angeboten. Indem man die persönlichen Präferenzen benennt, kann man sich jene Partei zur Wahl empfehlen lassen, die einem am nächsten kommt. Für Religionen ist diese Idee aber auch nicht neu. Dergleichen konnte man schon Ende der Neunziger im Netz testen. Man sieht sich auf dem Markt um und findet das, was einem zusagt.

Doch grau ist alle Theorie und deshalb erweiterte Gideon Böss nun in „Deutschland, deine Götter“ besagten Grundgedanken: Er machte sich quer durch Deutschland auf die Socken, um aus erster Hand etwas über 26 relevante Religionen zu erfahren, die hierzulande praktiziert werden. Die beiden christlichen Großkirchen, sunnitischer und schiitischer Islam, die Aleviten und natürlich das Judentum sind ebenso dabei wie Scientology und diverse Freikirchen. Die weitere Auswahl ist vielleicht etwas willkürlich, was aber wenig zur Sache tut, da die Schnittmenge durchaus als repräsentativ gelten darf.

Das beste Kapitel ist vielleicht gleich das erste, in dem ein Besuch bei einer Wicca-Hexen-Familie geschildert wird. Eine unentspanntere Art der Ausübung persönlicher Religiosität ist kaum vorstellbar. Wobei der ungeübte Leser sogleich erfährt, dass dort auch Männer Hexen heißen und nicht etwa Hexer oder Hexenmeister.

Die Interviews, die Gideon Böss führt, sind durchweg humorvoll, spritzig und nehmen das Gegenüber trotzdem ernst. Diese Ernsthaftigkeit scheint auch rüber zu kommen und somit erwidert zu werden – eine Grundvoraussetzung, um das locker geschriebene Büchlein trotzdem wichtig erscheinen zu lassen. Angehende Theologiestudenten können sich nach der Lektüre die halbe Vorlesung in Religionskunde sparen.

Andererseits: Auch wenn Gideon Böss die Interviews mit von ihm geleisteter Hintergrundlektüre anreichert, sind hie und da doch mächtige Lücken, die einer gründlicheren Wissensvermittlung im Wege stehen und damit den ins Auge gefassten Religionen und Richtungen nicht immer gerecht werden. Als Beispiel sei die doch recht mangelhaft beleuchtete Beziehung zwischen der Bezeichnung „Imam“ und „Mahdi“ bei den Zwölfer-Schiiten genannt.
Wieder andererseits: Ist Religion wirklich nur die verfasste Lehrmeinung einer Gruppe oder nicht vielmehr – oder zumindest gleichberechtigt auch – die gelebten Formen vor Ort? Gerade Letztere einmal beleuchtet zu haben, ist geradezu ein wissenschaftliches Verdienst des so unscheinbar salopp daher kommenden Büchleins. Da kommt ihm auch zugute, dass die Gesprächspartner nicht immer die leitenden Persönlichkeiten der Gruppe sind.

Kleine Abzüge gibt es in der B-Note: Dass der Autor in der Schule beim Kapitel über Napoleon III. krankheitshalber gefehlt hat, die diesbezüglichen Aussagen deshalb fälschlicherweise auf Napoleon Bonaparte bezieht und sich im Abschnitt über Bahai dementsprechend aus Unwissenheit lustig macht, bringt das ganze Kapitel in eine unschöne Schieflage. Es gäbe doch immer noch genug andere Merkwürdigkeiten, über die sich auszulassen lohnte. Auch der Umgang mit großen Zahlen will geübt sein: Bei der Division von sieben Milliarden Menschen durch eine Million Erleuchtete kommt der Autor immer noch auf 70 Millionen. Autsch!
Später erfährt man allerdings, dass der gute alte Bhagwan ähnliche Fehler beging, die ihm von seiner nunmehrigen Anhängerschaft der Osho-Bewegung als absichtlich verstörend wirkende Weisheit angerechnet werden. Wie der Autor zwiefach betont, würde auch er gern seinen Namen in einer Religionsgemeinschaft verzeitlicht finden. Vielleicht ist fragliche Arithmetik ja der gewollte erste Schritt dazu.

Im Wohnzimmer der Lahore-Ahmadiyyadim dürfte auch schwerlich eine Farbaufnahme der Kabbala hängen (S. 212). Jene verschwiegene jüdische Lehre wäre deutlich schwerer abzulichten als die sicherlich gemeinte Kaaba – aber solche kleinen Fehler können schon mal passieren, wenn man sich durch einen Wust mehr oder minder merkwürdiger Ansichten zu quälen hat.

Trotz der frischen Sprache und der jederzeit putzig daher kommenden Vergleiche hat das Buch seine Längen. Das wiederum liegt wohl am Gegenstand selbst: Nicht jede Religion wurde nach Kriterien des Unterhaltungswerts kreiert. Aber da der Autor hier erfolgreich Kompensationsarbeit leistet, bleibt alles im erträglichen Rahmen. Die Empfehlung des Rezensenten zielt dennoch darauf, das Buch kapitelweise zu lesen und es nicht in einem Stück konsumieren zu wollen.

Im Wikipedia-Artikel zu Gideon Böss, wird dieser als Agnostiker bezeichnet. Seine vorliegende Herangehensweise an die Sache jedoch impliziert einen gewissen Durst nach Gläubisch-Sein. Die Fragestellung nach dem Leben nach dem Tod kommt zwar immer wieder scheinbar neutral interessiert daher, doch indem er den „Glaubens-Profis“ fast vorwirft, wenn sie darauf keine Antwort geben können und wollen, scheint bei ihm eine Unsicherheit auf, die leider bei vielen Gewohnheits-Atheisten zu beobachten ist: Man argwöhnt, dass sie lediglich noch nicht das richtige Angebot gefunden haben. Käme es, so schmölze ihre Agnostik gar schnell dahin. Das ist ein trauriges Gefühl, das einem da beim Lesen gelegentlich überkommt.

Unerwartet stark das Ende: In seiner Zusammenfassung gelingt Gideon Böss noch einmal auf zweieinhalb Seiten ein Fazit, das für sich selbst spricht und deshalb hier nicht wiedergegeben sondern selbst gelesen werden soll.

Damit hätte es sein Bewenden haben können. Doch dann folgt noch eine weitere halbe Seite, die wieder jenes eben erwähnte Sehnsuchtsgefühl nach erlebbarer Religion transportiert. Das kann man verstehen. Oder verachten. Oder beides.

Vielleicht findet der Autor die gesuchten Antworten ja in Rempesgrün.

Tüchersfeld, den 15.04.2016

Reinhard W. Moosdorf

Dienstag, 12.04.2016

Autor: Andreas Schröter

Matt Sumell: Wunde Punkte

Matt Sumell: Wunde Punkte«Alby gerät bei der kleinsten Kleinigkeit in Wut, er prügelt und säuft sich durch Leben und ist alles in allem genau das, was man einen Proleten nennen würde.

Der amerikanische Autor Matt Sumell geht das Wagnis ein, eben jenen durchaus unsympathischer Zeitgenossen zum Ich-Erzähler seines Erstlings zu machen. Und das Wagnis geht auf. Der Text reißt einen mit seiner derben Sprache sofort mit Wucht in die Welt der Zukurzgekommenen, und man weiß an vielen Stellen nicht, ob man lachen oder weinen soll – zum Beispiel gleich auf der ersten Seite, wenn Alby zu einem wildfremden Mädchen sagt: „Wow, das ist ja übel.“ – „Was denn?“ – „Dein Gesicht.“ Drei Seiten weiter schlägt er seine ältere Schwester, weil sie seiner Meinung nach die Spülmaschine falsch eingeräumt hat.

Ein anderes Mal gerät ein Paar in einen unglaublichen Streit, weil die Frau nicht von dem Essen probieren will, das sich der Mann bestellt hat. Der Mann besteht aber hartnäckig darauf, dass sie das tut.

Das Ganze wirkt zunächst nur wie eine derbe, aber realitätsnahe Milieustudie nach dem Motto: „Seht her, so geht es bei Familie Proll zu“. Doch der Tenor des Romans ändert sich. Alby hat nicht nur ein großes Herz für Tiere wie einen Vogel, den er aufpäppelt, sondern mit zunehmender Seitenzahl auch für die Menschen, wobei er sich besonders um die Schwachen und Verletzlichen kümmert.

Unser Anti-Held entwickelt sich vom Ekelpaket erster Güte zwar nicht zu einem Muster-Schwiegersohn, aber immerhin doch zu jemandem mit durchaus sympathischen Zügen.

Ein besonderes Verhältnis hat er auch zu seinen Eltern. Als die Mutter früh stirbt, scheint er kaum eine Bindung an sie zu haben, später ist er derjenige, der am meisten um sie trauert und am schlechtesten mit ihrem Tod fertig wird. Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zu seinem Vater, einem Säufer, der Alby in seiner Kinderzeit auch drangsaliert hat.

Über „Wunde Punkte“ lacht man, man ärgert sich, und am Ende bleibt man sogar ein wenig nachdenklich zurück. Und man versteht, warum Alby so ist, wie er ist. Es ist ein Buch, das Emotionen freisetzt – und was kann man schließlich mehr von einem Buch erwarten?
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Matt Sumell: Wunde Punkte.
S. Fischer, März 2016.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Samstag, 09.04.2016

Autor: Andreas Schröter

Jóanes Nielsen: Die Erinnerungen

Jóanes Nielsen: Die Erinnerungen«Dies ist ein gutes Beispiel für einen Roman, der zwar im Land seiner Herkunft funktionieren mag, exportiert in andere Gegenden der Welt aber massiv an Bedeutung verliert.

Der 1953 geborene Autor Jóanes Nielsen greift in seinem Buch „Die Erinnerungen“ lange zurückliegende Ereignisse seiner Heimat, den Färöer-Inseln, auf. Eine Masernepidemie Mitte des 19. Jahrhunderts kommt genauso vor wie ein Arzt, der sich weigert, auf die abgelegenen Inseln zu reisen, oder wie Beispiele von kolonialer Hochnäsigkeit, die die Dänen den Bewohnern der Färöer-Inseln entgegenbringen.

Wer sich für solche lokalen Geschichtchen nicht so sehr interessiert wie – möglicherweise – die Landsleute des Autors, sondern einfach nur einen guten Roman lesen will, der wird nach der Lektüre dieses Werks enttäuscht sein. Das Ganze kommt eigenartig zusammenhanglos daher, so als hätte der Autor lediglich ein paar Anekdoten gesammelt, um sie dann wahllos in sein Buch zu packen, ohne sich um eine verbindende Handlung Gedanken zu machen.

Folge ist ein „Roman“, der größtenteils wie ein Sachbuch wirkt. Es mangelt an Spannung, atmosphärischer Dichte oder einer irgendwie gearteten Handlung – also genau an den Zutaten, weswegen man überhaupt einen Roman liest (und eben kein Sachbuch).

Sämtliche Figuren – und es sind unübersichtlich viele – wirken blass, weil der Autor sich nicht die Zeit nimmt, die Leser an ihren Gedanken teilhaben zu lassen. Nielsen beschreibt lediglich das, was sie tun. Kein gutes Buch.
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Jóanes Nielsen: Die Erinnerungen.
btb-Verlag, März 2016.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Samstag, 26.03.2016

Autor: rwmoos

Ule Hansen: Neuntöter


Ule Hansen – ein Berliner Autorenduo, das u.a. mit Vorliebe für Whisky für sich wirbt – hat mit „Neuntöter“ einen Krimi vorgelegt, der, das sei gleich vorweg genommen, sich ausgezeichnet lesen lässt.

Mit Panzertape mumienartig eingewickelte Leichen hängen schlecht einsehbar auf einer Berliner Großbaustelle und werden dort von einem kletterfreudigen Jungen entdeckt. Das Ermittlerteam macht sich an die Arbeit. Erzählt wird aus der Perspektive der Profilerin Emma Carow, einer im Grunde asozialen Beamtin, die sich Hoffnung auf die Leitung ihrer Abteilung macht und dabei von einem neu dazu gestoßenen Kollegen ausgebremst wird.

Die Schilderung der gebrochenen Persönlichkeit der angefressenen Heldin ist dann auch das eigentlich Interessante an diesem Roman. Selbst Opfer eines weit zurückliegenden Gewaltverbrechens, schafft es diese ansonsten durchsetzungsfreudige Frau nicht, ihre Vergangenheit zu bewältigen und rutscht in entscheidenden Momenten in infantile Verhaltensmuster ab. Bei aller Genialität patzt sie grob und regelmäßig genau dort, wo es um ihre eigenen Belange geht. Dass so jemand, der seine eigenen Schwächen derart wenig verdecken kann, innerhalb einer Behörde im wahren Leben überhaupt niemals für einen höheren Posten gehandelt werden könnte – geschenkt. Denn schon die Schilderung des Verbrechens ist so meilenweit von den tatsächlichen Kriminalfällen hierzulande entfernt, dass ohnehin klar wird, dass der Roman von vornherein keinen Wert auf Realitätsnähe legt. Auch wenn gegen Ende der Erzählung die Fiktion schwer verdaulich wird, weil sie dann völlig abhebt, schadet dies dem Roman nur bedingt. Denn die Autoren verstehen es meisterhaft, immer neue Spannungsbögen aufzubauen. Die Erzählung ist dabei so nett geschachtelt, dass immer neue Perspektiven auf das Gesamtgeschehen ermöglicht werden.

Gut gemacht auch die Szenen, in denen die Handlung nur als Möglichkeit im Kopf der Protagonistin weiterläuft, ohne dass man dies als Leser gleich bemerkt. Die dann tatsächlich weitergeführte Handlung ist dagegen oft von profaner Natur. Wer kennt das nicht?

Der Bezug zum titelgebenden Neuntöter wirkt im Buch ein wenig aufgespießt, aber das soll wohl so sein. Ein Meta-Bezug, wie man ihn beim „Schweigen der Lämmer“, der Mutter aller Profiler-Romane, kennt, ist hier nicht beabsichtigt. Und wer genau neun Tötungsdelikte erwartet, wird auch enttäuscht werden.

Bei den psychologischen Aspekten, die ja das Handwerkszeug eines Profilers sind, wünscht man sich hier und da etwas mehr Gründlichkeit. Die viel versprechenden Ansätze verlieren sich doch allzu schnell in Gemeinplätzen. Dennoch gehört hier zumindest das Profil der unegalen Profilerin selbst zu den stärkeren Passagen. Wobei wir die Stelle, an der Frau Carow ihrem alten Peiniger in einem Verhörzimmer unter merkwürdigen Umständen begegnet, mal ganz schnell wieder vergessen wollen – oder zumindest als eine dieser Fiktionen, die im vorhergehenden Abschnitt beschrieben sind, verstehen möchten.

Die besten Szenen aber sind doch der Beschreibung der verlassenen Gebäude in Berlin geschuldet. Als die Heldin mit einem nackt tanzenden Outlaw in solch einer werdenden Ruine hoch über der Stadt steht und unter diesem Eindruck lernt, ihrer Stimme wieder einen archaischen Raum zum Schrei zu überlassen – da endlich scheint auch das Herzblut des Autorenduos mitzuschwingen.
Eigentlich kein Wunder: Erfahren wir doch aus dem Klappentext, dass die beiden neben Whisky auch die Leidenschaft teilen, durch die verlassenen Ecken ihrer Stadt zu streifen.

Fazit: Empfehlenswer. Vorzugsweise an trüben Tagen in einem verlassenen, mit Spinnweben behafteten Gebäude bei einer Flasche nicht allzu guten Whiskys zu goutieren. Mit zunehmend fliegendem Geist akzeptiert man dann auch problemlos die Gedankenflüge des Handlungsfadens im Finale.

Ende März 2016
Reinhard W. Moosdorf

Mittwoch, 23.03.2016

Autor: Andreas Schröter

Szczepan Twardoch: Drach

Szczepan Twardoch: Drach«Der polnische Autor Szczepan Twardoch ist deutschen Lesern seit 2014 bekannt. Damals erschien sein wuchtig-düsteres Erstlingswerk „Morphin“, das mit den Themen Drogen, Sex, Gewalt und andere menschliche Abgründe einen faszinierenden Lesesog entwickelte.

Um menschliche Abgründe geht‘s auch in seinem neuen Werk „Drach“, aber diesmal macht es der 1979 geborene Autor seinen Lesern ungleich schwerer als im Erstling. Er erzählt keine lineare Geschichte, sondern springt – manchmal mehrmals auf einer Seite – wild durch die Zeiten. Das erfordert ein Maximum an Konzentration. Außerdem empfiehlt es sich, ein Namensregister anzulegen, sonst droht man in der Vielzahl der handelnden Figuren zu ertrinken.

Im Zentrum steht das Leben Josef Magnors und das seiner Nachkommen im mal polnischen, mal deutschen Schlesien. Die Erzählung umfasst dabei eine Zeitspanne von über 100 Jahren – vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Sie beginnt mit dem missglückten Schlachten eines Schweins, das sich dem kleinen Josef genauso tief einprägt wie einige Jahre später die Gräuel in den Schützengräben des 1. Weltkriegs. Twardoch greift dabei – wie schon in „Morphin“ – zu äußerst drastisch-deftigen Bildern. Da fließt das Blut, da spritzen die Innereien, da wird sich geprügelt und wild kopuliert, dass es nur so kracht. Alle paar Seiten gibt‘s eine neue Leiche.
Ungewöhnlicher Erzähler dieses Romans ist eine Art allwissende Erde, die ähnlich eines Gottes das Schicksal eines jeden Menschen kennt.

Anhänger von Quentin-Tarantino-Filmen werden sicherlich an vielen Szenen ihre Freude haben, und doch bietet dieses Buch letztlich nicht den Lesegenuss von „Morphin“. Zu verschlungen ist diesmal der Handlungsfortgang, den man sich wie in einem Puzzle in mühevoller Kleinarbeit zusammensetzen muss.
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Szczepan Twardoch: Drach.
Rowohlt, März 2016.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Sonntag, 20.03.2016

Autor: Andreas Schröter

Meg Mitchell Moore: Eine fast perfekte Familie

Meg Mitchell Moore: Eine fast perfekte Familie«Bei den Hawthornes in Kalifornien läuft äußerlich vieles ziemlich rund: Mutter Nora und Vater Gabe haben Erfolg in ihren Jobs, Tochter eins – Angela – hat als Jahrgangsbeste ihrer Schule beste Chancen, in Harvard angenommen zu werden. Tochter zwei – Cecily – ist eine erfolgreiche Tänzerin und zugleich der Sonnenschein der Familie. Nur Tochter drei – Maya – bereitet etwas Kummer, weil sie einfach nicht lesen lernen will.

Doch mit wachsender Seitenzahl merkt der Leser, dass auch vieles von dem sonstigen Glück der Familie nur Fassade ist. Hinter den schönen Kulissen lauern jede Menge Stress und gleich mehrere düstere Geheimnisse.

Der US-amerikanischen Schriftstellerin Meg Mitchell Moore ist mit diesem Roman – „Eine fast perfekte Familie“ heißt er – ein großer Wurf gelungen. Besonders Leser in ihren mittleren Jahren, die sich in der Tretmühle zwischen Job und Kindererziehung befinden, dürften in diesem Buch enorm viel finden, das ihnen bekannt vorkommt – wobei der Roman von Kapitel zu Kapitel stärker wird. Zunächst denkt man noch: Gut wir haben‘s begriffen – eine gestresste Familie, in der alle Mitglieder mittelschwer bis schwer überfordert sind, was soll da noch kommen? – aber dann geht‘s erst richtig los.
Die einzelnen Kapitel sind jeweils mit den Namen der Familienmitglieder betitelt und aus ihrer Sicht geschrieben. Schon bald hat man sie alle ins Herz geschlossen und fiebert mit ihnen und ihren Problemen.

Am Ende wird das Buch fast ein bisschen philosophisch und stellt die Urfrage nach dem Glück. Was macht einen Menschen glücklich? Ein toller Job mit viel Stress, ein Studium in Harvard oder vielleicht doch etwas ganz anderes? Insgesamt ein höchst lesenswerter Roman.
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Meg Mitchell Moore: Eine fast perfekte Familie.
Bloomsbury Berlin, März 2016.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Mittwoch, 16.03.2016

Autor: oliverg

Bessersprecher Englisch (US) und Italienisch

Hier finden sich alle Bessersprecher-Ausgaben:
Bessersprecher Reihe des Conbook Verlages

Montag, 14.03.2016

Autor: Andreas Schröter

Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern

Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern«Dem 1985 geborenen Münchner Autor mit libanesischem Vater, Pierre Jarawan, gelingt in seinem Debütroman „Am Ende bleiben die Zedern“ gleiches Mehreres: eine spannende Familiengeschichte zu erzählen etwa oder ein Schlaglicht auf die historische und aktuelle politische Situation im Libanon zu werfen. Außerdem dokumentiert das Buch die Zerrissenheit von Migranten in Deutschland zwischen alter und neuer Heimat. Stellenweise verströmt es sogar einen Hauch von Tausend und einer Nacht.

Als Samir acht Jahre alt ist, verschwindet sein Vater von heute auf morgen spurlos. Fortan setzt der Heranwachsende alles daran, den Vater zu finden oder wenigstens zu verstehen, warum er die Familie im Stich gelassen hat. Als junger Mann beschließt Samir, eine Reise in den Libanon zu unternehmen, wo er den Vater vermutet. Doch in dem Beirut von heute fühlt er sich zunächst fremd. Nur wenig erinnert an die zauberhaften Geschichten von dort, die ihm sein Vater in Deutschland erzählt hat. Das ändert sich, je länger er bleibt…
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Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern.
Berlin-Verlag, März 2016.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22 Euro.

Sonntag, 13.03.2016

Autor: Immo Sennewald

Karolina Leppert: Männermanieren – Standpauke aus dem Rotlicht

MännermanierenDiese Autorin tritt selbstbewusst auf, daran lässt sie weder mit ihrem Foto auf dem Schutzumschlag noch mit den ersten Sätzen ihres schmalen Büchleins zweifeln. Sie darf das, denn schon das Thema sichert ihr gehörige Aufmerksamkeit; so gut wie alle Medien berichten obendrein gerade darüber, wie der Gesetzgeber neue Leitplanken im bezahlten Geschlechtsverkehr installieren will. Erzwungene Prostitution und Menschenhandel will er damit einschränken – eine ziemlich liberale, auf besseren juristischen und sozialen Schutz für die Frauen zielende Regelung aus dem Jahr 2003 hat darin anscheinend nicht nur versagt, sondern kriminelle Dunkelfelder noch erweitert.

Karolina Leppert übt ihren Beruf als Sexarbeiterin mit Lust und Überzeugung aus. Ich nehme ihr das umso leichter ab, als sie nicht nur sehr offen redet, sondern auch unverschnörkelt, gescheit und vor allem mit Witz: Ich habe mich bei einer Lektüre lange nicht mehr so gut amüsiert. Dabei geht es drastisch zu; die „Standpauke“ kommt von Herzen und es ist Lebensklugheit, Gefühl und Empathie darinnen, wenn auch die „Manieren“ einen wünschen lassen, zugehörige Männer dorthin zu treten, wo schon der Klappentext einen tragikomischen Treffer landet.

Die Domina Karolina Leppert kommt rasch zur Hauptsache, und sie handelt sie souverän ab: Die Internetpornographie konditioniert Männer, indem sie ihre Phantasie verstellt. Das Geschlechtliche mit all seinen im tiefsten Lebenskern wurzelnden individuellen Spielarten wird vom physischen Geschehen zwischen Menschen entkoppelt, stattdessen implantieren bewegte Bilder Erwartungen, die im Virtuellen, keineswegs aber in der Realität erfüllbar sind. Vergleichbares lässt sich in den Gewaltspielen und Actionfilmen erfahren – und manche, die dort eintauchen und ihr Ego ins Gigantische übersteigern, schalten mit dem Computer keineswegs die Wünsche nach digital erzeugten Dopaminschüben ab: Gewalt-Macht-Lust kann um so leichter zur Droge werden, wenn sie folgenlos bleibt. Das Phänomen ist auch an den Pöblern (und Pöblerinnen) zu beobachten, die ihre Aggressionen im mehr oder weniger anonymen Social Web unverdrossen austoben.

Wie die Verfasserin in ihrer Rolle als Domina, wie ihre leid- und lustgeprüfte Kollegin Mariella mit solchen von pornographischen Extremen besessenen Kunden in der harten Realität zurechtkommen muss, das erzählt sie geschickt, indem sie die „Standpauke“ aus einem Gespräch mit Mariella heraus entwickelt. Vielleicht ist Mariella nur eine Kunstfigur; Karolina Leppert könnte zweifellos genügend Geschichten aus ihrer Arbeit für das Prostituierten-Netzwerk „Hydra“ in einer solchen verdichten. Man(n) muss sie einfach mögen. Und dass die Männer in Lepperts Standpauke mit fast therapeutischer Nachsicht behandelt werden, ohne feministischen Furor, dafür mit scharf beobachtendem Sarkasmus, Selbstreflexion und großem Humor, hebt diesen Text aus den zahllosen so bedeutungstriefenden wie folgenlosen Einlassungen zum Thema heraus. Dass der Alltag von Menschenhandel, Vergewaltigung und Zwangsprostitution grausam ist, lässt er einen keinen Augenblick vergessen, gerade weil die Autorin in einem verhältnismäßig zivilisierten Bereich zu Hause ist. Aber da die Politik den Dunkelfeldern ziemlich hilflos gegenüber steht, ist die Standpauke für die Kunden – meist Männer – umso mehr angebracht. Für die Kundinnen auch.

Karolina Leppert, Männermanieren. Standpauke aus dem Rotlicht, edition a, 128 Seiten, erschienen am 27. Februar 2016, 16,90 Euro.

Freitag, 11.03.2016

Autor: rwmoos

Andreas Hultberg: Der Tod vergisst nie

Thüringer Niederungen

In einem Erfurter Architekturbüro findet die Angestellte Angelika Schröder am Montag Morgen drei Leichen vor: Ihren Boss, dessen Geliebte und zwei weibliche Angestellte. Um die hier aufkommende arithmetische Frage gleich zu beantworten: Natürlich war eine der Angestellten im Nebenberuf die Geliebte vom Chef.
Übrig bleiben: Ein ewig nicht zu erreichender Kompagnon, ein längst heraus geekelter dritter Teilhaber, eine hasserfüllte Ehefrau, zwei weitere weibliche Angestellte, die sich gegenseitig bezichtigen, ebenfalls auf den wohl betuchten Chef scharf gewesen zu sein und ein stark verärgerter Kunde. Eigentlich genug potentielle Verdächtige, zu denen trotzdem im Laufe der Ermittlungen noch weitere stoßen.
Das Ermittler-Team um die beiden Protagonisten Linda Bredow und Christoph Zeller, die, einander in Hassliebe verbunden, ein – so wird immer wieder betont – hervorragendes Gespann abgeben, macht sich an die Arbeit.
Die wird schwierig. Aber das stand ja zu erwarten.

Zunächst das, worauf es bei einem Krimi ankommt: Man kann das Buch in einem Zug durchlesen. Es fängt gut an und bleibt spannend. Wenngleich der geübte Krimi-Leser beizeiten ahnt, worauf der Hase hinaus läuft, legt die Erzählweise von Andreas Hultberg genug andere Spuren, um die Lösung hinauszuzögern, wobei er, die Ahnung des Lesers ausnutzend, dann geschickt zwischen den beiden klassischen Erzählformen, dem „Whodunit“ und dem „Howcatchem“ changiert.
Dabei nutzt er zwischendurch noch die „inneren Monologe“ der gejagten Person zu einer, sicher ausbaufähig gewesenen, subjektiven Gesellschaftsanfrage.
Allein diese Methodik ist schön.

Ein wenig blass bleiben dagegen die Charakter-Zeichnungen: Stress, Frust und Beziehungsprobleme werden von allen Beteiligten stereotyp mit Alkohol und Nikotin angegangen – das Sujet kennt man und es wirkt ausgelutscht. Dass zudem die diversen Charaktere gleichlautende Redewendungen verwenden („Hundert Punkte für den Kandidaten“ etc.) ähnelt die Rollen einander weiter an. Der gelegentlich anklingende Sprachwitz vergeigt seine Chancen in Kalauern. Randpersonen, die das Zeug hätten, interessant zu werden, wie die Pathologin oder das letzte Ziel des Täters, werden nicht weiter ausgeführt.

Wenn zudem inhaltliche Unstimmigkeiten auftreten, kann man das zwar dem Autor durchgehen lassen, dafür ist umso mehr das Lektoriat zu tadeln. So beginnt der Roman auf Seite fünf am Abend und wird dann ohne Bruch auf Seite sieben in den frühen Nachmittag überführt. Da hat man dann schon auf Seite acht ein Gefühl eines virtuellen Jetlags.

Das die Angestellte, die die Leichen gefunden hat, in den fürderhinnigen Ermittlungen nicht einmal mehr nach ihrer Meinung befragt wird, stimmt den mit-ermittelnden Leser nachdenklich.
Den dicksten Bolzen aber schießt doch der Verfasser der Zusammenfassung auf der Buch-Rückseite ab. Da werden Erfurt und Umgebung kurzerhand nach Sachsen verlegt. Der Rezensent empfiehlt die Anschaffung eines Schulatlases. Und:
Auch wenn es derzeit einigen so scheinen mag: Nicht alles Böse kommt aus Sachsen.

Natürlich erwartet man von einem Krimi nicht unbedingt literarische Klasse. In einem Punkt aber reicht dieser Roman über das Tagesgeschäft hinaus und kreiert eine eigene Pointe:
Die ganze Zeit über plagt man sich während der Lektüre nämlich mit dem unguten Gefühl, dass der männliche Protagonist eigentlich lauter Mist baut, und so gar nicht in das Schema des „genialen Ermittlers“ passt – ein Etikett, das ihm von seiner Umgebung immer wieder angeheftet wird. Er schließt Verdächtige vorschnell aus, ändert ständig seine Theorien, die er dann ebenso voreilig und total wieder verwirft, macht schlichte handwerkliche Fehler und wechselt Anflüge moralischer Integrität mit dem genauen Gegenteil im Tagesrhythmus.
Am Schluss aber merkt man: Das ist genau so gewollt. Er ist eben kein genialer Ermittler, sondern bestenfalls kriminalistischer Durchschnitt. Alles andere war mehr oder minder erfolgreicher Selbstbetrug. Dieser Betrug wird dann am Ende ungerüttelt von der Kollegin übernommen, indem sie seine Schwächen kurzerhand weg-erklärt. Wie hieß es doch so schön bei Marx? Der Schein trübt das Bewusstsein. Oder so ähnlich.

Reinhard W. Moosdorf

Dienstag, 08.03.2016

Autor: Andreas Schröter

Frank Goosen: Förster, mein Förster

Pearl S. Buck: Die Welt voller Wunder«Wenn man es positiv sehen will: Der Bochumer Ruhrpottbarde Frank Goosen bleibt seinem typischen Sound und seinen nostalgischen Themen, die viele Leser mögen, im aktuellen Buch „Förster, mein Förster“ treu.

Negativer: Der Roman bietet nichts Neues. Alles kommt einem wie schon hundertmal gelesen vor: dieses ewige, mittlerweile doch etwas sonderbar anmutende Schwelgen in längst vergangenen Zeiten – hach ja, als es noch die C 90-Kassetten gab …

Die Handlung – ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen begleitet die ehemalige Saxofonistin Frau Strobel zu einem letzten Konzert an die Ostsee – ist nur eine Art Rahmenhandlung, die nicht sonderlich wichtig ist. Das Buch wirkt vielmehr wie ein nur lose zusammengesetztes Puzzle aus kleinen spontanen Ideen und Anekdoten, die kein geschlossenes Ganzes ergeben. Das mag für eine humorvolle Lesung, vorgetragen mit Goosenschem Können genügen, für einen Roman, gelesen auf dem heimischen Sofa reicht es nicht.
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Frank Goosen: Förster, mein Förster.
Februar 2016, Kiwi.
336 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Samstag, 05.03.2016

Autor: Andrea Brücken

Sketching User Experiences

Sketching User Experiences.jpg

Sketching User Experiences – Das praktische Arbeitsbuch zum Erlernen von Skteching und zahlreicher Skizziermethoden

Die Motivation von Bill Buxton, Designer und Wegweiser für Mensch-Computer Interaktion bei Microsoft Research, lag ursprünglich darin, das einfache Skizzieren als Methode für Designprozesse zu erklären. Denn seiner Ansicht nach waren viele Interaktionsdesigner, mit denen er arbeitete, nicht ausreichend visuell und zeichnerisch geschult. Das Ergebnis ist dieses tolle Handbuch, das im Rahmen vieler Prozesse zur Anwendung kommen kann, die mit dem Entwickeln von Ideen und Produkten zu tun haben.

Das Buch versammelt eine riesige Anzahl an Techniken, die sowohl die Ideenentwicklung, das Skizzieren, das Storytelling und die Prozesse im Rahmen von User Experience unterstützen – und die auch von ungeübten Zeichnern benutzt werden können.

Besonders erfreulich: tatsächlich wird in den spezialisierten Kapiteln darauf eingegangen, wie man visuelle Präsentation im Rahmen von kritischem Feedback nutzen kann. Und darum geht es ja bei der User Experience: kann der Nutzer mit dem finalen Produkt leicht und einfach arbeiten oder nicht? Wie soll man das anders herausfinden, als den Nutzer zu fragen?

Schauen wir uns erstmal die Inhalte an, gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel.

1 – Einstimmung

Es geht um grundsätzliche Fragen: Was ist eine User Experience und warum eignen sich Skizzen für die alltägliche Arbeit im Designbereich? Wie sieht ein Designprozess aus? Warum ist ein Skizzenbuch sinnvoll?

Und schon gibt es drei Übungsaufgaben mit Visualisierungen. Natürlich geht es bei den Aufgaben um mobile Geräte beziehungsweise Computer. Aber ich möchte behaupten, dass man a) hierbei grundsätzlich den Designprozess versteht, nach Stuart Pugh auch “Designtrichter” genannt und b) sich selbst die Aufgaben für andere Produkte umformulieren kann

2 – Ideenfindung in der realen Welt

Scribbeln ist die Vorstufe aller Zeichnungen: in kurzer Zeit überall und jederzeit Ideen ganz simpel festhalten und sich nur auf das konzentrieren, was man für wichtig hält. Betont wird in diesem Kapitel, dass man täglich in der realen Welt viele Ideen sammeln kann. Neben Scribbles sind Fotos, Mustersammlungen von Gegenständen, Bilder und Zeitungsausschnitte ein probates Mittel für die Ideenfindung.

Buxton fordert dazu auf, sich eigene Sammelschemata aufzubauen und führt seine kuratierte Sammlung als Beispiel an.

2 – Das Einzelbild

Dem Thema Einzelbild sind volle 70 Seiten in mehreren Abschnitten gewidmet. Neben der zeichnerischen Linienführung geht es um die Schulung des Auges, den Aufbau eines zeichnerischen Bildvokabulars, verbindende und trennende Elemente sowie einfache Strichmännchen. Außerdem wird die kollaborative Arbeit an Skizzen angesprochen.

Danach gehen die Autoren auf Slideware ein, also Programme zum Erstellen von Präsentationen mit Folien. Haftnotizen finden ihren Platz genauso wie eingebettete Fotos und abgepauste Fotos. Abpausen ist aber doch nicht Zeichnen? Nein, aber darum geht es ja auch nicht. Sketch- und Bildbearbeitungssoftware mit Layern ist grundsätzlich fantastisch, um über das Abpausen von Fotos zu lernen, wie man etwas zeichnerisch simpel umsetzt. Und das Vermischen von Fotos mit Skizzen fördert den Kreativitätsprozess enorm.

4 – Zeitschnappschüsse: die visuelle Erzählung

Das kann man nicht besser formulieren: “Interaktionsdesign ist in sofern einzigartig, als dass man sich das Verhalten einer Person vorstellt, während diese über eine gewisse Zeit mit einem System interagiert.”

In diesem Kapitel wird es fachspezifisch. Storyboards können auf verschiedene Weise “gebaut” werden: sequenziell, als Zustandsübergangsdiagramm, verzweigt oder narrativ. Das Kapitel ist reich und anschaulich mit Visualisierungen bestückt, so dass man leicht versteht worin die Unterschiede zwischen den Methoden liegen.

Selbst für nicht so designorientierte Sketchnoter wie mich gab es hier noch einige interessante Learnings. Neben dem Rastern und Synthetisieren von Informationen erzählen Sketchnoter nämlich gerne Geschichten, sofern das möglich ist. Und Geschichten haben immer Protagonisten, die in Interaktion miteinander stehen.

5 – Die User Experience animieren

Ein weiteres Spezialthema ist die Animation von Bildsequenzen. Zunächst geht es um das Animieren einer Szene über Frames und Bewegungspfade innerhalb von Slideware. Etwas komplizierter wird es dann im Abschnitt über das Arbeiten mit verzweigten Animationen. Das alles soll in Powerpoint oder Apple Keynote umsetzbar sein – habe ich noch nie gemacht, ein guter Anreiz zum Ausprobieren.

Keyframes und Tweening kann man in Adobe Flash oder vergleichbarer Software für Multimediaanimationen einsetzen, das Thema wird kurz angerissen und gehört wirklich in den Entwicklerbereich.

Nützlich für “Jederman” ist dann noch ein Unterkapitel zum Erstellen von linearen Videos über das Abfilmen von Papier-Notizen mit einer Videokamera und der Post-Produktion mithilfe einer Schnittsoftware.

6 – Andere einbeziehen

Im letzten Kapitel geht es darum, erstellte Animationen zu nutzen, um den Designprozess in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien zu teilen, zu zeigen und sich ein User-Feedback einzuholen.

Anhand einer Fallstudie wird das “initiale mentale Modell” erklärt – darunter versteht man die durch einen Testnutzer erteilte Beschreibung dessen, was er beim Durchlaufen eines Testdesigns wahrnimmt. Der “Wizard of Oz” ist eine Anfang der 80er-Jahre entwickelte Methode für das experimentelle Design, die Reaktionen aus dem Computer-Backend infolge von (Tastatur-)Eingaben simuliert. “Laut denken” ist vor allem im Coaching- und Beratungskontext eine übliche Methode, um die Gedanken von Klienten bzw. im Designbereich von künftigen Nutzern “sichtbar” und nachvollziehbar zu machen.

Schlussendlich kommt dieses Kapitel auf Skizzenwände zur Präsentation und die Methode des kritischen Feedbacks zu sprechen.

Fazit generell

Besonders gefallen hat mir die visuelle Aufbereitung des Buches. Klare Gliederungen, hervorgehobene Überschriften und numerische Aufzählungen, enorm viele Fotos und Scribbles / Zeichnungen. Die Schrift ist klein, aber durch die Hervorhebungen von relevanten Stichworten, deutliche Absätze, eingefügte Infokästen und Seitenleisten mit übergeordneten Informationen orientiert man sich mit Leichtigkeit im gesamten Buch.

Toll auch die schematische inhaltliche Gliederung: in diesem Kapitel geht es um dies und das, hier sind die Punkte A bis X, Beispiele, Referenzen und Weblinks, das hast du “neu erlernt”. Ein Stichwortverzeichnis rundet die Sache ab, die (weiterführenden) Quellen muss man sich halt aus den einzelnen Kapiteln ziehen.

Da ich kein User Experience-Designer bin, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie nützlich das Buch in diesem Kontext ist. (Bisherige Reviews sind da aber voller Lob!)

Fazit aus der Sicht einer Sketchnoterin

In der Sketchnote-Community haben wir so eine Art Running Gag, der sich auf das Zeichnen bezieht: “I cannot draw” ist schon vielfach Gegenstand von Doodles gewesen – spontanen, kleinen, leichtfüßigen Kritzeleien zur Verbesserung der individuellen Visual Literacy. Viele Sketchnoter und Graphic Facilitators haben überhaupt keine zeichnerische Ausbildung, aber sie üben täglich. Weil sie vor allem eines beherrschen müssen: komplexe Informationen schnell, einfach und verständlich visuell darzustellen.

Idealerweise geraten sie über die Zeit in eine Art “professionellen Flow”: sie haben immer ein Notiz- oder Sketchbook und ein paar Stifte dabei, sie trainieren täglich ihr Auge und ihre visuelle Wahrnehmung, sie halten alles Mögliche spontan zeichnerisch fest. Auf diese Art entsteht mit der Zeit zwangsläufig ein Sammelsurium an Ideen und Ideenausarbeitungen. Für uns ist nicht in erster Linie wichtig, dass Zeichnungen “schön” aussehen. Für uns ist wichtig, dass wir in die Köpfe derjenigen kommen, die unsere Sketchnotes “lesen” – das geschieht unter anderem über leicht verständliche Zeichnungen, die im Bildvokabular unserer Leser andocken.

Sketchnotes kommen außerdem weniger bei der Produktentwicklung, sondern eher im Dienstleistungsumfeld zum Tragen. Das “kritische Feedback” ist ein wichtiger Aspekt: bei Vor- und Nachbereitungsgesprächen von Aufträgen lasse ich mir immer beschreiben, welche Bilder die Kunden im Kopf haben, welche Motive sie passend finden bzw. ob das dann Gezeichnete ihre Vorstellungen getroffen, ergänzt oder sie enttäuscht hat.

Der professionelle Flow ist bei mir inzwischen ein Normalzustand – letztlich geht es bei allen Sketchnotes “nur noch” darum, unter meinen vielen Ideen (auch den bisher gesammelten) die eine zu finden, die mich über die detaillierte Ausarbeitung in die Köpfe und Herzen der Adressaten des Themas bringt, das ich visuell umsetzen will.

Insofern sind Sketchnoter auch Designer und Storyteller, der Bezug zur User Experience besteht aber eher darin, ob Menschen die synthetisierte visuelle Darstellung von komplexen Informationen erreicht und ob sie das Dargestellte für sich selbst nachvollziehbar finden.

Ganz persönlich empfinde ich das Buch als sehr bereichernd, der dauerhafte Platz im Bücherregal ist gesichert.

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Sketching User Experiences – Hrsg.: Greenberg, Carpendale, Marquardt, Buxton

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2014

272 Seiten, ab 21,99, broschiert

Bestellung über den Verlag: http://www.mitp.de/Business-Marketing/Sketchnotes/Sketching-User-Experiences.html

Amazon Link: http://www.amazon.de/dp/3826694597/?tag=carpecom-21

 

Montag, 15.02.2016

Autor: Andreas Schröter

Pearl S. Buck: Die Welt voller Wunder

Pearl S. Buck: Die Welt voller Wunder«Diesen bisher unveröffentlichten Roman der Literaturnobelpreisträgerin von 1938, Pearl S. Buck, umweht eine Legende. Und wie immer in solchen Fällen weiß man nicht recht, ob sie stimmt oder eher eine verkaufsfördernde PR-Strategie ist. Das Manuskript soll 2012 in einer verlassenen Lagerhalle entdeckt worden sein, bevor es an Bucks Adoptivsohn Edgar Walsh ging, der es überarbeitete und schließlich herausbrachte. Pearl S. Buck muss den Text kurz vor ihrem Krebstod 1973 verfasst haben.

Es geht um den hochbegabten Rann Colfax, der irgendwann beschließt, sein Wissen nicht auf Universitäten zu erwerben, sondern durch Bücher, Reisen und die Menschen, die er dabei trifft.

Aus heutiger Sicht wirkt dieser Roman ein wenig altbacken, altklug und seltsam distanziert. Die Figuren erwachen nicht recht zum Leben. Rann fliegen Geld, Erfolg und die Begegnungen mit interessanten Menschen etwas zu glatt nur so zu. Auf echte Schwierigkeiten trifft er kaum. Das wirkt auf Dauer weder lebensnah, noch interessant. Die Figuren gehen überaus gestelzt miteinander um. Gänzlich missraten erscheint vor allem das Ende.
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Pearl S. Buck: Die Welt voller Wunder.
dtv, November 2015.
368 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,90 Euro.

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