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	<title>Literaturwelt. Das Blog.</title>
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	<description>Von Büchern und Menschen.</description>
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		<title>Plan B? Plan A? Finger weg?</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 12:04:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JosefBordat</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Die „politische &#246;kologie“ stellt Geo-Engineering auf den Pr&#252;fstand Ist der moderne Mensch aufgefordert, Probleme zu l&#246;sen, denkt er an Wissenschaft und Technik als L&#246;sungsmittel. Ganz im Paradigma des neuzeitlichen Denkens, das man positiv als „Fortschrittsoptimismus“, aber auch negativ als „Omnipotenzphantasie der Moderne“ bezeichnen kann, liegt das „Geo-Engineering“ als L&#246;sung des Klimawandelproblems. Die „politische &#246;kologie“ nimmt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die „politische &#246;kologie“ stellt Geo-Engineering auf den Pr&#252;fstand</strong></p>
<p>Ist der moderne Mensch aufgefordert, Probleme zu l&#246;sen, denkt er an Wissenschaft und Technik als L&#246;sungsmittel. Ganz im Paradigma des neuzeitlichen Denkens, das man positiv als „Fortschrittsoptimismus“, aber auch negativ als „Omnipotenzphantasie der Moderne“ bezeichnen kann, liegt das „Geo-Engineering“ als L&#246;sung des Klimawandelproblems.</p>
<p>Die „politische &#246;kologie“ nimmt sich in ihrer 120. Ausgabe dieses komplexen Themas an. In den kurzen Beitr&#228;gen namhafter Autorinnen und Autoren vermittelt die Quartalszeitschrift des Oekom-Verlags (M&#252;nchen) hinsichtlich der wesentlichen Fragen einen knappen &#220;berblick: Geo-Engineering – Was ist das?, Wie geht das?, Was spricht daf&#252;r?, Was spricht dagegen?</p>
<p>Nach dem historischen Abriss von Thilo Wiertz, der mit konkreten Ereignissen im 19. Jahrhundert einsetzt (hier h&#228;tte man durchaus fr&#252;here ideengeschichtliche Wurzeln erw&#228;hnen k&#246;nnen, etwa Francis Bacon oder den fr&#252;hsozialistischen Utopismus, um die Denktradition zu verdeutlichen, in der Geo-Engineering steht), werden die Eingriffsmethoden vorgestellt, &#252;ber die sich die Klimaingenieure derzeit unterhalten, vor allem die „Kohlenstoff-Sequestrierung“ (Andreas Oschlies) und das „Sonneneinstrahlungs-Management“ (Ulrike Lohmann).</p>
<p>Die „politische &#246;kologie“ stellt „Geo-Engineering“ noch als „Plan B“ vor, obwohl er im Paradigma der grenzenlosen Verf&#252;gung des Menschen &#252;ber die Natur durchaus das Zeug zum „Plan A“ hat, denn der Eingriff in das Klima zur Rettung unseres Lebensstils ist bequemer und politisch attraktiver als der Angriff auf Gewohnheiten zur Rettung des Klimas.</p>
<p>Wenn da nicht die Risiken und Nebenwirkungen w&#228;ren, deren Brisanz gerade darin besteht, dass man sie nicht einsch&#228;tzen kann. „Geo-Engineering“ ist eine „Rechnung mit vielen Unbekannten“ (Ulrike Potzel), zu der von Seiten der beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen m&#246;glichst genaue Ergebnisse geliefert werden m&#252;ssen, um eine valide Grundlage f&#252;r das Kalk&#252;l zu haben, auf der dann internationale Vereinbarungen getroffen werden k&#246;nnen.</p>
<p>Die Diskussion muss aber tiefer gehen als dem &#246;konomischen Nutzen einen &#246;kologischen Schaden gegen&#252;ber zu stellen und weiter gehen als bis zur Formulierung forschungsethischer Richtlinien, die dem „Geo-Engineering“ einen Rahmen vorgeben, oder der Konstruktion wirksamer globaler Rechtsfiguren (Ralph Bodle, R. Andreas Kraemer). Dass es zun&#228;chst und vor allem darum geht, das Denken hinter dem „Geo-Engineering“ zu hinterfragen, ehe man festlegt, wie viel es denn davon sein darf, liegt auf der Hand.</p>
<p>Wichtig daher, dieses Denken, in dem Machbarkeit und Bequemlichkeit g&#228;ngige Muster sind, in anthropologischer und moraltheoretischer Perspektive zu kritisieren. Das besorgt Konrad Ott, Umweltethiker von der Universit&#228;t Greifwald. Ott analysiert mit der gebotenen Sachlichkeit Pro- und Kontra-Argumente und kommt zu dem Schluss, dass es darauf ankomme, die Dilemma-Situation zu vermeiden, die „Geo-Engineering“-Bef&#252;rworter zur Grundlage ihrer konsequentialistischen Moral des „geringeren &#220;bels“ machen. Solange das durch Vermeidungsstrategien gelingen k&#246;nne, sei vom Eingriff in das Klimasystem abzuraten. Das Risiko ist zu gro&#223;. Hier bezieht sich Ott auf Hans Jonas und sorgt damit daf&#252;r, dass die warnenden T&#246;ne seiner verantwortungsethischen Technikphilosophie in der aktuellen „Geo-Engineering“-Debatte geh&#246;rt werden.</p>
<p>Die „politische &#246;kologie“ bietet kurze Aufs&#228;tze und sehr kurze Stellungnahmen. Die kompakte Form hat den Vorteil, dass die Leserschaft sich rasch &#252;ber ein schwieriges Thema informieren kann, jedoch den Nachteil, dass einiges nicht so ausgef&#252;hrt werden kann, wie es n&#246;tig w&#228;re. So erscheint einiges zu glatt, anderes m&#252;sste in der dargebotenen Klarheit argumentativ st&#228;rker unterst&#252;tzt werden, um nicht den Eindruck einer irritationslosen und schlecht fundierten Polemik zu erwecken.</p>
<p>Das Statement „Mehr &#214;kokratie wagen“ von Bernhard P&#246;tter bietet beispielsweise weit mehr politischen Sprengstoff als auf zwei Seiten passt. Es ist schade, dass damit der Eindruck erweckt wird, der komplizierten Materie einer optimalen Organisation staatlicher Steuerung im Umwelt- und Klimaschutz sei im Stakkato-Stil und mit wohlfeilen „Slogans“ beizukommen, zumal der Text auch &#228;rgerliche Fehler und problematische Behauptungen enth&#228;lt. So kann man sich &#252;ber das Kirchenrecht trefflich streiten, doch zu „willk&#252;rlichen“ Urteilen hat es gerade nicht gef&#252;hrt, jedenfalls nicht zu willk&#252;rlicheren Urteilen als wir sie aus modernen „Rechtsstaaten“ kennen, dessen wesentliche Pragmatik – man denke an das Offizialprinzip im Strafrecht (Inquisition statt Akkusation) und die Beweisaufnahme in der Strafprozessordnung – aus der kirchlichen Rechtsfindungs- und Rechtssprechungspraxis stammt. Ferner hinkt P&#246;tters WTO-Vergleich betr&#228;chtlich, wenn es um die Motive und M&#246;glichkeiten f&#252;r ein globales Umweltregime geht. Erhellender ist da wohl ein Blick auf das R&#246;mische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs, dem sich gerade nicht alle Staaten „unterwerfen“. Warum eigentlich nicht?, so k&#246;nnte man fragen. Und das EU-W&#228;hrungssystem als Paten daf&#252;r einzuf&#252;hren, dass selbstbestimmte Selbstbeschr&#228;nkung funktioniert (Stichwort: Stabilit&#228;tskriterien), ist derzeit auch nicht gerade besonders ermutigend. Schlie&#223;lich schreckt P&#246;tter um der Stringenz der eigenen Argumentation willen nicht davor zur&#252;ck, kontrovers diskutierte Eingriffe in die Freiheit (Datenvorratsspeicherung, „Nackt-Scanner“) als allgemein akzeptiert hinzustellen („weil wir Angst vor Terroristen haben“), um dann daran die Uneinsichtigkeit der Menschen bei Eingriffen in die Freiheit aufgrund von Vorgaben des Umweltschutzes zu kontrastieren („Aber wehe, jemand denkt &#252;ber Tempolimits nach“). Den  Menschen auf der Grundlage derart fragw&#252;rdiger Pr&#228;missen ihren vermeintlichen Selbstwiderspruch vorzuf&#252;hren, ist unredlich. Insgesamt hinterl&#228;sst der Text in seiner Einseitigkeit einen etwas beklemmenden Eindruck, was aufgrund der Tatsache, dass man P&#246;tters Einsch&#228;tzung der gro&#223;en Bedeutung einer &#246;kologischen Ausrichtung der Demokratie durchaus zustimmen mag, besonders bedauerlich ist.</p>
<p>Dennoch: &#220;ber „Geo-Engineering“ als Bew&#228;ltigungsstrategie zu informieren, ist ein wichtiges Anliegen im Zusammenhang mit Klimawandel und Klimaschutz, das – mit den genannten Einschr&#228;nkungen – der Zeitschrift „politische &#246;kologie“ gut gelungen ist.</p>
<p>Bibliographische Daten:</p>
<p>„politische &#246;kologie“, Nr. 120 (Juli 2010)<br />
Geo-Engineering. Notwendiger Plan B gegen den Klimawandel?<br />
ISSN 0933-5722<br />
ISBN 978-3-86581-226-1</p>
<p>Josef Bordat</p>
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		<title>Kalender f&#252;r Lesungen</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 13:02:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immo Sennewald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Lesungen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[verlage]]></category>

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		<description><![CDATA[Jedem durchs Land reisenden Autoren kann ich nach meinen Erfahrungen mit dem perfekt, freundlich und unkompliziert funktionierenden Dienst &#8220;Werliestwannwo.de&#8221; nur empfehlen, das Angebot zu nutzen. Der online-Kalender macht nicht nur Termine und Orte der Lesungen auf sehr &#252;bersichtliche Art &#246;ffentlich, er verlinkt auch auf bereits online gestellte Rezensionen zu den gelesenen B&#252;chern und zu blogs. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2224" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://blog.literaturwelt.de/wp-content/uploads/2010/08/wlww_logo_eckig_200x225px1.jpg"><img src="http://blog.literaturwelt.de/wp-content/uploads/2010/08/wlww_logo_eckig_200x225px1.jpg" alt="Logo des Kalenders f&#252;r Lesungen" title="Wer liest wann wo?" width="200" height="225" class="size-full wp-image-2224" /></a><p class="wp-caption-text">Autorentermine online planen</p></div><br />
Jedem durchs Land reisenden Autoren kann ich nach meinen Erfahrungen mit dem perfekt, freundlich und unkompliziert funktionierenden Dienst <a href="http://www.werliestwannwo.de/">&#8220;Werliestwannwo.de&#8221;</a> nur empfehlen, das Angebot zu nutzen. Der online-Kalender macht nicht nur Termine und Orte der Lesungen auf sehr &#252;bersichtliche Art &#246;ffentlich, er verlinkt auch auf bereits online gestellte Rezensionen zu den gelesenen B&#252;chern und zu blogs.<br />
Mir gef&#228;llt&#8217;s.</p>
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		<title>Richard Price: Cash</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 17:15:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Schröter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Krimi und doch viel mehr als ein Krimi &#8211; das ist &#8220;Cash&#8221; von Richard Price. Die New York Times hat das 2008 unter dem Titel &#8220;Lush Life&#8221; erschienene Original hoch gelobt. Es sei ein &#8220;emotional intensives Herzschlagportrait New Yorks und seiner Bewohner&#8221; &#8211; eine Einsch&#228;tzung, der man sich nur anschlie&#223;en kann. &#8220;Cash&#8221; bietet eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin-left: 1em;" title="Richard Price: »Cash«" src="http://schreirl.vs120129.hl-users.com/images/3100608100.jpg" alt="Richard Price »Cash«" width="155" height="244" align="right" />Ein Krimi und doch viel mehr als ein Krimi &#8211; das ist &#8220;Cash&#8221; von Richard Price.</p>
<p>Die New York Times hat das 2008 unter dem Titel &#8220;Lush Life&#8221; erschienene Original hoch gelobt. Es sei ein &#8220;emotional intensives Herzschlagportrait New Yorks und seiner Bewohner&#8221; &#8211; eine Einsch&#228;tzung, der man sich nur anschlie&#223;en kann. &#8220;Cash&#8221; bietet eine selten gelesene Genauigkeit von Gedankeng&#228;ngen und Dialogen. Fast f&#252;hlt man sich in einen Film in HD-Sch&#228;rfe &#252;ber das Kleinkriminellen- und Polizei-Milieu der Lower East Side in New York versetzt. Wer also einfach nur wissen will, wie dieser Teil der Welt tickt, kann diesen Thriller wie ein Sachbuch lesen.</p>
<p>Die Handlung: Drei M&#228;nner werden nachts &#252;berfallen. Als einer sich den beiden jugendlichen Angreifern entgegen stellt, wird er erschossen. Bei den Vernehmungen verstrickt sich eines der &#252;berlebenden Opfer, Titelheld Eric Cash, in Widerspr&#252;che, so dass er selbst unter Mordverdacht ger&#228;t. Die Polizei wei&#223; nicht, wem sie glauben soll und tappt lange im Dunkeln.</p>
<p>Die Kehrseite des Lobes: Genauigkeit braucht Platz. Und so kommt die Handlung nur schwer in Fahrt. Wenn sich die Vernehmungen im Kreis drehen, dreht sich der Leser mit. Auch taucht zu Anfang eine Vielzahl von Figuren auf, so dass man sich konzentrieren muss, um den &#220;berblick zu behalten. Doch wer diese M&#252;hen auf sich nimmt, wird mit einem intensiven und vielschichtigen Lesegenuss belohnt.</p>
<p>Richard Price (60) hat die Drehb&#252;cher zu so bekannten Kinofilmen wie &#8220;Die Farbe des Geldes&#8221; (Regie: Martin Scorsese) mit Paul Newman und Tom Cruise, &#8220;Sea of Love &#8211; Melodie des Todes&#8221; mit Al Pacino oder &#8220;Night and the City&#8221; mit Robert de Niro geschrieben.<br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
Richard Price: Cash.<br />
S. Fischer-Verlag, Mai 2010.<br />
528 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.</p>
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		<title>Joyce Carol Oates: Geheimnisse</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 14:18:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Schröter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Einen d&#252;steren, verst&#246;renden und schlicht gro&#223;artigen Bildungsroman hat die gro&#223;e alte Dame der amerikanischen Literatur, Joyce Carol Oates (71), vorgelegt. Einfach „Geheimnisse“ hei&#223;t er auf Deutsch und erz&#228;hlt die Geschichte einer Frau namens Rebecca, die erst in der Mitte ihres Lebens zu sich selbst findet. Geboren wird sie im Hafen von New York, nachdem ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin-left: 1em;" title="Joyce Carol Oates: »Geheimnisse«" src="http://schreirl.vs120129.hl-users.com/images/3100540085.jpg" alt="Joyce Carol Oates »Geheimnisse«" width="155" height="244" align="right" />Einen d&#252;steren, verst&#246;renden und schlicht gro&#223;artigen Bildungsroman hat die gro&#223;e alte Dame der amerikanischen Literatur, Joyce Carol Oates (71), vorgelegt.</p>
<p>Einfach „Geheimnisse“ hei&#223;t er auf Deutsch und erz&#228;hlt die Geschichte einer Frau namens Rebecca, die erst in der Mitte ihres Lebens zu sich selbst findet.</p>
<p>Geboren wird sie im Hafen von New York, nachdem ihre Eltern und Br&#252;der per Schiff aus Nazi-Deutschland gefl&#252;chtet sind. Doch die Familie wird in der Neuen Welt nicht gl&#252;cklich. Der Vater, der nur eine Anstellung als Totengr&#228;ber findet, f&#252;hlt sich gedem&#252;tigt und l&#228;sst seinen Zorn an der Familie aus. Schlie&#223;lich bringt er seine Frau und sich um.</p>
<p>Rebecca, inzwischen 13 Jahre alt, findet Unterschlupf bei ihrer ehemaligen Lehrerin – doch schon bald nimmt sie Rei&#223;aus vor deren<br />
Fr&#246;mmelei. Viel zu fr&#252;h heiratet sie einen gewaltt&#228;tigen Mann mit extremen Stimmungsschwankungen, der sie und ihren Sohn fast tot pr&#252;gelt.</p>
<p>Bis hierhin ist das Buch dramatisch und enorm spannend. Man bekommt es selbst als Leser mit der Angst zu tun, wenn ihr Vater, der Totengr&#228;ber, w&#252;tend Rebeccas Schulbildung verdammt oder sp&#228;ter Ehemann Niles Tignor betrunken nach Hause kommt. „Lauf weg, M&#228;dchen, lauf“, m&#246;chte man rufen. Das tut sie dann auch. Gemeinsam mit ihrem Sohn flieht sie vor dem pr&#252;gelnden Mann und erfindet sich schlie&#223;lich ganz neu &#8230;</p>
<p>„Geheimnisse“ ist nat&#252;rlich ein feministischer Roman, aber er dreht sich auch um Themen wie „Misstrauen gegen&#252;ber anderen Menschen“ oder Fragen wie „Kann man seiner Herkunft und Vergangenheit entfliehen?“</p>
<p>Wie schon in vielen anderen ihrer B&#252;cher (wie „Niagara“ 2007 oder „Ausgesetzt“ 2005) beweist Joyce Carol Oates auch in diesem Roman ein Gesp&#252;r f&#252;r Frauenfiguren, die man so schnell nicht vergisst. Immer ist das Handeln der Figuren psychologisch bis ins kleinste Detail nachvollziehbar, doch nie vergisst Oates auch eine Handlung voranzutreiben, die ihre B&#252;cher spannend macht.</p>
<p>„Geheimnisse“ hei&#223;t im Original „The Gravedigger’s Daughter“ und ist in Amerika bereits 2007 erschienen.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
Joyce Carol Oates: Geheimnisse.<br />
S. Fischer, April 2010.<br />
670 Seiten, Hardcover, 24,95 Euro.</p>
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		<title>Das Ruhrgebiet: Die Geschichte eines industriellen Ballungsraums</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 13:26:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmatern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lesebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrgebiet]]></category>

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		<description><![CDATA[Politisch eine Stadt und Region aufzurichten, ist ein m&#252;hesvolles Unterfangen. Um sie niederzustrecken, reichen oft wenige Handstreiche. Der vorzustellende Titel, ‘Das Ruhrgebiet. Ein historisches Lesebuch’, h&#228;tte im europ&#228;ischen Jahr der Kulturhauptstadt einen leichteren Start haben k&#246;nnen, wenn nicht am 24. Juli, w&#228;hrend der Loveparade, die Duisburger Katastrophe gesch&#228;hen w&#228;re. 21 Tote, &#252;ber 500 Schwerverletzte und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Politisch eine Stadt und Region aufzurichten, ist ein m&#252;hesvolles Unterfangen. Um sie niederzustrecken, reichen oft wenige Handstreiche. Der vorzustellende Titel, ‘Das Ruhrgebiet. Ein historisches Lesebuch’, h&#228;tte im europ&#228;ischen Jahr der Kulturhauptstadt einen leichteren Start haben k&#246;nnen, wenn nicht am 24. Juli, w&#228;hrend der Loveparade, die Duisburger Katastrophe gesch&#228;hen w&#228;re. 21 Tote, &#252;ber 500 Schwerverletzte und Veranstalter, denen nichts besseres einf&#228;llt, als sich eine juristisch relevante Schuld gegenseitig zuzuschieben. Obwohl die Stadt Duisburg f&#252;r die Genehmigung des Festes verantwortlich und an der Ausrichtung beteilgt war, werden politische Konsequenzen nicht gezogen. Als h&#228;tte es in Duisburg in den vergangenen Jahren keine politische Verantwortung gegeben. Neuesten Meldungen nach unterst&#252;tzt der Koalitionsparter (Die Gr&#252;nen) die Haltung der Stadt, um die gute Zusammenarbeit mit dem Oberb&#252;rgermeister Sauerland und der CDU nicht zu gef&#228;hrden.</p>
<p>Keineswegs blo&#223; aus solchen Gr&#252;nden f&#228;llt es schwer, von einer Metropole Ruhr zu sprechen. Das Ruhrgebiet hat keinen eigenst&#228;ndigen politischen Raum: Eine typische Metropole wie London verf&#252;gt &#252;ber solchen, eine Metropoleregion wie Berlin-Brandenburg enth&#228;lt zumindest eine Metropole. Das Ruhrgebiet hingegen besteht aus wesentlich kleineren St&#228;dten, die drei verschiedenen Regierungsbezirken zugeordnet sind und deren Regierungen alle au&#223;erhalb der Region liegen: in D&#252;sseldorf, M&#252;nster und Arnsberg. Die Kampagne der Ruhr.2010 GmbH ‘Metropole Ruhr’, die f&#252;r das Jahr der Kulturhauptstadt geschaffen wurde, ersch&#246;pft sich in einem Marketing ohne Produkt.</p>
<p>Dennoch handelt es sich um eine Region mit einer spannenden Geschichte. Seit dem Mittelalter wurde Kohle abgebaut, bis ins 19. Jhd. jedoch nur an der Oberfl&#228;che: in Form einer Kohlengr&#228;berei. Industrielle Nutzungen entstanden erst nach dem Import von englischen Dampfmaschinen und deren Weiterentwicklung. In zwei B&#228;nden zeichnen die Herausgeber und Autoren die Geschichte von einer landwirtschaftlich hin zu einer industiell gepr&#228;gten Region nach: auf insgesamt 1106 Seiten. Das Besondere der Publikation ist, dass die Quellentexte auszugsweise beigef&#252;gt sind. Der Wortlaut kann direkt nachgelesen werden. Dies macht die publizierten B&#228;nde zu reizvollen Schm&#246;kern, die nicht blo&#223; berichten, sondern Vergangenes nahr&#252;cken lassen.</p>
<p>Der erste Band beginnt mit der Er&#246;rterung der vorindustriellen Zeit, als die Region nur zwei St&#228;dte kannte, Duisburg und Dortmund. Die beschriebene Entwicklung reicht bis zur Weimarer Republik. Der zweite Band setzt mit der Er&#246;rterung der Weimarer Republik an und schreibt die Geschichte bis zu aktuellen Initiativen fort, die f&#252;r den Ballungsraum einen politischen Raum fordern, um ein gemeinschaftliches Handeln und Verantworten zu erm&#246;glichen, ebenso eine b&#252;rgerschaftliche Identifikation mit der Region. Eventuell sind einige Beitr&#228;ge in den B&#228;nden zu kurz geraten. Vielfach bleibt es bei Hinweisen auf Institutionen und Sachverhalte, denen ausf&#252;hrlichere Abschnitte h&#228;tten zukommen m&#252;ssen, um sie historisch besser einordnen zu k&#246;nnen. Einen &#220;berblick verschafft das an die breite &#214;ffentlichkeit gerichtete Lesebuch jedoch allemal, das seinen besonderen Charm aus den beigef&#252;gten Briefen, Artikeln und sogar Gedichten erh&#228;lt.</p>
<p>Reinhard Matern</p>
<p>Klaus Tenfelde / Thomas Urban (Hg.)<br />
Das Ruhrgebiet.<br />
Ein historisches Lesebuch,<br />
2 Bd. im Schuber, 1106 Seiten,<br />
Hardcover, zahlr. Abb., 44,- €,<br />
Klartext-Verlag, Essen,<br />
ISBN 987-3-8375-0286-2</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Praxisorientierung: Anfang oder Ende der Theoriebildung in der Angewandten Ethik?</title>
		<link>http://blog.literaturwelt.de/archiv/praxisorientierung-bedingung-oder-ende-der-theoriebildung-in-der-angewandten-ethik/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 16:27:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JosefBordat</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Sammelband „Praxis in der Ethik“ des TTN-Instituts behandelt ein bedeutendes und schwieriges methodologisches Problem der Moralphilosophie Ganz klar: Praxis ist erster und wichtigster Erm&#246;glichungsgrund von Theorie. Ohne praktische Probleme h&#228;tte es keinen Sinn, &#252;ber L&#246;sungen nachzudenken und diese in Theorien zu &#252;berf&#252;hren, die k&#252;nftig eben jene praktischen Probleme zu entsch&#228;rfen im Stande sein sollen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Sammelband „Praxis in der Ethik“ des TTN-Instituts behandelt ein bedeutendes und schwieriges methodologisches Problem der Moralphilosophie</em></p>
<p>Ganz klar: Praxis ist erster und wichtigster Erm&#246;glichungsgrund von Theorie. Ohne praktische Probleme h&#228;tte es keinen Sinn, &#252;ber L&#246;sungen nachzudenken und diese in Theorien zu &#252;berf&#252;hren, die k&#252;nftig eben jene praktischen Probleme zu entsch&#228;rfen im Stande sein sollen. Weit weniger klar: Welche Bedeutung haben diese praktischen Probleme im Prozess der Theoriebildung? Welche Bedeutung sollten sie haben? W&#228;hrend man also einerseits &#252;ber die Relevanz der Theorie f&#252;r die Praxis reflektieren kann (wobei auch entgegen dem Bew&#228;hrungsverm&#246;gen, das man selbst der eigenen Theorie zuspricht, die Praxis – oftmals leidvoll – die M&#228;ngel  der Theorie offenbart), kann man umgekehrt nach der Relevanz der Praxis f&#252;r die Theorie fragen.</p>
<p>Wie steht es etwa mit der Relevanz praktischer Erfahrung f&#252;r die Hypothesenbildung in der Philosophie? Hier ist die Disziplin als Geisteswissenschaft in einer Zwickm&#252;hle: Zuviel Praxis, die in Form empirischen Materials einflie&#223;t, bedroht ihre Eigenst&#228;ndigkeit, zu wenig Praxis tr&#228;gt ihr den Vorwurf ein, vom Elfenbeinturm aus nichts Brauchbares &#252;ber Welt und Wirklichkeit mitteilen zu k&#246;nnen. F&#252;r die Praktische Philosophie, also insbesondere die Ethik, ist klar, dass eine Praxisorientierung n&#246;tig ist, lebt sie doch von und aus der Praxis. Doch wie gro&#223; darf der Einfluss der Praxis sein, wie viel von dem, f&#252;r das man Theorien erdenkt, darf bei der Bildung dieser Theorien bereits mitgedacht sein? Wie l&#228;sst sich etwa in der Ethik der Fehlschluss vom Sein auf das Sollen vermeiden, ohne in eine Normativit&#228;t zu verfallen, denen der Mensch nicht gewachsen ist?</p>
<p>F&#252;r die Angewandte Ethik, die den Praxisbezug im Namen f&#252;hrt, ist nun das spezielle Problem, dass sie sich in ihrer Besonderung durch die Fokussierung einzelner Themenkomplexe (etwa Strafrecht, Technik oder Medizin) diese Schwierigkeit in gleichsam besonderer Weise einhandelt. Die Problematik wirkt so stark auf sie zur&#252;ck, dass ihr Selbstverst&#228;ndnis als praxisorientiert und wissenschaftlich ber&#252;hrt wird, denn in dem Ma&#223;e, in dem sich ethische Theorien zu speziell an praktischen F&#228;llen orientieren, entfernen sie sich von dem, was Philosophie stark macht: weitgehend allgemeing&#252;ltige Aussagen zu formulieren. Was bedeutet es also f&#252;r die Theoriebildung in der Angewandten Ethik, wenn man deren Gewicht am Eintrag praktischer Gegebenheiten bemisst? Und was bedeutet umgekehrt die Integration disziplinspezifischer Erfahrungen f&#252;r den Status der Angewandten Ethik als Wissenschaft, die sie schlie&#223;lich – aller Praxisorientierung zum Trotz – bleiben will? Wie entkommt die Angewandte Ethik dem Dilemma, entweder nichts praktisch oder aber nichts wissenschaftlich Relevantes auszusagen, weil ihr entweder an Praxiszuwendung oder aber an Theorier&#252;ckbindung mangelt?</p>
<p>In dem Sammelband „Praxis in der Ethik. Zur Methodenreflexion in der anwendungsorientierten Moralphilosophie“, herausgegeben von Michael Zichy und Herwig Grimm vom Institut „Technik Theologie Naturwissenschaften (TTN)“ der Ludwig-Maximilians-Universit&#228;t M&#252;nchen, nehmen sich namhafte Ethiker wie Julian Nida-R&#252;melin und Otfried H&#246;ffe sowie zahlreiche einschl&#228;gig ausgewiesene Philosophen und Theologen, die sich mit Anwendungsfragen der Ethik, aber auch mit methodologischen Fragen zum Verh&#228;ltnis von Theorie und Praxis in der angewandten Moralphilosophie besch&#228;ftigen, dieser wichtigen Fragestellung an.</p>
<p>Nachdem Grundlagen der Praxisorientierung reflektiert und dabei ziemlich einm&#252;tig die gro&#223;e Bedeutung von praktischen &#220;berzeugungs- und Orientierungssystemen f&#252;r die Ethik betont wurden, geht es um die Bedeutung empirischer Sachverhalte f&#252;r die Theoriebildung im Allgemeinen und um die Rolle von Theologie und Religion im Besonderen (z.B.: Wie wirkt sich Religiosit&#228;t als Paradigma praktischer Lebensorientierung auf ethische Diskurse aus?). Schlie&#223;lich wird dann wieder die Blickrichtung von der Theorie in die Praxis eingenommen und nach Bedingungen und M&#246;glichkeiten der praktischen Umsetzung theoretischer Anspr&#252;che gefragt, etwa am Beispiel der Umweltethik, die sich ihrem Wesen nach zwischen Grundlagenreflexion (Theorie) und Politikberatung (Praxis) verorten l&#228;sst.</p>
<p>Die Beitr&#228;ge machen deutlich, wie schwierig es ist, das Spannungsverh&#228;ltnis von Theorie und Praxis aufzul&#246;sen, wie wichtig es daher ist, durch methodologische und metatheoretische Reflexion tragf&#228;hige Strategien zur Abschw&#228;chung der negativen Effekte in beide Richtungen zu erarbeiten, um so zu einer angemessenen Ber&#252;cksichtigung praktischer Sachverhalte in theoretischen Ethik-Diskursen zu gelangen, ohne diese ganz vom wissenschaftlichen Anspruch auszunehmen. Die praktischen Eintr&#228;ge – die empirischen Daten, die pers&#246;nlichen Erfahrungen und zugeh&#246;rige Narrative – m&#252;ssen anschlussf&#228;hig an theoretische Postulate sein, um im ethischen Diskurs eine sinnvolle Erg&#228;nzung dazustellen. So m&#252;ssen partikulare Interessen von Betroffenenvereinigungen relativierend eingeordnet werden und Religionsvertreter ihre konfessionellen Positionen im Sinne praktischer Rationalit&#228;t argumentativ und nicht dogmatisch vortragen (was sie ja auch tun, so Friedemann Voigt in seinem interessanten Beitrag &#252;ber „Religion und Religionsvertreter in ethischen Diskursen und Kommissionen“ am Beispiel des „Nationalen Ethikrats“, Vorl&#228;ufer des „Deutschen Ethikrats“).</p>
<p>Das TTN-Institut legt insoweit ein wichtiges Buch vor, von dem jeder, der im dem spannungsreichen Feld der Angewandten Ethik t&#228;tig ist, Kenntnis nehmen sollte. </p>
<p>Bibliographische Daten:</p>
<p>Michael Zichy / Herwig Grimm (Hg.): Praxis in der Ethik. Zur Methodenreflexion in der anwendungsorientierten Moralphilosophie<br />
Berlin: De Gruyter (2008)<br />
407 Seiten, € 79,95<br />
ISBN: 9783110194746</p>
<p>Josef Bordat</p>
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		<title>Den Zug verpasst</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 10:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmatern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neue Ausgabe der Zeitschrift ‘Das Argument’ ist mit dem Thema ‘St&#228;rken von Frauen’ erschienen. Weil es in der gesellschaftlichen &#214;ffentlichkeit relativ still um geschlechter- und rollenspezifische Fragen geworden ist, bin ich neugierig geworden, ob eventuell &#252;ber neue Ans&#228;tze und Tendenzen gesprochen wird, die interessant, vielleicht sogar spannend sind. Nicht alle Beitr&#228;ge widmen sich dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die neue Ausgabe der Zeitschrift ‘Das Argument’ ist mit dem Thema ‘St&#228;rken von Frauen’ erschienen. Weil es in der gesellschaftlichen &#214;ffentlichkeit relativ still um geschlechter- und rollenspezifische Fragen geworden ist, bin ich neugierig geworden, ob eventuell &#252;ber neue Ans&#228;tze und Tendenzen gesprochen wird, die interessant, vielleicht sogar spannend sind. Nicht alle Beitr&#228;ge widmen sich dem ausgewiesenen Thema. Aktuelle politische Diskussionen &#252;ber Kindesmissbrauch und die europ&#228;ische Schuldenkrise finden ebenfalls ihren Niederschlag.</p>
<p>Es ist schwierig geworden, &#252;ber Frauen und M&#228;nner, &#252;ber ihre Rollen und ihr Rollenverst&#228;ndnis zu sprechen, ohne j&#252;ngere geschichtliche Entwicklungen einzubeziehen. Die Verhaltensweisen und Auffassungen &#228;nderten sich mit den Generationen, nachhaltiger mit der Ausweitung und Dominanz der Dienstleistungsbranche: Rollen wurden aufgebrochen, neue Rollen wurden in der durch Marketing gepr&#228;gten Popkultur gesucht, Rollen wurden generell als Laufstall abgelehnt, Verhalten wird den pers&#246;nlichen &#220;berzeugungen und jeweiligen Erfordernissen angepasst. Zu vermuten ist, dass die Frage nach den ‘St&#228;rken von Frauen’ von verschiedenen Generationen anders gestellt und aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen auch anders beantwortet wird.</p>
<p>Ein Blick auf die geschichtlichen, die j&#252;ngeren Generationen betreffenden Ver&#228;nderungen, wird in der marxistisch orientierten Zeitschrift nicht geboten. Frigga Haug sucht eine gleichsam abgeschiedene Antwort mit Bezug auf Rosa Luxemburg, Bert Brecht und der Ethnografie, prim&#228;r um ‘St&#228;rken’ zu finden, die f&#252;r eine Utopie n&#252;tzlich w&#228;ren. Andere Autorinnen und Autoren bereiten F&#228;lle auf, die entwicklungsgeschichtlich spezifisch sind, als solche aber kaum behandelt werden. Wichtiger scheint hingegen die Machtfrage zu sein. Susi Zornig rollt den prominenten Fall der protestantischen Bisch&#246;fin K&#228;&#223;mann auf, um der Frau vorzuwerfen, dass eine pers&#246;nliche Integrit&#228;t in politischen Zusammenh&#228;ngen durchaus nicht &#252;blich, vor allem aber unzweckm&#228;&#223;ig, deshalb verfehlt sei.</p>
<p>Dort wo man auf die Generationenfrage geradezu gesto&#223;en wird, im Fall einer ‘jungen’ Frau, Anfang 30, die beim Internationalen Gewerkschaftsbund f&#252;r die Umweltpolitik zust&#228;ndig geworden ist, reduziert sich die Neugierde auf biografische Details und den ‘historischen Moment’, die revolution&#228;re Perspektive: “Sie bringt Wissen und Leidenschaft f&#252;r die Umweltfrage in die Gewerkschaft in einem historischen Moment, da die Umweltbedrohung eine Revolutionierung gewerkschaftlicher Arbeit erfordert” (Nora R&#228;thzel: 357/358). Der auff&#228;llige hohe Anteil von Frauen in Gewerkschaften, die Umweltpolitik in verantwortlicher Position betreiben, wird zwar mit Erstaunen festgehalten, auch als hoffnungsvoll bewertet, dass sich jedoch grundlegende Ver&#228;nderungen auch unter Frauen ereignet haben, wird nicht weiter ber&#252;cksichtigt. Die Autorinnen suchen weiterhin nach Rollenorientierungen, ohne in Erfahrung zu bringen, f&#252;r wen sich die Frage heute so noch stellt.</p>
<p>Reinhard Matern</p>
<p>Das Argument 287<br />
Zeitschrift f&#252;r Philosophie<br />
und Sozialwissenschaften<br />
St&#228;rken von Frauen<br />
Heft 3/2010<br />
ISSN 0004-1157<br />
11,- Euro</p>
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		<title>Die Datenmaske des Buchagenten</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 22:49:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmatern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[&#220;ber Neuerscheinungen auf dem Laufenden zu bleiben, kann mitunter sehr viel Zeit kosten. Einen sehr speziellen Service hat Andre Schober bereitgestellt. Unter druckfrisches.de k&#246;nnen in einer Datenmaske Auswahlkriterien angeben, zudem eine Addy hinzuf&#252;gt werden, &#252;ber die man per Mail informiert werden m&#246;chte, sobald relevante Neuerscheinungen gemeldet werden. B&#252;cher lassen sich nach Stichworten, z.B. Genres, nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;ber Neuerscheinungen auf dem Laufenden zu bleiben, kann mitunter sehr viel Zeit kosten.<br />
Einen sehr speziellen Service hat Andre Schober bereitgestellt. Unter <a title="Druckfrisches" href="http://www.druckfrisches.de" target="_blank">druckfrisches.de</a> k&#246;nnen in einer Datenmaske Auswahlkriterien angeben, zudem eine Addy hinzuf&#252;gt werden, &#252;ber die man per Mail informiert werden m&#246;chte, sobald relevante Neuerscheinungen gemeldet werden. B&#252;cher lassen sich nach Stichworten, z.B. Genres, nach einem Verlag oder nach einem Autor selektieren, ebenfalls nach Sprache und Preis, zudem ist ein Shop w&#228;hlbar.</p>
<p>Die Maske hat aber keine Suchfunktion. Sobald man ohne Addy die Entertaste bet&#228;tigt, wird angezeigt, dass Eingaben fehlen. Will man etwas &#252;ber den Datenbestand erfahren, muss man die Katalogfunktion nutzen: Wie zu erwarten war, datieren die letzten Eintr&#228;ge in der Regel vom Fr&#252;hjahr 2010. Verlage publizieren viertelj&#228;hrlich, Ausnahmen gibt es im Bereich Technik. Erstaunt hat mich, dass pro Rubrik nur eine handvoll Titel angezeigt wird, mit dem Zusatz: die letzten Eintr&#228;ge. Unklar kann bleiben, weshalb es die Katalogfunktion &#252;berhaupt gibt. Anzunehmen ist, dass die Aktivierung von Rubriken f&#252;r den Mailservice gespeichert wird.</p>
<p>Wer sich f&#252;r Belletristik interessiert, f&#252;r Romane, Prosa, Lyrik und Essays, muss vermuten, dass sie im Katalog unter ‘Sonstige Belletristik’ fallen. Separat aufgef&#252;hrt sind hingegen ‘Science Fiction und Fantasy’, ebenso ‘M&#228;rchen und Erz&#228;hlungen’. Folgt Andre Schober einem Trend unter j&#252;ngeren, interentaffinen, medial verw&#246;hnten Leuten, bleibt allerdings fraglich, ob die Site, auf der die Datenmaske fast den gesamten Raum einnimmt, auch den &#228;sthetischen Bed&#252;rfnissen angepasst ist.</p>
<p>Die Besonderheit, die Andre Schober mit seiner Entwicklung bietet, ist der nach Autoren selektierbare Mailservice. Wenn man nicht wei&#223;, in welchem Verlag das neue Buch eines Autors erscheinen wird, ist eine solche Funktion hilfreich. Nicht alle Autoren unterhalten einen eigenen Service. Verlage hingegen informieren gerne. Weil auf den Datenbestand von Libri zugegriffen wird, sind jedoch nicht alle Informationen des Markts verf&#252;gbar. Nutzer m&#252;ssen im Vorfeld abkl&#228;ren, ob die von ihnen gew&#252;nschten Informationen lieferbar sind.</p>
<p>Reinhard Matern</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Gyde Callesens neue Lyrik: Das Ende vom Anfang?</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 07:27:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmatern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit ‘Flamingos am Abendfenster’ ist der inzwischen f&#252;nfte Gedichtband von Gyde Callesen erschienen. Ver&#246;ffentlicht wurde der Titel bei Wiesenburg, in der hauseigenen &#8216;LyrikEdition&#8217;, wie die vorherigen B&#228;nde auch. Die Autorin (Jg. 1975) zeigt sich mit ihren Gedichten routiniert, demonstriert Auseinandersetzungen mit der Tradition, wei&#223; auch eigene Akzente zu setzen. Sie st&#246;&#223;t mit ihren Gedichten aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit ‘Flamingos am Abendfenster’ ist der inzwischen f&#252;nfte Gedichtband von Gyde Callesen erschienen. Ver&#246;ffentlicht wurde der Titel bei Wiesenburg, in der hauseigenen &#8216;LyrikEdition&#8217;, wie die vorherigen B&#228;nde auch.</p>
<p>Die Autorin (Jg. 1975) zeigt sich mit ihren Gedichten routiniert, demonstriert Auseinandersetzungen mit der Tradition, wei&#223; auch eigene Akzente zu setzen. Sie st&#246;&#223;t mit ihren Gedichten aber keine T&#252;r auf. Man findet Ankl&#228;nge, die von der Sp&#228;tromantik &#8211; zu der ich auch eine Autorin wie Ingeborg Bachmann, einen Autor wie Thomas Kling rechne &#8211; bis hin zur Alltagslyrik reichen.</p>
<p>Besonderes Gewicht erhalten in den traditionell als ambitioniert geltenden Texten Worte wie ‘beginn’, ‘anfang’. Poetografisch (Logik w&#228;re fehl am Platz) beschreibt sie ihre Haltung, auch ihr Vorhaben:</p>
<p>beginn des beginns</p>
<p>lass uns die realit&#228;t<br />
der realit&#228;t zur&#252;ckgeben<br />
und die gespenster zu<br />
den gespenstern<br />
zur&#252;ckkehren lassen<br />
lass uns das Namenlose<br />
beim Namen nennen<br />
und das Unfassbare begreifen<br />
lass uns in den spiegel schauen<br />
dessen bilder wahr sind</p>
<p>Der formulierte Anspruch orientiert sich an &#220;berbauten, wie sie in der j&#252;ngeren lyrischen Tradition immer mal wieder formuliert worden sind. Aber unspektakul&#228;r, gleichsam ordnend, als gelte es, den nicht selten aufgedunsenen Unget&#252;men ein Ende zu bereiten, wenn nicht im Schluss das W&#246;rtchen ‘wahr’ ins Bild fiele. Zu der angef&#252;hrten Haltung fehlt aber noch eine Besonderheit: Die Trauer.</p>
<p>reif</p>
<p>nimm die trauer<br />
trage sie hinter die worte<br />
neben die klarheit<br />
auf die gelassenheit<br />
und gib sie<br />
dem anfang zur&#252;ck</p>
<p>Der Kontext l&#228;sst diese Emotion jedoch kaum sp&#252;ren. Die Worte ‘Klarheit’ und ‘Gelassenheit’ sind abstrakt. Lediglich der Versbau vermittelt noch so etwas wie Bewegung. Schade, dass eine greifbare Geschichte zu diesem, in der modernen Lyrik nicht untypischen, Allgemeinplatz fehlt. Als h&#228;tte die Autorin diesen Mangel gesp&#252;rt, erl&#228;utert sie auch diesen Sachverhalt: &#220;ber die Er&#246;rterung von Sprache, und jetzt wird es spannend, kommt die vorenthaltene Geschichte zum Tragen:</p>
<p>wenn du</p>
<p>wenn du da gewesen w&#228;rest<br />
h&#228;tte ich dir meine geschichten erz&#228;hlt<br />
h&#228;tte mit dir das tr&#228;ume steigen lassen ge&#252;bt<br />
h&#228;tte mich an dich gelehnt<br />
und von anf&#228;ngen geredet<br />
und nicht gefragt<br />
h&#228;tte ich dich<br />
wenn du da gewesen w&#228;rest<br />
h&#228;tte ich nicht geschrieben<br />
was ich getan h&#228;tte<br />
wenn du da gewesen w&#228;rest</p>
<p>Auch in diesem Gedicht wird der &#220;berbau weiterentwickelt: In einem allgemein beschriebenen Verh&#228;ltnis von Leben und  Literatur. Doch dies hervorzuheben, w&#252;rde lediglich die Routine, das Abhaken eines weiteren Parameters betonen, der tausendfach verb&#252;rgt ist und blo&#223; noch langweilen kann. Entscheidend ist f&#252;r mich vielmehr, dass Callesen, eventuell nicht einmal beabsichtigt, das Ende vom Anfang zum Ausdruck bringt. Sie demonstriert bespielhaft, wie es zur sprachlichen Leere der modernen Lyrik kommen kann. Zu hoffen und zu w&#252;nschen bleibt, dass sie eine T&#252;r findet, durch die ihre ausgehungert wirkenden &#8216;Flamingos&#8217; ins Freie gelangen.</p>
<p>Reinhard Matern</p>
<p>Callesen, Gyde<br />
Flamingos am Abendfenster<br />
Gedichte<br />
119 Seiten<br />
Wiesenburg Verlag<br />
ISBN-Nr.978-3-942063-48-7<br />
Preis: 16,80 €</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine globale Herausforderung</title>
		<link>http://blog.literaturwelt.de/archiv/eine-globale-herausforderung/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 16:30:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JosefBordat</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Hennicke und Susanne Bodach erkl&#228;ren, wie die Energiefrage positiv beantwortet werden kann Um den Herausforderungen, denen sich die Welt angesichts des Klimawandels ausgesetzt sieht, n&#228;mlich immer mehr Menschen mit immer weniger Aufwand an nat&#252;rlichen Rohstoffen Nahrung, Kleidung, Wohnung und Arbeit zu beschaffen, in wirtschaftlich und sozial vertretbarer Weise nachzukommen, aber auch aufgrund der seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Peter Hennicke und Susanne Bodach erkl&#228;ren, wie die Energiefrage positiv beantwortet werden kann<br />
</em></p>
<p>Um den Herausforderungen, denen sich die Welt angesichts des Klimawandels ausgesetzt sieht, n&#228;mlich immer mehr Menschen mit immer weniger Aufwand an nat&#252;rlichen Rohstoffen Nahrung, Kleidung, Wohnung und Arbeit zu beschaffen, in wirtschaftlich und sozial vertretbarer Weise nachzukommen, aber auch aufgrund der seit langem bekannten Endlichkeit fossiler Brennstoffe, bedarf es einer Wende hin zu erneuerbaren Energietr&#228;gern. Die Energiethematik ist der Schl&#252;ssel zu einem wirksamen und nachhaltigen Klima- und Ressourcenschutz. Diese These, die nicht ganz neu ist, wird in dem Buch „Energierevolution“ aufgegriffen und ausf&#252;hrlich begr&#252;ndet. Die Autoren, Peter Hennicke, ehemals Pr&#228;sident des renommierten „Wuppertal Instituts f&#252;r Klima, Umwelt und Energie“, und die Architektin Susanne Bodach, die ihre Expertise zu Energiefragen in Schwellen- und Entwicklungsl&#228;ndern in die Arbeit des Wuppertal Instituts einbringt, werfen (zusammen mit ihren Kollegen Nikolaus Supersberger und Dorle Riechert) einen Blick auf die „postkarbone Gesellschaft“, in der anders gewirtschaftet wird als heute: nachhaltig, effizient und an den „wahren Kosten“ orientiert, was bedeutet, dass die Umweltbelastungen und andere „Nebeneffekte“ eingepreist werden (Internalisierung externer Kosten durch Steuern bzw. Abgaben).</p>
<p>Den n&#246;tigen Ver&#228;nderungen hin zu dieser Wirtschaftsweise das Attribut „revolution&#228;r“ anzuheften, wie dies die Autoren tun, ist wohl eher der Bedeutung der Aufgabe geschuldet als der Art und Weise, wie diese zu bew&#228;ltigen ist. Hennicke und Bodach zeigen denn auch in didaktisch getakteten Schritten, gest&#252;tzt von (nicht immer ganz aktuellem) Datenmaterial, das in &#252;bersichtlichen Graphiken angeboten wird, und unter Einbeziehung vieler technischer Einzelheiten, dennoch stets um Stringenz und Nachvollziehbarkeit bem&#252;ht und ohne sich zu sehr im Detail zu verlieren, dass der ganz gro&#223;e Umbruch ausbleiben kann, wenn in den n&#228;chsten Jahren ein geordneter Wandel vollzogen wird. Allerdings m&#252;ssen dazu bald die Weichen gestellt werden, denn: „Der Menschheit verbleiben nur noch etwa ein, maximal anderthalb Jahrzehnte kostbarer Zeit, ganz energisch durch forcierte Markteinf&#252;hrung der erneuerbaren Energien auf einen klimavertr&#228;glicheren und ressourcensparenden Kurs umzusteuern.“ (S. 144)</p>
<p>Die f&#252;r diesen Kurs n&#246;tige Bewusstseins&#228;nderung anzuregen, ist ein wichtiges Anliegen des Buches. In der Tat nehmen sich die Autoren g&#228;ngiger Bef&#252;rchtungen an und erkl&#228;ren mit ihrer Erneuerbarkeits-Effizienz-Formel vieles f&#252;r obsolet, was den Verbraucher umtreibt. Ihre Vision des „sanften Pfades“ macht klar: Niemand muss auf basale Annehmlichkeiten verzichten, denn Effizienzsteigerungen &#252;berlagern die durch Konsumverzicht zu erzielenden Spareffekte um ein Vielfaches. Niemand muss f&#252;rchten, dass wir irgendwann auf dem Trockenen sitzen, denn die erneuerbaren Energien k&#246;nnen weite Bereiche der Versorgung &#252;bernehmen. Niemand muss meinen, dem Klimaschutz werde unsere erfolgreiche Wirtschaftsform geopfert, ist diese doch gerade der Garant f&#252;r die Implementierung von Technologien der Nachhaltigkeit in die Energiem&#228;rkte der Zukunft.</p>
<p>Hennicke und Bodach verbinden die „Zwei-Grad-Welt“ (gemeint ist eine globale Wirtschaftsorganisation, die den Kohlenstoffdioxid-Aussto&#223; derart in Grenzen h&#228;lt, dass die Temperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts im Mittel „nur“ um maximal 2 Grad ansteigt) mit der „2000-Watt-Gesellschaft“. Auf diesen Wert lasse sich der Pro-Kopf-Verbrauch Dank „markant verbesserter Energie- und Ressourceneffizienz“ und „ohne Einbu&#223;en von Wohlstand“ reduzieren (S. 55). Im Moment sind es in den Industrienationen etwa 6000 Watt, die jeder Mensch j&#228;hrlich beansprucht.</p>
<p>Da Energieversorgung und Klimaschutz globale Themen sind, gehen die Autoren zu Recht sehr ausf&#252;hrlich auf die Lage in den Schwellen- und Entwicklungsl&#228;ndern ein.</p>
<p>Hier sind gew&#246;hnlich die Sorgen am gr&#246;&#223;ten. Wie nur sollen die „Armen“, die 80 Prozent der Weltbev&#246;lkerung ausmachen, die Umstellung auf den „sanften Pfad“ leisten? Und was ist mit den „Neureichen“ wie China und Indien, Brasilien und Mexiko, Argentinien und S&#252;dafrika, die alle gerade dabei sind, in den Genuss des ressourcenintensiven Wohlstands zu kommen – sollen sie nun verzichten, damit die Welt nicht an den Folgen unserer nunmehr schon 200 Jahre andauernden modernen Lebensweise zugrunde geht? Mit welchem Recht sollten wir diesen Regionen die lang ersehnte Industrialisierung nehmen wollen? Was, wenn die, die heute einige hundert Watt pro Kopf und Jahr verbrauchen, auf unsere Werte kommen? Hennicke und Bodach zeigen, dass dies die falschen Fragen sind, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgehen. Die L&#246;sung liege, so die Autoren, gerade darin, dass diese ressourcenintensive Industrialisierung nicht n&#246;tig sei, weil die ganze Welt, also auch die immer noch oder ehemals „Armen“ vom technischen Fortschritt profitieren k&#246;nnen. Diese sogar, ohne Lehrgeld zu zahlen: Die Entwicklungsl&#228;nder m&#252;ssen nicht erst alle Stadien der Industrialisierung durchlaufen (im Klartext: unsere Fehler wiederholen), sie k&#246;nnen die fossile &#196;ra einfach &#252;berspringen und gleich den „sanften Pfad“ effizienter und erneuerbarer Energien einschlagen. „Leapfrogging“ hei&#223;t das Zauberwort. Und es klingt &#252;berzeugend, wenn man es sich an einfachen Beispielen vor Augen f&#252;hrt, etwa an der Substitution der aufw&#228;ndigen Festnetz-Telephonie durch das Handy. Die Technik ist da, und wenn sie da ist, dann ist sie im Zeitalter der Globalisierung f&#252;r alle da. Durch „Leapfrogging“ steigt der „Energiekonsum“ eines Inders eben nicht auf die 6000 Watt eines Deutschen Anno 2010, sondern auf die 2000 Watt des Bewohners der zuk&#252;nftigen Postkarbon-Gesellschaft. Hennicke und Bodach f&#252;hren das mit einer Selbstverst&#228;ndlichkeit vor, dass man sich fragt, warum sich eigentlich so viele Menschen &#252;berhaupt Sorgen machen. So ganz &#252;berzeugen kann die Rechnung am Ende aber eben doch nicht, denn: Wenn von 100 Menschen heute 20 jeweils 6000 Watt pro Kopf und Jahr verbrauchen und 80 jeweils 500 Watt, dann sind das 160.000 Watt. K&#252;nftig werden es (idealiter) 200.000 Watt sein. Die ben&#246;tigte Steigerung von 25 Prozent muss durch h&#246;here Effizienz kompensiert werden. Das wird schwer. Alle Sorgenfalten werden auch durch „Leapfrogging“ nicht gegl&#228;ttet.</p>
<p>Dennoch: Die Autoren verweisen auf die richtigen und wichtigen Aspekte einer Zukunft, die sich dem &#246;kologischen Umbau verschreibt, ohne die &#246;konomischen Gegebenheiten zu vergessen. Das macht die Darstellung zu einer sehr gelungenen und empfehlenswerten. Eine kurze, &#252;bersichtliche Auflistung thematisch einschl&#228;giger regionaler und globaler Institutionen sowie ein n&#252;tzliches Glossar runden das gut lesbare Buch ab.</p>
<p>Schlie&#223;lich bleibt zu hoffen, was die Autoren in ihrem Fazit diagnostizieren, dass sich n&#228;mlich „die Chancen f&#252;r den sanften Pfad [...] erh&#246;ht haben“ (S. 197). Dass dieser ein essentieller Teil einer globalen Klimaschutzarchitektur ist, machen sie deutlich. Ebenso die Zusammenh&#228;nge von Klima und Umwelt mit Fragen der Ern&#228;hrung und des wirtschaftlichen Fortschritts sowie mit Aspekten regionaler Stabilit&#228;t und globaler Sicherheit. Insoweit haben Peter Hennicke und Susanne Bodach nicht nur einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zur Bewusstseins&#228;nderung im Hinblick auf die Bew&#228;ltigung des Energieproblems unserer Zeit geleistet, sondern dar&#252;ber hinaus auch verdeutlicht, dass jede Ma&#223;nahme, die in diesem Sinne f&#252;r erneuerbare, effiziente Energien getroffen wird, der Entwicklung und dem Frieden dient.</p>
<p>Peter Hennicke / Susanne Bodach: Energierevolution. Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien als neue globale Herausforderung<br />
M&#252;nchen: oekom verlag (2010)<br />
221 Seiten, 19,90 EUR<br />
ISBN-13: 978-3-86581-205-6</p>
<p>Josef Bordat</p>
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