Mittwoch, 23.11.2005 | 12:14 Uhr

Autor: andreaffm

Verbesserungsvorschlag

[Fragen, die aufkahmen, als neulich auf der Rückfahrt der Akku meines iPod leer war]

In jedem Zug gibt es Raucherabteile, in denen man ungestört rauchen kann. Wann führt die Bahn eigentlich Leseabteile ein, in denen man ungestört lesen kann?

Müssen krakeelende Kleinkinder, rabaukende Rentner, brüllende Mobiltelefonierer wirklich immer und überall ihre Existenzberechtigung haben? Muß ich mir anhören, was die Abteilnachbarin mit ihrer Familie zu Weihnachten bastelt? Müssen die beiden Freundinnen ihre jeweiligen Beziehungskrisen jetzt unbedingt hier im Abteil besprechen, wenn ich und drei andere gerade lieber lesen würden?

Oder dürfen wir nicht lesen wollen, weil das hier ja ein Zug ist und keine Bibliothek? Und auch kein Arbeitsplatz, klar. Aber was soll ich machen – drei Stunden vor mich hinstarren? So wie der Mann gegenüber schon seit einer halben Stunde voller Verzweiflung auf die eine Seite seiner Goethe-Biographie [sic!] starrt ohne umzublättern?

Darf man Ruhe fordern? Darf man sagen: „Also wie Sie sehen, will die Mehrheit hier im Abteil lesen. Wenn Sie ihre Strohsternmethodik bitte auf dem Gang weiter diskutieren mögen?“ Darf man das? Ist das demokratisch oder verbohrt? Oder zu was macht einen das dann?

Alle diese Fragen könnte die Bahn ganz einfach beantworten. Mit der Einführung von Leseabteilen nämlich.

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7 Kommentare

  1. Gero Says:

    Nunja, zumindest in einigen ICEs gibt es Ruhe-Abteile, die entsprechend gekennzeichnet sind. Ob sich die Leute daran halten, ist natürlich eine andere Geschichte.

    Ich hätte neulich während einer Bahnfahrt einen Massenmord an Eltern und Kindern verübt, da diese lauhals rumschrien, ohne dass die Eltern etwas gesagt haben. Ich bin dann immer froh, dass ich Kopfhörer mit aktiver Geräuschdämpfung habe. Das kann ich dir nur empfehlen. Du musst sie nur aufsetzen und nicht unbedingt Musik hören.

    Die meisten Leute glauben, dass man Störungen in der Öffentlichkeit hinnehmen muss und normals sind. Wenn man dann was sagt, wird man komisch angeschaut.

    Den krassesten Fall habe ich im Kino bei Castway (Verschollen) mit Tom Hanks erlebt. Da im ersten Teil dieses Films kaum geredet wird, hielten dies einige MTV-Lärmbedulten Leute wohl nicht aus und begannen den Film nachzuerzählen, als wäre der Sitznachbar blind („Schau mal, was er jetzt macht…“).

    Ich habe mich umgedreht und bemerkt, dass der Film diese Kommentarspur nicht benötigt und man möge doch bitte ruhig sein.

    Antwort: „Wenn Sie in Ruhe einen Film sehen wollen, dann dürfen Sie halt nicht ins Kino gehen.“

    Aaaaaaah!

  2. Mike Says:

    Es gitb ja die so genannten Ruheabteile, kann man sich bei der Sitzplatzreservierung explizit aussuchen. Da soll nicht telefoniert, nicht auf Notebooks eingehackt und nicht geschrien werden. Eignet sich also eigentlich ideal zum Lesen.

    Leider interessiert das den größten Teil der Mitreisenden nicht und die Zugbegleiter kommen hier Ihrer Verantwortung leiter sehr selten nach…

  3. ju Says:

    Mein persönlicher Albtraum war ein Flug nach San Francisco, 11 Stunden, mit Mama, Papa und 2 Kleinkindern direkt hinter mir. Die zwei Kurzen mussten sich einen Sitz teilen und schrien und tobten dementsprechend die gesamten 11 Stunden ohne Unterlass im Schrillbereich überm hohen E. Die Eltern hatten nicht ein einziges Spielzeug dabei, aber an ihr Ohropax und ihre Kofphörer gedacht. Die hatten sie jeweils auf und ignorierten die SChlacht, die neben ihnen tobte. Die Flightcrew wechselte sich in der Zuständigkeit in dem Teil der Kabine ab, um sicher zu gehen, dass sie nicht doch irgendwann ausfallend wurden. Jede anwesende Frau mit Kinderwunsch beerdigte diesen alsbald für immer. Nur meine political correctness hielt mich ab, die Kinder anzuspornen, doch bitte draußen spielen zu gehen.
    Du hast mein Mitgefühl.

  4. Oliver Gassner Says:

    Ja, Kinder sind echt schrecklich. Hier wohnen sogar welche. Ich sag euch. Meist haben wir sie nicht sediert und von Elektroschocks nehmen wir Abstand. Blasenkatheder sind noch in der Diskussion.

    Man müsste ne Stelle schaffen, wo man melden kann, dass man seine Rente mal nicht von Leuten bezahlt haben will, die mal Kinder waren.

    Ich nehm mir im Zug (auch bei 6+ Stunden) immer was zu lesen mit… und unterhalte mich dann mit Menschen. Und wenn’s ruhig ist… lese ich.

    Aber diese geräuschdämpfenden Kopfhörer sind wohl echt gut. Nur: Nicht billig. Für das Geld kriegt man auch 1-2 iPod Nanos ;-).

    Aber ich war als Kind auch relativ geräuschneutral 😉 Ich hab gelesen… (Mal so intensiv, dass ich in einem Schuhladen einfach zurückgelassen wurde. Das war ‚Kleiner König Kalle Wirsch‘. ich blickte auf und Mutter und Oma waren wech.)

    Meien Mutter hat sich nur 1* über Lärm beschwert: Als ich vor der Abi-Abschlussfeier das ganze Haus mit ‚Scare du printemps‘ vion Stravinski beschallt habe 😉 (AC/DC hab ich immer gehört, wenn ich allein zu Hause war 😉 )

  5. Regula Erni Says:

    Weisst du, man kann sich im Zug auch mit andern Menschen unterhalten. Oder aufgeregte Kids mit Geschichten beruhigen. Warst du immer artig? Hast du nie gequengelt? – Nichts für ungut, aber Kids sind nun mal Kids…

  6. andreaffm Says:

    das war mir ja jetzt fast klar. ich rede von krakeelenden Kleinkindern, rabaukenden Rentnern und brüllenden Mobiltelefonierern – und niemand wirft mir Rentner- oder Mobiltelefoniererfeindlichkeit vor. dabei werden wir alle mal alt.

  7. Oliver Gassner Says:

    Naja, sobald die, die wissen, was die Eltern genau hätten sagen/machen sollen, Eltern sind, machen sie es uns dann vor, wie man bei einer mehrstündigen Zugfahrt und auch sonst Kids kontrolliert. *g* Ich bleibe gespannt ;-). (Das Bedienungshandbuch sagt übrigens: Belohnungen in Aussicht stellen sei besser als Drohen.)

    Wie man Rentner oder Mobiltelefonierer kontrolliert, weiß ich auch nicht. Ggf. mit dem Spruch „Stört es Sie, wenn ich lese, während Sie telefonieren/ihre Krankheiten aufzählen?“

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