Sonntag, 30.03.2008 | 13:08 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Tom Rob Smith: Kind 44

Tom Rob Smith: »Kind 44«Ein Debütant hat es in die Top 20 der deutschen Bestsellerliste geschafft. Tom Rob Smith (29) mit seinem Erstling „Kind 44“. Der Erfolg ist gerechfertigt: Dieser Thriller ist atemberaubend und von einer unglaublichen atmosphärischen Dichte.

Das 500-Seiten-Buch entführt uns ins finstere Russland im Jahr 1953. Der Stalinismus hat kurz vor seinem Ende den Höhepunkt erreicht. Denunziationen sind an der Tagesordnung, tausende unschuldige Sowjetbürger werden verhaftet, gefoltert, in Arbeitslager mit unmenschlichen Bedingungen (den Gulags) geschickt oder gleich exekutiert. Einer der Handlanger dieses grausamen Systems ist der Staatssicherheits-Offizier Leo. Erst als er einen unschuldigen Tierarzt festnimmt, der daraufhin hingerichtet wird, beginnt er an seinem Tun zu zweifeln. Das verstärkt sich durch eine Mordserie an Kindern, die vom Staat totgeschwiegen wird, weil es im Kommunismus offiziell keine Verbrechen gibt. Leo beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und gerät gemeinsam mit seiner Familie selbst ins Fadenkreuz des Staatssicherheits-Apparates.

Tom Rob Smith, der bislang als Drehbuchautor für Soap Operas gearbeitet hat, ist ein hervorragend recherchierter Thriller gelungen, der nicht nur von seiner enormen Spannung lebt, sondern dem Leser sehr anschaulich die deprimierenden Lebensverhältnisse vieler Russen vor 50 Jahren veranschaulicht. Man meint, beim Lesen die Kälte – der Roman spielt im Winter -, die ständige Angst vor Verhaftungen, die Armut und die allgemeine Tristesse zu spüren.

Der Kriminalfall geht auf eine wahre Begebenheit zurück: Ein gewisser Andrej Tschikatilo hat ab 1978 mindestens 53 Menschen ermordet. Die Ermittlungen führten – wie im Roman – lange nicht zum Erfolg, weil die Taten keinem Einzeltäter zugeordnet wurden. Obwohl diese reale Mordserie erst 25 Jahre später begann, hat Tom Rob Smith viele Motive daraus übernommen. Wer einen richtig spannenden Thriller lesen und dazu etwas über das Russland der 50er-Jahre erfahren möchte, der sollte „Kind 44“ lesen.

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Tom Rob Smith: Kind 44.
Dumont, Januar 2008.
512 Seiten, Hardcover, 19,90 Euro.

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Ein Kommentar

  1. Ferdinand Says:

    Kind 44 – spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Auch wenn die Lösung ein wenig flach ausfällt, bleibt das Buch insgesamt eine lohnende Lektüre

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