Freitag, 03.04.2009 | 16:16 Uhr

Autor: Andreas Schneider

Rezension: Sarah Schmidt – Bad Dates (Verbrecher Verlag)

Sarah Schmidt - Bad Dates (Verbrecher Verlag)(Von Elisabeth Pratscher) Sarah Schmidt wurde 1965 geboren und lebt heute in Berlin. Mit dem Schreiben begann sie 1995 weil sie wie ihre Freunde, die Selbstverfasstes in einer Bar vorlasen, auf der Bühne stehen wollte. Daraus entstand für die Autorin ein Beruf, sie veröffentlichte in Zeitschriften und Anthologien und hat seit 2005 eine Kolumne auf der Berliner Sportseite der TAZ „Sarah BSC“. 2004 erschien im Verbrecher Verlag ihr erster Roman, „Dann machen wir’s uns eben selber“. Derzeit arbeitet Sarah Schmidt an ihrem zweiten Roman mit dem Arbeitstitel „Schwindel“.

Ohne auch nur ein Wort vom Inhalt gelesen zu haben war ich bereits amüsiert: Farbe und Format des Buches ähneln leicht den juristischen Taschenkommentaren des Manz-Verlages. Und das vom Verbrecher-Verlag. Entzückend, auch wenn ich kaum Absicht dahinter vermute.

Der Titel klingt nach Chicklit. Das ist es natürlich nicht, und schon gar kein Buch, das auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist. „Bad Dates“ ist eine Sammlung kurzer Geschichten mit echtem Humor und richtigem Leben. Es werden Alltagserlebnisse, die jeder kennt, verarbeitet, wie etwa Handwerker in der Wohnung („Ich habe Hausstaub“), Typisches, wenn eine Frau allein ausgeht „Mann, Frau, Tresen“, die Kleidung im Frühling („Frühling – hört nicht auf“), das Verhalten von Pärchen in Restaurants („Pilze in der Bergmannstraße“) oder die köstliche Geschichte über die Fernsehshow „Traumhochzeit“ („Meine schönste Hochzeit“). Der Leser erfährt allerdings auch Dinge aus dem Leben von Autoren, zB „Auch das noch“ über eine Lesung in einer Spelunke oder „20 Jahre später – dasselbe Problem“ über Schreibanregungen. Nicht so alltäglich wird es, wenn Schmidt von „Lando“ erzählt, von Barrikaden und Hausbesetzungen.

Sämtliche Geschichten erscheinen sehr persönlich, klingen nach Selbsterlebten und authentisch. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass die Ich-Erzählerin ebenfalls Sarah Schmidt heißt und Details mit der Biographie der Autorin übereinstimmen. Nach der erlebten Realität hinter diesen Texten zu fahnden würde ihnen aber nicht gerecht. Sie sind witzig, komisch, traurig, bissig, manchmal zornig, ironisch und vor allem sehr pointiert. Die Geschichten funktionieren bestens, warum sollte es mich interessieren, ob die Autorin etwas selbst erlebt oder nur genau beobachtet und gut erfunden hat?

Die Sprache ist trocken, betont schlicht, beinahe so, als würden Anekdoten im Freundeskreis erzählt. Die Schwierigkeit ist es, bei dieser Erzählweise weder künstlich noch schlampig zu werden. Sarah Schmidts Texte klingen natürlich und leicht.

Fazit: frische, spritzige Erzählungen die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Erstveröffentlichung in Das Wortreich am 29.03.09
® Elisabeth Pratscher (2009) für Das Wortreich

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