Donnerstag, 28.09.2006 | 12:12 Uhr

Autor: Christoph Mann

Polina Daschkowa erhält Radio-Bremen-Krimipreis

„Werd noch ein bischen erwachsen, und dann wirst du eine berühmte Prosaschreiberin“
– so sagte einmal ein Freund zu der 1960 geborenen, noch an lyrischen Zeilen schleifenden Polina Daschkowa während ihres Literatur-Studiums am Moskauer Gorki-Institut.
Und recht hat er gehabt, der Freund.
Die Dame wurde 37 Jahre alt, fühlte sich endlich groß genug und schrieb 1997 ihren ersten Kriminalroman. Kurz danach sah sie die Menschen in der Bahn und auf dem Markt ihr Buch lesen, freute sich schockiert darüber und – tatsächlich, über Nacht war sie zu einer Berühmtheit geworden. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2006 und Frau Daschkowa hat mit ihren bisher 11 Romanen die phänomenale Auflage von 50 Millionen Exemplaren erreicht, was bedeutet, dass einer von hundert Erdenbürger einen Mordfall aus ihrer Phantasie im Regal stehen hat.

Kriminalromane nennt man in Russland „detektivi“ und sie gelten dort nicht gerade als „hohe“ Literatur, doch Daschkowas Kunst, allerlei bunte Menschen in die Kriminalfälle einzubinden und dabei deren Lebensgeschichte ebenso spannend wie tiefgehend zu erzählen, brachte ihr den Ruf ein, die beste Darstellerin des „neuen Russlands“ zu sein. So führt sie unter dem Dach eines Kriminalfalles Menschen aus allen Lagen der nachsozialistischen Sozialstruktur zusammen: Klein- und Großgangster, erfolgreiche Fernsehmoderatoren, ehemalige Parteibonzen, Miliziönäre, Prostituierte, skrupellose Geschäftsmänner, gescheiterte und verschuldete Geldjäger und viele mehr.

In ihrem eleganten, modernen Stil drängt sie diese Personen und deren Lebenslagen liebevoll aber unnachgiebig in komplexe, spannende Geschichten, so daß alleine die Neugier auf das Ende dazu antreibt, sich mit dem Schicksal gebrochener Opfer einer Modernisierung Russlands zu beschäftigen.

So bleibt Polina Daschkowa eine Kriminalautorin, aber eine, deren Krimis bei hochgradiger Spannung auch Hintergründe aufzeigen und Einblicke in vielerlei nicht immer angenehme Lebenswelten bieten. Wohl deswegen erhielt sie den Krimipreis 2006 von Radio Bremen im Zuge des Krimifestivals „Morden im Norden“ und „PrimeTime-CrimeTime 9“ in Bremen am 20. September 2006. Infos und ein Autorenportrait gibts auf der Radio-Bremen-Homepage.

Der Aufbau Verlag hat bisher unter Hilfe von drei Übersetzern (Ganna-Maria Braungardt, Margret Fieseler, Helmut Ettinger) 8 ihrer Romane auch dem deutschen Krimifan zugänglich gemacht:

2001 Die leichten Schritte des Wahnsinns
2002 Club Kalaschnikow
2003 Russische Orchidee
2004 Für Nikita
2004 Nr. 5 hat keine Chance
2004 Lenas Flucht
2005 Du wirst mich nie verraten
2006 Keiner wird weinen

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Ein Kommentar

  1. Literatur aus Russland Says:

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