Freitag, 19.09.2008 | 08:55 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Peter Cameron: Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist

Peter Cameron: »Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist«Als „Fänger im Roggen des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet der Knaus-Verlag Peter Camerons neuestes Werk „Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist“. Und in der Tat: Parallelen sind da. Hier wie dort geht es um einen Jugendlichen, der mit seiner Umwelt nicht klar kommt, der einen Lebensweg sucht fernab vom Stumpfsinn seiner Mitschüler und der Dekadenz der Erwachsenenwelt. Nicht selten aber stehen beide junge Helden sich dabei vor allem selbst im Weg.

In Camerons Buch ist es der 18-jährige Ich-Erzähler James, der gleichermaßen wenig mit seiner bereits zum dritten Mal geschiedenen Mutter, seiner oberflächlichen Schwester und seinem eitlen Vater anfangen kann. Die ganze in Manhattan lebende Familie redet mehr mit dem Hund Miró als miteinander. Auf der Schwelle zwischen Schule und Uni weiß James nicht, wohin die Reise geht. Auf die Uni will er nicht, weil er glaubt, die anderen Studenten nicht ertragen zu können. Aber sinnvolle Alternativen gibt es kaum. Und dann ist da noch das Problem mit seiner nicht ausgelebten Sexualität und mit verschiedenen Ausrutschern, die er sich leistet. Einziger Lichtblick in James‘ Leben ist seine weise Großmutter und – manchmal – seine Psychiaterin.

Das Buch mit dem langen Titel ist lesenswert, weil es jede Menge Identifikationspotenzial birgt. „Genau so ist“ möchte man ein ums andere Mal ausrufen, und vieles, was James widerfährt, kommt einem aus dem eigenen Leben bekannt vor. Dabei stört es nicht, dass das Ende offen bleibt und dass sich keine rechte Lösung für James‘ Probleme findet, denn das ist schließlich im richtigen Leben meist auch nicht anders. Lediglich der Vergleich mit Salingers Klassiker ist letztlich vielleicht doch einen Tick zu hoch gegriffen.

Der US-Amerikaner Peter Cameron, geboren 1959, wuchs in New Jersey auf und lebt heute in New York. Für seine Erzählungen wurde er zweimal mit dem O. Henry Award ausgezeichnet. Sein Roman „Die Stadt am Ende der Zeit“ (2002) wird soeben verfilmt.

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Peter Cameron: Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist.
Knaus, September 2008.
256 Seiten, Hardcover, 17,95 Euro.

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