Montag, 07.05.2012 | 15:00 Uhr

Autor: Ilka Sundermann

Paula McLain: Madame Hemingway

Paula McLain stellt in ihrem Roman „Madame Hemingway“ die Ehe von Ernest Hemingway und seiner ersten Frau Hadley dar.
Hadley Richardson, eine Frau von 28 Jahren, lernt 1920 in Chicago den erst 21 Jahre alten Ernest Hemingway kennen. Die beiden verbringen zusammen mit ihren Freunden in Chicago eine schöne Zeit und fühlen sich zueinander hingezogen. Nach Hadleys Rückkehr in St. Louis entspinnt sich zwischen Ernest und ihr eine tiefe Brieffreundschaft, die Hadley geradezu aufblühen lässt. Der Leser erfährt in der Zeit des Briefwechsels einiges über Hadleys Kindheit, die geprägt war von Unglück, Verlust und Tristesse. An einigen Stellen des Romans wird deutlich gemacht, dass auch Ernests familiären Verhältnisse schwierig sind.
Ernest macht Hadley sogar schriftlich einen Heiratsantrag. Nach ihrer Heirat lassen sich die beiden in Paris nieder und lernen dort  Literaten wie Ezra Pound und Gertrude Stein kennen. Es dauert zunächst eine Zeit bis sich das junge Ehepaar im Paris der Bohemiens wohlfühlt, aber später ist es gerade das intellektuelle und freigeistige Leben, das es am meisten zu schätzen lernt. Hemingways Laufbahn als Schriftsteller wird geschildert und die vielen Reisen innerhalb Europas und zeitweise nach Amerika, die das Ehepaar unternimmt, werden thematisiert. Aus Hemingways erster Ehe geht ein Sohn namens John hervor, der von den beiden liebevoll „Bumby“ genannt wird.
Eindrucksvoll zeichnet Paula McLain ein Portrait von „Madame Hemingway“, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Hadley, ein aufrichtiger und liebenswürdiger Mensch, wird von Paula McLain als komplex denkende und mitfühlende Figur dargestellt.
Die Geschichte wird aber nicht ausschließlich aus der Sicht von Hadley beschrieben, sondern überraschenderweise  gibt es auch ein paar kleine Passagen, in denen Ernest sein Gefühlsleben und seine Gedanken zum Ausdruck bringt.  Der Leser hat die Möglichkeit, sich in beide Charaktere hineinzuversetzen und tendiert somit nicht allzu sehr dazu, Ernest für seine Untreue komplett zu verurteilen. Der Roman ist vielleicht gerade deshalb lesenswert, weil er ohne moralischen Fingerzeig auskommt.
Die Geschichte endet an der Stelle als die Ehe der beiden scheitert und deutet an, wie das Leben getrennt voneinander für Ernest und Hadley weitergeht.

—————————–
Paula McLain: Madame Hemingway
Aufbau Verlag, 2011.
456 Seiten, Gebundene Ausgabe

Trackback: http://blog.literaturwelt.de/archiv/paula-mclain-madame-hemingway/trackback/

Kommentarfunktion geschlossen.

bLogin
Second-Hand Grabbelkiste zugunsten des ligatur e.V. bei facebook.
Literaturwelt. Die Page. | Promote Your Page Too

Mit flattr kann man Bloggern mit einem Klick Geld zukommen lassen. Infos

Kostenlos aktuelle Artikel per E-Mail:

Tagcloud
Empfehlungen
Willkommen im Literaturwelt-Blog, dem Blog rund um Literatur - Live von der Buchmesse in Frankfurt und auch den Rest des Jahres.
Mehr Informationen zum Blog findest Du hier.
Artikelempfehlungen
Letzte Kommentare
Kategorien
Links / Blog'n'Roll (Zufallsausw.)


Statistik

literaturwelt.de & carpe.com | über blog.literaturwelt | Autoren | Archiv | Impressum | RSS | Werbung