Mittwoch, 04.07.2012 | 16:10 Uhr

Autor: Ilka Sundermann

Michaela Karl: Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber. Dorothy Parker. Eine Biografie.

Michaela Karl hat eine Biografie über Dorothy Parker –Literatur- und Theaterkritikerin, Drehbuchautorin, Kurzgenschichtenschreiberin und Dichterin in den Golden Zwanziger Jahren– geschrieben. Der Titel des Werks Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber ist sehr treffend, deutet er doch an, dass Dorothy Parker, eine New Yorkerin mit Leib und Seele, ein unkonventionelles Leben in Saus und Braus geführt hat.

Mit dem Ende ihrer Schullaufbahn endet Dorothys Kindheit. Sie übernimmt die Aufgaben ihrer verstorbenen Stiefmutter und wird zur Stütze des Vaters. Nach seinem Tod muss Dorothy sich Arbeit suchen, weil er ihr nichts hinterlässt. Fürs Erste heuert sie an der Manhattan School of Dance als Klavierlehrerin und Ersatztänzerin an, später entdeckt sie für sich die Möglichkeit, für ein New Yorker Magazin Gedichte zu veröffentlichen. Der Grundstock für ihre Karriere als die Königin der leichten Verse wird jedoch schon im Elternhaus gelegt. Schon als Zehnjährige feilt sie tagelang an Sätzen, sucht die passenden Worte und entwickelt eine kritische Haltung gegenüber Sprache. Dorothy schickt ihre Gedichte an die Zeitschrift Vanity Fair und bekommt dann nach einigen Wochen tatsächlich einen Posten, zunächst nicht dort, wo sie sich beworben hat, aber bei der Vogue, dem Schwestermagazin von Vanity Fair. Ihre Aufgabe besteht zunächst darin, Bildunterschriften zu verfassen. Später gelingt es ihr, für andere renommierte Zeitungen wie den New Yorker Gedichte und Kurzgeschichten zu publizieren.

Als Leser der Biografie bekommt man zunehmend das Gefühl, mit einer gescheiterten Existenz zu tun zu haben. Dorothy Parker macht zwar Karriere als Literatin und Kritikerin, aber sie hat zeitlebens mit Geldnöten zu kämpfen. In Liebesdingen hat sie kein Glück. Sie ist Alkoholikerin, hat eine Abtreibung hinter sich, erleidet zwei Fehlgeburten und will sich mehrfach das Leben nehmen. Was den Leser wirklich erschaudern lässt, ist vor allem Dorothys Zynismus und ihre Boshaftigkeit. Dorothy ist Mitglied des berühmt berüchtigten „Round Tables“ in New York, ein erlesener Kreis bestehend aus Intellektuellen der Kulturszene, der sich regelmäßig im Hotel Algonquin trifft. Sie macht sich in der Gesellschaft dieses Kreises über ihren trinkenden Mann auf das Übelste lustig und lässt auch sonst kein gutes Haar an Personen, die sie aus irgendeinem Grund nicht mag. Das zeugt nicht von einem edlen Gemüt.-

Wenn man als Leser also etwas sucht, das einen emotional „herunterzieht“, sollte man diese Biografie lesen. Die Geschichten über die Kolumnistin Carry Bradshaw in der amerikanischen Serie „Sex and the City“ haben mir in jedem Fall besser gefallen.

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Michaela Karl: Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber. Dorothy Parker. Eine Biografie.
Residenz Verlag, Oktober 2011.
252 Seiten, Gebundene Ausgabe

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