Donnerstag, 20.01.2011 | 00:44 Uhr

Autor: JosefBordat

Lockeres Aufwärmen

Ronny Galczynski hat alles Wissenswerte über den deutschen Frauenfußball in einem unterhaltsamen Lexikon zusammengestellt

Es soll immer noch Menschen geben, die im Herren-Fußball jede Regionalligamannschaft in- und auswendig kennen, aber nicht wissen, wer bei den Damen der aktuelle Deutsche Meister ist. Ihnen hilft – auch in Vorbereitung auf die Frauen-WM 2011 in Deutschland – das Lexikon „Frauenfußball von A-Z“ weiter, das jetzt im Humboldt-Verlag erschienen ist. Der Sportjournalist Ronny Galczynski hat Daten und Fakten über die besten Spielerinnen und die erfolgreichsten Clubs, die spektakulärsten Rekorde und anderes Wissenswerte zum Frauenfußball gesammelt. Die vielleicht beste, sicherlich aber bekannteste deutsche Spielerin aller Zeiten, Birgit Prinz, adelt die Neuerscheinung mit einem Vorwort.

Der Frauenfußball hat mittlerweile einen hohen Stellenwert. Er ist seit 1996 olympisch, unterhält in vielen Ländern einen professionellen Spielbetrieb und trägt alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft aus. Die nächste findet, wie erwähnt, in Deutschland statt, beim Titelträger der letzten beiden Turniere (2003 und 2007). Deutschland ist (neben den USA und den skandinavischen Ländern) ohnehin ein gutes Pflaster für Frauenfußball. Über 1 Million Mädchen und Frauen kicken hierzulande im Verein, Tendenz steigend. Das ist Grund genug für ein deutschsprachiges Lexikon. Dennoch ist es schade, dass es im Wesentlichen auf den deutschen Frauenfußball beschränkt bleibt. Ebenso hätte die historische Einführung umfassender sein können als die zwei Seiten mit den wichtigsten Informationen.

Zum Thema Frauenfußball in Deutschland bleiben unterdessen keine wichtigen Fragen offen. Alle 175 Nationalspielerinnen der (kurzen) Geschichte des deutschen Frauenfußballs (noch bis 1970 war Frauenfußball in den Vereinen der Bundesrepublik verboten!) werden vorgestellt, alle wichtigen Vereine ebenso. Auf diese Weise ist ein detailreiches Nachschlagewerk entstanden, das solide Einstiegsinformationen liefert, die – bei größerem Interesse – als Ausgangspunkt für weitere Recherchen genutzt werden können. Zudem verfügt das 400 Seiten starke Werk über einen farbig abgesetzten Statistik-Anhang, mit Listen bedeutender Spielerinnen- und Trainer(innen), mit Tabellen und Ehrentafeln. Das Übliche.

Unüblich jedoch der Plauderton, den Galczynski anschlägt. Die Texte sind damit keine Lexikon-Artikel im strengen Sinne, denn sie sind nicht im typisch lexikalischen Stil geschrieben, sondern ähneln in ihrer Diktion eher informativen Zeitungsartikeln. Galczynski beschränkt sich nicht auf Fakten zu Sachen und Personen, sondern lässt behutsam Wertungen einfließen. Auch „echter“ Fußballer-Jargon ist zu finden (aus „Gelbe Karte“ wird beispielsweise kurz „die Gelbe“). Das lockert das Lexikon einerseits auf, andererseits geht die kompakte Ästhetik verloren, die Enzyklopädien in ihrem Bemühen um knappe, strikte Objektivität sonst eignet. Im Grunde nähert sich das Frauenfußball-Lexikon mit dieser „Wikipedisierung“ stilistisch wieder dem Ur-Nachschlagewerk europäischer Kultur: die „Encyclopédie“ von d’Alembert und Diderot ist gleichfalls eine lockere Zusammenstellung alltagssprachlich verfasster Artikel, in denen es vor kritischen bis polemischen Nebenbemerkungen wimmelt. Davon ist Galczynski zwar weit entfernt, doch ebenso vom klassischen Stil eines „Brockhaus“.

Bleibt die Frage zu klären, wer der amtierende Meister im Frauenfußball ist. Ein Blick in den umfangreichen, aber dennoch übersichtlichen Statistikteil verrät: 1. FFC Turbine Potsdam. Für alles weitere rund um den Frauenfußball sei den Fans und denen, die es werden wollen, Ronny Galczynskis Lexikon empfohlen – als Aufwärmtraining für die anstehende WM.

Bibliographische Daten

Ronny Galczynski: Frauenfußball von A-Z. Das Lexikon für den deutschen Frauenfußball. Spielerinnen, Vereine und Rekorde. Viele Hintergrundgeschichten
Hannover: Humboldt (2010)
392 Seiten, EUR 9,95
ISBN-13: 978-3869101699

Josef Bordat

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Ein Kommentar

  1. Was tun bei Schmerzen am Bewegungsapparat | Gesundheit, Wellness, Kochen Says:

    […] heftige Körperbelastung gekennzeichneten Sportarten, eine mehr oder weniger intensive Phase von Aufwärmtraining vorangestellt […]

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