Freitag, 28.10.2005 | 19:49 Uhr

Autor: Regula Erni

Keine Literatur – Rechtschreibrat

Heisst es jetzt: Rechtschreib Rat oder Rechtschreibrat oder gilt beides als richtig?
Na ja, wie dem auch sein mag: die Rechtschreibreform könnte in weiteren Teilen zurückgenommen werden, als bisher abzusehen war – wenn sich Reformgegner Theodor Ickler durchsetzt. Der Sprachwissenschaftler, Emeritus der Universität Erlangen-Nürnberg, will nach Informationen des Tagesspiegels dafür sorgen, dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung ab sofort auch mit der Groß- und Kleinschreibung und mit der Laut-Buchstaben-Zuordnung befasst. Aus Kommentaren, die Ickler bei der morgigen Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung vorlegen will, geht hervor: Reformschreibweisen wie im Allgemeinen, gestern Abend, Pleite gehen, Diät leben oder Stängel, platzieren und Zierrat sind nach Auffassung Icklers grammatisch falsch – oder schlicht „schlechtes Deutsch“. Ickler will eine Rückkehr zu den alten Schreibweisen erreichen.

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6 Kommentare

  1. dirk schroeder Says:

    Ickler? ein Bockiger, den man schon kennt. Wunderlich indessen: der Rat, anstatt den Fortgang der Schriftsprache zu beschauen, die Fortschreibung der Reform zu geleiten, gibt sich der Reformkritik hin. Bleibt es dabei, ist diese Institution nächstens bankrott. Die Sprache nämlich wartet nicht. Schade.

  2. Oliver Gassner Says:

    Sehe ich auch so; die Reform war nicht zu forsch sondern zu lasch.

    ß: weg. (was eh viele glauben)

    Kommaregeln: tendenziell wie im Englischen.

    groß/klein: also vorher hatte ich es drauf, jetzt… – schwer zu sagen, was zu tun ist.

    Und: Ah, hallo Dirk. Haste jetzt Zeit zum mitmachen? wo wir weitermachen? 😉 (oder mit machen? weiter machen?)

  3. andreaffm Says:

    na, wenn die sprache eh nicht wartet, dann braucht ihr auch keiner hinterherzureformieren. oder?

  4. Oliver Gassner Says:

    @andrea:

    Die Reform regelt z.B. die Korrekturrichtlinien der Schulen und indirekt den Lehrplan bzw. dessen Füllung. (Und wenig mehr.)

    Insofern sollten Didaktik und Praxis sich schon etwas annähern.

    Fakt ist, dass sich die geschriebene Sprache orthographisch auch zwischen 1945 und 1995 gewandelt hat; erst seit der wiedervereinigung aber konnte man staatlich was machen, vorher mussten Mannheim und Leipzig sich halt halbwegs einig sein.

    Jetzt motzen die Leute, dass der Staat etwas (nach)regelt, was vorher sozsuagen eien Privtfirma geregelt hat.

    Die Reform kommt einerseits etwa 50 Jahre zu spät und sie ist zu lasch ausgefallen. Darum ist Dirk unzufrieden damit, dass jetzt die Energie des Rates für den Rückbau aufgebracht wird.

    Kurz gesagt: Schaff den Deutschunterricht ab, dann brauchste auch keine Rechtschreibreform.

    Nachsatz: Die Krux ist auch, dass jetzt jeder verlag sich seine Hausregeln zusammenbastelt – etwas, was sich vor der Reform keiner getraut hätte. Faktisch dürfen die Deutschlehrer wieder den Idioten geben.

  5. Regula Erni Says:

    hm, hat der Duden nicht ebenfalls eigene Schreibregeln?
    Gewisse Dinge an dieser Reform passen überhaupt nicht. Wenn du sagst, die Reform ist zu lasch ausgefallen, so mag das richtig sein. Allerdings steckt dort, wo reformiert worden ist, nur wenig Sinn drin.
    Ich weiss nun nicht, was gescheiter ist: auf eine erneute Reform zu warten, die dann in 50 Jahren vielleicht zum Zuge kommt oder die Wiedereinführung der alten Regeln, für die der Rat vermutlich auch dreissig Jahre brauchen wird.
    So gesehen, ist es durchaus verständlich, dass sich jeder Verlag seine eigenen Regeln auferlegt…

  6. Oliver Gassner Says:

    @ regula:

    Das Problem ist das.

    Es gibt
    a) die amtlichen Regeln.
    b) die Darstellung er amtlichen Regeln in den Rechtschreibwörterbüchern (es gibt ja auch andere)

    Z.B. muss sich jedes Wörterbch enrtscheiden, wie genau es die Trennregeln angibt: alle beiden Varianten, morphemisch oder silbisch oder irgendwie gemixt.

    Oder es muss entscheiden, wie es mit präferierten und anderen ‚erlaubten‘ Formen umgeht (Delfin, Delphin). BZw ob und sie es präferierte Fren markiert.

    Zudem ist der amtliche Text relativ… undidaktisch. D.h. er muss zur besseren Konsumierbarkeit und zur Klärung umformuliert und ggf. umstrukturiert werden. Gelegentlich sogar interpretiert. Vor allem da, wo er Freiheiten lässt, die in einer Rechtschreibliste nun weniger passend sind.

    D.h. Duden, Bertelsmann &Co dürfen alle Wortlisten präsentieren, die ‚korrekt‘ sind, aber sie mögen verschieden für den Konsultierenden aufbereitet sein.

    Schon (und gerade) früher hätten dei verlage Grund gehabt, eigene Regeln zu entwickeln. An sich sllten sie jetzt lieber sinnvolle Regelungen unerstützen als FAZen zu machen.

    Oder sie sollen den rechtschreibunterrcht an Schulen zu 100% „sponsern“.

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