Sonntag, 04.03.2018 | 11:55 Uhr

Autor: rwmoos

Johannes Wilkes: Mord am Walberla

Narrativ Nagendes

An Walpurgas Felsen nagt der Zahn. Das hat zur Folge, dass sich an ihren Rändern Abgründe auftun, die lebensgefährlich enden können.

Keine Ahnung, woher mir das Buch reingesegelt ist. Ich werde es wohl bestellt haben. Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, keine Rezensionen mehr zu schreiben.
Zuviele schlechte Bücher, zuwenig Lesevergnügen. Obwohl ja gerade manchmal die schlechten Sachen, Anregungen bieten und den Rezensenten fordern. Andererseits bekommt er dann das Gemaule und Gejammer zu hören. Andere Rezensenten würden, wenn ihnen das Buch nicht gefällt, selbiges diskret zurückgeben, statt sich daran abzuarbeiten.
Der Erfolg solchen Vorgehens: Schlechtes wird nicht mehr schlecht genannt. Es gibt keinen Anreiz, gut zu schreiben und alles versinkt in jenem Einheitsbrei des Durchschnitts, der dieses Land kaputtmacht und menschliche Intelligenzen hervorbringt, die dann merkwürdige Parteien wählen.

Ganz anders bei Johannes Wilkes. Seinen Franken-Krimi über Friedrich Rückert habe ich gern gelesen und rezensiert. Es hat mir damals gut getan, jemandem durch solche Rückkopplung Antrieb zu geben, der es einfach verdient hat.
Wer die Latte hoch legt, muss natürlich sich auch selbst daran messen lassen. Und, um es kurz zu machen: „Mord am Walberla“ kommt nicht an die Rückert-Folge ran. Das liegt nicht am Plot – der ist freilich etwas bemüht und die Lösung kommt dann auch ein wenig fischig daher. Aber das war bei Rückert ja auch so. Dem Werk fehlt vielmehr jener große Wurf, jener Generationen von Schriftstellern übergreifende General-Gedanke, der den Vorgänger so virtuos über die fränkischen Hubbel fliegen ließ.
Trotzdem ist auch „Mord am Walberla“ lesenswert, weil es nett unterhält. Ich habe das Büchlein nicht aus der Hand gelegt, bis es ausgelesen war. Das heißt, dass es zumindest nicht langweilig wurde.
Auch der Situations-Witz ist geblieben und das rettet eine Lektüre ohnehin über den Abend. Aber dass dem Protagonisten ein Mord nur allzu feil wäre, weil ihn nur ein Mordfall aus dem Trübsinn des Kommissaren-Daseins herauszukitzeln vermag, stößt merkwürdig auf. Und dass die Lösung keinen wirklich harmonischen Schlussakkord zulässt, tut ein Übriges.
Kurzum: „Rückert“ war fränkische Literatur. „Walberla“ ist ein netter Frankenkrimi.

Möge die Heilige Walpurga zurückschlagen und dem Dichter die Feder für den nächsten Band wieder ein wenig spitzer nagen.

Tüchersfeld, den 24.02.2018
Reinhard W. Moosdorf

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