Dienstag, 01.11.2016 | 09:01 Uhr

Autor: Ilka Sundermann

Haruki Murakami: 1Q84 (3. Buch)

Buch 3 des Romans „1Q84“ von Haruki Murakami erzählt auf 571 Seiten abwechselnd aus den Perspektiven von Tengo, Aomame und Ushikawa. In der Funktion eines Privatermittlers wird die zwielichtige Gestalt Ushikawa von der „Vorreiter-Sekte“ beauftragt, Aomame, die den Anführer der Sekte auftragsgemäß getötet hat, zu finden. Um nicht in die Fänge ihres Verfolgers zu gelangen, versteckt sich Aomame in einem Vorort von Tokio, zunächst nicht ahnend, dass Tengo nur wenige Meter von ihr entfernt wohnt. Aomame und Tengo, trotz der Abwesenheit die Nähe des jeweils anderen spürend, leben in der Hoffnung, sich bald in der Welt mit den beiden Monden zu begegnen, um endlich das Leben zu führen, dass sich beide sehnlichst wünschen.

Was in den beiden ersten Büchern des Werks passiert, wird im dritten Buch wieder aufgegriffen. Dem Leser wird dadurch der Einstieg in die Ausgangssituation erleichtert. Die Spannung, die in den ersten beiden Büchern aufgebaut wird, verliert im dritten Buch jedoch an Intensität. Statt dessen werden Hintergründe aufgedeckt, die sowohl Ushikawas Vergangenheit als auch Tengos und Aomames Kindheit näher beleuchten. Am Ende des Romans befindet sich der Leser wieder bei der Stadtautobahn, jener Stelle, an der Aomame bereits zu Beginn des ersten Buches über eine Treppe eine andere Welt betritt, nämlich die, in der es zwei Monden und  „Little People“ gibt. Dieses Mal ist sie jedoch nicht allein. Tengo ist an ihrer Seite als sie den Schritt zurück geht in die Welt, die das Jahr 1984 schreibt. Das Werk so enden zu lassen, ist für den Leser nicht weiter überraschend. Der einzige nicht vorhersehbare Moment ist der, als Aomame feststellt, dass sie ein Kind erwartet und zwar von Tengo. Wie es zu dieser „unbefleckten Empfängnis“ kam, ist wieder Teil der surreal-fantastischen Wirklichkeit der Welt „1Q84“, die Murakami in seinem Roman kreiert. Eine Welt, die von den Romanhelden zum Schluss wieder verlassen wird, um in der realen Welt weiterzuleben.

Nach der Lektüre des Romans hatte ich nicht das Bedürfnis, noch länger darüber nachdenken zu müssen. Der Roman übermittelt keine Botschaft, im Sinne einer moralischen Aussage oder eines Appells. Was Murakami in seinem Werk gelingt, ist die Darstellung seiner Protagonisten. Neben der Inszenierung der äußeren fantastischen Welt, lässt er den Leser auch in das Seelenleben der Figuren blicken und macht deutlich, wie stark die Kindheit den Menschen in seiner Persönlichkeit prägt und das weitere Leben beeinflusst. Die Qualität des Romans liegt unter anderem darin begründet.

Haruki Murakami: 1Q84
btb Verlag, Taschenbuchausgabe 2013
12,99 Euro

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