Mittwoch, 30.05.2012 | 21:34 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Glen Duncan: der letzte Werwolf

Glen Duncan: »Der letzte Werwolf«Bücher, die einem vor Begeisterung sinnbildlich die Schuhe ausziehen, sind selten. Glen Duncans „Der letzte Werwolf“ ist eine solche Stecknadel im Heuhaufen.

Der 1965 geborenen Engländer vermischt in diesem Werk die Zutaten des guten alten englischen Schauerromans mit einer gehörigen Portion Philosophie, einer Prise Humor und ganz viel Intelligenz. Nebenher ist das Ganze auch noch wild, erotisch und ungemein spannend – Jake ist über 200 Jahre alt und der letzte lebende Werwolf auf Erden. Ihn kann nichts mehr überraschen, und er ist es Leid, von einem Vollmond zum nächsten dahinzuvegetieren. Ihn reuen die vielen Opfer, die seine Daseinsform über die Jahrhunderte hinweg gefordert hat. Besonders über den Tod eines ganz bestimmten Menschen, der ihm sehr nahe stand, kommt er nicht hinweg, obwohl der Vorfall bereits über 160 Jahre zurück liegt.

Und so beschließt er, sich bei der nächsten Verwandlung von den Werwolf-Jägern, die sich unter dem Namen Wokop organisiert haben, töten zu lassen. Natürlich kommt alles ganz anders – auch weil es plötzlich einen sehr guten Grund gibt, doch noch ein wenig weiterzuleben …

Obwohl die Titelfigur eine Bestie von Ausmaßen ist, wie sie sonst in der Thriller-Literatur vielleicht nur noch Dr. Hannibal Lecter erreicht, schlägt sich der Leser sofort auf seine Seite und hofft, dass Jake seinen Häschern entkommt, auch wenn das mit der unvermeidlichen Tatsache einhergeht, dass er eben Monat für Monat „fressen“ muss.

Im Horrorliteratur-Genre, das derzeit von den oft unsäglichen Werken des neuen Subgenres „Romantasy“ überschwemmt wird – Büchern also, die den traditionellen Liebes-Kitschroman mit der Fantasy vermengen – sind Romane wie „Der letzte Werwolf“ eine äußerst wohltuende Ausnahme. Weil sie eher aus der Tradition von Klassikern wie „Dracula“ und „Frankenstein“ entstammen. Und wer die mag, wird auch von „Der letzte Werwolf“ begeistert sein.

Übrigens: Glen Duncan hat unter dem Titel „Talulla Rising“ bereits eine Fortsetzung geschrieben. Die englische Originalversion erscheint im Juni – hoffentlich bald auch auf Deutsch.
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Glen Duncan: Der letzte Werwolf.
S. Fischer, März 2012.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

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