Donnerstag, 29.08.2013 | 21:31 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Eugen Ruge: Cabo de Gata

Eugen Ruge: »Cabo de Gata«Nach dem Buchpreis-Gewinn 2011 für seinen großartigen Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ sind die Erwartungen an Eugen Ruge und seinen neuen Roman hoch. Doch „Cabo de Gata“ kann diese Erwartungen nicht erfüllen.

Es geht um einen Mann, der seine Wohnung in Berlin kündigt und sein Hab und Gut verkauft oder verschenkt, um mit Hängematte und ein paar Schreibheften eine Art Aussteigerdasein in einem kleinen Hotel am Mittelmeer zu fristen.

Doch was sich in der Theorie verlockend anhören mag, erweist sich in der Praxis als schwierig. Die Menschen in dem kleinen Fischerdorf Cabo de Gata, wo er schließlich landet, sind unfreundlich, und unser Held hat zudem eine handfeste Schreiblockade, sodass er die paar Zeilen, die er Tag für Tag zustande bringt, abends wieder vernichtet.

Beim Lesen stellt sich unweigerlich die Frage, warum der namenlose Protagonist eigentlich nichts an seiner Lage ändert. Er ist frei und könnte sich in den nächsten Bus setzen, um sein Aussteigerdasein irgendwo fortzusetzen, wo es angenehmer ist. Dass er stattdessen nicht viel anderes unternimmt, als mut- und willenlos in den Tag hineinzuleben, macht ihn für den Leser schwer zugänglich. Es fällt schwer, Sympathie für ihn zu empfinden oder sich mit ihm zu identifizieren.

Der Mann versumpft mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr. Er spielt ein bisschen Billard mit einem Engländer, verbringt etwas Zeit mit einem Amerikaner und baut – als Krönung des Dahinvegetierens – eine Art (einseitige) Liebesbeziehung zu einer Katze auf. Das alles ist weder besonders spannend, noch sonst wie ergreifend, sondern eher schlichtweg fade.

Gegen Ende hofft man beinahe, dem Aussteiger möge endlich das Geld ausgehen, sodass er gezwungen ist, etwas an seiner Lage zu ändern.

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Eugen Ruge: Cabo de Gata.
Rowohlt, Juni 2013.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

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Ein Kommentar

  1. hilde schnell Says:

    Aber genauso ist das doch im Leben wenn einen die Depression im Griff hat. Ich finde das Buch sensationell in seiner „AlltagswahrhafTigkeit“

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