Donnerstag, 14.06.2007 | 19:24 Uhr

Autor: Andreas Schneider

Erstes Treffen junger Magazine in Köln, oder: Der Strumpfautomat

magazine-treffen Das bereits einige Tage ins (Rhein)Land gegangen sind, halte ich für unwesentlich. Die Magazine (bella triste, sprachgebunden, edit, [sic], la mer gelée, Kritische Ausgabe, lauter niemand, Krachkultur, Lose Blätter) gibt es schließlich immer noch, genau so wie die Herausforderungen für die Macherinnen und Macher, die sich nicht in Luft aufgelöst haben: Zum Beispiel den Weg zum Buchhandel und damit zur Leserschaft zu ebnen. Kein einfaches Unterfangen. Die Literaturindustrie, gelegentlich ein Buch mit sieben Siegeln.

Treffpunkt Hallmackenreutter in Köln im belgischen Viertel. Das Retroambiente, ein gastronomisches Fernrohr, fokussiert auf die 60er und 70er. Eine Zeit, in der es noch Automaten gab, die auf Wunsch Strümpfe (Damenstrümpfe) ausspuckten, für den Fall, dass Laufmaschen den Peinlichkeitsfaktor erreicht oder überschritten hatten.

Die temporäre Beletage der Literatur im 1. Stock. Eine Viertelröhre, der Bogen inwendig illuminiert. Schönes Ambiente. Die Stimmung irgendwo zwischen lässig und unterhaltsam; in der Luft ein Hauch intellektueller Empfindlichkeit. Man spricht leise, wenn man (sich) etwas zu sagen hat. Vielleicht auch ein wenig anfängliche Berührungsangst. Man kenne sich zwar vom Hörensagen, habe sich in dieser Konstellation jedoch das erste Mal persönlich getroffen, meinte Jan Valk (sprachgebunden) über die herausgebenden Kolleginnen und Kollegen. Einig sind sich alle in der Funktion ihrer Magazine, die sie als Experimentierfeld, Spielwiese und Sprungbrett für bisher unbekannte Autoren betrachten. Der literarische Ernstfall in Form auflagengedruckter Bücher bestätigt die Ambitionen.

Ich verzichte darauf, die einzelnen Magazine vorzustellen. Ein Blick auf das Portal für junge Texte verschafft einen schnellen Überblick. Herausheben möchte ich die Sonderausgabe Nummer 17 des Magazins BELLA triste. Eine forcierte Anthologie zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik unter dem Motto: Nichts soll bewiesen, vieles gezeigt werden wie es im Vorwort lautet. Erstaunlich dabei, dass das Magazin innerhalb kurzer Zeit vergriffen war, die zweite Auflage produziert werden musste und die Dritte bereits angedacht wird. Erstaunlich eben, weil Lyrik ansonsten eher zur Gattung der Ladenhüter zählt. Leider, denn schließlich handele es sich dabei um eine Königsdisziplin wie ein zeitgenössischer französischer Schriftsteller vor kurzem meinte. Recht hat er.

Für mich persönlich endete der Abend aus Termingründen mit Nora Eugenie Gomringer. Ein slampoetisches Energiebündel am Mikrofon. Sie zischt, peitscht, flüstert, grimassiert, gestikuliert – und gefällt, obwohl ich mit dem Genre des Poetry Slam ab und an auf dem Kriegsfuß stehe. Auf jeden Fall wurde danach gefeiert: Die Literatur als solche und die Lust am Leben, wie ich mir berichten habe lassen.

(M)einen zweiten Blickwinkel zum Treffen junger Magazine finden Sie hier.

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