Mittwoch, 09.11.2005 | 18:47 Uhr

Autor: Regula Erni

Erika Mann zum 100sten Geburtstag

«Es ist also ein Mädchen», soll Thomas Mann nach der Geburt von Tochter Erika am 9. November 1905 gestöhnt haben.
Erika Mann versuchte sich als Bühnenkünstlerin, schrieb Glossen für Zeitungen und schliesslich ein Kinderbuch. Anfang 1933 startete sie mit der Schauspielerin Therese Giehse in München das Kabarett „Die Pfeffermühle“. Am Anfang war man nur witzig, doch als kurze Zeit später Hitler an die Macht kam, wurde der Spass ernst: Im Herbst 1933 feierte „Die Pfeffermühle“ in Zürich ihre Wiedereröffnung als Politkabarett mit der Botschaft: „Diese Nazis sind komisch. Aber sie sind auch böse. Wollen Sie lachen? Tun Sie das! Aber lachen Sie nicht nur! Kämpfen Sie!“
„Die Pfeffermühle“ war beliebt in der Schweiz und fand auf ihren ersten Tourneen grossen Anklang. Zumindest bis zum 16. November 1934: An diesem Tag wurde die Vorstellung im Zürcher Kursaal von Schweizer Nazis gesprengt. Von da an durfte „Die Pfeffermühle“ in einigen Schweizer Gemeinden nur noch mit Auflagen oder überhaupt nicht mehr auftreten. Es gab etwa 1000 Aufführungen und Gastspielreisen durch mehrere Länder. Als «The Peppermill» 1937 in den Vereinigten Staaten nicht reüssierte, trennte man sich. Ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus führte Erika Mann danach auf Vortragsreisen durch die USA und als Publizistin fort. Von 1940 an war sie auch als Kriegsberichterstatterin für amerikanische Zeitungen tätig.
In der Nachkriegszeit veröffentlichte die Mann kaum mehr eigene Texte. Sie wohnte seit 1954 bei ihren Eltern in Kilchberg am Zürichsee. Sie war die Assistentin ihres Vaters und nach dessen Tod 1955 seine Nachlassverwalterin. «Ich verbiestere ja noch ganz und darf nur noch in der Vergangenheit leben», klagte sie einmal. Leider ertrug sie ihr Dasein nur dank Drogen und Alkohol. Am 27. August 1969 starb sie an einem Tumor.
Einen präzisen und aufschlussreichen Einblick in Erika Manns Leben bietet Ute Krögers soeben erschienenes Porträt «Wie ich leben soll, weiss ich noch nicht».
‚Wie ich leben soll, weiß ich noch nicht‘

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