Dienstag, 23.08.2011 | 16:02 Uhr

Autor: JosefBordat

Die Ethik des Lichts

Thomas Worm und Claudia Karstedt gelingt eine weitgehend einleuchtende Darstellung der Schattenseiten von Energiesparlampen

Die Licht-Metapher ist eine ganz starke. Licht ist Wärme, Licht ist Leben, Licht ist Erkenntnis. Auf die Sonne als natürliche Lichtquelle wird in vielen Kulturen und Religionen allegorisch Bezug genommen. Längst jedoch reichen deren Strahlen nicht mehr aus. Die 7/24-Gesellschaft, die niemals schläft, ist in weiten Teilen auf künstliches Licht angewiesen. Hier beginnt das Problem, mit dem sich das vorliegende Buch beschäftigt.

Es werde Licht! – Bloß: Wie?

In Lügendes Licht: Die dunklen Seiten der Energiesparlampe stellen die Autoren Thomas Worm und Claudia Karstedt die gute alte Glühbirne und die neue energieeffizientere Kompaktleuchtstofflampe gegeneinander und betrachten dabei die Vor- und Nachteile aus energetischer, aber auch aus ästhetischer, technologischer und medizinischer Sicht. Die Autoren kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Energiesparlampe eine weit schlechtere Umweltbilanz hat als vorgegeben und zudem Risiken und Schwächen im Gebrauch auftreten, die offenbar übersehen wurden, als die betreffende EU-Richtlinie gestaltet wurde, welche die Energiesparlampe in Europa zur Pflicht-Leuchte erhob.

Kalt und ungemütlich, verfälschend und ungesund

Denn deren Licht sei – im Gegensatz zur „warmen“ Glühlampe – „kalt“ und „ungemütlich“. Unser Temperaturempfinden reagiere entsprechend negativ auf die Lichtfarbe der Energiesparlampe und ließe uns deshalb mehr heizen (Wärmeersatz-Effekt). Auch das vermehrte Nutzen von Beleuchtungseinrichtungen, getragen vom guten Gewissen, das die Energiesparlampe vermittelt, wirkt sich ungünstig aus (Rückprall-Effekt). So verschlechtere sich paradoxerweise die Energiebilanz einer Gesellschaft.

Diese steht angesichts der Tatsache, dass die verpflichtende Nutzung sich mit einer allgemeinen Unkenntnis über das Objekt der Verpflichtung paart, vor vielen Fragen und muss nicht zuletzt beim Wohnkomfort, also: hinsichtlich ihrer Lebensqualität, Abstriche machen. Das „Sparlicht“ ist nämlich nicht nur „kalt“ und „ungemütlich“, sondern „lügt“ zudem, weil es Farben anders wiedergibt als das Tageslicht und daher „Lichtdesigner“ auf die Barrikaden gehen.

Nicht nur diese seltene Spezies, wir alle sind schließlich von den gesundheitlichen Effekten der Energiesparlampe betroffen. Das zum Einsatz kommende Quecksilber ist hochgiftig, der blaue Anteil im „Sparlicht“ stört den Biorhythmus. Weiterhin können Kopfschmerzen und Netzhautschäden auftreten. Sogar die Gefahr, an Krebs zu erkranken, soll sich durch die Energiesparlampe erhöhen. Oft steht ein Fragezeichen hinter den Thesen – sie sind umstritten. Die Autoren kritisieren vor allem, dass sie von offiziellen Stellen nicht gebührend ernst genommen wurden und werden.

Weitgehend einleuchtende Darstellung

Thomas Worm und Claudia Karstedt rechnen mit dem „unzulänglichen Imitat“ der Glühbirne ab. Die weitgehend einleuchtende Darstellung, die auch historische und prognostische Bemerkungen zu Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts enthält, missfällt allenfalls in ihrer an einigen Stellen arg polemischen Diktion. Doch auch, wenn man nicht alles in der angebotenen Schärfe nachvollziehen kann, was einem da vorgestellt und vorgerechnet wird und auch, wenn die Autoren ebenso idealisierend und spekulativ gegen die Energiesparlampe argumentieren wie sie dies zu tun (mit umgekehrten Vorzeichen) den Befürwortern des „Sparlichts“ vorwerfen, geben sie mit ihren Einwänden sehr zu denken. Es ist gut, dass mal jemand die Energiesparlampe und die mit ihr verbundenen Prämissen und Hoffnungen auf den Prüfstand stellt. Ein hilfreicher Anhang, viele vertiefende Anmerkungen und ein sorgfältig erstelltes Sachregister tragen dazu bei, dass diese Prüfung auch für Licht-Laien gut verständlich ist.

Bibliographische Daten:

Thomas Worm und Claudia Karstedt: Lügendes Licht: Die dunklen Seiten der Energiesparlampe
Stuttgart: Hirzel (2011)
256 Seiten, € 19,80
ISBN: 9783777621203

Josef Bordat

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