Dienstag, 10.03.2009 | 21:10 Uhr

Autor: Andreas Schröter

David Gilmour: Unser allerbestes Jahr

David Gilmour: »Unser allerbestes Jahr«Ich lese nur Bücher, die mich aus diesem oder jenem Grund interessieren. Welche, bei denen ich traurig bin, wenn sie zu Ende sind, finde ich dennoch ganz selten. Es sind höchstens 10 Prozent. Wie sähe diese Quote erst aus, wenn ich querbeet alles ohne Vorauswahl lesen würde?!

Ausnahmen sind also selten. Eine solche ist aber David Gilmours „Unser allerbestes Jahr“, eines der schönsten und intelligentesten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren aufgeschlagen habe. Es geht um einen Jugendlichen, der keine Lust mehr hat, in die Schule zu gehen. Sein Vater erlaubt ihm unter einer Bedingung zu Hause zu bleiben: Der Sohn muss sich fortan gemeinsam mit dem Vater drei Klassiker der Filmgeschichte ansehen.

Was zu einer Gewalttour durch die Filmgeschichte werden könnte, ist viel mehr als das: eine weise, lebensbejahende Studie über das Erwachsenwerden, in der sich herausstellt, dass auch die Erwachsenen alles andere als perfekt sind und in den meisten Situationen kaum besser als die Jugendlichen selbst wissen, was zu tun ist. Und jeder, der die Pubertät hinter sich gelassen hat, weiß, dass es im Leben haargenau so ist. Man ist 35, 45 oder 55 und steht immer noch wie ein Ochs vorm Berg vor diesen oder jenen kleinen oder großen Katastrophen des Lebens. Jesse, der Sohn, hat nicht nur Ärger in der Schule, vor allem machen ihm – und wen wundert’s? – die Frauen zu schaffen. Als Jesse mit der überirdisch schönen, aber durchtriebenen Rebecca Schluss macht, beschwört sein Vater ihn, das unverzüglich rückgängig zu machen, weil er, der Sohn, sonst noch jahrelang leiden würde. Köstlich. In jedem anderen, weniger intelligenten Buch hätte es geheißen: „Lass sie ziehen, sie ist es nicht wert.“

Meine Empfehlung: kaufen, lesen und sich an diesem Buch erfreuen!
——————–
David Gilmour: Unser allerbestes Jahr.
S. Fischer, Februar 2009.
256 Seiten, Hardcover, 18,95 Euro.

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5 Kommentare

  1. Bettina Koller Says:

    Ich lese Euren Blog sehr gerne, wolltet ihr nichts über Leipzig machen oder kommt das erst???
    Für den Fall, dass ihr nicht da wart, einige Impressionen: http://www.literaturkritik.tv
    Lieben Gruß, Bettina

  2. Vater-Sohn-Buch-Filmliste « sammlerderaugenblicke Says:

    […] zeigt, zusammenschreiben. Übrigens ein tolles, ein wirklich schönes Buch! Ich habe “Unser allerbestes Jahr” gelesen, ohne es einmal aus der Hand zu legen. Und gerade hier ein Interview mit den […]

  3. Lothar Seifert Says:

    Hallo, das Buch, bei dem ich sehr traurig war, als ich die letzte Seite umgeblättert habe, war: Die Asche meiner Mutter.
    Ich denke, nach der Beschreibung hier werde ich mir „Unser allerbestes Jahr“ auch kaufen.
    Viele Grüße von Lothar

  4. David Gilmour: Unser allerbestes Jahr « LeseLustFrust Says:

    […] Literaturwelt aus.gelesen Suite 101 Falter hurra! Leseberater   […]

  5. Unkonventionelle Erziehung « Mittendrin Says:

    […] „eine weise, lebensbejahende Studie über das Erwachsenwerden“ Andreas Schröder in Literaturwelt Das Blog […]

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