Mittwoch, 20.11.2013 | 22:24 Uhr

Autor: Andreas Schröter

Daniel Kehlmann: F

Daniel Kehlmann: »F«Eines der wichtigsten Bücher des Jahres 2013 kommt vermutlich von Daniel Kehlmann, der bereits 2005 mit „Die Vermessung der Welt“ für Furore gesorgt hat. Einfach nur „F“ heißt sein neuestes Werk.

Dieses F kann für „Fälschung“, aber auch für „Fatum“, dem lateinischen Wort für Schicksal, stehen. Denn das sind die Fragen, mit denen sich der 1975 geborene Autor befasst: Gibt es so etwas wie ein vorherbestimmtes Schicksal und welche Rolle spielt dabei der Zufall? Wie viel Fälschung steckt in uns?

„F“, das auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2013 steht, ist im Wesentlichen das Porträt dreier Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Martin ist ein Pfarrer, der nicht an Gott glaubt. Eigentlich interessiert er sich nur dafür, wie er seinen Rubikwürfel schnellstmöglich in die richtige Ordnung bringen kann. Vernunft steht für ihn an erster Stelle. Eric ist ein von Albträumen und schrecklichen Visionen geplagter Finanzmensch, der mit einem Bein im Gefängnis steht, weil er das Vermögen eines seiner Klienten durchgebracht hat. Und Iwan ist ein nur mäßig talentierter Maler und Kunsthändler, der schließlich doch noch einen Weg findet, reich zu werden. Er gibt seine Werke als die eines mittlerweile gestorbenen Freundes aus, für dessen Berühmtheit er selbst mit ständigen Fachartikeln sorgt.

So haben die Brüder doch etwas gemeinsam: Alle drei sind nicht das, was sie vorgeben zu sein. Sie sind Hochstapler, ihr Leben, zumindest aber ihr beruflicher Erfolg, beruht auf Fälschungen. Klar, dass Kehlmann mit diesen Figuren eine Menge Gesellschaftskritik verbindet. Gibt es heute mehr Schein als Sein?

Trotz der Bedeutungsschwere, die in diesem Buch steckt, liest es sich locker und leicht. Alle Figuren sind mit vielen interessanten Details lebensnah gezeichnet. Dazu gehört auch der Vater der drei Brüder, Arthur. Er hat in einer Hypnoseshow – und davon – erzählt anschaulich das Eingangskapitel – sein Erweckungserlebnis. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

„F“ wird lange auf den Bestsellerlisten bleiben, so möchte man prophezeien, und auch noch in einigen Jahren werden sich die Schüler von Deutsch-Leistungskursen darüber die Köpfe zerbrechen.

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Daniel Kehlmann: F.
Rowohlt, August 2013.
384 Seiten, gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

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