Donnerstag, 02.02.2017 | 10:20 Uhr

Autor: Ilka Sundermann

Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Der Protagonist in Axel Hackes Geschichte mit dem Titel „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Autor aufweist, trifft auf Gott, einen alten Herrn mit grauem Mantel. Schweigend nebeneinander auf einer Bank sitzend, rettet Gott dem Romanhelden das Leben, indem er ihn von der Parkbank schubst als plötzlich ein schwerer Globus mit Metallfuß aus einem darüber liegenden Fenster herunterkracht und zum Glück auf der Bank und nicht auf dem Protagonisten, der gleichzeitig der Erzähler der Geschichte ist, zersplittert. Zwischen dem Erzähler und dem alten Herrn entspinnt sich ein Dialog über den Sinn des Lebens. Es wird über die Frage diskutiert, warum es das „Böse“ in der Welt gibt, wenn Gott doch allmächtig ist und eine vollkommene Welt hätte erschaffen können.- Axel Hacke zeigt einen Gott, der selbst mit seiner Schöpfung hadert und zu Besuch auf der Welt ist. Er entwirft eine Parabel auf das Leben, ein Thema, dass laut des Autors auch von den islamistischen Anschlägen des vergangenen Jahres inspiriert sei. Er schreibt eine großartige wie versponnene Geschichte voller seltsamer Ereignisse, in der Realität und Phantastik miteinander verwoben sind. Der alte Herr lässt in seiner Anwesenheit Löwen von der Feldherrnhalle durch Reifen springen, dirigiert kleine Regenwolken bei heiterstem Himmel herbei und zieht in Hauswänden Schubladen auf, die andere, kleinere Schöpfungen Gottes zeigen sollen. Und der Erzähler hat einen kleinen Büroelefanten, mit dem er regelmäßig spazieren geht.

Gott macht seinem Gesprächspartner klar, dass er gar nicht die Intention hatte, Vollkommenes zu erschaffen, weil er sehen wollte, wie das Leben mit dem „Nichtperfekten“ zurecht kommt. Er sieht sich eher als Künstler, der schon andere Welten erschaffen hat. Es ginge ihm nicht um den Glauben; die Bezeichnung Gott wurde von Menschen erfunden. Er glaube noch nicht mal an sich selbst und bereut, dass er nicht die möglichen Auswirkungen seiner Schöpfung berücksichtigt habe. Er habe sich die Evolution ausgedacht, weil es ein guter Weg war, die Dinge sich selbst zu überlassen. Er wollte, dass die Sache von selbst läuft. Er erklärt weiter, dass Allmacht überschätzt würde, da sie nicht zurück sondern nur nach vorne wirke. Er hat das „Große Egal“ als Weltprinzip gewählt. Auf die Frage, warum wir auf der Welt sind, gebe es keine Antwort. Es sei das Leben, dass die Fragen stelle und die Menschen müssten antworten, nicht fragen. Als der Urknall passierte hätte Gott noch gar nicht an die Menschen gedacht. Eines Tages gebe es die Menschen nicht mehr, aber die Welt würde immer noch existieren. Die Menschen seien im Prinzip vollkommen grundlos hier. Gott hat Respekt davor, dass Menschen dazu fähig seien, dem Sinnlosen Sinn zu geben. Die Menschen seien in der Lage, eine Spur von sich selbst zu hinterlassen. Er selbst würde die Menschen sogar wegen ihrer Sterblichkeit beneiden; seine eigene Unsterblichkeit sei ihm zuwider.

Axel Hacke wechselt die Perspektive, indem er nicht den verzweifelten, mit dem Leben hadernden Menschen zeigt, sondern einen unvollkommenen und trostsuchenden Gott skizziert, der sich darüber bewusst ist, Fehler als Welterschaffer gemacht zu haben, die er nun nicht mehr rückgängig machen kann. Kurzweilig führt uns Axel Hacke durch eine Gedankenwelt, die uns zum Nachdenken anregt.

Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte
Verlag Antje Kunstmann GmbH, München 2016
18,00 Euro

 

 

 

 

 

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