Dienstag, 30.05.2006 | 05:14 Uhr

Autor: Christiane Geldmacher

Autorengespräch zwischen Hwang Chi-Woo und Kurt Drawert in Darmstadt

Vor kurzer Zeit berichtete ich >>>hier über die Eröffnung des koreanischen Gartens im Frankfurter Grüneburgpark; es war als Nachtrag zur letzten Frankfurter Buchmesse gedacht, das Gastland war Korea gewesen und Korea hatte den Frankfurtern den Park geschenkt. In der Zwischenzeit kenne ich die ganze Geschichte, weil ich eine Lesung des Lyrikers >>> Hwang Chi-Woo im >>>Literaturhaus Darmstadt besuchte. Die Koreaner reichten das Geschenk nicht nach, wie es schien, sondern der Garten sollte bereits zur Buchmesse im letzten Oktober eröffnet werden – aber dann kamen die Unwägbarkeiten der deutschen Baugenehmigung und es dauerte noch etwas, aber am 21. Mai konnte Hwang Chi-Woo den >>>Koreanischen Garten feierlich eröffnen.

>>>Hwang Chi-Woo war im letzten Oktober der „Frontmann“ der koreanischen Autoren gewesen – >>>hier u.a. nachzulesen – und deswegen erkannte ich ihn gleich, als er bei einer Lesung in Darmstadt um die Ecke bog. Der Dichter war gejetlagged, müde, erschöpft, deswegen las er nur zwei Gedichte aus seinem Lyrikband Die Schatten der Fische; die deutsche Lesung (und mehr Gedichte) trug sein Herausgeber und Lektor Thorsten Ahrend vom >>>Wallstein Verlag/Göttingen vor. Zu Gast war Hwang Chi-Woo bei >>>dem Schriftsteller Kurt Drawert, Leiter des >>>Zentrum für junge Literatur/Textwerkstatt Darmstadt, und Drawert gelang das Unmögliche, nämlich den Dichter durch spannende Fragen für das Leben zurück zu gewinnen. Er erkundigte sich nach Hwang Chi-Woos Arbeit als Professor für Literatur, nach dem Verhältnis von Lyrik und Diktatur, nach dem Stellenwert deutscher Lyriker in Korea: Ja, Goethe und Schiller natürlich, nickte Hwang Chi-Woo, Hölderlin und Rilke, Benn und Celan auch, zeitgenössische Lyrik noch nicht; aber was nicht ist, kann ja noch werden, nickte Drawert.

Den Lyrikern geht es in Korea besser als bei uns, erfuhr das (Fach-)Publikum; Hwang Chi-Woo hat Auflagen seiner Gedichtbände von 100 000 plus zu verzeichnen. Großes Raunen im Publikum, Drawert, selbst Lyriker, seufzte: Bei uns ist einer Bestsellerautor, wenn er die 1000er-Auflage überspringt. Hwang Chi-Woo berichtete augenzwinkernd, dass in koreanischen Zeitungen unter Korruptionsskandalen oft gleich ein Gedicht erscheine, das Leben also in Korea trotzdem lebenswert bleibe. Das Internet hilft in Korea dem Gedicht, sagte er; 80 Prozent der Koreaner seien online und viele läsen auf Literaturportalen Lyrik.

So ist es. Und nicht nur in Korea, auch bei uns. Und deswegen hier die Gedichte von Hwang Chi-Woo und Kurt Drawert:

Die Schatten der Fische. Gedichte

Frühjahrskollektion

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Ein Kommentar

  1. Hwang Chi-Woo: Die Schatten der Fische | planet lyrik @ planetlyrik.de Says:

    […] Autorengespräch zwischen Hwang Chi-Woo und Kurt Drawert in Darmstadt. […]

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