Donnerstag, 23.10.2014

Autor: Andreas Schröter

Tom Rachman: Aufstieg und Fall großer Mächte

Tom Rachman: »Aufstieg und Fall großer Mächte«Ein Herz für all jene, die nicht dem Mainstream oder einer großen beruflichen Karriere nachjagen, beweist der britisch-kanadische Journalist und Autor Tom Rachman in seinem Roman „Aufstieg und Fall großer Mächte“.

Im Mittelpunkt steht die sympathische Tooly, die der Leser abwechselnd in drei verschiedenen Stadien ihres Lebens begleitet: als Kind, als junge Erwachsene und als 30-jährige Frau, die einen antiquarischen Buchladen in Wales besitzt, der nichts einbringt.

Als Kind ist sie abhängig von ihren skurrilen, getrennt lebenden Eltern, die mental kaum in der Lage sind, für ein Kind zu sorgen – wobei die Mutter deutlich verrückter ist als der Vater.

Folglich landet Tooly bald in einer Art Wohngemeinschaft mit einem alten russischen Schachspieler und Literaturfan, der sie beschützt, sowie dem charismatischen Venn, den Tooly verehrt.

Es folgen die Liebschaft mit dem unsicheren Duncan, der ebenfalls in einer Studenten-WG mit weiteren ungewöhnlichen Menschen lebt, und schließlich das Leben in der Buchhandlung mit einem Mitarbeiter, der zwar gut in eine solche Umgebung passt, aber mit seinem Leben außerhalb der Bücher wenig anfangen kann.

Immer sind es also einigermaßen kauzige Typen, die ein wenig neben der Spur stehen und Toolys Lebensweg kreuzen.
Erst am Ende werden einige Handlungsfäden zusammengeführt und Fragen beantwortet, die der Roman zuvor aufgeworfen hat. Auch die eine oder andere faustdicke Überraschung streut der 1974 geborene Autor ein.

Leser, die ein Herz für verschrobene Figuren haben, werden ihre Freude an diesem warmherzigen Buch haben. Allein, welchen Bezug der Titel zum Inhalt hat, bleibt fraglich.
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Tom Rachman: Aufstieg und Fall großer Mächte.
dtv, Oktober 2014.
496 Seiten, Gebundene Ausgabe, 21,99.

Dienstag, 21.10.2014

Autor: Andreas Schröter

John Boyne: Haus der Geister

John Boyne: »Haus der Geister«Eine Hommage an die guten alten englischen Schauerromane des 19. Jahrhunderts, die man am besten bei Gaslicht vor dem knisternden Kamin um Halloween herum liest – das ist John Boynes „Haus der Geister“.

London 1867: Als ihr geliebter Vater stirbt, braucht die 21-jährige Lehrerin Eliza Caine Distanz und tritt eine Stelle als Gouvernante in einem einsamen Herrenhaus in Norfolk an. Dort angekommen, stellt sie überrascht fest, dass sich außer den zwei Kindern, für die sie künftig zuständig ist, niemand in dem Haus aufzuhalten scheint. Schon bald muss Eliza eine zweite Feststellung machen: Hier spukt’s – und das nicht zu knapp.

Man könnte dem Buch vorwerfen, dass es nicht sonderlich originell ist. Es kommen all jene Motive vor, die man aus entsprechenden Büchern und Filmen des Genres kennt. Türen und Fenster, die sich nicht mehr öffnen lassen, plötzlich auftretender Wind, unsichtbare Hände, die der Hauptfigur an die Gurgel gehen … Doch auf Originalität ist John Boyne nicht aus. Er will die Atmosphäre der Werke etwa von Charles Dickens, der selbst zu Beginn des Romans einen Kurzauftritt hat, oder Emily Brontë („Sturmhöhe“) heraufbeschwören. Und das gelingt ihm ganz hervorragend – allerdings nicht ohne sich ein paar amüsante Seitenhiebe auf jene Zeit aus heutiger Sicht zu gönnen. So ist Eliza deutlich aufsässiger, als es junge Damen im 19. Jahrhundert sicher zumeist waren, und sie lässt bisweilen emanzipatorisches Gedankengut aufblitzen.

Fans herrlich altmodischer Geistergeschichten sollten dieses Buch lesen. Es ist übrigens überaus erstaunlich, dass John Boyne einen solchen Roman schreibt, ist er doch mit einem Werk aus einem gänzlich anderen Genre berühmt geworden: „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ handelt vom Holocaust.
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John Boyne: Haus der Geister.
Piper, Oktober 2014.
336 Seiten, Taschenbuch, 16,99 Euro.

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Donnerstag, 16.10.2014

Autor: oliverg

#literaturwelt Buchverlosung: Ein Geräusch klopft an die Tür – YouTube

#literaturwelt Buchverlosung: Ein Geräusch klopft an die Tür – YouTube.

Mittwoch, 15.10.2014

Autor: Annette

Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende

Der letzte Wunsch seiner kürzlich verstorbenen Tochter führt den pensionierten CIA-Agenten David Kurtz nach Chile. 30 Jahre sind vergangen, seitdem er dort im Auftrag der “Firma” am Sturz der Regierung Allende mitgewirkt hat. Nun soll er in Santiago die große Liebe seiner Tochter finden. Ein schwieriges Unterfangen, denn Kurtz weiß so gut wie nichts über Victorias Vergangenheit, und die einzigen Wegweiser sind ein verblasstes Foto und die Aufzeichnungen eines Bäckers, die ihm Victoria hinterlassen hat.

Das auf Spanisch verfasste Tagebuch, dass sich Kurtz mühsam erschließt, öffnet seinen Blick für eine völlig gegensätzliches Leben und führt in das damalige Zentrum der Macht, den Präsidentenpalast, und zu Salvador Allende. Es ist die unglaubliche Geschichte eines Bäckers und Jugendfreundes Allendes, dem das Mehl ausgeht und der notgedrungen im Präsidentenpalast als Koch beginnt. Da sich die alte Vertrautheit schnell wieder einstellt, wird der Tangoliebhaber Rufino zu einer Art Seelentröster des Präsidenten, redet mit ihm über die Liebe, das Leben und Gesellschaftsutopien.

Roberto Ampuero erzählt von da an auf zwei Ebenen. Temporeicher ist die Suche des ehemalige CIA-Agenten Kurtz. Er muss alte Kontakte bemühen und reist über Belgien bis nach Leipzig, wo er beinahe ums Leben kommt. Bei seinen Recherchen kommt Kurtz, mit seiner Vergangenheit konfrontiert, letztlich auch bei sich an. Die Suche des Vaters wird immer wieder unterbrochen von den Aufzeichnungen Rufinos, einer Chronik der sich zuspitzenden Staatskrise, die mit dem Putsch gegen die Regierung Allende endet.

Roberto Ampuero, weit gereist und derzeit einer der erfolgreichsten Schriftsteller seines Landes, gewährt einen differenzierten Einblick in die verschiedenen politischen Lager jener Zeit. Einer Zeit, die seine Jugend beschreibt.

Freitag, 10.10.2014

Autor: Andreas Schröter

Thomas Hettche: Pfaueninsel

Thomas Hettche: »Pfaueninsel«Zum engsten Kreis der Anwärter für den Deutschen Buchpreis gehörte auch Thomas Hettche. Sein Roman „Pfaueninsel“ stand auf der Shortlist.

Die Pfaueninsel liegt in der Havel bei Potsdam und war zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Art Paradies und Zufluchtsort für Preußens Könige mit allerlei ausgefallenen Tieren und Pflanzen.

Mit einer sehr poetischen Sprache, die sich zum Teil der altertümlichen Ausdrücke von einst bedient, lässt Hettche die fast märchenhafte Atmosphäre der damaligen Zeit auferstehen.

Obwohl der Autor seine Geschichte aus Sicht des zwergenhaften Schlossfräuleins Marie erzählt, ist der eigentliche Star des Romans nicht sie, sondern die Insel selbst. Das hat zur Folge, dass der Text sich stellenweise in Beschreibungen verliert und beinahe wie ein Sachbuch wirkt. Das – durchaus interessante – Leben des Schlossfräuleins verkommt da leider fast zur Nebensache. Wegen der Sprache trotzdem schön.
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Thomas Hettche: Pfaueninsel.
Kiepenheuer & Witsch, August 2014.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Dienstag, 07.10.2014

Autor: JosefBordat

Vom Altar ins Fernsehen

Prominente Entertainer erzählen, wie die Ministrantenzeit sich auf ihre Karriere ausgewirkt hat und geben Zeugnis von ihrem heutigen (Un-)Glauben

Liturgie ist sicher weit mehr als Inszenierung, aber doch gehört zu einem katholischen Gottesdienst auch die Ästhetik und die Sinnlichkeit, solange sie den sakramentalen Inhalt unterstreichen und sich nicht als Form verselbständigen. Zur Liturgie gehören gleichfalls die Personen, die feste Rollen spielen. Natürlich der Zelebrant, aber auch Lektoren und Ministranten.

Markus Schächter versammelt in seinem Buch „Die Messdiener“ Geschichten prominenter Fernsehstars, die ihre Karriere gewissermaßen am Altar begannen – als Ministranten. Dazu gehören etablierte Größen der Unterhaltung wie Frank Elstner, Thomas Gottschalk oder Jürgen von der Lippe, Sportjournalisten wie Dieter Kürten und Matthias Opdenhövel, Talkshow-Moderatorinnen und -Moderatoren wie Markus Lanz und Anne Will. Auch Günther Jauch, Hape Kerkeling und Guido Cantz gehören zu den ehemaligen Dienern am Alter, deren Biographie auf den Konnex von Kirche und Kunst hin untersucht wird.

Die Idee, diesen Zusammenhang näher zu betrachten, kam dem Verfasser angesichts der Tatsache, dass die Ministranten-Dichte im deutschen Showgeschäft verhältnismäßig hoch ist, und zwar über die Generationen hinweg, von Elstner bis Opdenhövel. Doch die kausale Verbindung von Messe und Medien ist vielleicht nicht ganz so zwingend, die Realität ist fraglos komplexer. Dennoch: Der Ministrant bekommt schon sehr früh ein Gefühl für Inszenierung. Zudem ist die nötige Disziplin, die man sich als Ministrant erarbeitet (man denke an den Dienst in der Frühmesse), später im Beruf sehr hilfreich. Das gilt aber wiederum allgemein, also auch für Berufe, die nicht so öffentlichkeitswirksam ausgeübt werden.

Umgekehrt kann man fragen, was die Medienmacher und Moderatoren aus ihrer Messdienerzeit in den Beruf hinüberretten konnten. Viele der Fernsehgrößen, mit denen Schächter sprach, wiesen auf ein ethisches Grundgerüst hin, das sie sich als junge, engagierte katholische Christen angeeignet hätten und das ihnen vor der Kamera helfe, sich der ethischen Rahmenbedingungen bewusst zu sein. Auch hier darf Skepsis angebracht werden, bieten doch die Sendungen nicht immer medienethischen Anschauungsunterricht. Im Verhältnis zu vergleichbaren Formaten (insbesondere auch im Ausland) kann man aber diese Spuren der im Dienst am Altar und in den „Mini“-Gruppenstunden erworbenen Moralität noch ziemlich deutlich erkennen.

Markus Schächter legt eine etwas andre biographische Annäherung an Prominente vor, deren Ansatz sowohl religions- wie auch mediensoziologisch interessant ist. Die einzelnen Kapitel zu den Größen der deutschen Fernsehunterhaltung zeichnen die sehr unterschiedlichen Karrieren in leichter Sprache nach und lassen dann den Prominenten zu Wort kommen. Im umfangreichen Vorwort (eher eine systematische Einführung) bietet der Verfasser eine Querschnittsuntersuchung zu den aufgewiesenen biographieübergreifenden Zusammenhängen. Wer sich für Leben und Glauben von Gottschalk, Jauch und Co. interessiert, wird diese ungewöhnliche Darstellung mit Gewinn lesen.

Bibliographische Daten:

Markus Schächter: Die Messdiener. Von den Altarstufen zur Showbühne.
Freiburg i. Br.: Herder Verlag, 2014.
192 Seiten, 18,99 EUR.
ISBN-13: 9783451299711

Josef Bordat

Sonntag, 05.10.2014

Autor: Andreas Schröter

Lutz Seiler: Kruso

Lutz Seiler: »Kruso«Lutz Seilers „Kruso“ gilt als einer der Favoriten für den Deutschen Buchpreis 2014, der am 6. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Und in der Tat entwickelt der Text in seinen besten Momenten eine Art magische Anziehungskraft, der man sich schwer entziehen kann. Anderes dagegen ist weniger positiv.

Der Roman ist aus der Sicht des psychisch labilen, selbstmordgefährdeten Germanistik-Studenten Edgar Bendler geschrieben, der im Sommer 1989 von Halle an der Saale nach Hiddensee reist, um den Tod seiner Freundin zu verdauen. Dort findet er in der Gaststätte „Zum Klausner“ eine Anstellung als Abwäscher. Sein charismatischer Mitarbeiter Kruso hat auf der Insel so etwas wie eine Auffangstation für alle Schiffbrüchigen errichtet, womit jene gemeint sind, die auf irgendeine Weise im DDR-Regime angeeckt sind oder das Land verlassen wollen. Zusammen mit den Esskaas der Insel – den Saisonkräften – gewährt er ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit und eine Mahlzeit. Anklänge an religiöse Motive aus dem Christentum (Die Speisung der Fünftausend) sind gewollt. Wenn Kruso mit den anderen Mitarbeitern des Klausners am Personaltisch sitzt, hat das etwas von Jesus und seinen Jüngern beim letzten Abendmahl. Manches erinnert auch an die eingeschworene Gemeinschaft der Lehrlinge in der Zaubermühle von Krabat.

Immer schwingt auch ein ganzer Kanon von Subtext, anderen Bedeutungen und Nebenhandlungssträngen mit, was gelegentlich etwas überladen wirkt und den Fortgang der Handlung zäh werden lässt: So zitieren Ed und Kruso, zwischen denen sich schon bald eine innige Freundschaft mit homoerotischen Anklängen entwickelt, permanent Trakl-Gedichte, während das nicht mehr ausschaltbare Radio namens Viola die unbeachteten Meldungen vom langsamen Untergang der DDR bringt. Präsent sind auch immer die Toten, die vergeblich versucht haben, von Hiddensee nach Dänemark zu schwimmen. In einem Epilog macht sich Edgar Jahre nach diesen Geschehnissen auf den Weg nach Dänemark, um in Archiven etwas über diese Toten zu erfahren.

Als störend erweist sich auf Dauer das jegliche Fehlen von Humor und einer irgendwie gearteten Leichtigkeit. Alles ist schwer, bierernst und durchzogen von einer gewissen Griesgrämigkeit. Weil aus allem, selbst aus dem Abwasch des Geschirrs, Rituale gemacht werden, erinnert die gesamte Konstellation im Klausner bald an eine Sekte. Esskaas, Schiffbrüchige und vor allem Ed folgen ihrem Führer Kruso in einer Art schwer nachvollziehbarem Kadavergehorsam nahezu blind. Überhaupt bleiben dem Leser die Figuren trotz der Fülle des Textes von fast 500 Seiten seltsam fremd und unnahbar. Auch als Identifikationsfigur taugt niemand.

Fazit: ein schwergängiger Text mit starken Momenten.

Auffällig ist einmal mehr die Diskrepanz zwischen den geradezu hymnisch-enthusiastischen Rezensionen in den überregionalen Feuilletons und den viel verhalteneren Lesermeinungen auf Amazon. Ich bin sehr froh, dass es die Amazon-Stimmen als eine Art Gegenkultur gibt.
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Lutz Seiler: Kruso.
Suhrkamp, September 2014.
484 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Donnerstag, 02.10.2014

Autor: Andreas Schröter

Robert Wilson: Ihr findet mich nie

Robert Wilson: »Ihr findet mich nie«Einen soliden, spannenden und stilistisch gut geschriebenen Thriller legt der britische Autor Robert Wilson vor: „Ihr findet mich nie“.

Es handelt sich nach „Stirb für mich“, der im August 2013 in Deutschland erschienen ist, um den zweiten Roman mit dem Spezialisten für hochkarätige Entführungsfälle, Charles Boxer.

Der Fall, mit dem er sich diesmal befassen muss, dringt tief in sein Privatleben ein, denn Boxers eigene Tochter hat beschlossen, den Eltern für immer den Rücken zu kehren und reißt aus. Ihr Abschiedsbrief endet mit den Worten „Ihr findet mich nie“. Fortan tut sie alles, um ihre Spuren zu verwischen. Klar, dass Boxer und seine Ex-Frau Mercy, die ebenfalls Polizistin ist, das nicht auf sich sitzen lassen können.

Schnell kommen ein skrupelloser Drogendealer und sein Team ins Spiel, und für Amy – so heißt das ausreißwillige Früchtchen – scheint die Sache mehr als gefährlich zu werden.

Thrillerfans werden sich nicht ärgern, wenn sie dieses Buch kaufen. Es hat alles, was Romane dieses Genres ausmachen: überraschende Wendungen, viel Action und Gefahr.

Kleines Manko: Die Figuren wirken etwas klischeehaft: Natürlich kommt der Drogendealer aus Kolumbien und natürlich ist er der personifizierte Kotzbrocken. Natürlich sind die beiden Ermittler absolute Meister ihres Fachs, kommen aber mit ihrem Privatleben rein gar nicht zurecht. Letzteres scheint in mindestens 90 Prozent aller heute erscheinenden Krimis und Thriller der Fall zu sein.

Die New York Times hat Robert Wilson als einen der besten Thrillerautoren der Welt gefeiert. Für seinen Roman „Tod in Lissabon“ (in Deutschland 2002 erschienen), erhielt er den Gold Dagger Award und den Deutschen Krimi-Preis.
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Robert Wilson: Ihr findet mich nie.
Page & Turner, September 2014.
480 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Montag, 29.09.2014

Autor: Andreas Schröter

B.J. Novak: Cornflakes mit Johnny Depp

B.J. Novak: »Cornflakes mit Johnny Depp«Der Amerikaner B.J. Novak, geboren 1979, scheint ein Alleskönner zu sein. Er hat nicht nur in den Hollywoodfilmen „Inglourious Basterds“, „Saving Mr. Banks“ und „The Amazing Spider-Man 2“ mitgespielt, sondern schreibt auch noch hervorragende Bücher. Die Geschichten in seiner Sammlung „Cornflakes mit Johnny Depp“ sind oft witzig, meist tiefsinnig, immer lesenswert.

In einer Geschichte wird Elvis Presley erst nach seinem vermeintlichen Tod glücklich. Statt wirklich zu sterben, verdingt er sich fortan als erfolgreiches Elvis-Double. Der Vorteil: Er ist den Druck los, der wirkliche Elvis sein zu müssen.

Oft entwickeln sich die Geschichten anders als erwartet, stecken voller Überraschungen – wie die Story, in der sich eine Clique große Sorgen um ihren Kumpel Willie macht, der durch Alkohol und Drogen immer tiefer zu versumpfen scheint. Am Ende jedoch steht Willie am besten von allen da, während der Rest der Clique wirklich langsam vor die Hunde geht.

Das ganze Buch mit mal längeren, mal ganz kurzen nur eine Seite umfassenden Miniaturen ist geprägt von einem leisen Humor – vergleichbar vielleicht tatsächlich mit dem von Woody Allen, wie ein amerikanischer Kritiker anmerkte.
Immer jedoch schwingt auf einer zweiten Ebene eine tiefere Einsicht mit, über die es sich nachzudenken lohnt. Ein schönes Buch.

B.J. Novak: Cornflakes mit Johnny Depp.
Blumenbar, August 2014.
333 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18 Euro.

Sonntag, 28.09.2014

Autor: Annette

Rosa Ribas & Sabine Hoffmann: Das Flüstern der Stadt

U1_ribas_hofmannBarcelona in den 50iger Jahren. Die junge Journalistin Ana Martí hält sich als freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung “La Vanguardia” mehr schlecht als recht über Wasser. Sie schreibt vor allem über “leichte Themen”, das gesellschaftliche Leben Barcelonas, über Bälle und Banquets. Als ihr die Berichterstattung im Mordfall Sobrerroca angeboten wird, möchte Ana endlich ihr Talent unter Beweis stellen.

Doch sie darf nur kurze Nachrichten verfassen, die erst nach Zensur durch den ermittelnden Polizisten, Inspector Castro, veröffentlicht werden. Den Mord an der bekannten Arztwitwe Mariona Sobrerroca kann die Polizei zwar nicht geheim halten, er soll aber so schnell wie möglich zu den Akten gelegt werden.

Ana beginnt, auf eigene Faust weiter zu ermitteln. Auslöser ihrer Recherchen sind Liebesbriefe, die im Besitz des Mordopfers gefunden werden. Ana schreibt sie wortwörtlich ab und bitte ihre Tante Beatriz um eine Textanalyse. Die alleinstehende Linguistikprofessorin hat wie Anas Vater Berufsverbot.

Ana gelingt es, sie aus ihrer Lethargie zu reißen. Gleichzeitig verdankt sie Beatriz die entscheidenden Hinweise, die zur Lösung des Falls führen. Gemeinsam kommen die beiden Frauen dem Grund für Mariona Sobrerrocas Tod auf die Spur und begeben sich dabei in höchste Gefahr.

Rosa Ribas und Sabine Hoffmann lassen – sehr detailgetreu – eine fast vergessene Zeit wieder lebendig werden. Die beiden Autorinnen setzen dabei durchaus eigene Akzente. Sie zeigen die prekäre Situation alleinstehender Frauen – so wie Ana und Beatriz, die ohne Ehemann oder feste Anstellung besonders angreifbar sind – lassen die beiden aber erstaunlich selbstständig agieren.

“Das Flüstern der Stadt” ist  ein intelligenter Krimi vor bedrückender Kulisse. Im Übrigen eine spanisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion. Die Autorinnen Rosa Ribas und Sabine Hoffmann haben die Kapitel abwechselnd geschrieben. Man merkt es dem fesselnden Buch nicht an, aber vielleicht würde die Sprachwissenschaftlerin Beatriz das anders sehen.

Sonntag, 28.09.2014

Autor: Andrea Brücken

Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur

Die Bedeutung von visuellen Medien in kulturellem und visuellem Kontext ist das Thema der Sammlung “Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur – Band 1”. Es handelt sich um eine Sammlung von Vorträgen an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft “Visuelle Kultur / Bild- und Filmwissenschaft”.

Die Arbeitsgemeinschaft gründete im Jahr 2005, die Sammlung enthält Beiträge aus den Ringvorlesungen der letzten Jahre. Wer jetzt denkt “Brauche ich nicht lesen, das ist nicht mehr aktuell” irrt sich aber in gewisser Hinsicht. Denn die Vorträge enthalten wissenschaftlich fundierte Analysen aus den Disziplinen Film, Literatur und Psychologie, die sich aus verschiedensten Blickwinkeln mit den aktuellen Forschungsfragen zur Visuellen Kultur der letzten Jahre beschäftigen.

Es geht wie gesagt um Forschung und Wissenschaft – und daher auch um dezidierte Teil-Phänomene. Zugleich wird in jedem der Vorlesungs-Protokolle ein Bezug zum Rahmen genereller visueller Kultur-Phänomene hergestellt.

Die Vielfalt der Themen ist inspirierend in jeder Hinsicht. Um nur einige Denk- und Diskussionsansätze zu nennen: da werden die in den Kultur- und Sozialwissenschaften proklamierten “visual, iconic und pictoral turns” einer tiefergehenden Betrachtung unterzogen und der Begriff “Visuelle Kultur” auf bestehende Definitionen hin geprüft.

Dann gibt es Betrachtungen aus der Psychoanalyse zur “unbewussten” Wahrnehmung von Bildern mit einem Exkurs in die Deutung von Traumbildern und den Bezügen zur Kunst.

Es geht zurück zu den Anfängen des Films mit der Ausrichtung auf die Betrachtung des durch Regisseure “zuerst gewählten” Bildes für ihr jeweiliges Werk.

Alfred Hitchcock und Michelangelo Antonini’s Storytelling findet Beachtung, aber auch Fernsehserien wie “Lost” und “tsuschen:power” kommen zum Zuge: erstere unter Betrachtung eines filmisch dargestellten “long con” (eines Täuschungsmanövers seitens eines Betrügers), zweitere mit Blick auf den Aspekt “Ermächtigung” – die in Österreich ausgestrahlte Serie hat zum Ziel, das Thema Migration zu diskutieren.

Spannend auch der Vortrag zur afroamerikanischen Monats-Zeitschrift “ebony” und der visuellen Bildsprache mit Bezug zur Hautfarbe: vier Beiträge aus der Zeitschrift werden untersucht mit Blick auf die Botschaften, die transportiert werden und natürlich grundsätzlich den Umgang mit Rassismus und Ideologie betreffen.

Eine bunte Mischung also, und inzwischen gibt es bereits zwei weitere Bände.

(Andrea Brücken)

 

Jörg Helbig / Arno Russegger / Rainer Winter (Hrsg.)

Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur Band 1
Visuelle Medien

2014, 260 S., 25 Abb., 1 Tab., Broschur, 213 x 142 mm, dt., ISBN: 978-3-86962-060-2

 

Jörg Helbig / Arno Russegger / Rainer Winter (Hrsg.)

Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur Band 2
Visualität, Kultur und Gesellschaft

2014, 212 S., 71 Abb., Broschur, 213 x 142 mm, dt./engl., ISBN: 978-3-86962-093-0

 

Jörg Helbig / Arno Russegger / Rainer Winter (Hrsg.)

Klagenfurter Beiträge zur Visuellen Kultur Band 3
Hegemonie und die Kraft der Bilder

2014, 212 S., 71 Abb., Broschur, 213 x 142 mm, dt./engl., ISBN: 978-3-86962-093-0

 

Montag, 22.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Philip Teir: Winterkrieg

Philip Teir: »Winterkrieg«Weil Finnland in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, erscheinen jetzt einige Bücher von finnischen Autoren auch auf Deutsch. Eines von ihnen ist „Winterkrieg“ von Philip Teir, geboren 1980. Im Mittelpunkt dieses Debütromans, der im gehobenen Akademikermilieu spielt, steht die Ehekrise von Max, einem 60-jährigen Soziologen, und seiner fünf Jahre jüngeren Frau Katriina. Die ohnehin schon belastete Beziehung wird nicht besser, als Max eine Affäre mit einer jungen Journalistin beginnt. Auch im Leben der beiden Töchter Helen und Eva ist nicht alles nur schön. Die eine schlägt sich im Familienalltag mit zwei kleinen Kindern durch, die andere verzweifelt an ihrem Kunststudium in London und verschiedenen Liebhabern.

Das alles liest sich unterhaltsam und psychologisch glaubwürdig und ist keineswegs so trist, wie die Schilderung oben glauben machen könnte. Immer wieder erleben die Mitglieder der Familie Paul auch lichte Momente, und es zeichnen sich Silberstreife am Horizont ab. Politische Themen wie etwa das Aufkommen der Occupy-Bewegung nach der Wirtschaftskrise, werden zwar dezent angerissen, erschlagen aber nie das Hauptthema der Geschichte.

Ein überraschend reifer Roman für einen Autor, der gerade mal 34 Jahre alt ist.
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Philip Teir: Winterkrieg.
Blessing, September 2014.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Montag, 15.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Dana Spiotta: Glorreiche Tage

Dana Spiotta: »Glorreiche Tage«Die US-amerikanische Autorin Dana Spiotta hat einen wunderschönen Roman über die unzertrennlichen Bande der Familie, über den Rock‘n‘Roll und über die Lust an der Phantasie geschrieben, die bisweilen der Realität ein Schnippchen schlagen kann.

Nik schreibt alles über sein Leben als Rockstar auf. Es geht um Platten, die reihenweise Platinstatus und erste Chart-Plätze erreichen, um Konzerte, Fans, Interviews und um Musikrezensenten, von denen ihn manche verehren und einige verdammen. Nik gestaltet aufwendige Plattencover und spielt sogar ganze CD-Zyklen ein.

Problem: Diese Alben erreichen jeweils eine Stückzahl von genau vier Exemplaren, zwei davon gehen an seine Schwester Denise und seine Nichte Ada. Der Erfolg und alles, was damit zusammenhängt, spielt sich ausschließlich in Niks Phantasie ab. In Wahrheit ist er ein Loser am Existenzminimum, der von einem gelegentlichen Job als Barkeeper lebt.

Doch mindert das die Liebe seiner Schwester, aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist? Nein, natürlich nicht. Sie steht bedingungslos zu ihrem Bruder und hilft ihm, wo sie kann, obwohl sie genügend eigene Schwierigkeiten hat.

„Glorreiche Tage“ ist ein sympathischer und warmherziger Roman, in dem viel Wahres steckt. Zugleich ist er eine Hommage an all jene, die den gängigen Erfolgsmustern nicht gerecht werden, sondern ein Leben neben der Spur führen.

Das Buch war 2011 in den USA für den National Book Critics Circle Award nominiert.
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Dana Spiotta: Glorreiche Tage.
Berlin-Verlag, August 2014.
256 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Samstag, 13.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Bridget Golightly & Joan Hardcastle: Bridget und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy

Bridget Golightly & Joan Hardcastle: »Bridget und Joans Tagebuch - Verrückt nach dem Toyboy«Eine Parodie auf Helen Fieldings erfolgreiche – aber seichte – Bridget-Jones-Romane ist im Manhattan-Verlag erschienen: In „Bridget und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy“ schreiben zwei weit über 80-jährige Seniorinnen auf, was sie im Seniorenheim so erleben. Schnell wird deutlich, dass die beiden die Ereignisse vollkommen unterschiedlich bewerten.

Die eine, Bridget, ist eine Nervensäge, die sich für die größte Künstlerin aller Zeiten hält und Alkoholprobleme hat. Sie gibt ihr Geld mit vollen Händen aus und ist auf der Suche nach einem Mann. Damit hat sie eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer Namensgeberin aus den echten Bridget-Jones-Romanen und könnte fast eine Fortschreibung der Figur im Alter sein.

Die andere, Joan, ist nüchtern und vernunftsbetont. Sie bildet das Gegengewicht zu Bridget.

Das Buch, das in seinem Stil und sogar in der Covergestaltung an „Bridget Jones – Verrückt nach ihm“, erschienen bei Goldmann, erinnert, macht Spaß. Und der dürfte sich für Leser, die auch die Vorlage kennen, noch vergrößern.

Klar, eine solche Parodie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, und so reicht es denn auch nach 200 Seiten. Nicht herauszufinden ist übrigens, wer eigentlich der Autor dieses Buches ist. Bridget Golightly – in Anlehnung an die ebenfalls etwas überspannte Heldin aus „Frühstück bei Tiffany“ – und Joan Hardcastle sind es jedenfalls nicht.
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Bridget Golightly & Joan Hardcastle: Bridget und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy.
Manhattan, Juli 2014.
207 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,99.

Freitag, 12.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Bernhard Schlink: Die Frau auf der Treppe

Bernhard Schlink: »Die Frau auf der Treppe«Bernhard Schlink hat das Problem, dass man bei seinem Namen unweigerlich an den „Vorleser“ denkt, jenes grandiose und später verfilmte Werk aus dem Jahre 1995, das man heute schon fast als modernen Klassiker bezeichnen kann.

Man kann gar nicht anders, als alles, was der heute 71-Jährige danach geschrieben hat, mit diesem Werk zu vergleichen. Und diesen Vergleich verlieren eben all diese Bücher.

Das gilt leider auch für seinen neuesten Roman, „Die Frau auf der Treppe“. Alles wirkt ein wenig hölzern, etwas betulich, kopflastig und wenig lebensnah – so als habe der Autor am Reißbrett eine Geschichte entworfen und zu Papier gebracht, die aber mit der Realität nur wehr wenig zu tun hat. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren vorzustellen, versteht nicht recht, wie sie handeln, und kann die große Liebe, die der Ich-Erzähler für die titelgebende Frau empfindet, nicht nachvollziehen.

Die Handlung bildet keine der üblichen Dreiecks-, sondern sogar eine Vierecks-Liebesgeschichte: Gleich drei Männer kämpfen um eine geheimnisvolle Frau. Die Dame ist mit einem reichen Mann verheiratet und lässt sich von einem Maler nackt auf einer Treppe malen. Der Rechtsanwalt und Ich-Erzähler, der den anschließenden Streit zwischen Ehemann und Maler um Frau und Bild schlichten soll, verliebt sich anhand des Bildes ebenfalls in diese Frau, und das vierfache Gefühls-Chaos ist perfekt.

Die Geschichte endet erst 40 Jahre später in einer abgelegenen Bucht, wo die Frau mittlerweile allein lebt und sich sozial engagiert.

Sicher, Bernhard Schlink hat sein schriftstellerisches Handwerkszeug natürlich nicht komplett verlernt. Er hat einen schnörkellosen, gradlinigen Stil, sodass sich auch dieser Roman angenehm und leicht lesen lässt. Und doch bleibt eine gewisse Unzufriedenheit zurück – vor allem, wenn man den „Vorleser“ kennt.
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Bernhard Schlink: Die Frau auf der Treppe.
Diogenes, August 2014.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 21,90 Euro.

Sonntag, 07.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Guillaume Musso: Vielleicht morgen

Guillaume Musso: »Vielleicht morgen«Der französische Autor Guillaume Musso steht ein wenig im Verdacht, allzu zuckersüße Liebesgeschichten zu schreiben – ähnlich wie Cecilia Ahern, Jojo Moyes oder Nicholas Sparks.

Doch wer mit dieser möglicherweise bangen Erwartungshaltung an seinen neuen Roman „Vielleicht morgen“ geht, wird angenehm überrascht.

Das Buch entpuppt sich als durchaus spannender Thriller mit Science-Fiction-Elementen, den man auch dann gut lesen kann, wenn man mit schnulzigen Liebesgeschichten nicht viel am Hut hat.

Liebe gibt‘s natürlich trotzdem: Der attraktive Philosophieprofessor Matthew und die Weinkennerin Emma verlieben sich per E-Mail. Matthew benutzt dafür einen Laptop, den er auf einem Flohmarkt gekauft hat und der mit einem Aufkleber mit Emmas E-Mail-Adresse versehen ist. Doch etwas stimmt mit diesem Laptop nicht – und hier kommt die Science-Fiction ins Spiel …

„Vielleicht morgen“ ist Unterhaltungsliteratur, die man am besten am Strand, im Zug oder zur Entspannung nach einem anstrengenden Tag liest. Wer von Literatur mehr verlangt, wird hier nicht bedient.

Störend sind einige Formulierungsfloskeln, die mittlerweile mehr als ausgelutscht sind („Ihr gefror das Blut in den Adern“). Auch sind die Charaktere recht oberflächlich gezeichnet. Zu denen gehört eine sehr resolute gute Freundin von Matthew, die sich aber in der Liebe nur für Frauen interessiert, und der klischeehafte Computerfreak, der mit seinem Leben nicht zurechtkommt.

Für den Roman spricht ein spannender Handlungsaufbau und einige überraschende Wendungen – nicht immer ist die reine Liebe das, was sie zu sein scheint.

Allein was der Titel und die Coverabbildung bedeuten sollen, bleibt schleierhaft.

Guillaume Musso: Vielleicht morgen.
Pendo, August 2014.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,99 Euro.

Dienstag, 02.09.2014

Autor: Andreas Schröter

Karine Tuil: Die Gierigen

Karine Tuil: »Die Gierigen«Ein richtig gutes Buch kommt aus Frankreich: „Die Gierigen“ von Karine Tuil, einer 1972 geborenen Autorin, die in Paris lebt. Es handelt von der Dreiecksgeschichte um Nina, Samuel und Samir: In Studienzeiten sind die Drei unzertrennliche Freunde. Nina und Samuel sind ein Paar – doch dann beginnt Samir eine leidenschaftliche Affäre mit Nina, und die Freundschaft zerbricht.

20 Jahre später – Nina und Samuel haben sich mittlerweile versöhnt – sehen die beiden Samir im Fernsehen wieder, zu dem sie Jahrzehnte keinen Kontakt hatten: Er ist Staranwalt in New York geworden. Die beiden können sich eines gewissen Neides nicht erwehren, denn sie selbst leben immer noch in Armut.

Weitere Recherchen ergeben, dass Samir, der aus ärmlichsten Verhältnissen stammt, dafür einen teuren Preis zahlen musste: Er verleugnet seine arabischen Wurzeln und gibt Samuels Lebenslauf teilweise als den eigenen aus – bis hin zu seinem Namen, denn Samir lässt die beiden letzten Buchstaben weg, nennt sich Sam und behauptet, das sei die Abkürzung von Samuel. Damit macht er seine Mitmenschen glauben, er sei jüdischer Abstammung.

Karine Tuil ist ein spannender, intensiver, erotischer und vielschichtiger Roman gelungen. Erfolg und Misserfolg wechseln genauso mehrfach die Seiten wie Gut und Böse.

Fragen wie: „Welchen Preis bin ich für den Erfolg bereit zu zahlen“ werden genauso erörtert wie die Regeln der sexuellen Anziehungskraft zwischen Mann und Frau oder das in Frankreich präsente Thema „Unterdrückung von arabischen Migranten“.

Als die Al-Qaida, der Terrorismus und die amerikanischen Verhörmethoden die Bühne betreten, könnte man fast meinen, es werde zu viel, doch auch dieser Abschnitt fügt sich hervorragend ins Gesamtgeschehen ein.

Karine Tuil: Die Gierigen.
Aufbau, August 2014.
479 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

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