Freitag, 29.07.2016

Autor: Andreas Schröter

Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua

Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua«Eine Liebeserklärung an die italienische Hafenstadt Genua ist der Roman des niederländischen Schriftstellers Ilja Leonard Pfeijffer.

In herrlich poetischen Bildern beschreibt der 1968 geborene Autor, wie der Ich-Erzähler in einem Straßencafé sitzt und die Bedienung anhimmelt, die er als schönstes Mädchen von Genua sieht.

Es macht Spaß, ihn dabei zu beobachten, wie er versucht, die junge Dame auf sich aufmerksam zu machen. Gelingt es ihm, die Schönheit zum Rendezvous zu überreden? Doch unser Protagonist studiert auch das übrige Leben in seiner Wahlheimat – und zeigt dabei viel Herz für örtliche Sitten und Gebräuche, wobei er viel Sympathie für Rosenverkäufer, einen Flüchtling aus dem Senegal oder einen mittellosen, aber stadtbekannten Geschichtenerzähler und Trinker entwickelt. Mit Touristen und Geschäftsleuten dagegen kann er weniger anfangen.

Zunächst gibt‘s in diesem Buch nur wenig Handlung. Der Text besteht vielmehr aus Beobachtungen und den philosophischen Gedanken des Protagonisten dazu.
Das ändert sich zeitweise, als Pfeijffer versucht, ein Theater zu kaufen und die dazu notwendige Sponsorin zu beglücken.

Doch „Das schönste Mädchen von Genua“, so heißt dieses Buch, ist nicht nur eine Mischung aus romantischer Verklärung der südlichen Lebensweise und einiger skurriler Geschehnisse, wie es diese Kurzbeschreibung vermuten ließe – das Buch wird zwischenzeitlich sehr ernst, als es um die Erzählung des Senegalesen geht, unter welch menschenunwürdigen Zuständen er nach Genua gekommen ist.

Insgesamt bietet dieser Roman somit ein facettenreiches und unterhaltsames Bild zum Ist-Zustand des Lebens in südeuropäischen Großstädten, wobei er auch die dunklen Seiten – Flüchtlingselend, Prostitution – nicht ausspart. Dem Ende – den letzten 70 oder 80 Seiten – hätte vielleicht eine Kürzung gut getan.
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Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua.
Aufbau Verlag, Juni 2016.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Montag, 25.07.2016

Autor: oliverg

#literaturwelt Video: „Kalte Asche“ von Simon Beckett (sorry für den sound)

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Samstag, 23.07.2016

Autor: Andreas Schröter

P. B. Gronda: Straus Park

P. B. Gronda: Straus Park«Der Roman des flämischen Autors Paul Baeten Gronda, „Straus Park“, fängt etwas schwergängig an. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren wirklich vorzustellen, sie wirken nicht lebendig. Ein steinreicher Playboy namens Amos Grossman gleitet etwas wahllos, so scheint es, von einer Liebesaffäre zur nächsten. Warum er diese oder jene Frau verehrt und dann wieder nicht, bleibt für den Leser wenig nachvollziehbar.Doch wer diese ersten etwas spröden und distanziert wirkenden Seiten übersteht, der wird mit einem Roman entschädigt, der ganz unerwartet einen starken Sog entfaltet. Da entspinnt sich plötzlich eine fast thrillerartig spannende Handlung, die im besetzten Amsterdam in der Nazizeit ihren Anfang nimmt. Die lebenshungrige Jüdin Charlotte Grossman versteckt sich dort mit ihrem Mann Markus bei Verwandten und Freunden, nachdem sie aus Deutschland geflohen ist. Doch dann entdeckt sie ihre Liebe zu einem Nazi und wird zur Verräterin. Mit tödlichen Folgen.

Und mit Folgen für ihre ganz persönliche Zukunft, denn es gelingt ihr, sich wertvolle Kunstschätze zu sichern, die den Grundstein für ihren späteren Reichtum legen sollen.
Als sich rund 70 Jahre später Charlottes Enkel Amos in New York in die Kunsthistorikerin Julie verliebt, wird auch er auf die uralten Geschichten aus düsteren Zeiten gestoßen, denn die faszinierende Julie ist viel mehr als das, was sie vorgibt zu sein …

P. B. Gronda, geboren 1981, der in Belgien und den Niederlanden bereits ein erfolgreicher Autor ist, gelingt in seinem vierten Roman – dem ersten, der auch auf Deutsch erscheint –, eine geschickt konstruierte Geschichte, die mitreißt und über die man noch lange nachdenkt, nachdem man das Buch geschlossen hat.

Und ganz nebenbei erfährt man einiges über das Thema Kunstraub in der Nazi-Zeit und seine Folgen, die bis in die Gegenwart reichen.
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P. B. Gronda: Straus Park.
Luchterhand Literaturverlag, Juni 2016.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,99 Euro.

Sonntag, 17.07.2016

Autor: rwmoos

Literarische Cartoons

Mein Kommentar zum Buch:

RWM

Reinhard W. Moosdorf, Tüchersfeld, Juli 2016

Sonntag, 17.07.2016

Autor: rwmoos

Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder

Statt-Gespräch

– Den neuen Krimi von Bernhard Aichner gelesen?
– Welchen?
– „Interview mit einem Mörder“.
– Habe ich, mein Freund, habe ich.
– Und?
– Was und?
– Hast Du ihn verstanden?
– Habe ich wohl. Sind alles kurze Sätze. Hauptsätze oder Gedankenfetzen. Kaum Nebensätze. Verstehe sogar ich.
– Nein, ich meinte eher so inhaltlich: Das Spiel des Psychopathen, die überraschenden Wendungen?
– Welche überraschenden Wendungen?
– Na, dann eben die nicht überraschenden Wendungen.
– Ach die … Klar, war auch für mich zu verstehen. Könntest Du im Übrigen in Zukunft etwas freundlicher formulieren, dass Du mich für beschränkt hältst?
– Ich arbeite dran.

Die beiden Freunde, der alternde ehemalige Fußballstar und der letzte Totengräber, der noch per Hand schaufelt und nebenberuflich Aichners Krimihelden gibt, stießen miteinander an und süffelten an ihrem Bier. Österreichischer Abkunft. Fade und und ohne jeden Geschmack, wie es österreichische Biere sich nun einmal zu ihrem Markenzeichen erkoren haben

– Das Buch soll demnächst von den Amis verfilmt werden.
– Die nehmen auch alles, die Amis.
– Kuba hatte vorher dankend abgelehnt.

Beide kichern. Sie liebten diese Gespräche, die sie gern als tiefschürfend bezeichnen.

– Wird aber Probleme geben.
– Probleme?
– Na, der einzige Schwarze in dem Buch ist ein kiffender Priester mit einem großen … naja, du weißt schon. Wird zwar positiv dargestellt, aber wenn das nicht blanker Rassismus ist … Da haben die Amis doch derzeit genug mit zu kämpfen.
– Macht nix. Von Österreich lernen heißt derzeit: Siegen lernen.
– Dass der psychopathische Mörder hauptberuflich Deutscher ist, wird in Deutschland auch nicht jedem schmecken.
– Die Deutschen halten das Maul. Die haben uns schon ganz andere Figuren abgenommen.

Wieder kichern beide und geben sich auch fürderhin derartigen Gesprächen hin.

Erst vor Kurzem waren sie von ihren neuen Frauen, einer Journalistin und einer Krankenschwester, wieder verlassen worden. „Ihr werdet nie jemand verstrahlen“, so die Journalistin, „Eure Halbwertzeit ist einfach zu kurz.“ Da war die Krankenschwester mit den im Buch angesammelten Hanfvorräten schon über alle Berge.

Reinhard W. Moosdorf
Tüchersfeld, den 14.07.2016

Donnerstag, 14.07.2016

Autor: Andreas Schröter

Eddie Joyce: Bobby

Eddie Joyce: Bobby«Das Grundthema im Debütromans des US-amerikanischen Autors Eddie Joyce – Trauer – klingt nach einem trübseligen, tieftraurigen Buch.

Doch das ist „Bobby“, so heißt das Werk, gar nicht. Der Roman zeigt vielmehr, wie jeder Familienangehörige mit dem Verlust der Titelfigur fertig wird, der als Feuerwehrmann bei den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York umkam. Und wie das Leben mit all seinen Ärgernissen, kleinen Freuden, Flirts, Partnerschaftsproblemen und dem ganzen Alltagswahnsinn, dem wir alle permanent ausgesetzt sind, trotz allem einfach weitergeht.

Die einzelnen Kapitel sind dabei aus unterschiedlichen Sichtweisen geschrieben. Mutter Gail und Vater Michael kommen genauso zu Wort wie Bobbys Brüder Peter und Franky, der eine erfolgreicher Anwalt mit Eheproblemen, der anderen Alkoholiker mit allen möglichen Problemen.

Heikel wird‘s, als Bobbys Ex-Frau Tina mit einem neuen Lover aufkreuzt. Hält das brüchige Konstrukt der Selbstbeherrschung? Ein schönes Buch!
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Eddie Joyce: Bobby.
DVA, Juni 2016.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Freitag, 08.07.2016

Autor: Andreas Schröter

John Darnielle: Wolf in White Van

John Darnielle: Wolf in White Van«Ein ungewöhnlicher und intensiver Roman ist dem Sänger der US-amerikanischen Band „The Mountain Goats“ gelungen. John Darnielle heißt der Autor, „Wolf in White Van“ sein Roman.

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht eines jungen Mannes, der durch ein zunächst nicht näher beschriebenes Ereignis in der Vergangenheit sein Gesicht verloren hat. Es ist vollkommen entstellt und ruft Entsetzen bei allen hervor, die es erstmals sehen. Deswegen verlässt Sean, so heißt der Mann, kaum seine Wohnung. Von dort aus managt er ein Brief-Fantasyspiel, einem Vorläufer der heutigen Online-Rollenspiele.
Sein einsames, aber einigermaßen geordnetes Leben ändert sich, als zwei Spieler dieses Spiel allzu ernst nehmen und das, was sie dort tun sollen, in die Wirklichkeit übertragen. Mit fatalen Folgen …

Doch „Wolf in White Van“ handelt nicht nur von diesem Fall. Es ist ein Buch, das sich mit fast existenziellen Fragestellungen über den Sinn oder Unsinn, der hinter allem steckt, auseinandersetzt.

Beispiel dafür ist schon der ungewöhnliche Titel. Es soll sich dabei um eine satanische Botschaft handeln, die man hört, wenn man eine Platte des Sängers Larry Norman rückwärts abspielt. Hauptfigur Sean stellt sich im Buch die Fragen: Warum sollte sich der Teufel eine solche Mühe mit seinen Botschaften machen? Warum sagt er nicht direkt, was er will? Und welche Botschaft steckt in „Wolf in White Van“ überhaupt genau? Vielleicht ist das alles ja genauso Unsinn wie vieles andere um uns herum – so ist eine Deutungsmöglichkeit für dieses Buch.

„Wolf in White Van“ ist kein Roman, in den man nach einem anstrengenden Arbeitstag wohlig eintauchen kann, um sich zu entspannen. Man muss sich etwas konzentrieren, aber dafür hallt das Gelesene noch lange nach.
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John Darnielle: Wolf in White Van.
Eichborn Verlag, Mai 2016.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Dienstag, 05.07.2016

Autor: oliverg

„Gegen Vorurteile“ Horaczek/Wiese


Dienstag, 05.07.2016

Autor: Andreas Schröter

Homer Hickam: Albert muss nach Hause

Homer Hickam: Albert muss nach Hause«Einen Unterhaltungsroman im allerbesten Sinne legt der amerikanische Ingenieur und Schriftsteller Homer Hickam, der Jüngere, vor. Er beschreibt die aberwitzige Reise seiner Eltern in den 30er-Jahren mit einem Alligator und einem Hahn von West-Virginia nach Florida.

Weil Homer Hickam, der Ältere, nicht länger mit dem Alligator Albert unter einem Dach leben will, beschließen er und seine widerborstige Frau Elsie, das Tierchen in Florida freizulassen. Ein namenloser Hahn schließt sich dem Unternehmen an.
Doch bis es dazu kommt, haben die Vier jede Menge Abenteuer zu bestehen. Sie fallen in die Hände von Schmugglern, überleben nur knapp einen Tornado, helfen bei einem Filmdreh, treiben hilflos auf dem offenen Meer und treffen auf frühe Gewerkschafter – um nur einiges zu nennen. Doch all ihren vielseitigen Abenteuern ist eines gemeinsam: Immer sind sie humorvoll und so rasant geschrieben, dass man schnell weiter lesen möchte.

Und auch wenn „Albert muss nach Hause“ Unterhaltungsliteratur ist, heißt das keineswegs, dass die Figuren flach gezeichnet wären. Schnell schließt man den ruhigen, liebevollen und hilfsbereiten Homer genauso ins Herz wie seine Frau Elsie, die immer noch von ihrem Ex-Liebhaber Buddie, einem Tänzer, träumt, der ihr einst den geliebten Alligator geschenkt hat, und die nicht weiß, ob Homer wirklich der richtige Ehemann für sie ist.

Und sogar Alligator Albert hat gewisse Charakterzüge: Wenn er sich freut, macht er „Yeah, Yeah, Yeah“ und wenn nicht „No, No No“. Dass dieses Verhalten zumindest nicht hundertprozentig mit dem von real existierenden Alligatoren übereinstimmen dürfte, macht rein gar nichts. Und das gilt selbstverständlich für die gesamte Reise von Homer Hickams Eltern: Wen interessiert es schon, wie wahr das alles ist. Gut erzählt ist es allemal, und allein das zählt bei einem Roman.
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Homer Hickam: Albert muss nach Hause.
HarperCollins, Juni 2016.
528 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,90 Euro.

Donnerstag, 30.06.2016

Autor: Andreas Schröter

Robin Black: Porträt einer Ehe

Robin Black: Porträt einer Ehe«Was macht ein Seitensprung mit einer Ehe? Kann es gelingen, nach einem solchen Vorfall wieder Vertrauen zueinander aufzubauen? Und was passiert, wenn dieses Vertrauen erneut erschüttert wird? Mit solchen Fragen befasst sich der Debütroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Robin Black. „Porträt einer Ehe“ heißt er.

Das Künstlerpaar Augusta „Gus“ und Owen lebt abgeschieden auf einem ländlichen Anwesen. Sie malt, er schreibt. Weil Gus vor Jahren fremdgegangen ist und den Seitensprung gebeichtet hat, liegt jedoch ein Schatten auf der Ehe, den das Paar im Alltag mehr oder weniger erfolgreich zu überspielen versteht.

Die Situation ändert sich, als im Nebenhaus die geschiedene Alison einzieht, die sich ebenfalls als Malerin versucht. Und dann kommt auch noch Tochter deren schöne Tochter Nora zu Besuch …

Robin Blacks Roman, der aus Gus‘ Sicht geschrieben ist, gleitet über weite Strecken ruhig, aber sehr einfühlsam dahin. Robin Black gelingt es, kleinste Gefühlsnuancen und Stimmungen auszuloten und sichtbar zu machen.

Ein – wichtiges – Unterthema dieses Romans, der im englischsprachigen Original auf die Longlist des Flaherty-Dunnan First Novel Prize gekommen ist, ist die Kunst. Inwieweit beeinflusst der Gemütszustand die Kreativität des Künstlers? Gibt es tatsächlich so etwas wie eine Muse?

Der ruhige gefühlsbetonte Erzählfluss dieses Romans ändert sich mit dem überraschenden und sehr drastischen Ende sehr abrupt und unvermittelt. Es will nicht recht zu Stil und Tenor der 300 vorherigen Seiten passen und schmälert den durchaus guten Gesamteindruck ein wenig.

Robin Black lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Philadelphia. Ihre Erzählungen und Essays sind in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht worden, und sie hat Stipendien der Leeway Foundation und der MacDowell Colony erhalten. Heute lehrt sie am Brooklyn College.
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Robin Black: Porträt einer Ehe.
Luchterhand, Mai 2016.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Dienstag, 28.06.2016

Autor: Andreas Schröter

Joann Sfar: Pietrs Reise

Joann Sfar: Pietrs Reise«An dem französischen Mehrspartenkünstler Joann Sfar scheiden sich die Geister. Die einen finden das, was er macht, genial, die anderen halten es für einen unerträglichen Schwachsinn. Und wie wahrscheinlich immer in solchen Fällen, sind die Grenzen hier fließend.

Sfar, geboren 1971, hat seine größten Erfolge als Comicautor. Seit Kurzem jedoch versucht er sich auch als Romanautor. Sein erstes Buch „Der Ewige“ (2015) kam bei den deutschen Kritikern weniger gut an – nun liegt mit „Pietrs Reise“ Roman Nummer zwei vor. Und ähnlich wie in einem Comic driftet die Handlung schrill und atemlos dahin und schlägt einen Looping nach dem anderen.

Ein Beispiel vom Anfang: Weil Pietr sich nicht von seinem toten Vater trennen kann, nimmt er ihn in einem mit Wasser gefüllten Tank mit, in den er zusätzlich Fische gibt. Was er dabei nicht bedenkt: Es handelt sich um fleischfressende Fische, sodass der Vater bald nur noch aus einem Skelett besteht. Den bekümmert das aber nicht weiter. Er schaut sich das Ganze von einer Wolke im Himmel an, während er mit dem Philosophen Spinoza und Gott palavert. Gott übrigens spielt zuweilen lieber Badminton, als sich das Desaster auf der Erde anzusehen.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie das lustig finden wollen. Bei mir wechselten sich lautes Lachen und Kopfschütteln ab. Aber 490 Seiten sind definitiv zu lang für eine solche Art von Literatur. Als Comic hätte es mir vermutlich besser gefallen.
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Joann Sfar: Pietrs Reise.
Eichborn, Mai 2016.
496 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Montag, 27.06.2016

Autor: oliverg

Dale Carnegie:  How to win friends and influence people

Montag, 27.06.2016

Autor: Andreas Schröter

André Kubiczek: Skizze eines Sommers

Saša Stanišic: Fallensteller«Ein luftig-leichter Roman über die Probleme beim Erwachsenwerden ist dem 1969 geborenen Berliner Autor André Kubiczek gelungen. „Skizze eines Sommers“ heißt er – und obwohl er 1985 in der DDR spielt, können sich sicherlich auch Leser mit vielen Situationen identifizieren, die nicht dort aufgewachsen sind.

Es sind Sommerferien, und der gerade 16-jährige René hat sturmfreie Bude, weil sein Vater beruflich für mehrere Wochen Teilnehmer der Friedenskonferenz in Genf ist. Renés Hauptproblem in dieser Zeit ist die Frage, ob er sich bei der Suche nach einer Freundin auf die schöne Bianca, die intellektuelle Rebecca oder ein Mädchen konzentrieren soll, dessen Namen er nicht kennt. Irgendwie haben alle ihren Reiz.

Und dann sind da natürlich auch noch die Freunde Michael, Dirk und Mario, die ihr Recht fordern, die Zigaretten, der Alkohol und die sonntägliche Jugenddisko, in der man gut aussehen muss – und wenn man dafür seine Schuhe schwarz lackieren muss. Und täglich steht erneut die Frage an, ob man die Haare nach links oder nach rechts legen soll.

Sicher, manches in diesem Buch, das in Potsdam spielt, ist typisch DDR – wie die verzweifelte Suche der Freunde nach geeigneter Literatur. Bücher von Baudelaire oder Rimbaud etwa, die die möchtegern-intellektuellen Freunde besonders mögen, waren damals in der DDR schwer zu bekommen.

Bei dem Allermeisten dagegen dürfte die Mehrzahl der Leser denken: Ach ja, genau so war das damals, als ich selbst 16 war.

Auch wenn unter Renés scheinbarer Oberflächlichkeit ein Problem lauert – der Tod seiner Mutter – wird „Skizze eines Sommers“ wohl keinen Preis für besondere Tiefsinnigkeit bekommen. Aber was macht das schon, wenn man dafür ein herrlich entspannendes Büchlein für den Sommer am Strand hat, das sich leicht runterlesen lässt?!
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André Kubiczek: Skizze eines Sommers.
Rowohlt, Mai 2016.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Freitag, 24.06.2016

Autor: oliverg

Matthias Stelzle aus Bersenbrück in Niedersachsen den Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels 2015/16 für sich entschieden

Gratulation und super gelesen:

Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Montag, 20.06.2016

Autor: Andreas Schröter

Saša Stanišic: Fallensteller

Saša Stanišic: Fallensteller«Nach seinen beiden Romanen „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ (2006) und „Vor dem Fest“ (2014) legt der deutschsprachige Autor mit Wurzeln in Bosnien und Herzegowina, Saša Stanišic, nun einen Erzählband vor. „Fallensteller“ heißt er. Und „Fallensteller“ heißt auch die beste und längste Geschichte in diesem Buch. Stanišic kehrt darin nach Fürstenfelde zurück, jenem halbfiktiven Ort aus „Vor dem Fest“. Fürstenwerder in Nord-Brandenburg diente als Vorlage. Und wie im Roman beschreibt der 38-Jährige das dörfliche Geschehen in einem humorvollen und zugleich poetischen Stil. Ihm gelingt dabei das Kunststück, die oft provinziell anmutende Sichtweise der Dorfbewohner zwar aufzuzeigen, die Menschen aber niemals bloßzustellen. Immer schreibt er – so scheint es – mit großer Sympathie für die Landbevölkerung. Zum Beispiel wenn sie sich über die befürchtete Ausbreitung von Wölfen echauffieren.

Auch die Geschichten, in denen Mo irgendwelchen Traumfrauen nachjagt und damit sich und den Ich-Erzähler bei Kunst-Ausstellungen oder Aktivisten-Treffen in skurrile Situationen bringt, sind gelungen – auf sympathische Weise nehmen sie solche Events ein bisschen hoch.

Anderes dagegen wirkt etwas verschroben-sperrig und man hat Schwierigkeiten, diesen Geschichten zu folgen.

Insgesamt aber empfehlenswert.
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Saša Stanišic: Fallensteller.
Luchterhand, Mai 2016.
280 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Mittwoch, 15.06.2016

Autor: rwmoos

Jürgen Rainer Schneider: Das All und Wir

Neues vom Lauterbach-Laubenvogel
oder
Was ist der Gegen-Satz zu Philosophie?

Ich habe mich schon oft gefragt, warum Leute, die in wissenschaftlicher Hinsicht exzellente Denkleistungen vorweisen können, derart luschig mit religiösen Fragestellungen umgehen. So á la: Die Gottesfrage überlasse ich den Theologen. Mit dieser Prämisse kann man dann einerseits an Bosonen forschen, andererseits katholische (oder anderweitige) Frömmigkeiten praktizieren.

In seinem Buch „Das All und Wir“ versucht Jürgen Rainer Schneider eine Philosophie zu entwickeln, die die derzeitigen wissenschaftlichen Errungenschaften einbezieht. Kein leichtes Unterfangen – gewiss. Dennoch bleibt das Ergebnis noch hinter den Erwartungen zurück.

Dies liegt zum Einen daran, dass auch dieser Autor an einer Sehnsucht nach Gott krankt. Allein die Sprache, die ich hier einmal „frömmelnd“ nennen möchte, entlarvt diese verstimmende Absicht bezeiten: Schon im Vorwort auf S. 7 wird die begrenzte Erkenntnisfähigkeit auf das bezogen „was uns OFFENBAR werden kann“. Klar, solche Sprache kann auch metaphorisch gemeint sein und darauf wird sich der Autor auch berufen. Doch die Hartnäckigkeit derartiger sprachlicher Frömmigkeit zieht sich derart penetrant selbst durch rein fachliche Passagen, dass sie nicht mehr entschuldigt werden kann – und auch nicht muss.

Aber auch die Erkenntnismethode an sich scheint anfragbar: Dem Menschen stünden „mit seinem Geist UND SEINEM GEFÜHL zwei wirksame Werkzeuge“ (S. 32 – Hervorhebung von mir) der Erkenntnisfähigkeit, die als solche explizit auch Täuschungen entlarven können, zu Gebote. Bricht sich hier die Philosophie der Spinnstube Bahn, wie man sie aus diversen Feuilletons und Manager-Schulungen in Artikeln wie „Hören Sie auf Ihr Bauch-Gefühl“ kennt, welchselbige auch vernünftig planende Menschen in Wirtschaft und Rest-Kultur immer wieder in die Verzweiflung treibt? Nun kann man natürlich, wie einige Gehirnforscher das tun, mit dem Bauchgefühl lediglich jene Schnell-Entscheidungsfähigkeit umschreiben, die unser Gehirn in anderen Regionen angelegt hat, als die abwägenden Entscheidungen. Es geht dabei um zwei ökonomisch unterschiedlich angelegte Entscheidungsfindungen, NICHT aber um einen Gegensatz von einerseits erkenntnistheoretisch sauber erarbeiteter und andererseits lediglich gefühlter Wahrheiten! Man staunt, dass der Autor solche Studien sogar einarbeitet (S. 241). Aber deren Erkenntnis trifft eben nicht auf seine Definition zu. Denn schon wenige Seiten später (S. 244), in der Zusammenfassung seiner Ansichten, betont der Autor noch einmal die beiden Säulen Geist UND Gefühl (Hervorhebung im Original) als Quellen der Bildung und Erkenntnis. Also eben nicht etwa abwägendes Nachdenken und schnelle Entschlussfassung.
Als Paradebeispiel der so zusammengefügten Erkenntnis mag folgende Sequenz dienen (S. 61): „Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese … Vorgänge [genetischer Weitergabe der Erbinformationen] aus einer Kette von Zufällen sich auf so wunderbare Weise entwickelt haben. Viel naheliegender ist es, dahinter eine planende und gestaltende, nach den Grundsätzen der Vernunft vorgehende Kraft zu vermuten.“ Da meint man doch fast schon einen amerikanischen Erweckungsprediger zu hören.
Das Wesen wissenschaftlicher geistiger Erkenntnis ist aber ihre Nachprüfbarkeit auch für andere. Gefühlte Erkenntnis dagegen wird ihren religiösen Dunstkreis nie ablegen können. An die muss man halt einfach glauben. Man kann es aber auch lassen.

Natürlich weist der Autor selbst jegliche Religiosität verbal von sich und fragt Religion an sich mit wenigen, gelegentlich sogar guten, Argumenten an. Wobei er leichte Schwächen für den Buddhismus nicht ganz zu leugnen vermag.
Letztlich führt er aber Gott, natürlich nicht unter diesem Namen, da dieser schon lang ins Fabelbuch geschrieben ist, hintenherum wieder in die philosophische Denkweise ein, selbige damit auf Null entwertend. Bei ihm heißt Gott in Hegelscher Manier wahlweise „Geist“ oder „Weltgeist“, gern auch „Die Schöpfung“ oder „Kosmische Kraft“. Meint aber alles dasselbe.
Allerdings mit dem Unterschied, dass er dieser Kraft eine Zuwendung zum Menschen abspricht. Theologisch postuliert er damit einen Deus absconditus* – und das ist nun wirklich nichts Neues. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen für die Ethik sind denn auch klassisch – aber dazu später.

Diese gewählte Erkenntnismethode hat System: So nämlich kann man bequem Naturgesetze unter quasi Meta-Gesetze stellen. Die persönliche Metaphysik des Autors erfüllt denn auch die Erwartungen.

Für nichts weniger als das das ganze All stellt er folgende Sätze auf, in die er sein Werk auch aufteilt:
a) Satz vom Wissen: Erkenntnis ist möglich, immer beschränkt, aber auch immer erweiterbar. Diese Erweiterung führt aber (ein Bild Pascals bemühend) wie eine sich vergrößernde Kugel auch zu immer größeren Berührungsflächen mit dem (noch) nicht Erkennbaren.
b) Satz vom Werden: Alles ist aus Nichts geworden. Wobei nicht erkennbar ist, was „Nichts“ war. Als Option sind Parallel-Universen, auch meta-zeitlich versetzte, denkbar.
c) Satz vom Wandel: Variationen zum altbekannten „Panta Rhei“**)
d) Satz vom Gegensatz: Zu allem gibt es ein Gegenteil.
Und e) Satz von der Vielfalt: In Materie, Leben und Kultur gibt es einen Trend, Einfalt in Vielfalt zu diversifizieren.
Dabei hat der Satz vom Gegensatz eine gewisse Grundstellung, auf die die anderen Sätze aufbauen. Der Autor nennt ihn das „geistige Grundgesetz des Universums“.
Noch einmal: Das sind nicht etwa beschreibende Kategorien, mit denen der Autor das Sein zu ordnen versucht. Nein. Für ihn sind es Grund-Sätze, denen sogar die allseits beliebten Naturgesetze sich fügen. Diese sind quasi nur Sub-Gesetze unter jenen vom Autor gefundenen Welt-Regeln.

Es wirkt auf mich fast peinlich, dass einem Philosophen die Grundeinsicht in die sprachliche Willkürlichkeit solcher Sätze offenbar völlig abgeht.
Nehmen wir nur diesen Satz vom Gegensatz und wenden ihn auf das erste vom Autor benutzte Beispiel an: Tag und Nacht. Was Tag ist und was Nacht, sind doch rein vom Menschen festgelegte Kategorien! Und auch Menschen untereinander sind sich darüber nicht einmal ansatzweise einig.
Natürlich gibt es „Tag und Nacht, Hitze und Kälte, groß und klein“ und so weiter, doch sind dies ja keineswegs tatsächliche objektive Gegensätze sondern sprachliche Mittel zu Beschreibung unserer jeweils unmittelbaren Umwelt. Auch stimmt keineswegs, dass dies „nicht zu einer Einheit zusammenführbare Gegebenheiten“ seien. Tag und Nacht sind so auch unter „Tag“ schon subsummierbar, ebenso „Hitze und Kälte“ unter „Temperatur“. Ganz abgesehen von der Relativität der Attribute und deren Übergangsmodalitäten.
Auch für das postulierte Gegensatzpaar „männlich und weiblich“ wären da Bücher an Debatten zu füllen, die der Autor, wie sich reichlich später herausstellt, durchaus zur Kenntnis genommen hat – nämlich da, wo er seinen Satz der Vielfalt ausführt.
Nachdem dann diverse Autoritäten und Mythen zur Begründung der eigenen Meinung ins Feld geführt werden, gibt sich der Autor einem seiner offenbar wichtigsten Punkt hin: Krieg und Frieden als unverzichtbare Bestandteile unserer Existenz zu postulieren. „Die Schöpfung“ verfolgt bei ihm ein Ziel: eine Überbevölkerung der Erde zu vermeiden (deshalb Krieg). Neben Menschlichkeit gibt es Unmenschlichkeit – das wäre dem Satz vom Gegensatz geschuldet (S. 128) Deshalb „schuf die Schöpfung neben dem anständigen Menschen“ auch … den Unanständigen, der „im Verlauf seines Lebens seine Menschlichkeit verliert“ (ebenda).

Diese Beispiele sollen genügen, um klar zu machen, dass auch die davon abhängigen Sätze auf ebenso dünnem Eis havarieren.

Am Schluss versucht der Autor, aus dem Ganzen noch eine Ethik zu zimmern. Auch diese krankt von vornherein an der frömmelnden Sprache: Wird vom Autor zwar klar eine religiös begründete Moral abgelehnt (z.B. S. 235), so muss er sich fragen lassen, wie Wendungen zu verstehen sind wie: „Wir sind aufgefordert …“, dem Menschen sei „auch aufgegeben …“ bzw. „Der Mensch ist dazu aufgerufen …“ Da stellt sich die Frage: Von wem aufgerufen / aufgefordert / aufgegeben? Auch sei dem Menschen „das Vermögen gegeben“ Wiederum: Von wem oder was?
Die Antwort kann lauten: Von Gott (oder einem seiner hundert Namen wie „Schöpfung“ oder „Urkraft des Universums“ oder „Weltgeist“)? Oder, wie so oft wenn sich Menschen entweder auf Gott berufen oder wahlweise ihn auch leugnen, jedenfalls andere Autoritäten ablehnen: Vom Autor höchstselbst. Da die meisten, die sich auf eine Gottheit berufen, diese zu erkennen vorgeben, und ihre Aussagen demzufolge ohnehin als diejenigen Gottes zu verstehen sind, kommt das alles aber ohnehin auf dasselbe hinaus: Aufstellen der eigenen Meinung als absoluter Wahrheit.

Eine atheistische oder besser: eine humanistische Ethik zu entwickeln, wäre dagegen sehr schwierig, ist aber durchaus möglich. Dem Autor kann es schon aufgrund seiner deistischen Tendenzen unmöglich gelingen.

Trotz allem ist es durchaus gewinnbringend, sich durch das Buch durchzuarbeiten. Einmal bedeutet es heutzutage schon einen gewisser Komfort, ein gut lektiertes und kaum Druckfehler enthaltendes Werk in den Händen zu halten. Dazu gibt es hie und da sogar ein wenig sprachliche Brillanz. Mein Lieblingssatz: „Und der Lauterbach-Laubenvogel umwirbt sein Weibchen besonders artig.“ Soweit zur reinen Form.
Allein der große Wissensschatz des Autors nötigt Respekt ab. Noch mehr aber sein Versuch, diese Wissensgebiete in eine Übereinstimmung zu bringen, sie aufeinander zu beziehen. Hin und wieder verliert er sich dabei leider in reine Aufzählungen, deren Systematik-Bestrebungen auch nicht immer sinnvoll sind – am deutlichsten bei dem Versuch, religiöse Vielfalt in eine Art Schott’s Miscallany*** zu bringen. Auch referiert er hier und da gern über Teilgebiete deren Kenntnis sich bei ihm offenbar auf unvollkommen verstandene bzw. noch recht dürftige Wikipedia-Artikel beschränkt. Stellvertretend für viele weitere seien nur mal die Abschnitte über Brechscheren-Gebisse bei Säugetieren und die Eschatologie Jesu im Islam**** erwähnt.
Dafür ist er aber immer up to date, auch was die aktuellen Diskussionen im jeweiligen Fachgebiet betrifft.

Im Ganzen wünscht man dem Autor, sich von seinem idealistischen Ansatz zu verabschieden. Zwar müsste dann sein Buch völlig, aber auch wirklich völlig umgeschrieben werden. Dann aber könnte es ein richtig gutes Buch werden.

*Deus absconditus: der nicht erkennbare Gott (außer mit ein paar Abstrichen natürlich von demjenigen, der gerade dies postuliert)
** „Alles fließt“. Ein Ausspruch, der Heraklit zugeschrieben wird
*** „Schotts Sammelsurium“ sind Listen von Dingen unnötigen Wissens, deren Herausgabe die Bücher des englischen Autors Ben Schott, zu Bestsellern werden ließ.
**** Ein „Brechscherengebiss“ haben bei weitem nicht alle Raubtiere, sondern nur spezielle Knochen-Knacker wie z.B. die Hyänen. Löwen z.B. können Knochen nur punktieren, nicht knacken.
Laut Koran und islamischer Standard-Lehre muss Jesus nicht erst in der Endzeit „zum Islam konvertieren“ da er als Prophet Allahs schon immer den rechten Glauben hatte.

Reinhard W. Moosdorf
Tüchersfeld, den 15.06.2016

Kaufen kann man das Buch hier:
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Mittwoch, 01.06.2016

Autor: rwmoos

Alex Nicol: Maries dunkles Geheimnis

Snack mit Getränk

Der ehemalige Journalist Gwenn Rosmadec verdient nunmehr seinen Lebensunterhalt, indem er Familienbiographien für zahlende Kunden verfasst. Ein interessantes aber eigentlich eher harmloses Unterfangen, wenn … ja wenn man von den vielen dunklen Stellen in den Familien absieht, auf die er immer wieder stößt.
Diesmal von einem kinderlosen, allein stehenden Notar beauftragt, kreuzen sich seine Recherchen mit einem Mord. Und weil er nicht zu recherchieren aufhört, ist bald auch sein Leben und das seiner schönen Frau gefährdet.
Doch immer enger zieht er seine Schlingen, bis er die ganze Geschichte vorlegen kann, die mit mysteriösen Begebenheiten aus den französischen Asien-Abenteuern begann, und nunmehr einer alten Frau im Altersheim keinen ruhigen Lebensabend vergönnt.

Sympathisch geschrieben und kurzweilig zu lesen, ist diese kleine Geschichte aus der Bretagne geeignet, einen Lese-Nachmittag zu füllen, ohne dass man die Zeit als vertan bedauern müsste. Gerade richtig als kleiner Krimi-Snack für Zwischendurch.

Immer wieder scheint bei Nicol die Liebe zur bretonischen Landschaft durch – hier haben auch die Übersetzerinnen ihr Bestes gegeben.

Abzüge gibt es eigentlich nur in der Gestaltung der Höhepunkte, der eigentlich spannendsten Momente. Die werden dermaßen rasch und nahezu schluffig durcherzählt, dass man das Gefühl hat: Hier hat es der Autor eilig. Vielleicht, um sich bald wieder der Poesie seiner geliebten Landschaften und der Menschen darin widmen zu können? Ein wenig schade, aber verkraftbar.
Schwerer wiegt schon, dass eine edle Dame, als die eine gewisse Madame Jolifleur vorgestellt wird, niemals einen falschen Weil-Satz absondern würde.

Und warum muss eigentlich heute in gefühlt jedem zweiten Roman der Held einen guten Tropfen Whiskys zu schätzen wissen? Ob die mittlerweile inflationell ins Kraut schießenden Whisky-Tastings auf dem europäischen Festland so ihre Spuren hinterlassen? Oder haben die schottischen Brennereien ihre Sponsoren-Finger im Krimi-Geschäft? Sie sollten dann auch die korrekte Schreibweise durchsetzen: Was aus Schottland kommt, heißt „Whisky“. „Whiskey“ ist irgendwelche Ami-Jauche!
Aber warum trinken die Helden französischer Krimis keinen Wein? Hat das Weinland Frankreich da nicht was verschlafen? Oder ist das in diesem speziellen Fall nur „breizh’sche“ Opposition gegenüber Paris und Umgebung? Zumindest bretonischer Cidre wird ja wohlwollend erwähnt.

Was also steckt hinter dieser Whisky-Masche? Das wäre doch auch mal ein Recherche-Auftrag für Gwenn Rosmadec.

Tüchersfeld, den 01.06.2016
Reinhard W. Moosdorf

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