Donnerstag, 18.12.2014

Autor: Andreas Schröter

Christopher Isherwood: A Single Man

Christopher Isherwood: A Single Man«Zum Klassiker ist mittlerweile der 1964 erstmals veröffentlichte Roman „A Single Man“ von Christopher Isherwood geworden. Zu diesem Status hat sicherlich auch der gelungene gleichnamige Film aus dem Jahre 2009 von Tom Ford mit Colin Firth in der Hauptrolle beigetragen.

Nun hat der Hoffmann & Campe-Verlag das Werk in einer überaus lesenswerten Neuübersetzung (von Thomas Melle) herausgebracht.

Der homosexuelle George, ein Literaturprofessor, ist einsam und leidet unter dem Tod seines Partners Jim. Der Roman gibt Georges Gedanken an einen einzigen Tag wieder und wirkt dabei äußerst authentisch. So geht er Gewaltphantasien gegenüber seinen spießigen Nachbarn nach, hat Unsicherheiten in einer Vorlesung gegenüber den Studenten und trifft eine langjährige Freundin. Abends begegnet ihm einer seiner Studenten. Und so ist „A Single Man“ auch Homosexuellen-Literatur – aber nicht nur.
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Christopher Isherwood: A Single Man (1964).
Hoffmann & Campe, Oktober 2014.
160 Seiten, gebundene Ausgabe, 18 Euro.

Montag, 15.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell VRML-Praxis gegen ‘Bozzetto’

#videobuchduell VRML-Praxis gegen ‘Bozzetto’ – YouTube.

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Freitag, 12.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Jens Schuhmacher vs. Celia Fremlin

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, die erste Person, die es schafft, bekommt das Buch kostenlos zugeschickt..

via #videobuchduell Jens Schuhmacher vs. Celia Fremlin – YouTube.

Donnerstag, 11.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Jean Paul vs Wikipedia ‘Das Buch’

Die Regeln:

 

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, die erste kommentierende Person gewinnt das Buch.

#videobuchduell Jean Paul vs Wikipedia ‘Das Buch’ – YouTube.

Mittwoch, 10.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Kulinarische Geografie vs. Literatur & Bauernkrieg

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, der/die/das erste Kommentierende bekommt das gewünschte Buch kostenlos zugeschickt.

#videobuchduell Kulinarische Geografie vs. Literatur & Bauernkrieg – YouTube.

Dienstag, 09.12.2014

Autor: Andreas Schröter

Leonie Swann: Dunkelsprung: Vielleicht kein Märchen

Leonie Swann: Dunkelsprung: Vielleicht kein Märchen«Mit ihrem Schafskrimi „Glennkill“ hatte Leonie Swann 2005 einen Mega-Erfolg. Nach „Garou“ (2010) folgt nun ihr dritter Streich: ein Buch mit dem wunderschön mysteriösen Titel „Dunkelsprung“.

Und dafür hat die 1975 geborene deutsche Autorin ganz tief in die Fantasy-Kiste gegriffen. Flöhe, die nach ihrer Auferstehung von den Toten denken können, kommen genauso vor wie eine sonderbare Frau mit Hörnern oder ein Mädchen, das ganz aus Schnecken besteht – um nur einige wenige der sonderbaren Gestalten zu nennen, die dieses Buch bevölkern.

Und genau in diesem Überfluss liegt das Problem: Die Autorin hetzt von einer Skurrilität zur nächsten, ohne dem Leser auch nur eine einzige Atempause zu gönnen.

Statt Faszination entstehen auf diese Weise Oberflächlichkeit und Verwirrung. Der Leser hat weder eine Chance, einen der vielen – durchaus interessanten – Charaktere näher kennenzulernen, noch den Gang der Handlung in Gänze zu erfassen.

Das Buch beginnt mit dem Flohzirkusdirektor Julius Birdwell, der von einer Nixe in der Themse den Auftrag erhält, ihre Schwester zu finden, die offenbar in Gefangenschaft gehalten wird. Die Spur führt zum Kuriositätenkabinett des Magiers Professor Isaac Fawkes.

Doch dann gibt‘s auch einen leicht irren Privatdetektiv, der mit einem wachsenden Drachen unterwegs ist, und eine alte Dame die einen Lieferwagen geklaut hat – kurzum: Der Leser muss viel Geduld und jede Menge an grundsätzlichem Wohlwollen Fantasy-Gestalten gegenüber mitbringen, um bis zum durchaus spannenden Showdown im Kuriositätenkabinett durchzuhalten.

Positiv zu erwähnen ist – neben dem Titel – die aufwendige Machart des Buches und das überaus hilfreiche Namensregister am Anfang.
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Leonie Swann: Dunkelsprung: Vielleicht kein Märchen.
Goldmann, November 2014.
384 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Dienstag, 09.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell: Englische Literatur vs. Könige im Drama

Die Regeln:

 

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, der erste Kommentierende gewinnt das Buch.

#videobuchduell: Englische Literatur vs. Könige im Drama – YouTube.

Montag, 08.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Tom Wolf vs. August Strindberg

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, am 18.12.  wird ausgewertet und das Buch unter den jeweils Wünschenden verlost.

 

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Sonntag, 07.12.2014

Autor: oliverg

#Videobuchduell Arbeitszeugnisse vs. Tschechow

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, der/die erste Kommentierende gewinnt das Buch.

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Samstag, 06.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Netzwerktechnik vs.Harold Robbins

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, die erste Person, die votet, bekommt das Buch kostenlos zugeschickt.

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Freitag, 05.12.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Literatur 1992 vs. Vanessa F. Fogel


#videobuchduell Literatur 1992 vs. Vanessa F. Fogel – YouTube.

Donnerstag, 04.12.2014

Autor: JosefBordat

Teresa von Ávila

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Geht es dabei um Kirchenlehrerinnen und -lehrer, so handelt es sich bei diesen Schatten um Publikationen, die das Großereignis gebührend würdigen sollen. So auch im vorliegenden Fall. Am 28. März 2015 jährt sich der Geburtstag der Kirchenlehrerin Teresa von Ávila zum 500sten Mal. Bereits jetzt erschien eine biographische Arbeit über die Reformatorin des Karmeliterordens im Styria-Verlag (Wien). Geschrieben hat sie der Karmeliterpater Antonio Sagardoy, ein ausgewiesener Teresa-Kenner.

Sagardoy stellt uns die „große Teresa“ als starke Frau in den Stürmen einer bewegten Zeit vor, die mit gravierenden Problemen in der Kirche konfrontiert war, nicht zuletzt auch mit Vorbehalten gegen ihre Person. Er zeigt, wie sich Teresa gegen das damalige Frauenbild in der Kirche behauptet, getragen von der Überzeugung, dass Gottes Geist die Kirche zum Guten führt – auch, wenn es manchmal anders erscheint. Der Untertitel des Buches lautet dementsprechend Trotzdem liebe ich die Kirche. Dem Trotzdem, das auf die zahlreichen Schwierigkeiten verweist, steht die Liebe entgegen, eine Liebe zu Christus, die sich in der Liebe zur Kirche zeigt.

Die Biographie wird mit diesem Ansatz ohne Zweifel ihrem Anspruch gerecht, Teresa als Leitbild für das Verhältnis vieler Katholiken (nicht nur Katholikinnen) zu ihrer Kirche einzuführen. Die Ambivalenz zwischen den allzu menschlichen Erfahrungen und dem Vertrauen in die göttliche Fügung dürfte zumindest einigen kirchennahen Christen wohlbekannt sein.

Dabei ist Teresa keine Revoluzzerin, der es auf mehr „Macht“ angekommen wäre. Ihr geht es um die spirituelle Neuausrichtung, nicht nur des Karmeliterordens, sondern der Kirche insgesamt. Und um die Rolle, die Frauen dabei spielen. Im 16. Jahrhundert galten Frauen als ungeeignet für die meditative Betrachtung. Ihr Beitrag zur christlichen Spiritualität liege allein im äußerlichen Formelgebet, etwa im Rosenkranz. Doch gerade die innerliche Kontemplation erhebt Teresa zum Kern der Frömmigkeit im Karmel.

Mehr noch: „Man gewinnt beim Lesen ihrer Schriften den Eindruck, dass sie zu behaupten wagt, dass die Frauen in der Beziehung zu Gott den Männern nicht nachstehen, sondern dass sie bessere Chancen haben als die Männer“. Heute ist eine solche These längst kein Wagnis mehr, sondern ein vielfach bestätigter religionssoziologischer Befund: Frauen sind spiritueller und religiöser als Männer, kultur- und konfessionsübergreifend. Damals warf man Teresa vor, sich zu den „Alumbrados“ zu rechnen, zu den „Erleuchteten“, eine spirituelle Bewegung in Spanien, die von der Kirche mit Argwohn betrachtet wurde. Wie andere spanische Geistesgrößen des 16. Jahrhunderts, man denke nur an Ignatius von Loyola oder Luis de León, gerät Teresa in den Fokus der Inquisition: „Während ihres Lebens erlebt Teresa zahlreiche Angriffe und falsche Anschuldigungen, nach ihrem Tod gehen diese weiter. […] Die Inquisition verfolgt die ‘Angelegenheit Teresa’ über viele Jahre hinweg“. Schließlich landen die Akten in Rom und der Vatikan prüft die Schriften Teresas erneut. 1607 werden sie „von jedem Makel der Häresie freigesprochen und den Gläubigen als gesunde Lehre empfohlen“. 1614 wird ihre Autorin selig-, 1622 heiliggesprochen. 1970 ernennt Papst Paul VI. Teresa zur Kirchenlehrerin.

Teresa von Ávila war ihrer Zeit voraus. Sagardoy stellt sogar Parallelen zu Teresas Zeitgenossen Martin Luther fest. Beide treten in einen Orden ein, beide zeigen sich dabei großen Mutes, da sie „innere Auseinandersetzungen“ zu bewältigen haben. Beide „wollen Jesus, dem Gekreuzigten, nachfolgen“, beide entdecken im Kloster „die Bedeutung der persönlichen Gemeinschaft mit Gott“. Und: „Teresa und Luther betonen die Notwendigkeit der Erneuerung, die bei der eigenen Person beginnen soll“. Diese Beobachtungen sind hinsichtlich ihrer Relevanz für eine strukturelle Parallele zwischen den beiden Größen der Kirchengeschichte sicher noch zu diskutieren – etwa im Rahmen der Würdigung der 500sten Jährung des Beginns der Reformation (2017).

Bibliographische Daten:

Antonio Sagardoy: Teresa von Ávila. Trotzdem liebe ich die Kirche.
Wien: Styria.
160 Seiten, EUR 14,99.
ISBN-13: 978-3-222-13464-7.

Josef Bordat

Mittwoch, 03.12.2014

Autor: Andreas Schröter

Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt

Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt«Der australische Autor Graeme Simsion hatte im vorigen Jahr auch in Deutschland mit seinem Erstling „Das Rosie-Projekt“ einen Mega-Erfolg.

Die Leser liebten einfach den am Asperger-Syndrom leidenden Professor Don Tillman, der sich in die chaotische Rosie verliebt. Asperger-Patienten sind extrem vernunftgesteuert, haben aber Schwierigkeiten, Emotionen zu erkennen oder selbst zu erleben. Kein Wunder, dass das vor allem in Liebesdingen zu Komplikationen führt. Nun liegt die Fortsetzung vor – „Der Rosie-Effekt“ – und sie ist nicht weniger gelungen als der Vorgänger.

Don und Rosie sind inzwischen verheiratet. Doch als Rosie schwanger wird, reagieren beide vollkommen unterschiedlich auf diese Neuigkeit.

Rosie sehnt sich nach Unterstützung, Don versucht, wie es nun mal seinem Wesen entspricht, Schwangerschaft und Geburt wissenschaftlich akribisch zu begleiten. Schließlich droht die Beziehung der beiden sogar zu zerbrechen, und der Leser darf bis fast zum Schluss gespannt sein, ob es Don gelingt, seine Ehe zu retten oder nicht.

Und dann gibt es auch noch die verschiedenen Probleme von Dons Freunden, um die er sich kümmern muss. Zu allem Überfluss gerät er mit einer übereifrigen Sozialarbeiterin aneinander.

„Der Rosie-Effekt“ ist Unterhaltungs-Literatur im besten Sinne. Das heißt: Das Ganze ist nicht bierernst gemeint, verkommt aber auch nicht in Albernheiten oder Plattitüden. Für das emotionale Ende sollte man Taschentücher bereit halten.

„Das Rosie-Projekt“ wurde auf Anhieb Weltbestseller und in Australien mit dem „Book of the Year“-Preis ausgezeichnet.

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Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt.
Fischer-Krüger, Oktober 2014.
448 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

Sonntag, 30.11.2014

Autor: Andreas Schröter

Alexandre Dumas: Ein Liebesabenteuer

Alexandre Dumas: Ein Liebesabenteuer«Im Schweizer Manesse-Verlag, der auf Klassiker spezialisiert ist, ist erstmals auf Deutsch eine Geschichte von Alexandre Dumas, dem Älteren (1802-1870), aus dem Jahre 1860 erschienen: „Ein Liebesabenteuer“. Dumas („Die drei Musketiere“, „Der Graf von Monte Cristo“) beschreibt darin autobiografisch eine Europa-Reise wenige Jahre zuvor mit einer ungarischen Schauspielerin, die halb so alt ist wie der schon damals berühmte Schriftsteller. Die beiden haben eine platonische Beziehung, auch wenn die Erotik im Hintergrund immer mitknistert.

Eine namenlose Wienerin schließt sich den beiden an, und Dumas erzählt den beiden Frauen während der Reise eine andere ebenfalls autobiografische Begebenheit, die 20 Jahre zurückliegt. Damals hatte er auf einem Schiff während eines Sturms auf See eine Sex-Affäre mit einer Opernsängerin, während ihr Bräutigam am anderen Ende des Schiffes an Seekrankheit litt. Wie eine russische Puppe, die in einer anderen Puppe steckt, entfaltet sich diese Geschichte in der Geschichte.

„Ein Liebesabenteuer“ liest sich locker und leicht, und der Leser erfährt ganz nebenbei einiges über das Europa im 19. Jahrhundert und über das Wesen Alexandre Dumas‘. Der war offenbar eine schillernde Persönlichkeit, die den Frauen und gutem Essen zugetan war. Bescheidenheit scheint dagegen weniger zu seinen Charaktereigenschaften gehört zu haben. So prahlt er permanent mit seinem Wissen über dieses und jenes, und er genießt es sehr, wenn ihn die Menschen auf der Reise erkennen und ihm huldigen.

Das Manesse-Büchlein ist mit 108 sehr hilfreichen Anmerkungen versehen sowie mit einem interessanten Nachwort von Romain Leick.

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Alexandre Dumas: Ein Liebesabenteuer (1860).
Manesse, November 2014.
208 Seiten, gebundene Ausgabe, 19.95 Euro.

Mittwoch, 26.11.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell C.P. Snow vs. Felix Salten (Bambi)

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, am 5.12. wird ausgewertet und das Buch unter den jeweils Wünschenden verlost.

via #Buchduell C.P. Snow vs. Felix Salten Bambi – YouTube.

Dienstag, 25.11.2014

Autor: oliverg

#videobuchduell Theodor Storm vs Wilhelm Busch

Die Regeln:

Beim Video (Youtube!) begründet kommentieren, welches Buch ihr möchtet, am 20.11. wird ausgewertet und das Buch unter den jeweils Wünschenden verlost.

via #videobuchduell Theodor Storm vs Wilhelm Busch – YouTube.

Dienstag, 25.11.2014

Autor: JosefBordat

Sterbehilfe. Debattenbeiträge aus Österreich

Einer aktuellen Umfrage zufolge befürworten weite Teile der Deutschen nicht nur den assistierten Suizid (46 Prozent Zustimmung), sondern auch die aktive Sterbehilfe (37 Prozent Zustimmung), also die Tötung auf Verlangen eines Menschen, der dazu selbst nicht in der Lage ist. Immer weniger scheint das Prinzip zu gelten, ein Mensch solle an der Hand, nicht durch die Hand der Angehörigen sterben, immer stärker scheint die Würde relativ, weil streng an ein Leben ohne Schmerz und Leid gebunden. Die klassische christlich-humanistische Position, die von der unbedingten Würde des Menschen und dem absoluten Wert seines Lebens ausgeht, die Trost und Hilfe kennt, aber auch „Lebenspflicht“ (Kant), scheint heute nicht mehr in Mode. Allenfalls die Katholische Kirche vertritt eine deutlich ablehnende Haltung gegenüber der Sterbehilfe, soweit damit nicht die Hilfe beim, sondern die Hilfe zum Sterben gemeint ist. Doch ihre Auffassung teilt in Deutschland gerade jeder Neunte, obgleich jeder Dritte katholisch ist.

Auch in der Katholischen Kirche gehen also die Meinungen auseinander. Umso wichtiger ist es, sich in Kirche und Gesellschaft intensiv, ernsthaft und in Achtung vor der Sicht des Anderen mit den Fragen von Sterben und Tod, Leben und Leid, Würde und Wunsch auseinanderzusetzen. Orientierende Debattenbeiträge aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Kontexten versammelt der Band Dem Menschen nahe sein, der jetzt im Styria-Verlag erschien.

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Die Herausgeber, der Psychotherapeut Herwig Oberlerchner und der Publizist Gerald Heschl, lassen Mediziner und Philosophen, Juristen und Theologen zu Wort kommen. In analytischen und praktischen Zugängen entsteht so ein aspektenreiches Buch mit wertvollen Ansichten zum Umgang mit Leiden, Würde und Sterben. Zentral ist dabei die Lage in Österreich, sowohl hinsichtlich des geltenden Rechts als auch der gesellschaftlichen Debatte. Die meisten der präsentierten Einsichten sind jedoch universell.

Dass etwa der Wunsch zu sterben, der im Mittelpunkt der aktuellen Debatte um Sterbehilfe steht, im Grunde der Wunsch ist, nicht mehr so weiterleben zu müssen, dass also die vermeintliche Todessehnsucht eigentlich eine Sehnsucht nach Veränderung im Leben ist, zeigt Oberlechner in seinem Beitrag über psychische Erkrankungen und Suizidalität. Zugleich muss der Sterbewunsch als Appell an die Umgebung aufgefasst werden, wie Susanne Zinell betont, vor allem wohl als Schrei nach Wachsamkeit und Wahrnehmung in Richtung der Angehörigen – was für diese nicht leicht ist. Aus der Tatsache, dass wir alle früher oder später in die Lage des mit-leidenden Angehörigen geraten werden, der vom Hilferuf eines leidenden nahestehenden Menschen betroffen und auch belastet ist, speist sich ein Teil der Debattendynamik – und vielleicht auch ein Teil der riesigen Zustimmung zum vermeintlichen „Ausweg“ Sterbehilfe.

Angenehm an den Beiträgen des in Art und Umfang leicht zugänglichen Bandes ist der respektvolle Duktus, mit dem die jeweiligen Standpunkte vorgetragen werden. Johannes Staudachers ethische und spirituelle Gedanken etwa münden in ein klares christliches Bekenntnis zum Leben ein, ohne den Gottesbezug als hinreichend für eine allgemeine Lösung des Konflikts um die Sterbehilfe zu behaupten. Österreichs führende Vereinigungen aus Hospizbewegung und Palliativmedizin positionieren sich in einem abschließenden Statement zwar klar gegen eine gesetzliche Freigabe der aktiven Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) sowie der Beihilfe zum Suizid, sehen darüber hinaus jedoch die Notwendigkeit, die „Grenzen der Leidensfähigkeit“ von Menschen im Einzelfall zu beachten, ohne wiederum zu meinen, daraus allgemeine Regeln ableiten zu können. Als grundsätzliche Alternative zur Aufweichung des Verbots von Sterbehilfe in Österreich fordern sie einen Rechtsanspruch auf Betreuung in den von ihnen vertretenen Einrichtungen, was durch eine entsprechende finanzielle Ausstattung mit Geldern der öffentlichen Hand praktisch ermöglicht werden soll.

Nicht nur in der Auffassung der „Interessenvertretung“ derer, die beim Sterben begleiten (und nicht zum Sterben), sondern auch in den theoretischen Betrachtungen zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Beibehaltung eines Verbots von Sterbe(bei)hilfe. Den 83 Prozent der Deutschen, die das offenbar anders sehen, sei die Lektüre des Bandes nachdrücklich empfohlen.

Bibliographische Daten:

Herwig Oberlerchner / Gerald Heschl: Dem Menschen nahe sein. Vom Umgang mit Leiden, Würde und Sterben.
Wien: Styria.
165 Seiten, EUR 19,99.
ISBN-13: 978-3-222-13483-8.

Josef Bordat

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