Samstag, 27.08.2016

Autor: rwmoos

Federico Axat: Die Verwandlung des Schmetterlings

Meta-Morphoses

Nicht jeder macht in der Pubertät eine Entwicklung durch, die den Vergleich mit der Metamorphose des Schmetterlings nicht zu scheuen braucht.
Federico Axat schildert eine solche Entwicklung – und es ist nicht die Entwicklung eines Helden – eher die eines Feiglings. Gerade deshalb lesenswert.
Eigentlich jeder der Nebenfiguren des Romans ist irgendwie ein Typ – respektive die feminine Entsprechung eines Typen. Der Freund hat‘s einfach drauf. Die Angebetete ist fast so was wie eine Heldin. Der Antagonist mag ein Scheusal sein, aber er ist zweifelsohne ein Alpha-Tier. Der Pflegemutter kann man trotz oder auch wegen ihrer Strenge einen grundsoliden Respekt nicht verwehren und selbst die dauerstänkernde Schwester hat einen Charakter, den man gern näher kennen lernen möchte.
Einzig und allein der „Held“ der Geschichte schwächelt ständig.
Eigentlich – so mag man meinen – keine gute Ausgangssituation für einen Verkaufsschlager. Und dennoch gelingt Federico Axat mit „Die Verwandlung des Schmetterlings“ ein nahezu schlüsselfertiger Roman, der das Zeug zu einem Bestseller hat.

Eine Waise, die mit zahlreichen Sozial-Geschwistern in einer Pflegefamilie aufwächst, verliebt sich in ein Mädchen aus einer ihm nie erreichbar scheinenden Gesellschaftsschicht und begegnet dabei quasi zufällig dem Grund, der seine allein erziehende Mutter tötete.

Wie dieser Junge schließlich der daraus entstehenden Zerreißprobe begegnet – das wird fast beiläufig abgehandelt und hätte doch jeden Erwachsenen auf der nach oben offenen Skala des Erwachsenenseins noch ein gutes Stück nach oben katapultiert.

Vor diesem Hintergrund nimmt man auch ein paar technische Merkwürdigkeiten sowie des Plots als auch der Technik im eigentlichen Sinne hin. Was Letztere anlangt: Wie man eine Baumhausplattform ebenerdig zusammenbaut und sie dann erst per Flaschenzug an einem dicht mit Ästen bewachsenen Baum nach oben zieht, möchte sich nur schwer erschließen. Und dass ausgerechnet ein Ford Pinto im Jahr 1974 verunfallt, ohne in Brand zu geraten, ließt sich für den Auto-Experten wie eine Absolution auf jenes Gefährt und seine Hersteller. War es doch gerade der Pinto, der ob des in ihm experimentell eingebauten ungenügend versteiften Plastiktanks, bei jedem noch so kleinen Unfall gleich als „Pinto-Fackel“ sein Innenleben inklusive und exklusiv auslöschte. Die Hersteller wussten seinerzeit um das Problem, schätzten aber die Kosten für eine Abhilfe geringer ein als die evtl. aufziehenden Prozesskosten. Das juristische Establishment gab ihnen in der Folge Recht. Dass hier im Buch nun statt der Frage nach Produktionsethik in schmetterlingshaftem Schillern eher die dort übliche Frage nach Ehe-Ethik gestellt wird, mag dem amerikanischen Markt entgegenkommen. Gedankliche Lücken füllen dann Aliens oder Alkohol oder beides. Doch auch in den Staaten gab es mutigere und trotzdem erfolgreiche Bücher.

Ansonsten ist dieser sehr gut geschriebene Roman durchaus lesenswert. Lediglich den Schluss möchte man sich straffer gefasst wünschen – da plätschern noch viertelstundenlang diverse Belanglosigkeiten nach, so als ob jemand den Hahn nicht ordentlich zugedreht hätte.

Ein geratenes Buch allemal. Aber auch ein wichtiges Buch?
Nun, das kann ich so leider nicht sagen. Es fehlt jene Katharsis, die einem richtig guten Werk eignet, jene Mitnahme in eine Reinigung, wie sie der Metamorphose immanent ist. Die entsprechenden Passagen werden durch Zeitsprünge inklusive nichtssagender Rückblenden gefüllt.
Schade. Autor und Plot hätten das Zeug zu mehr gehabt.

Reinhard W. Moosdorf
Juli 2016

Dienstag, 23.08.2016

Autor: Ilka Sundermann

Haruki Murakami: 1Q84

In den ersten beiden Bänden der als Trilogie angelegten Geschichte schreibt der japanische Schriftsteller Haruki Murakami in seinem über 1000 Seiten starken Werk über die phantastische Welt von „1Q84“. Die Handlung spielt in der Realität Japans der 80er Jahre und gleichzeitig in der mystischen Welt „1Q84“. Die reale und surreale Welt finden parallel statt. Diese Parallelwelten gekonnt in Szene zu setzen und sie geschickt miteinander zu verweben macht die Erzählkunst Murakamis aus.

Murakami beschreibt in den ersten Kapiteln seines Romans zunächst die Lebenssituation der Protagonisten Aomane und Tengo. Kapitelweise führt er den Leser abwechselnd in Tengos und Aomames Welt ein. Die beiden kannten sich schon als Schüler und haben sich seitdem nicht vergessen. Als Aomame und Tengo zehn Jahre alt waren, hat Aomane in der Schule plötzlich und unerwartet Tengos Hand gehalten und tief in seine Augen gesehen, ein schicksalhafter Moment, der das weitere Leben der beiden bestimmen sollte. Auch wenn sie sich seither nie mehr gesehen haben, hoffen sie, dass sich ihre Lebenslinien irgendwo wieder schneiden werden. In dem Glauben, dass ihr Wunsch in Erfüllung gehen wird, lassen sich beide auf keine partnerschaftlichen Beziehungen ein, sondern suchen nur kurzfristige sexuelle Abenteuer.

Fitnesstrainerin und Auftragskillerin Aomane steigt mitten im Tokioter Berufsverkehr aus einem Taxi, weil sie einen wichtigen Termin nicht verpassen will. Um von der Stadtautobahn zu kommen, nimmt sie eine Rettungstreppe – und gelangt, ohne es zunächst zu merken, in eine Parallelwelt. Erst auf den zweiten Blick nimmt sie kleine Veränderungen wahr. Die Polizisten tragen andere Uniformen, es gab einen Zwischenfall mit einer Sekte, von dem sie bislang noch nichts gehört hatte. Gerade rechtzeitig schafft sie es zu ihrem Termin. In einem Hotel tötet sie einen Mann, der seine Frau bestialisch gequält hat, ohne dass jemand etwas anderes als eine natürliche Todesursache feststellen wird, mit einem winzigen Nadelstich.

Schriftsteller und Mathematiklehrer Tengo erlebt ähnlich Sonderbares, als er den Auftrag annimmt, das verstörende Romandebüt „Die Puppe aus Luft“ der 17-jährigen Fukaeri zu lektorieren. Darin tauchen nicht nur die geisterhaften Wesen „Little People“ auf, sondern auch eine religiöse Sekte mit erschreckend brutalen Riten. Als das Buch ein Riesenerfolg wird, scheint die Geschichte plötzlich Wirklichkeit zu werden.

Tausend Seiten weiter haben sich Aomame und Tengo immer noch nicht gefunden, aber allerlei Bizarres erlebt. Am Ende des Buches steht Aomame wie zu Beginn auf der lauten Stadtautobahn. Am Ende bleibt offen, ob Aomane Selbstmord begangen hat oder über die Treppe zurück in die reale Welt gegangen ist. Viele Fragen bleiben offen. Welche Rolle spielen die ‚Little People‘ in der phantastischen Welt von ‚1Q84‘? Wie und warum gerieten Tengo und Aomane in diese Welt? Gibt es einen Weg zurück und vor allem werden sie einander finden?

Murakamis romantisch-phantastische Liebesgeschichte spielt in einer unheimlichen Welt, die von Gewalt, Verfolgung, Fanatismus und Isolation geprägt ist. Düster und geheimnisvoll und zugleich berührend. Die Darstellung der einzelnen Figuren macht das Werk lesenswert. Wahrscheinlich ist es der Kontrast zwischen der Darstellung der harten und brutalen äußeren Welt, Aomanes und Tengos fragil-sensiblen inneren Welt und die auch für den Leser spürbar gemachten inneren Verbundenheit der Romanhelden, welcher dem Werk seinen ganz besonderen Charme und seine romantische, aber nicht verklärte Aura verleiht.

Haruki Murakami: 1Q84
btb Verlag, Taschenbuchausgabe 2013
12,99 Euro

 

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Dienstag, 23.08.2016

Autor: oliverg

Christian von Aster: „Zombigida – Abendspaziergang am Rande der Apokalypse“ [Gastposting von Patrik Knothe]

Der Kurzroman „Zombigida – Abendspaziergang am Rande der Apokalypse“ von Christian von Aster handelt auf den ersten Blick von vier völlig unterschiedlichen Menschen, die sich mehr oder weniger am Rand der Gesellschaft befinden. Sie sind Diebe, Schwarzmarkthändler und verlorene Träumer. Alle wollen sie von Dresden nach Berlin und kommen schließlich als ungleiche Gruppe in einer Fahrgemeinschaft zusammen. Am Treffpunkt angekommen erregen sie die Aufmerksamkeit der Firma Stagnatex Ltd., die die ganze Gegend mit Kameras überwacht und die Gruppe für ihr soziales Experiment nutzen will. Die von der Firma kontrollierten Polizeibeamten lotsen die Fahrgemeinschaft schließlich in eine Demonstration der Bürgerbewegung „Pegida“, die ebenfalls aus dem Experiment hervorgegangen ist. Es geht um die „Stimulation von Wutspiegelneuronen“ und „Humanlenkmechanismen“, Gruppendynamik und das Verschwinden von Vernunft bei heftigen Emotionen. Die Protagonisten müssen sich nun gegen den Sog der Demonstration wehren, bei der Journalisten und Andersdenkende lebendig gefressen werden …

Beim Titel „Zombigida“ könnte man meinen, es handle sich hier um eine witzige, satirische, ironische oder auch zynische Auseinandersetzung mit der „Pegida“-Bewegung. Dem ist aber nicht so. Die oben genannte Handlung soll vielmehr nur das Gerüst für eine todernste Abrechnung mit den Demonstranten bilden.
Dass der Leser dabei weder erfährt, warum die Firma dieses Experiment durchführt, noch aus welchem Grund die deutsche Exekutive sich an solch einem diabolischen Unterfangen beteiligt, scheint keine Rolle zu spielen … Es geht ums Diskreditieren und Bloßstellen. Die Demonstranten werden, wie es der Titel schon verspricht, als seelenlose Zombies dargestellt. Doch das scheint dem Autor noch nicht genug zu sein. An einer Stelle wird ausdrücklich auf die Swarovski-App einer Mitmarschierenden hingewiesen. Sie sind also nicht nur Zombies, sondern auch noch dekadent! Weiter wird Sachsen mit seinen Bewohnern als „Tal der Ahnungslosen“ und „Tal der Arbeitslosen“ beschimpft. Wenn der Autor dann noch von einem „direktdemokratischen Moloch“ schreibt, fragt man sich endgültig, was diese Hasstirade eigentlich soll und warum jener sich die Mühe gegeben hat, Figuren und eine Handlung dazu zu erfinden.
Dies hätte vielleicht noch Sinn gemacht, wenn man die Geschichten der einzelnen Personen, in denen viel Potential steckt, weiter ausgebaut hätte; oder auch die Machenschaften der Firma. Die Handlung nämlich nimmt – auch aufgrund der weitgehend klaren und flüssigen Sprache – nach der Vorstellung der Hauptcharaktere viel Fahrt auf. Es wird spannend und man freut sich auf einen guten Unterhaltungsroman mit Augenzwinkern. Doch der Leser wird enttäuscht. Gerade einmal gute 70 Seiten lang ist die Geschichte, bei der dann auch noch ein Großteil für die Diffamierung der „Pegida“-Bewegung draufgeht.
Zu allem Überfluss versucht der Autor dann gegen Ende, alles zu relativieren. Es sei ja klar, dass einige Punkte der Demonstranten nicht völlig an den Haaren herbeigezogen wären. Doch vergäßen sie die Argumente der Gegenseite. Was im Übrigen auch bei Letzterer zuweilen der Fall sei.
Von der genannten Gegenseite fehlt in „Zombigida“ jedoch jede Spur. Ob dies nun Naivität, Heuchelei, oder gar Bösartigkeit ist, mag dahingestellt sein …

Die Geschichte funktioniert weder als reine Unterhaltung, die sich nicht ernst nimmt – denn dazu hat der Autor das sensible Thema mit viel zu wenig Humor behandelt –, noch als seriöse Literatur, da hierfür sowohl Tiefe als auch Unvoreingenommenheit fehlen.
Kurz: Eine gnadenlos einseitige Verurteilung, die sich dabei zugleich den Orden der Objektivität anheftet. Ein zutiefst fragwürdiges Werk …
Christian von Aster: Zombigida – Abendspaziergang am Rande der Apokalypse
Tropen Verlag, Juli 2016
74 Seiten, E-Book, 0,99 Euro

Sonntag, 21.08.2016

Autor: Andreas Schröter

Włodzimierz Odojewski: Verdrehte Zeit

Włodzimierz Odojewski: Verdrehte Zeit«Endlich auch auf Deutsch erschienen ist eine kurze, aber interessante Geschichte des polnischen Autors Włodzimierz Odojewski: „Verdrehte Zeit“.

In diesem Kurzroman, der im polnischen Original bereits aus dem Jahre 2002 stammt, wird der Ich-Erzähler in den 60er-Jahren mit einer Episode konfrontiert, die sich 20 Jahre zuvor im besetzen Warschau ereignet hat. Dort war er seinerzeit Mitglied einer Widerstandsgruppe.

Im Treppenhaus seines Wohnhauses übergibt ihm nun eine Frau einen Brief, der genaue Anweisungen für eine geheime Operation gegen die Gestapo enthält. Doch was soll das Ganze? Er hätte diesen Brief damals, nicht 20 Jahre später erhalten müssen. Und wer ist die Frau, die ihn so sehr an das einzige weibliche, aber später von den Deutschen ermordete Mitglied von damals erinnert?

Im Roman Włodzimierz Odojewskis, der 1930 geboren wurde und vor wenigen Wochen starb, vermischen sich die Zeitebenen. Mal ist der Ich-Erzähler in den 60er-, mal in den 40er-Jahren.

Denn obwohl es aus seiner Sicht Unsinn ist, sich jetzt an den Ort der Widerstands-Handlung zu begeben, um die Anweisungen in dem Brief auszuführen, tut der Ich-Erzähler genau das. Mit fatalen Folgen …

Odojewski hat seine Geschichte geschickt konstruiert, und ganz am Ende hält er sogar noch eine ganz dicke Überraschung für den Leser bereit.

„Verdrehte Zeit“ ist ein Roman über Schuld und über die Zeit, die manchmal eben doch nicht alle Wunden heilt.

Aus heutiger Sicht wirkt der Text zwar womöglich stilistisch mit vielen langen Sätzen etwas geschraubt und vielleicht sogar unmodern, ist aber ein ungewöhnliches und deswegen interessantes Miniaturstück Literatur, das durchaus Beachtung verdient.

Wlodzimierz Odojewski: Verdrehte Zeit.
dtv, Juli 2016.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Mittwoch, 17.08.2016

Autor: Andreas Schröter

Alfred Hayes: Alles für ein bisschen Ruhm

Alfred Hayes: Alles für ein bisschen Ruhm«Der Verlag Nagel & Kimche hat sich erfreulicherweise einem Klassiker aus dem Jahre 1958 angenommen und ihn – von Matthias Fienbork – neu übersetzen lassen: „Alles für ein bisschen Ruhm“ von Alfred Hayes (geboren 1911, gestorben 1986).

Darin rettet ein Drehbuchautor in Hollywood eine junge Frau vor dem Ertrinken. Sie ist – wie so viele andere Sternchen – nach Los Angeles gekommen, um ein Filmstar zu werden.

Die beiden beginnen eine Beziehung, doch muss der Mann mehr und mehr erkennen, dass die Frau einen etwas schwierigen Charakter hat, um es vorsichtig auszudrücken.

„Alles für ein bisschen Ruhm“ ist lakonisch knapp und cool erzählt, erinnert vom Stil her ein wenig an die Romane Hemingways. Der kurze Text besticht durch psychologische Genauigkeit und Glaubwürdigkeit und wirft ganz nebenbei ein Licht auf das Leben der Filmschaffenden in Hollywood vor 60 Jahren. Empfehlenswert.
—————-

Alfred Hayes: Alles für ein bisschen Ruhm (1958).
Verlag Nagel & Kimche, Juli 2016.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Samstag, 13.08.2016

Autor: oliverg

Simon Beckett: „Leichenblässe“ und „Verwesung“



Montag, 08.08.2016

Autor: rwmoos

Herbert Noack: Albtraum Jakobsweg

Pilgerfahrt mit Asche auf dem Haupt
statt
Schwarz und Schön

Um die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela, die sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten immer mehr zum Hype entwickelten, hat sich mittlerweile eine Menge Literatur gesammelt. Ein paar Krimis sind auch darunter. Dieses Sparte ist nun mit Herbert Noacks „Albtraum Jakobsweg“ um eine passablen Posten erweitert worden.

Ein reiferes Pilger-Paar macht sich auf, um neue Lebensperspektiven zu erschließen und wird statt dessen – oder zumindest ergänzend – mit Kommerz, Mord und Totschlag konfrontiert. Der Name des Pilgers – Franz – lässt auf eine Wilhelm-Busch-Anspielung hoffen, doch da die Frau nicht Helene heißt, war die Namensfindung wohl eher dem Zufall geschuldet.
Im Hintergrund agieren indes finstere Geheimbünde. Deren Motive freilich können von allen Beteiligten, einschließlich des Lesers, nie so recht erschlossen werden. Eine Rolle spielen zudem die am Jakobsweg aufgereihten Schwarzen Madonnen, deren Verehrung und Ausstrahlung so vielen ein Rätsel ist und bleibt. Auf sie bezieht sich auch der Untertitel „Nigra sum sed formosa“ (Schwarz bin ich, aber schön). Das alles ergibt eine gute Grundkomposition, die einiges verspricht.

Die von den Schwarzen Madonnen ausgehende Faszination klingt dann auch als immer wiederkehrendes Thema an, wobei leider nicht auf die spannende Frage der archetypischen Ursache einer solchen Faszination eingegangen wird. Das wird sich wohl auch nicht ändern, zumindest so lange das vieldeutige hebräische „wa“ einseitig mit dem lateinischen „sed“, also mit „doch“ statt „und“ übersetzt wird, und damit ein Grundempfinden des Schwarzen als des Fremden und damit Abzugrenzenden gelegt bleibt. Zwangsläufig kommt man dann auf Geheimbunds-Thesen, weil man vermittels solcher die Ursachen von Wirkungen besser auslagern kann, als sie im eigenen Hirn mutmaßen zu müssen. Doch damit tauche ich vielleicht schon zu sehr in die Handlungshintergründe selbst ein, die hier besser nicht gespoilert werden sollten.

Gern würde ich das Buch zur Lektüre empfehlen, doch bin ich dabei etwas vorsichtig. Denn eigentlich wollte ich das Werk schon nach dem ersten Viertel zur Seite legen, weil es mir zunächst weder für eine Rezension noch für ein Kommentar geeignet erschien. Doch wie das so ist – hat man erst mal mit dem Autor quasi persönlich Kontakt gehabt, fühlt man sich irgendwie verpflichtet. Und im vorliegenden Fall war das gar nicht mal so schlecht.

Das Buch entwickelt sich nämlich.
Zunächst half es, lediglich das Genre als von mir fehlinterpretiert zu verstehen. Will heißen: Wenn man sich die Erzählung als Kinder-Krimi, mit 14-jährigen Helden vorstellt, kann man es durchaus goutieren. Gefällig geschrieben, ist das Ganze dagegen für einen erwachsenen Leser, der sich auch als solcher behandelt wissen möchte, zunächst zu simpel gestrickt: Die Bösen sind von vorn herein als solche erkennbar. Die Zufälle des Zusammentreffens zu sehr an den Haaren, ach was, schon an der Aura herbeigezogen. Die Charaktere wirken unglaubwürdig, die Dialoge aufgesetzt und die offensichtlichen Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten im Erzählstrang strapazieren die Unbedarftheit des kritischen Leserblicks arg.

Doch mit der Zeit entspinnt sich in dem unkonventionellen Krimi dann doch noch ein mehrschichtig interessanter Handlungskomplex.

So habe ich den zweiten Teil gern und zügig gelesen und ihn sogar spannend gefunden. In diesen Strecken tangiert die Story sogar hie und da die verschwörungstheoretischen Werke eines Dan Brown. Den Unterschied macht allerdings die Entwicklung der Figuren, die hier kaum wahrnehmbar, und wenn doch, dann recht einfältig stattfindet. Mindernd auf das Lesevergnügen wirken zudem die ständigen inhaltlichen Differenzen – so ist einer der augenfälligsten Fehler, dass anfangs drei Puzzle-Teile gesucht werden, um das Haupträtsel zu lösen, dann aber unmerklich und unbegründet vier daraus werden. Und als sich schließlich das große Finale einläutet, scheint es gar, als ob auf den letzten Metern zwei differierende Endfassungen zusammen geschrieben worden sind. Da entkommen – um nur einen Punkt herauszugreifen – auf S. 252 (Paperback-Ausgabe) genau jene mysteriösen Kapuzenmänner final, die dann in der zweiten Fassung auf S. 255 doch größtenteils geschnappt werden. Man möchte das Buch an solchen Stellen dem Autor wohlwollend in die Hand drücken und um stimmigere Neufassung ersuchen. Das Potential dazu hätten sowohl Story als Autor allemal.

Wohltuend wäre dem arg gebeutelten inneren Ohr, wenn dabei auf Unebenheiten in der Sprachfindung verzichtet werden könnte, mit denen sich das Werk immer mal selbst geißelt: Der Singular der Fresken lautet immer noch Fresko. Nur wenn man das Bild explizit beleidigen möchte, sollte man es pejorativ „Freske“ nennen. Eine Komplet dagegen ist ein Stundengebet und auch wenn sie von Mönchen gesungen wird, darf sie ihre feminine Komponente nicht verlieren. Nur wenn sich explizit ein Dativ aufnötigt, sollte man „der Komplet“ schreiben.
Das Präteritum 3. Person Singular von zerbersten lautet zudem auf „zerbarst“ und nicht auf ein eher konjunktives „zerberste“, und wenn man andere Leute fangen will, wird man im Glücksfall „ihrer“ habhaft und nicht „ihnen“.
Gut – solche Schnitzer passieren immer mal. Leider zerstören sie aber regelmäßig jene Blase der Illusion, in die man beim flüssigen Lesen ansonsten einzutauchen gewillt ist.

Tüchersfeld, den 6. August 2016

Sonntag, 07.08.2016

Autor: Andreas Schröter

Edgar Rai: Etwas bleibt immer

Edgar Rai: Etwas bleibt immer«Ein junger Mann mit psychischen Problemen passt auf eine Luxusvilla an der Côte d‘Azur auf. Er leidet unter einer gespalteten Persönlichkeit. Tagsüber ist er der sanftmütige Nicolas, nachts erwacht die aggressive und impulsive Lola in seinem Körper zum Leben. Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Indem er sich durch regelmäßiges Joggen auspowert, hat Nicolas seine Probleme einigermaßen im Griff. Doch dann kündigen sich die Hausbesitzer an. Und sie bringen überaus schwierige Gäste mit. Die Situation eskaliert …

Der Roman des deutschen Schriftstellers und Berliner Buchhändlers Edgar Rai, geboren 1967, ist Drama und Thriller zugleich. Er liest sich locker und leicht, auch wenn es zunächst etwas irritierend wirkt, dass von Nicolas immer in der zweiten Person die Rede ist („Du gehst joggen“). Ein etwas gekünstelt und aufgesetzt wirkender Kunstgriff.

Am Ende gönnt sich Rai noch eine kleine Überraschung, die den Leser schmunzeln lässt.

Insgesamt wohl kein Buch, das in die Literaturgeschichte eingehen dürfte, aber gute Unterhaltung allemal.

Edgar Rai: Etwas bleibt immer.
Berlin Verlag, August 2016.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Donnerstag, 04.08.2016

Autor: rwmoos

Ewald Arenz: Herr Müller, die verrückte Katze und Gott

Abgefahren gen Himmel

Um Bücher über das unendliche Spiel zwischen Gut und Böse zu schreiben, braucht man eine ganze Menge Neugier und Durchhaltevermögen. Schließlich muss man sich in die Feinheiten zumindest einer Religion einarbeiten, um das Ganze einigermaßen plausibel und kundennah daher kommen lassen zu können. Man braucht aber auch – und das halte ich für gar nicht mal so irrelevant – eine ganze Portion Glauben oder Gottvertrauen oder wie auch immer man das nennen will. Denn ohne dieses grundehrliche aber irgendwie auch fromme Hintergrundrauschen funktioniert das Ganze nicht. Dann würde die tiefsinnige Pointe zur schalen Slapstick-Nummer verkommen. Man konnte das schon seinerzeit an der Wirkungsgeschichte von Monty Pythons „Life of Brian“ studieren. Oder an Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Oder an „Dogma“ – jenem köstlichen Treffer eines ansonsten eher glücklos agierenden Regisseurs.
Ewald Arenz hat dieser Literaturgattung nun, geklammert als Totenmesse, ein weiteres Werk hinzugefügt, in dem Nürnberg eine der irdischen Hauptrollen zugeteilt bekam. Neben vielen anderen Franken darf auch ein typologisches Fürther Exemplar mit dem arabisierten Namen Abu al-Wayar (er sollte besser Abu al-Wail heißen) in einer gar nicht mal unwichtigen Nebenrolle mitspielen, wobei wir die ihm zugedachten Eigenschaften hier mal als Weltoffenheit und Findigkeit titulieren möchten. Ein Franke findet ja immer einen Ausweg. Ob aus den Banden der Gesetze, der linguistischen zumal, aus dem Leben oder auch dem Über-Leben. Nur Franken bringen Gott dazu, wenngleich genervt, überhaupt hin und wieder zu erscheinen!
Der Gegenpol zu Abu al-Wayar wäre Pauline, eine Nürnbergerin, die im Laufe der Geschichte zur heimlichen Heiligen der Handynutzer mutiert. Und was die Katze im Titel anlangt – nun dazu muss man seinen Claude Lévi-Strauss hervorholen…

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch ist wunderbar zu lesen. Der Autor sprüht vor Einfällen und gegenseitigen Bezügen, wie es in deutscher Literatur nur selten vorkommt und hat auch seinen jüdisch-christlichen Engels-Pantheon drauf. Die paar Anleihen aus dem islamischen Himmel geraten weniger überzeugend, aber dafür wird der sowohl im Judentum als auch im Islam nicht ganz unbedeutende Azrael regelmäßig und gern in arabischen Lettern eingefügt. Á la: „Diese kleine Verbeugung gilt unseren islamischen Lesern!“

Da im Dunstbereich des Religiösen strenge Logik selten Sinn macht und nur intern, also unter der Voraussetzung der Anerkennung sämtlicher dogmatisch vorgeformter Prämissen, angewandt werden darf, wäre Kritik auch völlig fehl am Platz – so zum Beispiel wenn man monierte, dass, wenn Gott sich als Teil seiner eigenen Schöpfung durch die Erschaffung der Zeit selbst dem Alterungsprozess unterworfen hätte, selbiges dann ja umso mehr für seine Geschöpfe der diversen Ordnungen, also von Luzifer über Uriel bis zu Martin Luther gelten müsse. Oder dass die A6 auch bei diabolischster Fahrweise nicht an Bayreuth vorbei komme.
Derartig fehl geleiteter Krümelkackerei möchten wir hier nicht das Wort reden.

Warum erfreuen wir uns aber nun eigentlich an einem Erzengel, der in Stress-Situationen gerne zu Gin Tonic greift? Nur weil er dem derzeit grassierenden Whisky-Hype zu widerstehen vermag? Wohl eher doch, weil er uns so menschlicher, näher, greifbarer vorkommt. Und so gerät die aus den Fugen geratene Himmels-, Höllen- und Menschenwelt des Ewald Arenz uns so greifbar wie der alltägliche Wahnsinn in einem größeren Unternehmen oder gar einer bürokratischen Institution. Siemensianer wissen, wovon der Autor spricht. Und die Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums sowieso. Bei denen ist Gott ja ohnehin seit Längerem eine Frau, ohne dass dies die Gender-Debatte zu beflügeln vermochte. Der diesbezüglich nachgerade bösartige Seitenhieb des Autors in Form von Dürers weißem Reiter, sei ihm auch aus femininer Sicht gern nachgesehen, schon weil er ihn durch erlogene Schönheit zu kaschieren vermochte. Indes nämlich die Überwältigung der anderen Reiter in oben genannter interner Logik durchaus hinhaut, wäre diese Passage ansonsten ein auch intern logisch eher schwacher Moment im Buch.

Doch ich schweife ab: Warum, so sollte ich statt dessen weiter fragen, brauchen wir, ob alte Griechen oder moderne Schländer, solch menschelndes Pantheon?
Gut, es hält uns erstens einen Spiegel vor. Das hatten wir gerade.
Zweitens entrümpelt es den unsagbaren Kitsch, der seit ein paar Jahrzehnten die Esoterik-Literatur verkleistert. Das tut gut.
Beides zusammen aber übt ebendie Funktion aus, die die ersten Christen in ihren Religions-Gründungs-Überlegungen antrieb: Gott wurde bei ihnen Mensch. Er „entäußerte“ sich. (Ich liebe diese Wortschöpfung von Luther, der selbst leider kein Franke war, aber sowas Ähnliches.) Das feierten die Christen. Das feiern wir. Und so werden solche Bücher für uns zu Weihnachtsgeschenken und ihre Autoren zum wahlweise Heiligen Geist oder Weihnachtsmann.

Die jüdischen Theologen dagegen, die jenen Engels-Pantheon (mit Herrschaften, Gewalten, Seraphim und Cherubim, sowie Engeln und Erzengeln) zwischen -100 und +300 unserer Zeitrechnung entwickelten, arbeiteten in atheistischer Manier eher anders herum: Sie abstrahierten menschliche Denk- und Verhaltensweisen, um sie händelbar zu machen. In Ersterem, also was die Denkweisen anlangt, modernen Informatikern vergleichbar. In Letzterem, also was die Verhaltensweisen anlangt, modernen Psychologen und Verhaltensforschern zumindest streckenweise noch ein paar Nasenlängen voraus.
Damit schufen sie Programme, die denen, die sie zu nutzen vermögen, den Durchblick im Lebensgestrüpp erleichtern sollten, ihnen zumindest einen temporalen Gewinn, einen Vorsprung verschafften. Ihre jüdische Religion sollte dazu so etwas wie den Vorläufer moderner Hardware, also den Rechner, bilden. Dieses Projekt hat nur bedingt geklappt und wurde auch im Christentum, noch eher im Islam nur von wenigen Adepten und oft auch von diesen nur partiell erkannt und modifiziert. So gesehen waren respektive wären Religionen nicht der hirnzerfressende Kitsch, als den ihn heute jeder kennt oder zumindest kennen sollte, sondern Überlebens-Maschinen. Im Grunde völlig glaubensfrei.
Viele Leute benutzen die Ressourcen ihres Rechners nicht als Lebenshilfe, sondern nur für Computerspiele. Das Putzige: Gerade bei den Spielen ahnt man am ehesten etwas von den gewaltigen Kapazitäten dieses Produkts menschlichen Erfindungsgeistes. Allerdings nutzt man diese Kapazitäten dann nicht für die tatsächliche, sondern nur für eine virtuelle Welt, in die man sich … soll ich wirklich sagen „flüchtet“? Wäre es nicht besser, Worte wie „Erholung“ oder „Seelenfrieden“ einzubringen? Vom Paradies, gar vom Schangri-La zu sprechen?
Solange man Kriegsspiele nur auf dem Rechner zockt, mordet man, abgesehen von einigen drohnensteuernden Amis, nicht wirklich. Solange man betet, mordet man, abgesehen von einigen Islamisten, auch nicht. Es gab tatsächlich Leute, die haben biblische Highlights wie Psalm 137 („Wohl dem, der Deine Kinder nimmt und sie gegen einen Felsen schmettert“) deshalb als Friedenspsalm deklariert.
Doch ich schweife schon wieder ab…

Jedenfalls spielt Ewald Arenz mit seinem Buch auf dem Religions-Rechner ein sehr sympathisches Computer-Game. Das macht ihm (und uns) sichtlich Spaß. Und so lernt man seinen Rechner ja zumindest ein wenig kennen.
Und deshalb akzeptieren wir auch die virtuelle Pauline als Heilige aller Nerds. Ihr Attribut? Na, was wohl!

Grenzhammer, den 02. August 2016

Reinhard W. Moosdorf

Sonntag, 31.07.2016

Autor: Andrea Brücken

Storytelling für Unternehmen

Storytelling für Unternehmen

Storytelling für Unternehmen – Mit Geschichten zum Erfolg in Content Marketing, PR, Social Media, Employer Branding und Leadership

 

Die Autorin Miriam Rupp ist Gründerin und Geschäftsführerin von Mashup Communications, einer Berliner Agentur für PR und Storytelling. Im Verlauf der vergangenen neun Jahre hat die Agentur über 200 Kampagnen mit der Methode des Storytellings begleitet.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert: im ersten Teil geht es darum, was eine Geschichte ist und warum die Heldenreise in jeder Geschichte eine große Rolle spielt. Die klassische Geschichtenstruktur nach Aristoteles wird genauso beleuchtet wie Spannungsbögen, der Aufbau und die Auflösung von Konflikten und die Tatsache, dass Geschichten immer mehrere Helden haben können. Je nach geplantem Einsatz können sowohl Kunden als auch Mitarbeiter und das Unternehmen selbst in der Heldenrolle stehen. Neben einem Vergleich mit dem klassischen Marketing werden sieben Standard-Plots erläutert, denen sich die meisten Geschichten zuordnen lassen. Außerdem geht es um verschiedene Archetypen und den Einsatz des Mentors, der den oder die Helden oft begleitet beziehungsweise unterstützt.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Erzählen von Geschichten, denn jedes Unternehmen muss sich vorab überlegen, wie die geplante Story “an den Mann” gebracht wird. Der zentrale Charakter ist eine Figur mit Wiedererkennungswert und kann sowohl fiktional als auch real sein. Eine Herausforderung sind die drei Aufgaben “Hook, Hold und Payoff”: Aufmerksamkeit bekommen, halten und belohnen. Außerdem im Kapitel: was ist Transmedia und wie setzt man es strategisch ein? Schließlich geht es noch um visuelles Storytelling und Storytelling mit Daten.

An dieser Stelle haben wir schon gut 200 Seiten hinter uns: die Kapitel lassen sich je nach Vorwissen und Interessensschwerpunkt einzeln oder chronologisch durchgehen. Zahlreiche schlichte Illustrationen, Listen, Beispiele und Zwischenfragen ermöglichen einen guten Lesefluss und gestalten die komplexen Inhalte auf sehr übersichtliche Weise.

Teil drei behandelt dann die Anlässe für den Einsatz von Storytelling in Unternehmen wie B2B, Technik, Employer Branding und Leadership Branding. Teil vier beinhaltet Hilfestellungen zum Auffinden von Themen. Ergänzend zu den bisherigen Anregungen geht es um Storylistening – was beschäftigt potentiele Zielgruppen überhaupt und es schließen sich einige Checklisten an.

Wer sich mit moderner Marken- und Unternehmenskommunikation on- und offline beschäftigt findet in diesem Buch eine Menge Wissen und Ideen, um das Storytelling auf die eigene Arbeit zu übertragen. Aber auch für die interne Kommunikation in den Feldern Employer Branding und Leadership sind viele Anregungen und Beispiele enthalten.

(Andrea Brücken)
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Storytelling für Unternehmen – Miriam Rupp

mitp-Verlag, 1. Auflage, 2016

288 Seiten, broschiert

ISBN: 9783958452428

Bestellung über den Verlag:

Storytelling für Unternehmen: Mit Geschichten zum Erfolg in Content Marketing, PR, Social Media, Employer Branding und Leadership

 

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Storytelling für Unternehmen: Mit Geschichten zum Erfolg in Content Marketing, PR, Social Media, Employer Branding und Leadership (mitp Business)

 

Freitag, 29.07.2016

Autor: Andreas Schröter

Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua

Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua«Eine Liebeserklärung an die italienische Hafenstadt Genua ist der Roman des niederländischen Schriftstellers Ilja Leonard Pfeijffer.

In herrlich poetischen Bildern beschreibt der 1968 geborene Autor, wie der Ich-Erzähler in einem Straßencafé sitzt und die Bedienung anhimmelt, die er als schönstes Mädchen von Genua sieht.

Es macht Spaß, ihn dabei zu beobachten, wie er versucht, die junge Dame auf sich aufmerksam zu machen. Gelingt es ihm, die Schönheit zum Rendezvous zu überreden? Doch unser Protagonist studiert auch das übrige Leben in seiner Wahlheimat – und zeigt dabei viel Herz für örtliche Sitten und Gebräuche, wobei er viel Sympathie für Rosenverkäufer, einen Flüchtling aus dem Senegal oder einen mittellosen, aber stadtbekannten Geschichtenerzähler und Trinker entwickelt. Mit Touristen und Geschäftsleuten dagegen kann er weniger anfangen.

Zunächst gibt‘s in diesem Buch nur wenig Handlung. Der Text besteht vielmehr aus Beobachtungen und den philosophischen Gedanken des Protagonisten dazu.
Das ändert sich zeitweise, als Pfeijffer versucht, ein Theater zu kaufen und die dazu notwendige Sponsorin zu beglücken.

Doch „Das schönste Mädchen von Genua“, so heißt dieses Buch, ist nicht nur eine Mischung aus romantischer Verklärung der südlichen Lebensweise und einiger skurriler Geschehnisse, wie es diese Kurzbeschreibung vermuten ließe – das Buch wird zwischenzeitlich sehr ernst, als es um die Erzählung des Senegalesen geht, unter welch menschenunwürdigen Zuständen er nach Genua gekommen ist.

Insgesamt bietet dieser Roman somit ein facettenreiches und unterhaltsames Bild zum Ist-Zustand des Lebens in südeuropäischen Großstädten, wobei er auch die dunklen Seiten – Flüchtlingselend, Prostitution – nicht ausspart. Dem Ende – den letzten 70 oder 80 Seiten – hätte vielleicht eine Kürzung gut getan.
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Ilja Leonard Pfeijffer: Das schönste Mädchen von Genua.
Aufbau Verlag, Juni 2016.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Montag, 25.07.2016

Autor: oliverg

#literaturwelt Video: „Kalte Asche“ von Simon Beckett (sorry für den sound)

Samstag, 23.07.2016

Autor: Andreas Schröter

P. B. Gronda: Straus Park

P. B. Gronda: Straus Park«Der Roman des flämischen Autors Paul Baeten Gronda, „Straus Park“, fängt etwas schwergängig an. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren wirklich vorzustellen, sie wirken nicht lebendig. Ein steinreicher Playboy namens Amos Grossman gleitet etwas wahllos, so scheint es, von einer Liebesaffäre zur nächsten. Warum er diese oder jene Frau verehrt und dann wieder nicht, bleibt für den Leser wenig nachvollziehbar.Doch wer diese ersten etwas spröden und distanziert wirkenden Seiten übersteht, der wird mit einem Roman entschädigt, der ganz unerwartet einen starken Sog entfaltet. Da entspinnt sich plötzlich eine fast thrillerartig spannende Handlung, die im besetzten Amsterdam in der Nazizeit ihren Anfang nimmt. Die lebenshungrige Jüdin Charlotte Grossman versteckt sich dort mit ihrem Mann Markus bei Verwandten und Freunden, nachdem sie aus Deutschland geflohen ist. Doch dann entdeckt sie ihre Liebe zu einem Nazi und wird zur Verräterin. Mit tödlichen Folgen.

Und mit Folgen für ihre ganz persönliche Zukunft, denn es gelingt ihr, sich wertvolle Kunstschätze zu sichern, die den Grundstein für ihren späteren Reichtum legen sollen.
Als sich rund 70 Jahre später Charlottes Enkel Amos in New York in die Kunsthistorikerin Julie verliebt, wird auch er auf die uralten Geschichten aus düsteren Zeiten gestoßen, denn die faszinierende Julie ist viel mehr als das, was sie vorgibt zu sein …

P. B. Gronda, geboren 1981, der in Belgien und den Niederlanden bereits ein erfolgreicher Autor ist, gelingt in seinem vierten Roman – dem ersten, der auch auf Deutsch erscheint –, eine geschickt konstruierte Geschichte, die mitreißt und über die man noch lange nachdenkt, nachdem man das Buch geschlossen hat.

Und ganz nebenbei erfährt man einiges über das Thema Kunstraub in der Nazi-Zeit und seine Folgen, die bis in die Gegenwart reichen.
—————————–

P. B. Gronda: Straus Park.
Luchterhand Literaturverlag, Juni 2016.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,99 Euro.

Sonntag, 17.07.2016

Autor: rwmoos

Literarische Cartoons

Mein Kommentar zum Buch:

RWM

Reinhard W. Moosdorf, Tüchersfeld, Juli 2016

Sonntag, 17.07.2016

Autor: rwmoos

Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder

Statt-Gespräch

– Den neuen Krimi von Bernhard Aichner gelesen?
– Welchen?
– „Interview mit einem Mörder“.
– Habe ich, mein Freund, habe ich.
– Und?
– Was und?
– Hast Du ihn verstanden?
– Habe ich wohl. Sind alles kurze Sätze. Hauptsätze oder Gedankenfetzen. Kaum Nebensätze. Verstehe sogar ich.
– Nein, ich meinte eher so inhaltlich: Das Spiel des Psychopathen, die überraschenden Wendungen?
– Welche überraschenden Wendungen?
– Na, dann eben die nicht überraschenden Wendungen.
– Ach die … Klar, war auch für mich zu verstehen. Könntest Du im Übrigen in Zukunft etwas freundlicher formulieren, dass Du mich für beschränkt hältst?
– Ich arbeite dran.

Die beiden Freunde, der alternde ehemalige Fußballstar und der letzte Totengräber, der noch per Hand schaufelt und nebenberuflich Aichners Krimihelden gibt, stießen miteinander an und süffelten an ihrem Bier. Österreichischer Abkunft. Fade und und ohne jeden Geschmack, wie es österreichische Biere sich nun einmal zu ihrem Markenzeichen erkoren haben

– Das Buch soll demnächst von den Amis verfilmt werden.
– Die nehmen auch alles, die Amis.
– Kuba hatte vorher dankend abgelehnt.

Beide kichern. Sie liebten diese Gespräche, die sie gern als tiefschürfend bezeichnen.

– Wird aber Probleme geben.
– Probleme?
– Na, der einzige Schwarze in dem Buch ist ein kiffender Priester mit einem großen … naja, du weißt schon. Wird zwar positiv dargestellt, aber wenn das nicht blanker Rassismus ist … Da haben die Amis doch derzeit genug mit zu kämpfen.
– Macht nix. Von Österreich lernen heißt derzeit: Siegen lernen.
– Dass der psychopathische Mörder hauptberuflich Deutscher ist, wird in Deutschland auch nicht jedem schmecken.
– Die Deutschen halten das Maul. Die haben uns schon ganz andere Figuren abgenommen.

Wieder kichern beide und geben sich auch fürderhin derartigen Gesprächen hin.

Erst vor Kurzem waren sie von ihren neuen Frauen, einer Journalistin und einer Krankenschwester, wieder verlassen worden. „Ihr werdet nie jemand verstrahlen“, so die Journalistin, „Eure Halbwertzeit ist einfach zu kurz.“ Da war die Krankenschwester mit den im Buch angesammelten Hanfvorräten schon über alle Berge.

Reinhard W. Moosdorf
Tüchersfeld, den 14.07.2016

Donnerstag, 14.07.2016

Autor: Andreas Schröter

Eddie Joyce: Bobby

Eddie Joyce: Bobby«Das Grundthema im Debütromans des US-amerikanischen Autors Eddie Joyce – Trauer – klingt nach einem trübseligen, tieftraurigen Buch.

Doch das ist „Bobby“, so heißt das Werk, gar nicht. Der Roman zeigt vielmehr, wie jeder Familienangehörige mit dem Verlust der Titelfigur fertig wird, der als Feuerwehrmann bei den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York umkam. Und wie das Leben mit all seinen Ärgernissen, kleinen Freuden, Flirts, Partnerschaftsproblemen und dem ganzen Alltagswahnsinn, dem wir alle permanent ausgesetzt sind, trotz allem einfach weitergeht.

Die einzelnen Kapitel sind dabei aus unterschiedlichen Sichtweisen geschrieben. Mutter Gail und Vater Michael kommen genauso zu Wort wie Bobbys Brüder Peter und Franky, der eine erfolgreicher Anwalt mit Eheproblemen, der anderen Alkoholiker mit allen möglichen Problemen.

Heikel wird‘s, als Bobbys Ex-Frau Tina mit einem neuen Lover aufkreuzt. Hält das brüchige Konstrukt der Selbstbeherrschung? Ein schönes Buch!
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Eddie Joyce: Bobby.
DVA, Juni 2016.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Freitag, 08.07.2016

Autor: Andreas Schröter

John Darnielle: Wolf in White Van

John Darnielle: Wolf in White Van«Ein ungewöhnlicher und intensiver Roman ist dem Sänger der US-amerikanischen Band „The Mountain Goats“ gelungen. John Darnielle heißt der Autor, „Wolf in White Van“ sein Roman.

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht eines jungen Mannes, der durch ein zunächst nicht näher beschriebenes Ereignis in der Vergangenheit sein Gesicht verloren hat. Es ist vollkommen entstellt und ruft Entsetzen bei allen hervor, die es erstmals sehen. Deswegen verlässt Sean, so heißt der Mann, kaum seine Wohnung. Von dort aus managt er ein Brief-Fantasyspiel, einem Vorläufer der heutigen Online-Rollenspiele.
Sein einsames, aber einigermaßen geordnetes Leben ändert sich, als zwei Spieler dieses Spiel allzu ernst nehmen und das, was sie dort tun sollen, in die Wirklichkeit übertragen. Mit fatalen Folgen …

Doch „Wolf in White Van“ handelt nicht nur von diesem Fall. Es ist ein Buch, das sich mit fast existenziellen Fragestellungen über den Sinn oder Unsinn, der hinter allem steckt, auseinandersetzt.

Beispiel dafür ist schon der ungewöhnliche Titel. Es soll sich dabei um eine satanische Botschaft handeln, die man hört, wenn man eine Platte des Sängers Larry Norman rückwärts abspielt. Hauptfigur Sean stellt sich im Buch die Fragen: Warum sollte sich der Teufel eine solche Mühe mit seinen Botschaften machen? Warum sagt er nicht direkt, was er will? Und welche Botschaft steckt in „Wolf in White Van“ überhaupt genau? Vielleicht ist das alles ja genauso Unsinn wie vieles andere um uns herum – so ist eine Deutungsmöglichkeit für dieses Buch.

„Wolf in White Van“ ist kein Roman, in den man nach einem anstrengenden Arbeitstag wohlig eintauchen kann, um sich zu entspannen. Man muss sich etwas konzentrieren, aber dafür hallt das Gelesene noch lange nach.
——————

John Darnielle: Wolf in White Van.
Eichborn Verlag, Mai 2016.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

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